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Unser Sohn möchte gegen unseren Willen bei der Oma

 Von 
Mediolino
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 2x hilfreich)
Unser Sohn möchte gegen unseren Willen bei der Oma

Es ist wohl ein häufiges Problem mit den Söhnen die abhauen und bei der Oma wohnen.
Unserem Sohn ist es zu hause zu stressig geworden.
Es gibt bei uns im Haus klare Regeln für unsere Kinder.

1. Abends Handy ab 20 Uhr in die Küche legen.
2. Hausaufgaben und Schulsachen sofort erledigen.
3. Mach nichts kriegst auch nichts.
4. Gegessen wird was auf den Tisch kommt.
5. Fernsehen nur eingeschränkt und am Wochenende

Der Oma unserer Kinder gefallen diese Strukturen leider nicht.
Sie nennt diese Altbachen und unsinnig.
Zudem hetzt Sie unsere Kinder ständig gegen uns auf.
Da unser Sohn nun seit ca. 2 Jahren schon keine Hausaufgaben mehr macht und Schulisch immer mehr absinkt.
Habe ich des öfteren versucht mit Ihm zu reden.
Wir haben ebenso Psychologische Hilfe einer Beratungsstelle und eines Kinderpsychologen zu Rate gezogen. Ohne Erfolge.
Der Kerl stellt sich Stur und macht nichts. Wird zudem noch von der Oma aufgehetzt.
Bei einem weiteren Gespräch ist der 15 Jährige dann einfach aufgestanden und hat sich verabschiedet. Ich gehe jetzt zur Oma und wohne da.
Die Oma hat uns dann noch bei Jugendamt und in der Schule angeschwärzt.
Das JA meinte Sie seien nur Beratend und können weiter nichts machen.
Alles weitere muss die Polizei machen.
Als ich dann mit der Hilfe der Polizei meinen Sohn aus dem Hause der Oma holen wollte. Sagte der nette Polizist, das sei nicht seine Aufgabe. Es sei die Verantwortung des Jugendamtes.
Wie weit sind wir schon gekommen das unsere Kinder das Sorgerecht über uns haben ???
Es ging uns immer nur um das Wohl des Kindes und dessen Zukunft.
Leider haben wir nun keine Möglichkeit mehr etwas zu machen. Eine Eifersüchtige Großmutter sollte doch Ihrem Enkel zureden und Helfen. Aber nicht gegen die Eltern vorgehen.

Sollte ich mit Hilfe eines Anwaltes denn Jungen einklagen ??

Somit bleibt nur noch Warten übrig bis sich die zwei in die Haare bekommen und er von alleine zurück kommt.

Oder kann mir hier jemand einen Hilfreichen Tipp geben wie wir unseren Sohn wieder zurück bekommen.

Kinder zwischen den Fronten ###

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Sorgerecht Kind einklagen Oma


25 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Hafenlärm
Status:
Lehrling
(1509 Beiträge, 1718x hilfreich)

quote:
Somit bleibt nur noch Warten übrig bis sich die zwei in die Haare bekommen und er von alleine zurück kommt.

So sieht es aus, sehe ich auch so. Sie müssen bedenken, dass sich sämtliche rechtliche Maßnahmen zunächst mit dem Willen des Fünfzehnjährigen befassen müssten, der stark genug sein dürfte und sich auch selber durchsetzen lässt.
Oder aber Sie überdenken Ihre eigenen Erziehungsmaßnahmen, ob die wirklich so optimal waren. Insbesondere das Verbot von Handy und Fernsehen (Computer?) kann man, jenachdem wie es genau aussieht, tatsächlich als altbacken bezeichnen. Auch tut ma nicht jedem Kind einen gefallen damit, es zum Psychologen zu schleppen.

Gegen die Oma ließe sich theoretisch ein Kontaktverbot erzielen und die Herausgabe des Kindesanordnen. In der Praxis scheitert sowas regelmäßig am Willen des Kindes. Kinder sind nunmal auch keine reine Verfügungsmasse. Wenn Sie das versuchen wollen, müssen Sie sich (zeitnah) an das Familiengericht wenden. Das Jugendamt sollte dazu eigentlich beraten können, besser macht das aber ein Anwalt.
Spätestens nach Gerichtsbeschluss würde die Polizei Ihnen dann auch helfen. Meines Erachtens wären die dazu eigentlich auch bereits jetzt verpflichtet. Das ist aber definitv nicht Ihr primäres Problem. Sie brauchen die Entscheidung des Gerichts.

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#2
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26837 Beiträge, 11386x hilfreich)

Ganz ohne Zweifel meint Ihr es gut mit dem Jungen. Es gibt heute noch wenige Eltern, die klare Regeln aufstellen. Insoweit ein dickes Lob.

Aber, das Kind ist 15 Jahre alt. Es ist kein Kleinkind mehr, und die Reglementierungen sind einfach nicht altersgerecht. Zumindest, was das Handy und das Fernsehen angeht. Das Kind kann doch mit seinen Kumpels gar nicht mitreden, einfach, weil er nicht weiss, was abgeht. Er wird also isoliert, und das geht in dem Alter gar nicht. Gerade da sind Austausche mit Gleichaltrigen unglaublich wichtig. Über was soll er sich austauschen, wenn er nicht mitreden kann?

Er rebelliert doch schon lange. Z.B., indem er keine Hausaufgaben macht. Und da muss man sich überlegen, ob man da nicht doch Zugeständnisse machen sollte. Meine durften sich den Nachmittag in dem Alter alleine einteilen. Und dieses Vertrauen, dass ich in sie setzte, das ist dann auch belohnt worden. Ich z.B. war ne Nachteule. Hab nach der Schule einfach ein paar Stunden für mich gebraucht, um dann später mit den Hausaufgaben zu beginnen. Kinder müssen auch Zeitmanagement lernen, und das ist nun mal bei jedem Kind anders.

Soviel dazu.

