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Abmahnung wegen nicht erfolgter telefonischer Meldung der AU-Verlängerung ohne entsprechende Klausel

 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)
Abmahnung wegen nicht erfolgter telefonischer Meldung der AU-Verlängerung ohne entsprechende Klausel

Hallo zusammen,

folgendes Szenario:

AN ist längerfristig erkrankt und bereits im Krankengeldbezug.

Eine erneut Folge-AU-Bescheinigung wurde ausgestellt und an den AG postalisch übersandt. Eine telefonische Krankmeldung beim AG ist für diese AU-Verlängerung nicht erfolgt.

Der AG hat Kenntnis von der Langfristigkeit der Erkrankung. Eine zuvor erfolgte telefonische Absprache zwischen AG und AN war, dass AN sich meldet, wenn eine Änderung der aktuellen Situation absehbar ist.

AG mahnt nun schriftlich ab, da gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten verstoßen wurde, da eine telefonische Krankmeldung am nächsten Arbeitstag nach der zuvor abgelaufenen AU nicht erfolgte.

Es ist jedoch keine solche Klausel im Arbeitsvertrag vorhanden. Das Thema Arbeitsunfähigkeit wird im Arbeitsvertrag überhaupt nicht erwähnt.

Es ist davon auszugehen, dass der AG hier eine verhaltensbedingte Kündigungsmöglichkeit vorbereitet werden soll, um den langfristig erkrankten AN auf diese Weise loszuwerden.

Der Abmahnung soll nun in einer Gegendarstellung widersprochen werden.

Ansatz1: Abmahnung erfolgt im Text wegen der Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten (konkret telefonische Meldung am letzten Tag der bestehenden AU-Bescheinigung) = Die Pflicht der telefonischen Krankmeldung ist im AV jedoch überhaupt nicht existent. --> Eine arbeitsvertragliche Pflicht, die nicht existiert, kann nicht verletzt werden?

Ansatz2: In einem Telefonat mit dem AG wurde die Langfristigkeit der Erkrankung thematisiert. Mit der Personaleinsatzplanung betrauten Person wurde telefonisch besprochen, sobald eine Änderung der Perspektive eintritt, entsprechende Meldung zu geben. Da keinerlei Änderung eingetreten ist, ist eine telefonische Meldung nicht erfolgt.
Stattdessen ist die Folge-AU am Tag nach der Ausstellung durch den Arzt per Post an den AG verschickt worden.

Oder gibt es andere Herangehensweisen?

Vielen Dank schon einmal


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Krankmeldung Meldung Pflicht


36 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Richter
(8625 Beiträge, 3938x hilfreich)

So viel Text für ein mickriges Problem?
Arbeitsvertragliche Pflichten ergeben sich nicht nur aus dem AV, sondern auch aus Gesetzen. Hier EntgFG § 11
Der AG mag kleinlich handeln; richtig ist auch, dass für Folgebescheinigungen die telefonische Ankündigung nicht vorgesehen ist, sondern nur die Vorlage einer neuen Bescheinigung - über allem schwebt das schöne Wort 'unverzüglich'.
Von einer Gegendarstellung rate ich ab, damit gießt du vor allem wohl Öl ins Feuer. Hier ist eher angesagt, die sog. Abmahnung zu lochen und abzuheften - der AG kann ohnehin nichts darauf aufbauen.

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(65147 Beiträge, 31176x hilfreich)

Zitat (von NasserPudel):
Der Abmahnung soll nun in einer Gegendarstellung widersprochen werden.

Warum immer dieser Drang zu diesen nutzlosen und sogar kontraproduktiven Gegendarstellungen?

Reden ist silber, schweigen ist Gold ...


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Richter
(8625 Beiträge, 3938x hilfreich)

@harry
... wegen der Emotionen, AN fühlt oder sieht sich ungerecht behandelt und das schreit nach Rache oder mindestens Erwiderung in Klartext. Man möchte dem AG eins hinreiben, ihn belehren .... und möglicherweise ist das dann auch nur das Ventil für anderen Unbill.
Dass man damit u.U. noch mehr Porzellan zerdeppert, sieht man nicht, will es nicht sehen - oder es ist in dem Moment auch egal.

