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Ausgeparkt+Auto gestreift+weggefahren/Fahrerflucht

 Von 
Cologne_Angel
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Ausgeparkt+Auto gestreift+weggefahren/Fahrerflucht

Hallo zusammen,

Ich (28, weiblich) habe heute um ca. 20h wohlmöglich (wie ich im Nachhinein dank der Polizei erfuhr) beim Ausparken ein Auto gestreift und es nicht mitbekommen und bin dann auch ruhigen Gewissens nach Hause gefahren. Plötzlich stand die Polizei vor meiner Tür und teilte mir mit ich hätte eine Fahrerflucht begangen, ich stand zunächst total unter Schock.

Es war eigentlich alles sehr simpel: Es war bereits dunkel ich stieg in das Auto, zündete und fuhr los, dann hörte ich ein leichtes rascheln unterm Auto. Ich fuhr also bis zur nächsten Haltemöglichkeit ( ca. 10m weiter), um zu schauen was das gewesen war. Ich stieg aus und begutachtete zunächst mein Auto, konnte keine Kratzer oder ähnliches feststellen und ging dann aber auch zu meiner vorherigen Parklücke. Da dort nun aber mehrere Parklücken waren, wusste ich nun auch nicht exakt, welche die war, aus der ich herausfuhr, es war ja sehr dunkel und unzählige Parklücken dazwischen, konnte es aber dennoch herableiten ( es ist ein öffentlicher Parkplatz wo ca. 50 PKWs nebeneinander parken können). Ich schaute mir dann den dort stehenden PKW an, ob ich vielleicht irgendetwas am Lack der nebenstehenden Autos beschädigt haben könnte, doch sah ich nichts. Auf dem Boden meiner Parklücke sah ich einen riesigen Ast liegen und da war für mich dann klar, das rascheln muss wohl der Ast gewesen sein und wollte dann also auch ruhigen Gewissens wieder zurück ins Auto, bis sich ein älteres Ehepaar näherte (nicht die Wagenbesitzer, sondern willkürliche Spaziergänger) die gingen dann zu einem Auto das neben dem Auto stand, welches ich begutachtete ob es Kratzer hatte und ich fragte mich, warum sie denn das Auto an der Stoßstange anfassen, da ging ich dann aus Neugier auch hinterher und dann meinte der Herr " das sieht aber schlimm aus"... dann bestätigte ich es und sagte ja stimmt sieht zerkratzt aus, bis ich dann verstand, es sollte wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl sein und, dass die Herrschaften davon ausgingen, dass ich die Kratzer verursacht hatte. Für mich war das aber alles seltsam, weil in die Lücke neben diesem besagten Auto, wo die Herrschften dran waren, hätte mein Auto gar nicht hinein gepasst, also ging ich davon aus, dass ich das gar nicht gewesen sein kann und nach wie vor der Ast für mein rascheln unterm Auto zuständig war (zumal das rascheln auch nicht von der Seite auf Höhe einer eventuellen Stoßstange kam, sondern, wie ich es empfand, von unten).

Ich notierte mir aber dennoch vorsichtshalber das Kennzeichen des Autos und das Modell und wollte morgen früh nochmal vorbeischauen, um es mir am helllichten Tag nochmal anzuschauen (dort parken nur Leute, die auch dort wohnen, daher weiß ich, dass das Auto immer dort parkt und im nachhinein stellte sich dies auch durch die Polizisten heraus). Daraus wurde aber nichts, weil dieses Pärchen einfach mal hinter meinem Rücken die Polizei rief, mein Kennzeichen und mein Auto durchgab und somit wurde ich direkt von der Polizei aufgesucht, ich hatte nicht einmal die Möglichkeit es mir morgen anzuschauen, da ich auch eigentlich ziemlich sicher war, dass ich gar nichts damit zu tun hatte, und diese Kratzer von jemand anderem stammten ( wie gesagt der Ast war für mich der Grund des Raschelns).

Ich bin dann auch direkt mit auf die Polizeiwache, um mein Auto zu zeigen, und dort sah ich dann auch mit der Taschenlampe der Polizistin einen minimalen Kratzer (5 cm) aber wirklich nicht sonderlich spektakulär....und auch Bilder des anderen Wagens, die mir die Polizei zeigte, auch mit kleinen Kratzern an der Stoßstange versehen. Also für mich war es ziemlich eindeutig, dass ich diese Kratzer wirklich verursacht haben muss, weil es einfach alles passte und einen Sinn ergab, die Höhe der Kratzer usw.

Jetzt ist es aber offiziell so, dass ich tatsächlich eine Fahrerflucht begangen habe ohne es zu wissen. Aber Unwissenheit schütz ja nicht vor Strafe, nur leider war es so. Nur dies kann ich gar nicht beweisen und ich denke es bringt auch überhaupt nichts, denn Juristen interessieren nur die Fakten und Fakt ist, es sieht ganz genau so aus, als hätte ich diese Kratzer verursacht, ich weiss nur, dass ich ruhigen Gewissens wieder nach Hause fuhr und die Sache mit dem Ast und dem Rascheln für mich klar war. Aber das ist ja kein plausibles Argument, sowas glaubt einem doch kein Mensch, nur war es leider genau so.

Seit 10 Jahren habe ich meinen Führerschein und habe noch NIE einen Unfall verursacht und war noch nie in einem verwickelt. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass man bei so etwas die Polizei rufen sollte, aber ich war mir in dem Moment keiner Schuld bewusst, da ich einfach nirgendswo Schäden feststellen konnte (wahrscheinlich eben aufgrund der Dunkelheit). Ausserdem ist es doch selbstverständlich, dass ich keine Fahrerflucht begehe, wenn ich doch ganz deutlich 2 Zeugen sehe, mit denen ich mich auch nett unterhalten habe, diese genug Zeit hatten sich mein Auto und mein Kennzeichen zu notieren, wer da noch flieht muss ja nicht alle Latten am Zaun haben. Aber tatsächlich rein gesetzlich habe ich nunmal diese Fahrerflucht unwissentlich begangen, leider.