Nun zur juristschen Seite. Ihr habt das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind. Allerdings geht das Herausholen des Kindes aus dem Haushalt der Oma nicht mit der Polizei. Die Polizei ist nicht für die Durchsetzung von zivilrechtlichen Ansprüchen da. Das ist der Gerichtsvollzieher. Dazu braucht es aber einen Titel. Und einen Titel, den erlässt das Gericht. Im Klartext: Ihr müsstet die Oma auf Herausgabe des Kindes verklagen. Angesichts des Alters des Kindes (das würde vor Gericht gehört werden) schätze ich die Chancen von Euch gering ein, dass das Kind durch den Gerichtsvollzieher mit Gewalt zu Euch zurückgebracht wird. Das entscheidet kein Gericht.

Mein Vorschlag: akzeptiert die Situation, muss ja nicht für ewig sein. Überdenkt die Zeitgemäßheit Euer Regelungen. Bietet dem Kind Änderungen an, die seinem Alter entsprechen. Haltet die Tür offen. Überlegt Euch gemeinsam, wie man die Schule in den Griff bekommt. Straft nicht nur ab, sondern belohnt auch mal. Das wäre für mich so der Einstieg, einfach, damit Ihr das Kind nicht vollends verliert.

wirdwerden

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#3
 Von 
nero070
Status:
Bachelor
(3591 Beiträge, 1238x hilfreich)

Guten Abend!

@wirdwerden

Guter Beitrag.

Fernsehen unter der Woche gänzlich verbieten geht m.M.n. nicht. Da wird das Kind ein Stück weit isoliert. Was ist, wenn sich Mitschüler in der Schule über Fernsehsendungen austauschen? Da kann das Kind generell nicht mitreden, ist also völlig außen vor. Da ist Mobbing nicht weit weg.

Einfach mal die Regeln überdenken. Leben und leben lassen.

LG nero

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#4
 Von 
Mediolino
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 2x hilfreich)

Vielen Dank für Ihre Ratschläge. Es freut mich sehr das so viele in so kurzer Zeit Tipps gegeben haben.
Kurz noch als genauere Erläuterung.
Das Fernsehen haben wir nicht gänzlich verboten, sondern nur auf ca 2 Std pro Tag eingeschränkt. Ebenso am Wochenende haben wir meist zusammen Filme geschaut. Bei drei Kindern ist das schon manchmal ein Akt das richtige Programm zu finden.
Ebenso bezüglich Händy. Hier war ab 20 Uhr eine Einschrenkung von Nöten da er leider maßlos die ganze Nacht gespielt hat und meist morgens kaum aus dem Bett kam.
Sein Hobby sind Pferde. Diese Freiheit haben wir ihm meist gelassen. Es gab auch Ausnahmen aber die waren selten.
Das es natürlich bei der Oma anders ist ist klar. Da gibt es weniger oder gar keine Grenzen.
Es tut mir nur weh das meine eigene Mutter mich überall schlecht macht und unseren Sohn den wir zum wahnsinnig werden vermissen manipuliert.
Auch seine zwei jüngeren Geschwister vermissen ihn. Gestern hate eine Geburtstag und er konnte nicht mal anrufen.
In whats app hat er mich geblockt.
Zudem sind meine Eltern mit sämtlichen Nachbarn und Freunden so wie auch Verwanten im Streit auseinander gegangen.
Sie leben quassy in keinem Sozialen Umfeld.
Aber am Ende Hilft nur abwarten.
Dies von einem tiefst traurigen Vater der nur das beste für seinen Sohn wollte.

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-- Editiert Mediolino am 11.03.2015 21:20

-- Editiert Mediolino am 11.03.2015 21:22

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#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(64562 Beiträge, 31048x hilfreich)

Deine Regeln sind in der Form offenbar nicht akzeptabel und wohl auch nutzlos.
Zudem dürften sie auch für die Kinder im Endeffekt tteilweise schädlich sein.

Kreiere altersgerechte Regeln, die auch die Bedürftnisse des Kindes berücksichtigen, dann dürfte sich auch die Sache mit dem Sohn regulieren wenn er merkt da tut sich was.

In 3 Jahren kannst Du die Regeln eh vergessen dann ist er volljährig.





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"Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB."

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#6
 Von 
fb367463-2
Status:
Master
(4968 Beiträge, 2374x hilfreich)

Ganz ähnliche Regeln ( fast genau die gleichen sogar ) gab es bei uns auch ( mit Ausnahme Handy, die gab es damals in dieser Form noch nicht ). Aber in dieser (Str)Enge galten sie, als meine Kids ca. 8 Jahre alt waren. Ihr Sohn ist doppelt so alt. In diesem Alter sollte man die Regeln "aufweichen", d.h. darauf vertrauen, dass das, was man gesät hat, auch in gewissem Sinne Früchte trägt.

Warten Sie ein paar Wochen ab, dann ist's bei der Oma auch schon nicht mehr so toll, würd ich mal vermuten - oder die Oma hat's satt ;) . Treffen Sie sich dann zu einem "Gespräch unter Erwachsenen" und fragen Sie, wo der Kummer sitzt und wie Sie alle einen Konsens finden können, der für alle Beteiligten tragbar und zufriedenstellend ist. Sie werden herausfinden, dass der Junge vermutlich genaue Vorstellungen dessen hat.

Das soll nicht heißen, dass Sie ab jetzt keine Grenzen mehr setzen - aber mehr Freiraum für eigene Entscheidungen sollte sein. Stellen Sie ihm einen eigenen Fernseher ins Zimmer und sagen Sie klipp und klar, dass der wieder wegkommt, wenn er morgens nicht aus dem Bett kommt. Im Zweifel dann auch durchziehen, das Teil für ein paar Wochen weg und neuen Versuch starten. Gleichermaßen Handy - wenn er sich da nicht unter Kontrolle hat, muss er das Ding halt wieder um 22 Uhr auf den Tisch legen. Nach ein paar Wochen neuen Versuch starten ;) .