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#4
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
@harry
... wegen der Emotionen, AN fühlt oder sieht sich ungerecht behandelt und das schreit nach Rache oder mindestens Erwiderung in Klartext. Man möchte dem AG eins hinreiben, ihn belehren .... und möglicherweise ist das dann auch nur das Ventil für anderen Unbill.
Dass man damit u.U. noch mehr Porzellan zerdeppert, sieht man nicht, will es nicht sehen - oder es ist in dem Moment auch egal.

Danke für Deine Einlassung. In diesem Fall muss ich dir jedoch widersprechen. Keine deiner Einschätzungen trifft in diesem Fall zu. Der Antrieb ist wie bereits oben versucht zu erklären, dass die ausgesprochene Abmahnung offenbar den Weg ebnen soll, den langfristig erkrankten AN verhaltensbedingt kündigen zu können. Diese Grundlage soll dem AG hier genommen werden, da es bisher keinerlei Fehlverhalten gab und auch hier für mein Verständnis keines vorliegt. Es geht hier letztendlich um einen Arbeitsplatz in einem Arbeitsverhältnis, das bis zur Erkrankung des AN problemlos war.

Wenn es andere Herangehensweisen an die Problematik gibt, freue ich mich über Hinweise dazu.

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#5
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von NasserPudel):
Der Abmahnung soll nun in einer Gegendarstellung widersprochen werden.

Warum immer dieser Drang zu diesen nutzlosen und sogar kontraproduktiven Gegendarstellungen?

Reden ist silber, schweigen ist Gold ...

Danke für deine Antwort.

Es ist halt das, was man findet, wenn man sich versucht im Netz schlau zu machen, wenn man denkt, eine Abmahnung sei zu Unrecht ausgesprochen worden. Gerne lasse ich mich in meiner Einschätzung eines Besseren belehren.

Würde eine solche Abmahnung durch einen Widerspruch / Gegendarstellung nicht sozusagen gegenstandslos wenn die eingebrachten Gründe zutreffend sind?

Was wäre im verhaltensbedingten Kündigungsfall, wenn man sich nicht frühzeitig gegen eine vermeintlich ungerechtfertigte Abmahnung gewehrt hat, es quasi keine verhaltensbedingten Gründe gibt?

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#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(65147 Beiträge, 31176x hilfreich)

Entweder die Abmahnung ist gültig, weil ein Verstoß vorliegt. Dann ist die Gegendarstellung Zeitverschwendung.
Oder die Abmahnung ist gültig, weil kein Verstoß vorliegt. Dann ist die Gegendarstellung Zeitverschwendung.

Und mir ist noch kein Arbeitgeber begegnet der sich von dem Plan jemanden loszuwerden von einer Gegendarstellung abbringen lies.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(65147 Beiträge, 31176x hilfreich)

Zitat (von NasserPudel):
Würde eine solche Abmahnung durch einen Widerspruch / Gegendarstellung nicht sozusagen gegenstandslos wenn die eingebrachten Gründe zutreffend sind?

Nein, weil nichts den AG daran hindert seine Kündigung dennoch darauf zu stützen.

Ob die Abmahnung gegenstandslos ist, klärt man dann im Rahmen der Kündigungsschutzklage.



Zitat (von NasserPudel):
Was wäre im verhaltensbedingten Kündigungsfall, wenn man sich nicht frühzeitig gegen eine vermeintlich ungerechtfertigte Abmahnung gewehrt hat, es quasi keine verhaltensbedingten Gründe gibt?

Je weiter sich die Kündigung vom Zeitpunkt der Abmahnung entfernt, desto schwächer wird diese.



Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#8
 Von 
fb367463-2
Status:
Junior-Partner
(5136 Beiträge, 2410x hilfreich)

Wollen Sie wirklich dem Arbeitgeber durch Ihre Gegendarstellung mitteilen, wie Ihre Strategie bei einer möglichen Kündigung ist? Ich würd's nicht tun.

