Abmahnung mit Androhung von Kündigung als AZUBI

5. Oktober 2010 Thema abonnieren
 Von 
Vally20290
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Abmahnung mit Androhung von Kündigung als AZUBI

Hallo,
habe folgendes Problem:

Habe heute im Geschäft 2 Abmahungen erhalten. Die erste weil die Krankmeldung zu spät eingetroffen war, ok zwar wurde das bei mir im Geschäft immer so gehandhabt, das man sie dann wenn man wieder kommt mitbringt, aber nun gut. Das lasse ich mir noch gefallen.

Aber dann habe ich noch eine bekommen, weil ich angeblich die vom Arzt unterschriebenen Briefe nicht eingetütet und zur Post gebracht habe. Das ist so aber nicht richtig. Denn sie lagen manchmal tagelang in der Unterschreibungsmappe. Wenn der Chef sie nicht unterschreibt, trotz mehrmaligen Aufforderungen kann ich ja wohl nichts machen.
In diesem Fall lagen die Briefe aber von mir gefertigt und gedruckt in der Mappe. Lediglich die Unterschriften haben gefehlt.
Es wird mir aber genau dies vorgeworfen, eben das sie bereits unterschrieben waren. Und ich Idiot habe im eifer des Gefechts nun den Erhalt bestätigt.

Außerdem ist in beiden Abmahnungen vermerkt:

Sollten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen und erneut den Pflichten Ihres Ausbildungsverhältnisses verstoßen, werde ich mir weitere arbeitsrechtliche Schritte bis hin zur Beendigung des Ausbildungsverhältnisses vorbehalten.

Ist dies rechtens? Kann er mich 9 Monate vor meiner Abschlussprüfung rauswerfen?
Ich habe nun richtige Angst, das er mir irgendwas versucht anzuhängen, damit er mich kündigen kann.

Und was mache ich mit der Abmahnung die nicht den Tatsachen entspricht. Kann man irgendeinen Widerspruch einlegen oder eine Gegendarstellung.


Ich bitte um schnelle Antworten.

Vielen Dank im Voraus

Valerie

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11 Antworten
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#1
 Von 
guest-12309.07.2016 16:31:25
Status:
Junior-Partner
(5011 Beiträge, 2531x hilfreich)

quote:
Die erste weil die Krankmeldung zu spät eingetroffen war, ok zwar wurde das bei mir im Geschäft immer so gehandhabt, das man sie dann wenn man wieder kommt mitbringt, aber nun gut. Das lasse ich mir noch gefallen.




Da weisst du nun Bescheid, wie der AG das haben möchte und kannst entsprechend reagieren, sollte nochmal eine AU vorliegen.

Beim zweiten Fall kann man sich dann trefflich streiten. Gehört es denn zu deinem Ausbildungsberuf diese Schreiben zu versenden?

quote:
Und ich Idiot habe im eifer des Gefechts nun den Erhalt bestätigt.




Für was hast du den Erhalt bestätigt?

quote:
Ist dies rechtens? Kann er mich 9 Monate vor meiner Abschlussprüfung rauswerfen?
Ich habe nun richtige Angst, das er mir irgendwas versucht anzuhängen, damit er mich kündigen kann.


Ob die Abmahnung wirksam ist, kann man aus der Ferne und ohne den genauen Inhalt zu kennen, schlecht beurteilen. Aber als AZUBI hast du nach der Probezeit einen relativ robusten Kündigungsschutz - einfach so, kann man den AZUBI dann nicht mehr rauswerfen.
Was soll der AG den versuchen dir anzuhängen?
Sollte es tatsächlich zu einer Kündigung kommen, dann muss eine Schlichtung der eigentlichen arbeitsgerichtlichen Kündigungsschutzklage vorgeschaltet werden.

Ist denn das Verhälntis zum Chef schon länger angespannt?

quote:
Und was mache ich mit der Abmahnung die nicht den Tatsachen entspricht. Kann man irgendeinen Widerspruch einlegen oder eine Gegendarstellung.




Gegen eine Abmahnung sollte man i.d.R. nichts unternehmen. Gar nichts, wenn auch nur ein geringer Teil des abgemahnten Verhaltens den Tatsachen entspricht.
Einen Widerspruch kann man bei Abmahnungen nicht einlegen. Vor dem Arbeitsgericht könnte man auf Entfernung aus der Personalakte klagen. Das ist aber meiner Meinung nach kontraproduktiv.

Das Thema gab es hier erst letzte Woche, kannst ja mal die Antworten durchlesen.
http://www.123recht.net/Widerspruch-gegen-Abmahnung-einlegen-__f261497.html


Und dann gibt es da immer noch den falsche Spruch bei vielen Arbeitnehmern: nach der 3. Abmahnung ist man gekündigt. Das ist natürlich absoluter Quatsch, merkwürdigerweise hält sich diese Legende seit mehreren Generationen.