Irgendwann hat er das Prinzip "Aktion und Reaktion" gelernt, ganz ohne dass Sie sich aufregen müssen. Nur das mit der Schule - da muss es bei ihm selbst "Klick" machen, da können Sie nichts erzwingen, wie auch? Das ist traurig, aber wahr. Viele haben aber dennoch ihren Weg gefunden, vielleicht dann auch erst im zweiten Anlauf.

Nur finde ich, dass Sie einen 15-Jährigen nicht wie einen 10-Jährigen behandeln sollten ... aber besprechen Sie das am besten mit Ihrem Sohn.

Viel Erfolg!

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#7
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(16867 Beiträge, 7373x hilfreich)

quote:
3. Mach nichts kriegst auch nichts.

Worauf bezieht sich diese Regel?

quote:
Da unser Sohn nun seit ca. 2 Jahren schon keine Hausaufgaben mehr macht und Schulisch immer mehr absinkt.

Da helfen die strengsten Regeln nichts. Diese bewirken eher das Gegenteil, die Energie geht in den Widerstand.
Ich arbeite seit 20 Jahren mit Jugendlichem im Alter Ihres Sohns, ohne Respekt vor den Wünschen und Bedürfnissen des Kindes wird das nichts. Und die Regeln stehen im Widerspruch zu den altersgemäßen Bedürfnissen Ihres Sohns.
Haben Sie schonmal überlegt, sich Rat bei einer Erziehungsberatungsstelle zu suchen? Die können auch zwischen Ihnen und Ihrem Sohn vermitteln und haben oft ganz lebenspraktische Tipps an der Hand.


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#8
 Von 
amako
Status:
Student
(2563 Beiträge, 1355x hilfreich)

Hallo,
zunächst einmal möchte ich dich dahingehend bestärken, dass keine eurer Erziehungsmaßnahmen und Regeln irgendwie "unzeitgemäß" (was ist das eigentlich? Ist das was der Mainstream so macht das Richtige?) noch überaus streng oder sogar in irgend einer Weise auch nur annähernd dem Kindeswohl abträglich ist.
Mehr als 2 Stunden Fernsehkonsum täglich sind schädlich, zumal dann wenn sie völlig ungefiltert auf Jugendliche einrieseln (eigentlich für den Geisteszustand von Erwachsenen auch, die sind aber für sich selbst verantwortlich, im Gegensatz zu eurem Kind). Eine gemeinschaftliche Auswahl des Wochenendprogramms für alle Kinder halte ich für vorbildlich und würde mir wünschen, dass sich viel mehr Menschen sich Gedanken um den Medienkonsum ihrer Kinder machen würden, statt jedem einen Fernseher und sonstiges Digitales Gerät in ihre Zimmer zur freien Verfügung zu stellen, damit sie ihre Ruhe haben. Ob man zwingend wissen muss, was so los ist, also wer gerade bei DSDS von Moderatoren bepöbelt wird oder im Dschungelcamp die meisten Schnecken vertilgt, halte ich für zumindest überdenkenswert..
Wozu braucht ein 15-ähriger nachts ein Handy, einen PC oder irgendwelchen anderen Medientrichter?
Gegen sofortige Erledigung (am besten unter Aufsicht, zumindest ab und an) spricht überhaupt nichts, erst recht nicht, wenn man hier negative Erfahrungen gemacht hat.
Beteiligung an den familiären Aufgaben (Hausarbeit etc.) ist für meine Kinder immer eine Selbstverständlichkeit gewesen. Den Kindern das Prinzip von Geben und Nehmen zu einer Maxime zu machen, halte ich für unerlässlich, kleine und große Egoisten haben wir schon zu Hauf.

Nun einmal zu euren Möglichkeiten euer ABR durchzusetzen. Nehmt Kontakt zum Jugendamt auf und lasst euch dort beraten. Es wird nicht ohne Auseinandersetzungen mit der Oma gehen, nötigenfalls müsstet ihr den Weg über das Gericht wählen. Ich halte die Aussichten allerdings nicht für so aussichtslos wie weiter oben beschrieben. Da hilft nur ein guter Rechtsanwalt.
Einfach abwarten oder aussitzen halte ich nicht für angebracht, das wird eure Möglichkeiten eher schmälern, das Argument in drei Jahren könnt ihr ohnehin nichts mehr machen, ist absoluter Unsinn. Mit der Volljährigkeit hat euer Sohn für sich selbst die Verantwortung zu tragen, bis dahin ihr! Ich denke das Verantwortung hier der Schwerpunkt ist, bisher habt ihr meines Erachtens verantwortungsvoll gehandelt.
Gruß
Andreas

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"Wer schlau ist, kann sich dumm stellen, anders rum geht es nicht!"

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#9
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26837 Beiträge, 11386x hilfreich)

Das mit der Erziehungsberatung ist eine großartige Idee.

Natürlich wollte oder will der Vater nur das Beste für seinen Sohn. Nur, der Vater sollte sich eingestehen, dass sein Konzept letztlich gescheitert ist. Bei zwei Jahren Hausaufgabenverweigerung, da müssen doch schon lange alle Alarmglocken schrillen. Und Einigung auf ein Fernsehprogramm. Für mich schwer vorstellbar, dass die Geschwister, Eltern und der Sohn denselben Fernsehgeschmack haben. Mit 15, da läuft der Abnabelungsprozess. Den kann man nicht aufhalten. Man kann ihn nach ei.gener Erfahrung steuern und man kann wissen, was das Kind tut, wenn das Verhältnis stimmt.

In dem Alter hatten meine Söhne jeweils einen eigenen Fernseher, mit Spielekonsole. Da ist auch Vertrauen angesagt. Freiräume sind zu gewähren. Das sah dann etwa so aus, dass sie solange spielen/fernsehen konnten, wie sie wollten. Aber, das wurde sofort gestrichen, wenn deshalb die Schule geschwänzt wurde. Passierte bei beiden einmal, dass sie nicht aus den Federn kamen, dann war das geklärt. Die Kinder müssen merken, dass die Eltern ihnen vertrauen.