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#9
 Von 
blaubär+
Status:
Richter
(8625 Beiträge, 3938x hilfreich)

Eine Abmahnung kann zu jeder Zeit angegriffen werden und oftmals ist es richtig, es dann zu tun, wenn der AG tatsächlich eine Kündigung damit angeht - eine Frage der Taktik. Es ist also überhaupt nicht geboten, eine Gegendarstellung zu schreiben.
Im konkreten Fall müsste man ja dem AG sagen: Lies das Gesetz, da steht nix davon drin, was du vorwirfst. Und sowas nenne ich: den AG belehren, ihn schlau machen, ihm sagen, wie es geht. Muss ein AN wirklich nicht.

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#10
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Eine Abmahnung kann zu jeder Zeit angegriffen werden und oftmals ist es richtig, es dann zu tun, wenn der AG tatsächlich eine Kündigung damit angeht - eine Frage der Taktik. Es ist also überhaupt nicht geboten, eine Gegendarstellung zu schreiben.
Im konkreten Fall müsste man ja dem AG sagen: Lies das Gesetz, da steht nix davon drin, was du vorwirfst. Und sowas nenne ich: den AG belehren, ihn schlau machen, ihm sagen, wie es geht. Muss ein AN wirklich nicht.

Danke für Deine Antwort.

Mein Gedankengang war, dass im Falle einer späteren Kündigung, eine nicht erfolgte Gegendarstellung seitens AN zum Zeitpunkt der Abmahnung eher negativ ausgelegt würde. Im Sinne von: "Sie hätten sich wehren müssen, als man die ungerechtfertigte Abmahnung ausgeprochen hat"

Dem ist dann ja offenbar nicht so.

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#11
 Von 
blaubär+
Status:
Richter
(8625 Beiträge, 3938x hilfreich)

Wenn der AN noch länger krank sein wird, wird es vmtl. weitere Folgebescheinigungen geben - und das Spielchen kann sich wiederholen - kein Grund zur Besorgnis.
AN ist auf der sicheren Seite, wenn er die AU jeweils 'postwendend' dem AG zustellt. Und kein Gericht wird dem AG folgen, wenn er damit eine Kündigung versuchen sollte - denn die arbeitsrechtliche Verpflichtung, die Folge-AU jeweils auch telefonisch anzukündigen, gibt es nicht. Das hattest du ja schon auch eingangs erkannt gehabt.

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#12
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Wenn der AN noch länger krank sein wird, wird es vmtl. weitere Folgebescheinigungen geben - und das Spielchen kann sich wiederholen - kein Grund zur Besorgnis.
AN ist auf der sicheren Seite, wenn er die AU jeweils 'postwendend' dem AG zustellt. Und kein Gericht wird dem AG folgen, wenn er damit eine Kündigung versuchen sollte - denn die arbeitsrechtliche Verpflichtung, die Folge-AU jeweils auch telefonisch anzukündigen, gibt es nicht. Das hattest du ja schon auch eingangs erkannt gehabt.

Genau, voraussichtlich wird es noch längere Zeit Folgebescheinigungen geben müssen. AN wird also einfach, wie gehabt, die AU-Folgebescheinigungen ohne schuldhafte Verzögerung postalisch übersenden.

Danke für die Einschätzung.

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#13
 Von 
Scappler
Status:
Lehrling
(1154 Beiträge, 712x hilfreich)

Zitat (von NasserPudel):

Genau, voraussichtlich wird es noch längere Zeit Folgebescheinigungen geben müssen. AN wird also einfach, wie gehabt, die AU-Folgebescheinigungen ohne schuldhafte Verzögerung postalisch übersenden.

Wenn man davon ausgeht, dass der AG evtl. auf eine Kündigung aus ist, dann sollte man die AU Bescheinigung auf jedenfall per Einwurfeinschreiben versenden.

