Abmahnung - beim nächsten Fehler wirklich gekündigt?

21. Mai 2004 Thema abonnieren
 Von 
Made47
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Abmahnung - beim nächsten Fehler wirklich gekündigt?

Hallo,

ich habe heute auch mal eine Frage ( leider..).
Mein Mann hat heute eine Abmahnung bekommen, leider schon die 3. ! Die erste 1999, die zweite 2002 und heute die nun leider die dritte. Es sind immer unterschiedliche ( betriebliche Gründe ) angeführt, z.B, bei Projekt xy nicht korrekt nach Anweisung gearbeitert etc. so dass der Innendienst immer noch "nacharbeiten " muss.
Er fand die ersten beiden Abmahnungen schon absolut ungerechtfertig, kann sich auch entlasten und ist auch bei der heutigen Abmahnung der Meinung, nach seinem besten Wissen gehandelt zu haben. Es hat für ihn definitv keine andere Anweisung gegeben.
Nun schreibt der Chef, dass es bei einer nochmaligen Abmahnung zur Kündigung kommt. Davor haben wir Angst, wenn er einen Fehler finden will, findet er einen. Jeden Tag ist ein anderer Fall dran und jeder Fall ist so individuell, dass es gar keine allgemeingültigen Regeln geben kann, also könnte der Chef immer sagen, dass hätten Sie so und so machen müssen...

Was können wir jetzt tun ? Kann mein Mann schriftlich widersprechen und wird sie dann aus der Akte entfernt ? Leider hat er bei den ersten beiden nicht schriftlich widersprochen, nur mündlich. Und kann er jetzt beim nächten Fehler wirklich gekündigt werden ?


Für Ihre Antwort im Voraus vielen herzlichen Dank,

Made47.

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3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
guest123-57
Status:
Lehrling
(1131 Beiträge, 273x hilfreich)

Nun, zunächst sollten Sie den Sinn einer Abmahnung verstehen. Mit der Abmahnung wird dem Abgemahnten klar gemacht, daß das abgemahnte Verhalten in Zukunft nicht mehr hingenommen wird und zu einer Kündigung führt, wenn es sich wiederholt. Der Arbeitnehmer soll daher durch die Abmahnung zur Einsicht gelangen.

Es ist sozusagen wie die gelbe Karte beim Fußballspiel.

Je nach Abmahngrund werden Abmahnungen nach einer gewissen Zeit unwirksam, das heißt, sie sind uninteressant. In der Regel ist das zwischen 6 Monaten und einem Jahr. Abmahnungen von 1999 und 2002 spielen daher heute keine Rolle mehr.

Ein Widerspruch gegen eine Abmahnung ist genauso sinnvoll wie das Meckern nach einer gelben Karte beim Fußball. Gibt es hier beim Fußball dann gelb-rot ist das im wirklichen Arbeitsleben genauso. Mit dem Widerspruch würde man nämlich sofort zeigen, daß man eben nicht einsichtig ist und damit kann das Arbeitverhältnis ohne einen neuen Vorfall sofort gekündigt werden, weil dann mangels Einsicht eine Besserung nicht mehr erwartet werden kann.

Ob die Abmahnung gerechtfertigt ist oder nicht wird dann im Rahmen einer evtl. gerichtlichen Überprüfung der später ausgesprochenen Kündigung gewertet.

Nun der Knackpunkt scheint mir zu sein, daß Ihr Mann sich damit rechtfertigt, nach bestem Wissen gehandelt zu haben. Das reicht aber nicht aus und ist schon ein Grund für die Abmahnung. Denn es ist nicht nach eigenem Wissen und eigenem Gewissen zu handeln sondern die Tätigkeit ist optimal nach den Firmeninteressen auszurichten. Und dafür scheint es möglicherweise an Sensibilität zu fehlen.

Wolfgang

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"Wirtschafts-Consult Gesundheitsberufe "

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#2
 Von 
Rechtsanwalt Luis Fernando Ureta
Status:
Schüler
(239 Beiträge, 59x hilfreich)

ein vorgehen gegen eine abmahnung kann wohl kaum mit dem meckern gegen eine schiedsrichterentscheidung verglichen werden. wie der name schon sagt: schiedsRICHTER! damit lässt sich der arbeitgeber nicht vergleichen. wenn der arbeitnehmer sich gegen eine abmahnung wehrt, begründet dies keine erneute abmahnung.
richtig ist, dass ein prozess wegen einer abmahnung zu einer ungewollten eskalation führen kann. in den meisten fällen wird daher auf die gerichtliche korrektur verzichtet und die abmahnung in einem evtl. kündigungsschutzprozess geprüft. da viele abmahnungen fehlerhaft sind, ist dieser weg auch zumeist sinnvoller.
und wenn oben gesagt wird:
"... der Knackpunkt scheint mir zu sein, daß Ihr Mann sich damit rechtfertigt, nach bestem Wissen gehandelt zu haben. Das reicht aber nicht aus und ist schon ein Grund für die Abmahnung. Denn es ist nicht nach eigenem Wissen und eigenem Gewissen zu handeln sondern die Tätigkeit ist optimal nach den Firmeninteressen auszurichten. Und dafür scheint es möglicherweise an Sensibilität zu fehlen."
wage ich mal leisen widerspruch: jeder kann seine tätigkeit nur nach dem eigenen wissen ausrichten. preisfrage kann daher nur sein: was hätte der arbeitnehmer wissen müssen, worüber wurde er vom arbeitgeber informiert, was ist allgemein bekannt usw.
so pauschal möchte ich aber niemanden fehlende sensibilität vorwerfen, zumal in einem solchen forum.
ureta

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
guest123-57
Status:
Lehrling
(1131 Beiträge, 273x hilfreich)

Ich wage zu widersprechen.
Sinn der Abmahnung ist ja nicht eine Disziplinierung, sondern dem Arbeitnehmer klar zu machen, was man als Arbeitgeber zu dulden bereit ist und was nicht (Direktionsrecht). Und wenn trotz Abmahnung das abgemahnte Verhalten fortgesetzt wird, ist das ein Kündigungsgrund.
Fehlt es dem Arbeitnehmer jedoch an Einsicht, den Überlegungen der Abmahnungen zu folgen, ist das abgemahnte Verhalten bereits ein Kündigungsgrund (sofern er einer gerichtlichen Überprüfung materiell standhält).

Unter Sensibilität habe ich hier verstanden, daß es in einem Arbeitsverhältnis primär darauf ankommt, die Firmenphilosophie umzusetzen und nicht seine eigene. Und dazu bedarf es einiger Überlegungen, sich diese zu eigen zu machen.

Wolfgang

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"Wirtschafts-Consult Gesundheitsberufe "

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