Neben der Erziehungsberatung würde ich noch folgendes machen. Etwa einen Monat warten. Dann einen guten altmodischen Brief schreiben. Ganz ohne Forderungen einfach so. Erzählen, was zu Hause so passiert. Und das regelmässig wiederholen. Wäre für mich so die Basis für einen Neuanfang.

Und vielleicht mal was Positives sehen. Es gibt hier einen Thread, der ist auch erst einige Tage alt. Da geht es um eine 13-jährige, die schon alles hinter sich hat. Alkohol, Tabletten, Rauschgift. All das spielt bei Euch offenschtlich keine Rolle, nur die nicht altersgerechte Behandlung des Kindes. Und daran kann man arbeiten!

wirdwerden

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#10
 Von 
amako
Status:
Student
(2563 Beiträge, 1355x hilfreich)

Hallo,
@wirdwerden
Man sollte diese Dinge differenziert betrachten. Ich habe drei Kinder durch die Pubertät ganz oder teilweise erzieherisch begleitet. Das vierte steht mir noch bevor. Die Erfahrungen, die ich dabei machte bzw. noch mache sind, dass hier jedes Kind andere Maßnahmen erfordert. Ich halte grundsätzlich einen komplett freien Umgang mit Medien angefangen vom TV über diverse Spiele und Internet sowie Handynutzung für falsch. Jedes Kind braucht hier entsprechend seiner Fähigkeiten und Charaktereigenschaften Hilfen und Unterstützung, bis hin zu klaren Regelungen. Du hättest, so hoffe ich zumindest, deinen Söhnen nicht gestattet FSK18 DVDs oder Konsolenspiele zu spielen, bzw. dich nicht dafür zu interessieren ob sie dergleichen tun, Vertrauen in allen Ehren, aber das wäre Desinteresse. Unsere derzeit fast 18-jährige Tochter hätte sich ohne unser Dazutun zu einem Medienjunkie entwickelt, unsere jüngste (9) kontrolliert sich da weitestgehend selbst, was nicht bedeutet, dass wir da kein Auge drauf haben.
Ich arbeite seit einiger Zeit an einem sozialen Projekt mit, bei dem es um schulische Unterstützung Jugendlicher geht. Der Schulalltag (bei 15-jährigen bis u 8 Stunden täglich, +Hausaufgaben) fordert da schon sehr. Da ist ein zusätzlicher Konsum von TV von 2 Stunden mehr als genug, wenn der Jugendliche das nicht selbst merkt, muss der Sorgeberechtigte eingreifen. Viele Eltern kommen überhaupt nicht auf den Gedanken, dass das Zuschütten mit Medien ähnlich suchtfördernde Auswirkung haben kann wie Alkoholkonsum oder Drogen, die seelischen Auswirkungen sind ähnlich, es gibt Untersuchungen, in denen man 20-jährigen das Handy entzieht und sie in kürzester Zeit echte Entzugserscheinungen aufweisen, mich schaudert es! Es trifft nicht jeden (wir sind ja auch nicht alle Alkoholiker oder Drogensüchtige, obwohl wir die Gelegenheit dazu hätten), aber der ungehemmte Zugang zu Dingen, die gefährdend sein können, wird gerade den schädigen, der hierfür empfänglich ist, oder emotional instabil (Stichwort Pubertät) ist.
Gruß
Andreas

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"Wer schlau ist, kann sich dumm stellen, anders rum geht es nicht!"

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#11
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26837 Beiträge, 11386x hilfreich)

Hier geht es doch um die nicht altersgemässe Gängelung eines Kindes. Dieses Kind hatte nie die Chance, sich zu beweisen. Und ganz ehrlich - wenn die jüngeren Schwestern sich für : "Sissy, Schicksalsjahre einer Kaiserin" entscheiden, wie soll das der 15-jährige in der Schule bei seinen Kumpels rüberbringen? Das geht doch gar nicht. Und gemeinsame Fernsehabende können sich immer nur an den Jüngsten orientieren.

Und da heutzutage alles gefährden sein kann, kann ich nur empfehlen, die Kinds unter eine Glocke zu setzen. In der Schule und auf dem Schulweg kommen sie mit gefährlichen Typen zusammen, das Fernsehen gefährdet, wenn die Eltern sich nicht auf Sissy-Filme beschränken. Kantinenessen gefährdet die Gesundheit, und auch da wieder gefährliche Kontakte, ganz zu schweigen von Supermärkten, in denen es ja auch Zigaretten und Alkohol zu kaufen gibt. Das ist kein Weg! Denn mit 18 können die Kids ohnehin machen, was sie wollen. Man muss sie vorher heranführen, an das, was heute angeboten wird. Und was ist denn so schlimme, wenn die Kids gewisse Shows sehen, die zwar pädagogisch nicht unbedingt wertvoll sind? Wenn sie aber als Konsequenz des Nichtmitredens bei den Kumpels isoliert werden?

wirdwerden

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#12
 Von 
amako
Status:
Student
(2563 Beiträge, 1355x hilfreich)

Hallo,
tut mir leid aber deine Argumentation ist undifferenziert und voller Pauschalitäten und damit unsachlich.
Seine Kinder vor klar erkennbaren Gefährdungen zu schützen hat überhaupt nichts mit dem zu tun, was du hier anführst. Eine totale Behütung und Schutz vor allen möglichen und auch eingebildeten Gefahren ist kontraproduktiv (und auch unmöglich). Noch viel gefährlicher aber ist ein unbegleiteter Umgang mit abschätzbaren Gefahren, ich lasse auch nicht zu, dass meine Kinder mit dem Skateboard durch die Straßen einer Stadt fahren, den normalen Schulweg entlang von Hauptstraßen zu nutzen halte ich für unausweichlich (übrigens bringen gerade die Eltern ihre 10-jährigen Kinder noch bis in den Klassenraum, die was die sonstigen Aktivitäten angeht absolut sorglos sind - eigene Anschauung). Viele Kinder und Jugendliche werden völlig ungeschützt in die mediale Welt entlassen, dem einen gelingt die Eigenkontrolle dem anderen nicht. Ich rede hier ja nicht von absoluter Entfremdung sondern von verantwortungsvollen Umgang mit diesen Dingen. Zu viel ist m.E. deutlich riskanter als wenig. Wer wenn nicht aufmerksame Eltern sind hier die Richtigen diese Dinge zu regeln?
Gruß
Andreas