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#14
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26957 Beiträge, 11398x hilfreich)

Was ich in so Fällen immer empfehle: kurzes Schreiben an den AG mit nachfolgendem Inhalt: offensichtlich gab es ein Mißverständnis hinsichtlich des Vorgehens/ der Kommunikation bei Arbeitsunfähigkeit. Um so etwas in Zukunft zu vermeiden, würde man bitten, schriftlich eine genaue Anweisung zu erteilen. Wichtig ist die Vokabel "schriftlich." Damit hast Du den schwarzen Peter zum Arbeitgeber geschoben, im Falle eines Rechtsstreits hat man einen genauen Eindruck, was da gelaufen ist, ohne dass Du jetzt gleich auf Konfrontation gehen musst.

wirdwerden

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#15
 Von 
Eidechse
Status:
Senior-Partner
(6804 Beiträge, 3728x hilfreich)

Für alle diejenigen, die hier meinten, dass die Verpflichtung zur unverzüglichen Meldung der Fortsetzung der Erkrankung nicht erfolgen muss, weil es nicht im EFZG steht, hier mal der Hinweis auf BAG, Urt. v. 3. 11. 2011 − 2 AZR 748/10. Danach gilt die unverzügliche Verpflichtung zur Meldung auch bei der Fortsetzung der AU. Von daher hätte der TS die Abmahnung zu Recht erhalten.

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#16
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26957 Beiträge, 11398x hilfreich)

Seh ich auch so, nur, man weiss ja nicht, was da wie vorher vereinbart worden ist. Aufgrund dieses Kuddelmuddels ja meine Empfehlung. Tut niemandem weh, stellt klar, wie es in Zukunft laufen soll und gut ist.

wirdwerden

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#17
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Hallo zusammen,

ein Update:
Wie eingangs befürchtet, hat AG mittlerweile die fristgerechte, verhaltensbedingte Kündigung ausgesprochen.

Nach der damaligen Abmahnung hat AN vor dem Ende einer jeden AU-Bescheinigung einen Brief per Einschreiben mit Informationen über das Ende der aktuellen AU und einen bevorstehenden Arzttermin mit der Möglichkeit einer Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit an AG übersandt.
Die jeweilige Folge-AU wurde dann unverzüglich, ebenso per Einschreiben an den AG übersandt.

Letztendlich hat AG als Kündigungsgrund die wiederholte nicht zeitgerechte Übersendung der AU-Bescheinigungen angeführt.

Kündigungsschutzklage ist erhoben.

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#18
 Von 
Ratsuchender@123net
Status:
Schüler
(363 Beiträge, 71x hilfreich)

Sofern ein Arbeitnehmer beispielsweise eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt hat, die ihm eine Arbeitsunfähigkeit vom 01.01.2019 bis voraussichtlich zum 31.01.2019 bescheinigt, muss bei weiterhin bestehender Arbeitsunfähigkeit eine Folgebescheinigung dem Arbeitgeber zu Beginn des 01.02.2019 bereits vorliegen oder er muss in ein anderer Weise zu dem Zeitpunkt hierüber in Kenntnis gesetzt werden.

Die Anzeigepflicht einer (verlängerten) Arbeitsunfähigkeit gehört zu den nebenvertraglichen Pflichten eines Arbeitnehmers.

Eine diesbezügliche einmalige Abmahnung wird jedoch möglicherweise keine Kündigung rechtfertigen.

Jedenfalls wird spätestens jetzt deutlich, dass der Arbeitgeber hier das Arbeitsverhältnis - notfalls auch gegen Zahlung einer Abfindung, sofern denn das Kündigungsschutzgesetz gilt - auflösen möchte. Insoweit sollte gut verhandelt werden können.

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#19
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(10599 Beiträge, 4714x hilfreich)

Zitat (von NasserPudel):
Die jeweilige Folge-AU wurde dann unverzüglich, ebenso per Einschreiben an den AG übersandt.
Und genau darin sehe ich hier einen Verstoß gegen die Pflichten des AN.
"Unverzüglich informiert" ist nicht gleichbedeutend mit "unverzüglich versendet". Bei einem Einschreiben kann es durchaus mehr als einen Arbeitstag dauern, bis dieses Einschreiben die Firma erreicht. Da der AN bereits abgemahnt wurde und anscheinend weiterhin gegen seine Pflichten verstoßen hat, sehe ich die Kündigung als gerechtfertigt an.
Nasser Pudel, was hat dich denn daran gehindert, den Chef telefonisch, direkt nach dem jeweiligen Arztbesuch, über die erneute AU zu informieren?