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#2
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3761x hilfreich)

Dass du den Erhalt der Abmahnung unterschrieben hast, bedeutet nicht, dass du den Abmahngrund akzeptierst, das ist einfach nur eine Empfangsbestätigung, mehr nicht.

Du kannst wie von 1000kleinesachen beschrieben, eine Gegendarstellung schreiben oder auch im persönlichen Gespräch versuchen, die Sache zu klären. Kommst du nicht weiter oder folgt gar eine Kündigung, dann wende dich an die zuständige Kammer (IHK oder HWK?) und beantrage eine Schlichtung. Du kannst dich auch jetzt schon an die Kammer wenden und um Hilfe bitten, weil die Abmahnung nach deiner Meinung ungerechtfertigt war.

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#3
 Von 
blaubär49
Status:
Schlichter
(7434 Beiträge, 2001x hilfreich)

/// ...Sollten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen und erneut den Pflichten Ihres Ausbildungsverhältnisses verstoßen, ...

wenn ... dann - das ist das wesen einer abmahnung, dass sie fehlverhalten gegenüber arbeitsvertraglich geschuldeten pflichten rügt, korrektes verhalten fordert und für den fall, dass sich nichts ändert, mit 'arbeitsrechtlichen konsequenzen' droht.

mit der abmahnung verzichtet der AG erst einmal auf eine kündigung. du versäumst nichts, wenn du jetzt nichts gegen die abmahnung unternimmst, das kannst du immer noch, wenn der AG ggf. eine spätere kündigung auf diese abmahnung stützen will. du solltest aber natürlich alle fakten sorgfältig dokumentieren.

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"... nach bestem Wissen :) .
"Das ganze Leben ist ein Quiz ...""

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#4
 Von 
Vally20290
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Ja es gehört zu meinen Pflichten. Allerdings kann ich sie nicht ohne Unterschriften versenden. Es wird mir vorgeworfen, die unterschriebenen Schreiben nicht versenden zu haben.

Sie lagen allerdings versendefertig in der Mappe. Es haben lediglich die Unterschriften gefehlt. Und am darauf folgenden Tag war ich mit Lungenentzündung erkrankt und konnte der Sache nicht mehr nachgehen.

Ich hab den Erhalt der Abmahnung bestätigt. Aber dies scheint wohl nicht dafür zu sprechen, dass ich die Abmahnung gerechtfertigt finde.

Und was ist wegen der Personalakte? Können künftige Arbeitgeber diese einfordern und es wirft somit schlechtes Licht auf mich?

Das Verhältnis ist seit kurzem sehr angespannt. Aber wieso weiss ich im Grunde auch nicht so genau.

Also habe ich als Azubine besonderen Kündigungsschutz und kann so einfach nicht rausgeworfen werden?
Habe ich das richtig verstanden?

Vielen Dank für die Infos

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#5
 Von 
blaubär49
Status:
Schlichter
(7434 Beiträge, 2001x hilfreich)

/// Können künftige Arbeitgeber diese einfordern

nein. abmahnungen bleiben bei dem, der sie ausgestellt hat. im übrigen verlieren abmahnung mit der zeit ihre drohgewalt - nach ... jahren kann auch der jetzige arbeitgeber sie nciht mehr für eine kündigung nutzen.


/// ... und kann so einfach nicht rausgeworfen werden?

sooo einfach ist es in der tat nicht.

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"... nach bestem Wissen :) .
"Das ganze Leben ist ein Quiz ...""

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#6
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3761x hilfreich)

Es haben lediglich die Unterschriften gefehlt. Und am darauf folgenden Tag war ich mit Lungenentzündung erkrankt und konnte der Sache nicht mehr nachgehen .

Mit einer Lungenentzündung ist man in der Regel mehrere Wochen außer Gefecht. Wenn du die Schreiben also vorbereitet hast, wie es deine Aufgabe ist, und am folgenden Tag für längere Zeit ausfallen sein müsstest, dann frage ich mich, ob deine Darstellung objektiv war. Wie hättest du in dem Fall die Schreiben versenden können und wie wollte man dir dann was vorwerfen?

Also habe ich als Azubine besonderen Kündigungsschutz und kann so einfach nicht rausgeworfen werden?

Dieser Kündigungsschutz bedeutet nicht, dass der AG dir nicht kündigen kann. Der kann jederzeit eine Kündigung schreiben, daran kann ihn niemand hindern. Die Recht- oder Unrechtmäßigkeit der Kündigung stellt letzten Endes ein Arbeitsgericht fest.