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#13
 Von 
GISNAH
Status:
Schüler
(239 Beiträge, 258x hilfreich)

Ich muss amako hier voll zustimmen. Bei meiner jetzt 17jährigen Tochter halfen diverse Freiheiten auch nicht. Die machten das ganze nur noch schlimmer.

Sie hatte die Freiheit was TV, Handy , Hausaufgaben usw. betraf. Was kam raus:

Zurück aus der Schule - Glotze an - Handy in der Hand. Hausaufgaben mache ich später.

Abendessen - Hausaufgaben? - Später - erst muss ich noch diese oder jene Sendung sehen

Bettgeh-Zeit - Handy abgeben - Hausaufgaben fertig? - Ach ne, vergessen. Also wird es wieder spät am Abend, was das aufstehen in der früh wiederum erschwerte.

Hier mussten klare Regeln her. Sonst wurde das nix. TV erst wenn Hausaufgaben gemacht wurden, Handy ab 22 Uhr weg. Sie hat zwar gebockt, aber auch nix draus gelernt. Vor 15 Monaten ist sie wieder zu ihrer Mutter zurück in der Hoffnung das sie dort mehr darf. Pustekuchen.

Also, Medienfreiheit hin oder her - ohne klare Regeln geht es nicht. Schön für die, die es nicht brauchen. Aber das können nur die Eltern entscheiden die es auch betrifft.

Mittlerweile ist sie 17 (damals als sie Probleme machte war sie 15) und, dem Himmel sei dank, hat sich das alles gebessert. Sie lernt in der Schule, macht Hausaufgaben, Kocht und backt für Freunde und Familie, triff sich wieder mit Freunden, geht wieder in den Verein usw.. Anscheinend kommt die Einsicht erst in dem Alter.

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#14
 Von 
amako
Status:
Student
(2563 Beiträge, 1355x hilfreich)

Hallo,
das bestätigt in vollem Umfang meine Erfahrungen sowohl mit eigenen als auch Kindern aus meinem Schulprojekt!
Auch unsere nun fast 18-jährige Tochter hat durch unsere Aufmerksamkeit was ihren Medienkonsum betrifft die Kurve gekriegt und macht nun ihr Abi. Hätte vor 5 Jahren keiner geglaubt, Schule war Nebensache, TV und gedattel waren wichtig, Klasse, dass sie wunderbar mit ihren Mitschülerinnen über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens diskutieren konnte. Da half leider nur ein sehr restriktiver Kurs, mit Einsicht ist es leider bei vielen gerade in der Phase der Pubertät nicht weit her. Ich muss heute noch meinen Eltern danken, dass sie mich in der Zeit vor einigen Dummheiten bewahrt haben, und das völlig gegen meinen Willen! Meine Großeltern hätten mich sofort wieder nach hause gebracht, wenn ich ihnen über die Ungerechtigkeit meiner Eltern etwas vorgeheult hätte. Das war so weil wir eine funktionierende Familie waren, generationenübergreifend.
Kann GISHNAH nur beglückwünschen, dass er und seine Ex da an einem Strang gezogen haben (in die gleiche Richtung). Was Oma in diesem Fall veranstaltet ist m. E. völlig verantwortungslos, ich hoffe sie schickt das Kind wenigstens regelmäßig in die Schule, oder ist das auch zu viel der Gängelei?
Gruß
Andreas

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-- Editiert amako am 12.03.2015 11:50

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#15
 Von 
Mediolino
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 2x hilfreich)

Ja Ihr habt sicherlich auf jedem seine Art recht. Jedoch bin ich gleicher Meinung, das Medienverhalten muss dem Kind individuell angepasst werden.
Bezüglich Handy gab es eine unbegrenzte Freiheit. Jedoch wurde dann Regelmässig morgens verschlafen, danach dann eine Einschränkung bis 21 Uhr.
Da er früher gerne gelesen hat, dachte ich eigentlich das er sich hier Abends vielleicht ein Buch zur Hand nimmt und sich Geistig vom WhatsApp Stress beruhigt.
Da er aber leider schon zu einem Handy süchtigen geworden ist. Konnte er unsere Regeln auf einmal nicht mehr verstehen.
Zum Teil hat er das Handy abends auf den Küchentisch gelegt. Und es dann mitten in der Nacht heimlich wieder geholt.
Durch diese Aktionen hat er nun leider mein Vertrauen missbraucht.
Konnte dies in seiner Dickköpfigkeit aber nicht akzeptieren.

Da er sich viel mit Pferden abgibt und täglich auf dem Reiterhof ist, ist das Thema Fernseher eigentlich nicht mal so wichtig für Ihn.