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#20
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat:
Und genau darin sehe ich hier einen Verstoß gegen die Pflichten des AN.
"Unverzüglich informiert" ist nicht gleichbedeutend mit "unverzüglich versendet". Bei einem Einschreiben kann es durchaus mehr als einen Arbeitstag dauern, bis dieses Einschreiben die Firma erreicht. Da der AN bereits abgemahnt wurde und anscheinend weiterhin gegen seine Pflichten verstoßen hat, sehe ich die Kündigung als gerechtfertigt an.
Nasser Pudel, was hat dich denn daran gehindert, den Chef telefonisch, direkt nach dem jeweiligen Arztbesuch, über die erneute AU zu informieren?

Der AG wurde bereits vor Monaten in Kenntnis gesetzt, dass es sich bei dieser Erkrankung um eine sehr langfristige Angelegenheit handelt und eine kurzfristige Rückkehr des AN nicht absehbar ist. Konsens dieses Gespräches war, dass AN sich wieder meldet, sobald eine Änderung der Umstände in Sicht ist. Dies ist (leider) mündlich vereinbart worden. Zu dem Zeitpunkt war das Arbeitsverhältnis als absolut unbelastet anzusehen. Deshalb wurde hier nicht für jede AU telefoniert. AG hat dies selbst so vorgeschlagen.

Nach der damals erfolgten Abmahnung ist dem AG jeweils einige Tage vor Ablauf der aktuellen AU postalisch mitgeteilt worden, dass ein neuerlicher Arztbesuch ansteht und eine Folge AU möglich ist, da keine Zustandsänderung vorliegt.
Da hier bereits die Vermutung nahe lag, dass AG eine Kündigung vorbereitet (siehe oben) ist dies schriftlich erfolgt, da ein Telefonanruf naturgemäß etwas an der Nachweisbarkeit krankt.

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#21
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von Ratsuchender@123net):
Sofern ein Arbeitnehmer beispielsweise eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt hat, die ihm eine Arbeitsunfähigkeit vom 01.01.2019 bis voraussichtlich zum 31.01.2019 bescheinigt, muss bei weiterhin bestehender Arbeitsunfähigkeit eine Folgebescheinigung dem Arbeitgeber zu Beginn des 01.02.2019 bereits vorliegen oder er muss in ein anderer Weise zu dem Zeitpunkt hierüber in Kenntnis gesetzt werden.

Die Anzeigepflicht einer (verlängerten) Arbeitsunfähigkeit gehört zu den nebenvertraglichen Pflichten eines Arbeitnehmers.

Eine diesbezügliche einmalige Abmahnung wird jedoch möglicherweise keine Kündigung rechtfertigen.

Jedenfalls wird spätestens jetzt deutlich, dass der Arbeitgeber hier das Arbeitsverhältnis - notfalls auch gegen Zahlung einer Abfindung, sofern denn das Kündigungsschutzgesetz gilt - auflösen möchte. Insoweit sollte gut verhandelt werden können.

Wie in vorheriger Antwort auch schon erwähnt, wurde der AG vor Ablauf der jeweiligen AU per Brief in Kenntnis gesetzt, dass ein neuerlicher Arztbesuch erforderlich ist und eine Folge-AU daher möglich.

Die Rahmenbedingungen zur Anwendbarkeit des Kündigungsschutzgesetzes sind gegeben. Der obligatorische Gütetermin beim Arbeitsgericht wird wohl zeitnah folgen.

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#22
 Von 
Ratsuchender@123net
Status:
Schüler
(363 Beiträge, 71x hilfreich)

Zitat (von NasserPudel):
Wie in vorheriger Antwort auch schon erwähnt, wurde der AG vor Ablauf der jeweiligen AU per Brief in Kenntnis gesetzt, dass ein neuerlicher Arztbesuch erforderlich ist und eine Folge-AU daher möglich.

Ist dieses Schreiben dann vor Ablauf der jeweils aktuellen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber eingegangen?

Lassen Sie sich in dem Kündigungsschutzverfahren anwaltlich vertreten?