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#7
 Von 
guest-12309.07.2016 16:31:25
Status:
Junior-Partner
(5011 Beiträge, 2531x hilfreich)

quote:
Dieser Kündigungsschutz bedeutet nicht, dass der AG dir nicht kündigen kann.


Um es mal zu präzisieren: nach Ablauf der Probezeit kann der Ausbildungsvertrag vom AG nicht mehr ordentlich gekündigt werden. Das Recht zur ausserordentlichen Kündigung besteht natürlich weiterhin.

Deshalb ist eine Azubi während der Ausbildung m.E. besser geschützt als eine AN, der zwar unter das Kündigungsschutzgesetz fällt, aber dennoch betriebsbedingt gekündigt werden kann.

http://www.123recht.net/Die-K%C3%BCndigung-im-Ausbildungsverh%C3%A4ltnis-__a16083.html


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#8
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3761x hilfreich)

Ja, das stimmt, eine Azubi hat mit einer Kündigungsschutzklage eher Erfolg, ist also schwerer rechtmäßig zu kündigen.

Aber: Kündigen kann jeder jedem jederzeit.

Ob das rechtens ist, ist eine andere Sache und bis die Angelegenheit dann vorm Arbeitsgericht verhandelt wird, kann einige Zeit ins Land gehen, der Azubi steht auf der Straße und verpasst u. U. den geplanten Prüfungstermin.


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#9
 Von 
guest-12309.07.2016 16:31:25
Status:
Junior-Partner
(5011 Beiträge, 2531x hilfreich)

quote:
Ob das rechtens ist, ist eine andere Sache und bis die Angelegenheit dann vorm Arbeitsgericht verhandelt wird, kann einige Zeit ins Land gehen, der Azubi steht auf der Straße und verpasst u. U. den geplanten Prüfungstermin.


Ich hoffe wir reden nicht aneinander vorbei. Habe Sie sich mal mal die Ausführungen des verlinkten Artikels zu Gemüte geführt?
Bei Azubis wird die ausserordenliche Kündigung in erster Linie eben nicht über eine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht geklärt, sondern in einem vorgeschaltetem Schlichtungsverfahren. Das sollte dann um einiges zügiger gehen, als eine Kündigungsschutzklage.

quote:
Aber: Kündigen kann jeder jedem jederzeit.

Das ist für mich ein Totschlagargument, was man hier unter viele Fragen posten könnte. Natürlich kann sich auch jeder zu jeder Zeit ungesetzlich verhalten, aber bringt einen diese Erkenntnis weiter?
Ein befristeter Arbeitsvertrag kann z.B. ohne vereinbarte Kündigungsmöglichkeit ebenso nicht ordentlich gekündigt werden. Was bringt mir dann die Aussage, dass es doch ginge?

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#10
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3761x hilfreich)


......Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht geklärt, sondern in einem vorgeschaltetem Schlichtungsverfahren. Das sollte dann um einiges zügiger gehen, als eine Kündigungsschutzklage.

Eine Schlichtungsverhandlung ist kein Gericht und kann den AG nicht dazu ´´verurteilen´´ den Azubi wieder zu beschäftigen. Es wird nur versucht, eine gütliche Einigung zu finden. Will der AG die nicht, kann und muss der Azubi klagen. Deshalb ist es in der Praxis -auch mit schnellem Schlichtungstermin - ein längerer Weg. Die Schlichter stellen dann ergebnislos fest, dass weder ein Spruch noch eine Einigung möglich war.

Kündigen kann jeder jedem jederzeit.
Das ist für mich ein Totschlagargument,......aber bringt einen diese Erkenntnis weiter?


Ja, sie lässt den Unterschied zwischen Recht haben und Recht bekommen deutlich werden. Dass der AG kündigt, obwohl er evtl. einen Arbeitsgerichtsprozess verliert, bedeutet, dass der Azubi -auch wenn ungerechtfertigt gekündigt- der Leidtragende ist.

Schöne Theorie und mögliche Praxis eben.

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#11
 Von 
MitEtwasErfahrung
Status:
Lehrling
(1840 Beiträge, 485x hilfreich)

quote:
Schöne Theorie und mögliche Praxis eben.


Genau, gerade im Arbeitsleben klaffen Theorie und Praxis weit auseinander. Gesetzte wie Maßregelungsverbot, Kündigungsschutz usw. sind in der Praxis stumpfe Schwerter.

Da rechtliche Verfahren viel zu lange dauern und ein AN auf sein Gehalt angewiesen ist (oder auf das Bestehen der Prüfung) sitzt der AG am längeren Hebel. Und gegen Bossing ist in Wirklichkeit kein Kraut gewachsen.

Daher sollte man nie auf den besonderen Schutz vertrauen sondern Alternativen suchen.


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"Nur meine Meinung, keine Rechtsberatung! "

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