Bezüglich seiner Hausaufgaben, waren wir schon bei einer Erziehungsberatung.
Die hat dan letztendlich aufgegeben und nur gemeint das ein 14 Jähriger schon ein stückweit selbstverantwortlich ist.
Die Schule hat Ihm eine Hausaufgabenbetreuung angeboten was Ihm zu Peinlich war.
Meine Frau gibt ebenso Nachhilfe und hat eine Pädagogische Ausbildung. Wird aber ebenso nicht von Ihm angenommen.
Es kammen dan immer lügen das es heute keine HA gibt. Oder das er sein Heft oder Buch vergessen hat. Auch nach Absprache mit den Lehrern wurden die HA in einem HA Heft eingetragen und beiderseits unterschrieben.
Seit ca. 6 Monaten haben wir beschlossen einfach locker zu lassen und Ihn machen zu lassen.
Leider hat sich auch bei dieser Methode nichts geändert.
Es gab vielmals Provokationen von der Oma. " Ach heute is Wochenende da brauch man nicht lernen".
Da ich mit meinen Eltern schon seit vielen Jahren Probleme haben. Haben wir trotz allem entschlossen das die Kinder ab und an zu den Großeltern dürfen um einfach einen Ruhepol zu haben. Und mal ohne Regeln ein Wochenende zu verbringen.
Leider kammen Sie aber meist zurück und waren Aggressiv und aufgehetzt.

Da wir lange Jahre auch im Ausland (Asien) gelebt haben und meine Frau eine Asiatin ist. Wurden unsere Kinder immer Multikulturell aufgezogen. Das Passte meiner Mutter jedoch nie.

Ich sehe das Problem einfach nur bei der Großmutter. Aus Respekt möchte ich da eigentlich keine Rechtlichen Schritte einleiten.
Aber dann letztendlich zuzuschauen wie die Familie und die Kinder kaputt gemacht wird ist auch nicht die Lösung.

Jugendamt und andere Institutionen sind zu eingenommen von dem Wohl des Kindes. ich hatte dem Jugendamt vorgeschlagen das das wir einen Rundentisch planen an dem alle sitzen und jeder seine Ansichten teilen kann. Das Jugendamt sollte da als Vermittler dienen. Das sei aber jedoch nicht die Aufgabe des Jugendamtes.
Bei der Erziehungshilfe und dem Kinderpsychologen war es das gleiche.
Keiner wollte sich einen Konflikt mit der Oma geben.

Nun stehen wir wieder alleine da.
Es sollte jemanden geben der mit am Tisch sitz und so eine Diskussion leitet.
Aber so etwas gibt es wohl nicht.



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-- Editiert Mediolino am 12.03.2015 13:13

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#16
 Von 
Huya
Status:
Schüler
(221 Beiträge, 134x hilfreich)

Hallo!

Na ja - vielleicht könnte man ja alles zusammen irgendwie miteinander verbinden - die Wünsche der Eltern und die des Jugendlichen.

Dazu gehört natürlich erst mal ein Gespräch (ganz wichtig, um alle Seiten und Wünsche zu hören).

Der Sohn bekommt ein eigenes TV ins Zimmer, aber eben auch mit einer zeitlichen Begrenzung z. B., oder es wird jeden Tag besprochen, was er sehen möchte und was die Eltern für ok finden.

Und ein gemeinsamer Film am WE kann ja trotzdem gemacht werden!

Da könnte man einen Sammeltopf für machen - jedes Familienmitglied schreibt einen Film seiner Wahl auf einen Zettel, ab in den Topf und dann darf an jedem WE von einem anderen Mitglied ein Zettel gezogen werden oder so ähnlich.

Ist doch alles machbar.

Und für jeden Tag brav gemachter Hausaufgaben, darf er vielleicht an dem Tag sein Handy eine Stunde länger haben - oder verdient sich eine andere kleine Freiheit damit.

"Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt", war bei mir auch viele Jahre so - einfach aus finanzieller Sicht - aber ich habe es immer hinbekommen, pro Woche für jedes Kind einmal sein Lieblingsessen auf den Tisch zu bringen.

Das ist doch alles kein Teufelswerk - alles machbar.

Für die nächste, bessere Zensur, könnte man dem Sohn vielleicht eine Konsole in Aussicht stellen - gibt es schon gebraucht ganz günstig.

Und auch hier kann man ja eine Absprache machen, wie lange er am Tag daran spielen darf - dafür aber dann vielleicht kein TV an dem Tag.

Gibt doch ganz viele Möglichkeiten, alles unter einen Hut zu bekommen - zumindest wäre es doch einen Versuch wert?!

LG Huya








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"Für die Dinge, die wir umsonst bekommen, zahlen wir manchmal den höchsten Preis."

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#17
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26837 Beiträge, 11386x hilfreich)

Natürlich gab es auch bei mir Regeln. Aber die Regeln waren altersgerecht. Man kann einen fast erwachsenen jungen Mann nicht wie ein sechsjähriges Kind halten. Und ihn als Nebeneffekt dann noch von seinen gleichaltrigen Freunden isolieren.

Ich weiss auch nicht, wie Amaco den Jungen gegen seinen Willen in die Familie der Eltern zurückführen will. Die Sache ist doch schon so verfahren, wie es schlimmer nicht mehr geht. Soll der Gerichtsvollzieher den Jugen in seine Aktentasche stecken und zu den Eltern zurücktragen? Oder wie sonst?

Und ja, das Jugendamt ist zu eingenommen vom Wohl des Kindes. Völlig richtig. Das ist nämlich deren Aufgabe. Und es ist nicht deren Aufgabe, Prinzipienreiterei der Eltern zu unterstützen. Zumindest das hat der TE richtig erkannt.

wirdwerden

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-- Editiert wirdwerden am 12.03.2015 16:22

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#18
 Von 
Gaestin
Status:
Schüler
(266 Beiträge, 86x hilfreich)

Hallo,
die Diskussion um nötige oder unnötige Regeln möchte ich nicht fortführen, aber auf einen rechtlichen Aspekt hinweisen:
Sollte der Sohn es sich dauerhaft bei der Oma gemütlich machen, ist das Kindergeld an die Oma weiterzuleiten. Ebenfalls wären dann Unterhaltszahlungen fällig.
Nur so am Rande erwähnt.
gaestin

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#19
 Von 
amako
Status:
Student
(2563 Beiträge, 1355x hilfreich)