Möglicherweise weiß der Arbeitgeber sehr genau, dass seine Chancen auf Wirksamkeit der Kündigung nicht ausreichend sind, kündigt aber in der Hoffnung, durch Zahlung einer Abfindung das Arbeitsverhältnis auflösen zu können.

Vielleicht posten Sie ja einmal das Ergebnis des Gütetermins. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen hierfür viel Erfolg!

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#23
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(10599 Beiträge, 4714x hilfreich)

Zitat (von NasserPudel):
Wie in vorheriger Antwort auch schon erwähnt, wurde der AG vor Ablauf der jeweiligen AU per Brief in Kenntnis gesetzt, dass ein neuerlicher Arztbesuch erforderlich ist und eine Folge-AU daher möglich.
Das reicht nicht! Was ist denn daran schwer zu verstehen, dass du den AG nach erfolgter neuer Krankschreibung unverzüglich zu unterrichten hast? Du hast dazu bereits eine Abmahnung erhalten und unterrichtest den AG dennoch nicht unverzüglich nach erneuter Krankschreibung???
Sorry, das ist für mich völlig unverständlich.

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#24
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von Ratsuchender@123net):

Ist dieses Schreiben dann vor Ablauf der jeweils aktuellen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber eingegangen?

Ja, es wurde immer einige Tage vor Ablauf der aktuellen AU-Bescheinigung verschickt.


Zitat (von Ratsuchender@123net):

Lassen Sie sich in dem Kündigungsschutzverfahren anwaltlich vertreten?


Ja.

Zitat:

Möglicherweise weiß der Arbeitgeber sehr genau, dass seine Chancen auf Wirksamkeit der Kündigung nicht ausreichend sind, kündigt aber in der Hoffnung, durch Zahlung einer Abfindung das Arbeitsverhältnis auflösen zu können.

Vielleicht posten Sie ja einmal das Ergebnis des Gütetermins. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen hierfür viel Erfolg!


Vielen Dank. Ich werde hier ein Update machen.

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#25
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(10599 Beiträge, 4714x hilfreich)

Zitat (von Ratsuchender@123net):
kündigt aber in der Hoffnung, durch Zahlung einer Abfindung das Arbeitsverhältnis auflösen zu können.
Darauf wird es wohl, in einer Güteverhandlung, hinauslaufen.
Ein Anwalt ist vor dem Arbeitsgericht zunächst einmal nicht nötig. Wenn eine Rechtschutzversicherung besteht, dann sollte man sich aber diese Hilfe natürlich hinzuholen.

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#26
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von -Laie-):
Zitat (von NasserPudel):
Wie in vorheriger Antwort auch schon erwähnt, wurde der AG vor Ablauf der jeweiligen AU per Brief in Kenntnis gesetzt, dass ein neuerlicher Arztbesuch erforderlich ist und eine Folge-AU daher möglich.

Das reicht nicht! Was ist denn daran schwer zu verstehen, dass du den AG nach erfolgter neuer Krankschreibung unverzüglich zu unterrichten hast? Du hast dazu bereits eine Abmahnung erhalten und unterrichtest den AG dennoch nicht unverzüglich nach erneuter Krankschreibung???
Sorry, das ist für mich völlig unverständlich.

Vielen Dank für Deine Antwort.
Schwer zu verstehen ist an deiner Einlassung tatsächlich nichts. Ich verstehe sehr gut, was du schreibst.
Es tut mir leid, dass du den geschilderten Vorgang als unverständlich empfindest. Es ist jedoch der gewählte Weg.

Eine unverzügliche Unterrichtung des AG nach neuer AU bedeutet, dass telefoniert werden muss?

Ist das irgendwo definiert, dass eine vorherige Unterrichtung (vor AU-Ablauf) über neuerlichen Arztbesuch und unverzügliche Übersendung der AU nach Ausstellung rechtlich nicht ausreichend ist, bzw. ein Telefonat notwendig ist? Denn genau das sind Fragen die ich bei meiner Recherche auch durch Gesetzestext nicht ausreichend beantwortet sehe.

Dass der AG mit dieser Abmahnung recht durchschaubar eine Kündigung vorzubereiten scheint, habe ich ja im November bereits befürchtet und auch hier geschrieben.

