Social Networking unter Rechtsanwälten am Beispiel von LawCamps

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Trotz der durchwachsenen Lage auf dem Anwaltsmarkt und des zunehmenden Wettbewerbs untereinander, gibt es Kanzleien, die keine Angst davor haben, sich von ihren Kollegen in die Karten schauen zu lassen. Im Gegenteil. Sie öffnen ihnen sogar Tür und Tor und versorgen sie mit Fachinformationen, die aktuell und exklusiv sind. Sie füttern sie mit leckeren Schnittchen und lassen sie von ihren eigenen Mitarbeiterinnen betreuen. Bei diesem Szenario handelt es sich nicht etwa um Science Fiction für Juristen, sondern um die Realität der einzigartigen IT-LawCamps der internationalen Kanzlei Bird & Bird (www.2birds.com). Die Idee entstand dort, weil man eine spannende Konferenz mitgestalten und die eigene innovative und technologie-orientierte Ausrichtung sichtbar machen wollte.

Bereits zum zweiten Mal fand deshalb Anfang April 2011 im Frankfurter „Skyper“ ein Event statt, zu dem sich die Avantgarde der IT-Rechtler und alle, die sich dazugehörig fühlen, versammelten. Die Idee des LawCamp stammt von den BarCamps, die sich längst in der IT-Branche etabliert haben. Es handelt sich dabei um (Un)konferenzen, deren Programm weitgehend erst vor Ort festgelegt wird. Dank beteiligter Sponsoren haben die Organisatoren und Teilnehmer nur geringe Kosten. Es kann und soll kein Geld damit verdient werden, denn im Vordergrund steht der Netzwerkgedanke und der Austausch aktueller Fachinformationen unter Kollegen. Standesdünkel sind verpönt, was dazu führt, dass sich ganz „normale“ Juristen zusammen mit namhaften Medienanwälten und Kultbloggern auf einem Parkett tummeln. Jeder kann sich zu Beginn für einen Vortrag, genannt Slot, bewerben und die anwesenden Teilnehmer stimmen darüber ab. In diesem Jahr wurden so wie auch im letzten, alle Vorträge akzeptiert und in die sechs geplanten Themenkreise („Tracks“) eingegliedert. Es ergab sich ein gelungenes Programm, dass auf der Veranstaltungssite www.itlawcamp.de eingesehen werden kann. Die Verbreitung des Termins und der Agenda erfolgen im Übrigen über das Web 2.0 via Twitter, Facebook, XING und einschlägige juristische und anwaltliche Blogs. Darüberhinaus wurden ausgewählte Multiplikatoren im Internet und in einigen Fachzeitschriften eingesetzt. Durch den großen Erfolg im letzten und in diesem Jahr mit jeweils um die 170 Anmeldungen, kann man sagen, dass sich das LawCamp in Insiderkreisen herum gesprochen und etabliert hat. Und laut Dr. Fabian Niemann aus dem Orga-Team von Bird & Bird, steht bereits fest, dass es 2012 wieder ein LawCamp geben wird. Das Veranstaltungsformat als solches ist hierzulande einmalig und erhellt den Himmel der zahlreichen meist langweiligen Fachseminare und –tagungen für Rechtsanwälte und Kanzleien. Es macht einfach Spaß, dabei zu sein. Die Athmosphäre ist locker, witzig und sehr kollegial. Es gibt eine Twitterwall, auf der sich die Teilnehmer wieder finden, wenn sie in der Cafeteria einen Blick darauf werfen. Manche treffen so zum ersten Mal im „Real Life“ ihre Kollegen, die sie bisher nur aus der virtuellen Welt kannten. Auch der anwaltsübliche Dresscode ist verpönt und einer der bekanntesten Medienrechtler kommt schon mal wie ein Backpacker daher und witzelt am Rande des LawCamps über seine spektakulären Fälle. Bleibt zu hoffen, dass sich vielleicht auch andernorts und in anderen Rechtsgebieten LawCamps entwickeln. Denn die Möglichkeiten, dass eigene Brand als veranstaltende Kanzlei am Markt zu verbessern, liegen auf der Hand. Fabian Niemann von den „Birds“ kann bestätigen, dass auch viele Mandanten ein LawCamp als interessante Alternative ansehen, sich zu informieren und den Kontakt mit der Kanzlei zu festigen. Insofern sind Veranstaltungen dieser Art natürlich auch gut als strategische Marketinginstrumente geeignet.


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