Hallo,
die Problematik der Rückführung gegen den Willen des Kindes sehe ich auch. Allerdings geht das ABR nicht automatisch auf einen Jugendlichen selbst über weil er oder andere ihn für "fast erwachsen" halten. Dann wäre es für jedes Kind, dass mit dem Verhalten seiner Eltern nicht zufrieden ist einfach Fakten schafft, höchst einfach damit das Gesetz auszuhebeln. Man kann in diesem Zusammenhang über mehrere Aspekte diskutieren.
Ist das ABR nur Makulatur? Bestimmt ein Jugendlicher seinen Aufenthalt selbst, oder die Sorgeberechtigten, oder im Konfliktfall die zuständigen Instanzen (Verweise mal auf den Thread mit dem 13 jährigen Mädchen)?
Ist ein15-jähriger, der nicht zu rationalem Handeln in der Lage ist (wie viele Pubertäre) als fast Erwachsener anzusehen?
Das Problem ist doch, dass die Eltern weiterhin verantwortlich bleiben, und sonst niemand. Weiter über die aufgestellten Regeln zu diskutieren halte ich für sinnlos, da hier scheinbar unterschiedliche Schwerpunkte gelegt werden und differenzierte Betrachtung nicht in Frage kommt.
Das Jugendamt scheint mir hier nicht voreingenommen, sondern eher mit der Lage zufrieden, denn dies enthebt sie weiterer Pflichten, ist wohl auch richtig so, denn das Kindeswohl erscheint nicht unmittelbar gefährdet, egal wo der Junge sich aufhält.
Gruß
Andreas


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"Wer schlau ist, kann sich dumm stellen, anders rum geht es nicht!"

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#20
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26837 Beiträge, 11386x hilfreich)

Für was sind denn die Eltern tatsächlich noch verantwortlich? Unabhängig vom Wohnort? Wir müssen uns doch klar machen, dass unsere Kinder beginnend mit dem 7. Geburtstag vom Gesetz her stufenweise in die Eigenverantwortung entlassen werden. Zivilrechtlich in § 828 BGB festgelegt, strafrechtlich ab 14 Jahren. Mit 14 sind die Kinder sogar "religionsrechtlich" mündig. Deshalb sind ja auch diese tollen Schilder "Eltern haften für ihre Kinder" so ein Humbug. Eltern haften nicht für ihre Kinder, diese Schilder helfen nur, wirklich nur dem Schilderfabrikanten. Bei einem 15-jährigen Kind bleiben die paar Unterschriften, die die Eltern eventuell noch zu leisten haben (Ausbildungsvertrag, Schulwechsel, eigenes Konto).

Ich zumindest kenne keinen Fall einer zwangsweisen Rückführung eines Kindes in diesem Alter. Weil es einfach nicht funktioniert. Da werden doch immer andere Lösungen gefunden. Und sei es betreutes Wohnen in einer Wohngruppe. Eventuell ein Schulwechsel (der hat doch längst den Anschluss verloren), eine Klassenwiederholung oder was auch immer. Und noch etwas: kein Kind schreibt schlechte Noten, um seine Eltern zu ärgern. Und dieses "er könnte ja, wenn er wollte..." ist ja wohl auch keine Lösung.

wirdwerden

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#21
 Von 
amako
Status:
Student
(2563 Beiträge, 1355x hilfreich)

Hallo,
der Einwurf des 828 BGB ist hier doch völlig daneben. Die Pflichten der Eltern ergeben sich aus den §§ des BGB die das Sorgerecht betreffen (wir dürfen hier mal nicht außer acht lassen, dass das Sorgerecht eben auch eine Pflicht beinhaltet). Der §1626 (1) ist da doch eindeutig. Aus (2) geht doch genau das hervor, was ich hier die ganze Zeit einfordere: eine differenzierte Betrachtung des Entwicklungsstandes und der Bedürfnisse, da sind Pauschalurteile wie "er wird isoliert" und "bei allen anderen ist das auch so" einfach Fehl am Platze.
Verantwortung tragen die Sorgeberechtigten für das Wohlergehen des Kindes, physisch wie psychisch. Das nimmt ihnen auch niemand ab, weder die Oma noch der Sprössling, es sei den das FamGer entscheidet so.
Gruß
Andreas

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"Wer schlau ist, kann sich dumm stellen, anders rum geht es nicht!"

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#22
 Von 
HighSensitive62
Status:
Beginner
(141 Beiträge, 137x hilfreich)

quote:
Weiter über die aufgestellten Regeln zu diskutieren halte ich für sinnlos, da hier scheinbar unterschiedliche Schwerpunkte gelegt werden und differenzierte Betrachtung nicht in Frage kommt

Unterschiedliche Schwerpunkte gleichzusetzen mit der Unmöglichkeit differenzierter Betrachtung ist schon SEHR gewagt. Motto: "Du bist nicht meiner Meinung also bist du dumm/unqualifiziert/undifferenziert"?
Würde mich nicht wundern, wenn die Kinder von Amako ihre jugendliche Rebellion einfach auf ein Gebiet verlagert haben (oder verlagern werden), das sich der omnipräsenten elterlichen Kontrolle entzieht - z.B. auf ihr Sexualverhalten.

Der Erziehungsstil von wirdwerden ist mir sehr sympathisch jedoch: jede Konstellation braucht ihr eigenes Konzept. Das juristisch durchzusetzen wird wenig helfen. Es geht hier um familiäre Beziehungen, Vertrauen. Meine Empfehlung: entschuldigt euch bei eurem Sohn, dass ihr ihn zum Psychologen geschleift habt, denn nicht er ist das Problem - seine Verweigerung spiegelt vllt. nur einen Konflikt wider, den es schon lange in eurer Familie gibt (Kinder und Jugendliche reagieren sehr empfindlich auf Unausgesprochenes). Und sucht euch einen Mediator, keinen Richter. Vielleicht kann das Jugendamt einen empfehlen?