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#27
 Von 
Ratsuchender@123net
Status:
Schüler
(363 Beiträge, 71x hilfreich)

Noch ein freundlich gemeinter Hinweis von mir:

Wenn Sie während der Kündigungsfrist weiterhin arbeitsunfähig erkrankt sind, besorgen Sie sich bitte entweder mindestens zwei Tage vor Ablauf der aktuellen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eine Folgebescheinigung und versenden sie die dann sofort und nachweislich oder aber übermitteln diese vorab per Telefax mit Sendungsprotokoll bzw. lassen das Original der Bescheinigung noch am Ausstellungstag in den Briefkasten des Arbeitgebers per Boten einwerfen.

Sie dürfen bitte dem Arbeitgeber keine Angriffsfläche bieten.

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#28
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(10599 Beiträge, 4714x hilfreich)

Zitat (von NasserPudel):
Eine unverzügliche Unterrichtung des AG nach neuer AU bedeutet, dass telefoniert werden muss?
Nein. Wie der AG unverzüglich unterrichtet wird, das ist deine Entscheidung. Spontan fällt mir da ein direkt nach erfolgter Krankschreibung:
- Telefonische Mitteilung
- Persönlich hinfahren und dies persönlich mitteilen
- Jemanden die Krankschreibung direkt zum Arbeitgeber hinbringen lassen
- Ein Fax mit Empfangsbestätigung zu schicken
Es gibt also genügend Wege dem AG die erneute Krankschreibung unverzüglich mitzuteilen. Ein Einschreibebrief nach Ablauf der alten Krankschreibung zu verschicken reicht oft nicht.

Zitat (von NasserPudel):
Denn genau das sind Fragen die ich bei meiner Recherche auch durch Gesetzestext nicht ausreichend beantwortet sehe.
Du stellst die falsche Frage.
Du musst fragen: Was ist definiert?
Nun, es ist definiert den AG, nach erfolgter Krankschreibung, unverzüglich zu unterrichten. Wie du das machst ist deine Sache.

Zitat (von NasserPudel):
Ist das irgendwo definiert, dass eine vorherige Unterrichtung (vor AU-Ablauf) über neuerlichen Arztbesuch und unverzügliche Übersendung der AU nach Ausstellung rechtlich nicht ausreichend ist, bzw. ein Telefonat notwendig ist?
Ja, es ist definiert, dass der AG über einer erneute Krankschreibung unverzüglich zu unterrichten ist. Es gibt allerdings eine kleine Lücke, es ist nicht gesetzlich festgelegt, wann die Folgebescheinigung den AG erreichen muss. Akzeptiert sind meist bis zu 3 Tage nach Ablauf der alten Krankschreibung. Die Information darüber darf allerdings nicht so lange auf sich warten lassen. Der Versand der Krankschreibung, also die physikalische Form, das Papier, das war so in Ordnung, allerdings nicht, dass du deinen AG nicht über die neuerliche Krankschreibung unterrichtet hast.

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#29
 Von 
Spejbl
Status:
Schüler
(221 Beiträge, 25x hilfreich)

U.U. ist aber eine krankheitsbedingte Kündigung möglich. Die Grenzen dafür sind zwar relativ eng gesetzt, aber es ist möglich. Die "Angiffsfläche" kann also durchsus der Fakt einer fortwährenden Kranmeldung bzw AU- Meldung sein.

Kann man ergoogeln u.a. hier:

https://www.google.com/search?client=firefox-b&q=k%C3%BCndigung+krankheitsbedingt

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#30
 Von 
NasserPudel
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 12x hilfreich)

Zitat (von Spejbl):
U.U. ist aber eine krankheitsbedingte Kündigung möglich. Die Grenzen dafür sind zwar relativ eng gesetzt, aber es ist möglich. Die "Angiffsfläche" kann also durchsus der Fakt einer fortwährenden Kranmeldung bzw AU- Meldung sein.

Kann man ergoogeln u.a. hier:

https://www.google.com/search?client=firefox-b&q=k%C3%BCndigung+krankheitsbedingt

Danke für deine Antwort.

Die Kündigung ist, wie weiter oben zu lesen, verhaltensbedingt ausgesprochen worden.

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