Jetzt wird mir doch sicherlich der Führerschein entzogen und wenn nicht, muss ich eine sicherlich sehr hohe Geldstrafe zahlen. Wie hoch könnte diese in meinem Fall sein?
Ich hatte überlegt, morgen Früh, bei dem Wagenbesitzer zu klingeln und ihm die Situation zu erklären, damit er nicht denkt, ich wäre einfach davongefahren, ich denke, da wird er sich sicherlich auch drüber freuen, aber ich weiss nicht, ob das so angebracht ist, denn sein Auto war, wie die Polizei sagte ein Neuwagen.Nicht, dass er da komplett ausrastet.

Meine Fragen:
1) wie hoch könnte die Bußgeldstrafe sein?
2) soll ich zu dem Wagenbesitzer, um kurz zu schildern wie es war und vielleicht nimmt er die Anzeige zurück?! Vorausgesetzt er hat mich angezeigt? Hat er das? Ich weiss garnicht wie so etwas von statten geht.....
3) wie hoch können die Reparaturkosten sein und zahle ich das alles oder die Versicherung? In meinem Vertrag steht: KFZ Haftpflicht, Vollkasko mit 300 Euro Selbstbeteiligung inkl Teilkaso 150 Euro Selbstbeteiligung mit Sparkasko. Wenn ja, wieviel erwartet mich da bei Kratzern an der Stoßstange des anderen?

Über eine Antwort würde ich mich wirklich sehr freuen!!! Herzlichen Dank!!



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Fahrerflucht Polizei Anzeige ausparken


3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
reckoner
Status:
Richter
(8644 Beiträge, 3456x hilfreich)

Hallo,

ich würde unbedingt einen Anwalt hinzuziehen, und vorher keine Aussagen machen (sowohl gegenüber der Polizei - dürfte aber schon zu spät sein, befürchte ich -, als auch gegenüber der Versicherung).

quote:
Da dort nun aber mehrere Parklücken waren, wusste ich nun auch nicht exakt, welche die war, aus der ich herausfuhr,
So einen Unsinn solltest du lieber nicht erzählen, das glaubt dir niemand. Oder es waren nicht 10m, sondern doch 100m?

quote:
weil in die Lücke neben diesem besagten Auto, wo die Herrschften dran waren, hätte mein Auto gar nicht hinein gepasst,
Wenn das so war, dann kannst du es ja gar nicht gewesen sein. Und die Polizei wird bei der Unfallaufnahme sicherlich Fotos gemacht haben, darauf dürfte dann die zu kleine Parklücke auch zu sehen sein (ich gehe mal davon aus, dass in den paar Minuten keines der anderen Autos weggefahren ist).
Aber warum passen dann die Beschädigungen an deinem Auto so genau zu den an dem anderen?

quote:
Aber Unwissenheit schütz ja nicht vor Strafe,
Nein. Erstens stimmt das nicht (der Satz passt nicht in diesen Zusammenhang - ein Gesetz oder auch ein Verbot gilt auch bei Unwissenheit, daher stammt diese Redewendung -, Fahrerflucht hingegen ist aber nur gegeben, wenn man den Unfall auch bemerkt hat). Aber zweitens warst du ja nicht unwissend, schließlich bist du ja extra ausgestiegen und hast nach der Ursache des "rascheln" gesucht. Da kannst du jetzt nicht mehr sagen "ich habe den Unfall gar nicht bemerkt".

quote:
soll ich zu dem Wagenbesitzer, um kurz zu schildern wie es war und vielleicht nimmt er die Anzeige zurück?!
Informieren kannst du ihn natürlich (aber siehe ersten Absatz, also besser nicht), aber die Anzeige kann er nicht zurücknehmen (selbst wenn sie von ihm kommt).

Zu der Versicherung: Bei Haftpflicht gibt es keine Selbstbeteiligung, es wird normalerweise der komplette gegnerische Schaden bezahlt. Vollkasko ist für deine eigenen Schäden da.
Wenn sich der Vorwurf der Fahrerflucht aber erhärtet, dann kann dich deine Versicherung in Regress nehmen (max. 2500 Euro, aber auch nur max. der gesamte Schaden, letzteres dürfte hier zutreffen).
Und die Vollkasko zahlt u.U. überhaupt nicht (ich weiß ja nicht, wie schlimm der Kratzer ist, vielleicht ist dir das auch egal).

MfG Stefan

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#2
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(25095 Beiträge, 13805x hilfreich)

Um das mal zu ergänzen: Ein "Zurücknehmen der Anzeige" gibt es bei Unfallflucht nicht. Und der Entzug des Führerscheins und die Geldstrafe gibt es nicht alternativ: Für Unfallflucht gibt es eine Geldstrafe, deren Höhe der Richter festlegt, PLUS Fahrverbot oder FS-Entzug. Da der Schaden hier offenbar klein ist, wird es eher auf ein bis 3 Monate Fahrverbot hinauslaufen.
Einen Anwalt müssen Sie übrigens auch bei Verfahrenseinstellung selbst zahlen - Kostenerstattung gibt es nur bei Freispruch (also wenn es eine Verhandlung gibt, in der man Sie freispricht).

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" Lebenslänglich sind NICHT 25 Jahre!"

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