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#23
 Von 
Yogi1
Status:
Lehrling
(1790 Beiträge, 795x hilfreich)

Vielleicht gefällt es dem Jungen ja schon bald gar nicht mehr bei der Oma? Die Oma scheint ja auch nicht so einfach zu sein. Und zumindest seine Geschwister wird er doch wohl irgendwann vermissen? Wenn schon nicht die "nervigen" Eltern.

Und ich find den Erziehungsstil des TE keinesfalls altbacken. Ich finde das sogar gut und würde mir wünschen, dass viel mehr Eltern achten würden auf den Medienkonsum ihrer Kinder. Da wird also ein Kind isoliert, nur weil alle anderen jeden Tag 6 Stunden vor der Glotze hängen dürfen und jeden Mist anschauen?
Das find ich dann schon aber traurig.

Ich in meiner Jugend - schon länger her - hatte noch nicht mal Kabelanschluss. Ich hatte nie das Gefühl, ich könne nicht mitreden. Sendungen, die ich sehen wollte, hab ich dann halt bei meiner Freundin geguckt*g*. Aber wir haben uns eigentlich eh selten über Fernsehen oder so unterhalten, sondern doch lieber darüber, wie beknackt die Lehrer sind und die Eltern und darüber, wie süß der Junge aus der Parallelklasse ist.

Warum das lebenswichtig sein soll, ständig fernsehen und am Handy hängen zu dürfen, versteh ich nicht. Sogar telefonieren war bei mir reglementiert. Damals gabs noch keine Flatrates und ich neigte dazu, 4 Stunden lang zu telefonieren. Bis meiner Mutter der Kragen platze und sie meinte: Telefonieren nur noch 30 Min. am Tag. Deine Freundinnen können ja vorbei kommen!

Von daher, ich mag den Erziehungsstil des TE. Der Junge wird schon noch zur Vernunft kommen - falls nicht die gehässige Oma ihn völlig aufhetzt.

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#24
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26837 Beiträge, 11386x hilfreich)

High Sensitive: Danke für die Blumen. Natürlich - als die Kinder kleiner waren, da war eine andere Regelung da. Sehr klare Rahmen. Aber eben altersgemässe Lockerung so nach und nach. Ich hab bei vielen Kumpels meiner Beiden, bei denen die Eltern übertrieben streng waren, genau das beobachtet, was hier zu beobachten ist. Flucht aus dem Elternhaus, wenn immer es geht, Protest und natürlich auch Provokation eben bis zur Schulverweigerung. Und das geht ja hier in dem Fall schon zwei Jahre.

Deshalb ist der Mediator eine gute Idee. Und die Eltern sollten eben auch mal in sich gehen und überlegen, wo sie nicht so ganz richtig reagiert haben. Ja, man kann sich auch bei seinen Kindern entschuldigen. Nur, das Kind werden sie so schnell nicht wieder zu Hause einziehen sehen. Deshalb ja mein Vorschlag, es mal ganz altmodisch mit einem Brief versuchen, regelmässig natürlich. Überlegen, ob vielleicht ein Schulwechsel in Betracht kommt. Denn der Junge hat doch Druck von allen Seiten. In der Schule versagt, zu Hause gegängelt wie ein 5-jähriger.

Ganz ehrlich, mir tut das Kind leid.

wirdwerden

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#25
 Von 
amako
Status:
Student
(2563 Beiträge, 1355x hilfreich)

Hallo,
@higsensitive62
Ich weiß nicht, was du unter differenzierter Betrachtung verstehst, das Wort Differenzierung stammt aus dem lateinischen und bedeutet soviel wie Unterschied, Verschiedenheit. Gerade zu Differenzieren bedeutet mehrere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Ich schöpfe da aus einem sehr umfangreichen Erfahrungsschatz, sowohl aus der Vergangenheit (meine größten sind längst Erwachsen, über ihre Sexualität sprechen wir übrigens relativ offen miteinander, sie scheinen mir relativ normal, was immer das auch sei) wie auch der Gegenwart (unsere fast 18-jährige hatte mit 17 ihren ersten festen Freund und hat ihn ziemlich lange "zappeln" lassen, allerdings mache ich mir um meine 9-jährige Sorgen, sie schaut ab und zu unseren Schafen beim kopulieren zu, werde da wohl etwas präsenter sein müssen :grins: ). Ich arbeite ehrenamtlich an einem Schulprojekt, in dem ich Kinder und Jugendliche betreue denen ähnlich wie im geschilderten Fall demnächst das Abrutschen (schulisch) droht, bzw. die bereits abgerutscht sind. Leider muss ich immer wieder feststellen das bei den meisten Fällen (ca. 75%) viel zu wenig Präsenz de Eltern vorhanden war/ist. Da wird ähnlich wie oben von GISHNAH gepostet nach der Schule erst mal stundenlang fern gesehen, mit PS oder Handy gespielt und der liebe Gott ein guter Mann sein gelassen, wenn dann irgendein Elternteil auch nur wagt aufzubegehren und irgendwelche Sanktionen zu verhängen kommt das Entziehen eines Handys eine Aufenthalt in Guantanamo gleich.
Keiner von uns weiß hier, wie es zu dem Regelwerk in der Familie gekommen ist, ich halte übrigens die Eltern, die Regeln aufstellen (und dann noch frecherweise auf deren Einhaltung bestehen) für ausgesprochen verantwortungsvoll. Das eine Kind braucht da andere Maßnahmen als viele anderen (das ist Differenzieren, statt Pauschalisieren), manche brauchen viel Kontrolle andere wenig bis keine (hatte ich auch weiter oben erwähnt, dass dies auch bei meinen eigenen Kindern so war/ist). Ob jemand da anderer Meinung ist, stört mich wenig, ich bezeichne aber niemanden als dumm oder unqualifiziert. Häufig sind wirdwerden und ich einer Meinung und ich schätze sie sehr (sofern man das in einem anonymen Forum so tun kann), jemanden abzuqualifizieren ist nicht meine Art.
Gruß
Andreas

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