Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
560.764
Registrierte
Nutzer

Arbeitgeber anzeigen

 Von 
Mogeltom
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 69x hilfreich)
Arbeitgeber anzeigen

Neulich gab es ja das Urteil des europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Straßburg, bezüglich einer Berliner Altenpflegerin, die ihren Arbeitgeber, einen Berliner Pflegekonzern angezeigt hatte und auch mit den Zuständen in die Öffentlichkeit ging.

Vor allen deutschen Gerichten hatte sie daraufhin ihren Arbeitsplatz verloren, obwohl ihre Anzeige keinesfalls unbegründet war.

Der europäische Gerichtshof in Straßburg urteilte anders, nach deren Urteil ist die Entlassung rechtswidrig.

Kann man daraus schließen, daß künftig Arbeitnehmer in Deutschland ihren Arbeitgeber anzeigen können - zumindest wenn die Anzeige Hand und Fuß hat - und sie nicht befürchten müssen, deshalb gekündigt zu werden?

-----------------
""

Verstoß melden

Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Arbeitgeber gekündigt Arbeitnehmer Kündigung


13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(28399 Beiträge, 15455x hilfreich)

Nö, denn es ist nicht damit zu rechnen, daß sich sämtliche Arbeitgeber daran halten. Möglicherweise hat man dann bei einer Klage gegen die Kündigung bessere Chancen - mehr heißt das nicht. Im Übrigen dürfte ein Arbeitgeber auch ohne Kündigung diverse Mittel haben, einem das Leben schwer zu machen...

-----------------
" "

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
blaubär+
Status:
Gelehrter
(11816 Beiträge, 4884x hilfreich)

Deine Schlussfolgerung würde ich nicht unterschreiben - das Urteil ist eines ganz gewiss nicht: ein Freibrief für AN, ihren AG anzuzeigen.
Ich schätze, dass es Jahre brauchen wird, bis sich eine gefestigte Rechtsprechung dazu herausbildet. Und jede Klage wird ein Balanceakt am Abgrund einer Kündigung sein.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82068 Beiträge, 34098x hilfreich)

Wie will man bei anonymen Anzeigen eigentlich herausbekommen WER angezeigt hat?





-----------------
"Die Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung/Interpretation dar !

"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
Mogeltom
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 69x hilfreich)

Ich dachte bei meiner Frage nicht an eine anonyme Anzeige, sondern schon an eine mit Namensnennung, persönlich verfaßt und unterschrieben.

Im Fall der Berliner Krankenpflegerin ging es ja um Pflegemißstände, der europäische Gerichtshof hat den Gang an die Öffentlichkeit unter Meinungsfreiheit verbucht und die Anzeige deshalb als gerechtfertigt angesehen, weil es in diesem Fall ein öffentliches Interesse gab.

Das ist wohl das Stichwort:

In dem von mir angedachten Fall geht es um Betrug nach § 263 StGB , der ist ja schon bei einem nicht besonders schweren Fall mit bis zu 5 Jahren Bau bedroht, damit dürfte es sich um ein Offizialdelikt handeln, bei dem regelmäßig ein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht.

Es ist ja kein Falschparken oder ein kleiner Ladendiebstahl von 2 Flaschen Korn...

...ich denke, daß in diesem Fall dann das öffentliche Interesse zu bejahen wäre, mit der Folge, daß eine Anzeige keine Kündigung trägt.

Daß ein Arbeitgeber auch ohne Kündigung Druck machen und das Leben erschweren kann, das mag ja sein, das gilt umgekehrt für einen erfahrenen Angestellten, der ein dickes Fell sein eigen nennt aber genauso.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82068 Beiträge, 34098x hilfreich)

quote:
Ich dachte bei meiner Frage nicht an eine anonyme Anzeige, sondern schon an eine mit Namensnennung, persönlich verfaßt und unterschrieben.

Wenn man es sich leisten kann die nachfolgenen Probleme auszufechten ...





-----------------
"Die Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung/Interpretation dar !

"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#6
 Von 
Mogeltom
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 69x hilfreich)

Naja, sagen wir es mal so:

Eine anonyme Anzeige halte ich eigentlich für eine *******erei und bin auch der Meinung, daß es verboten gehört, daß sowas überhaupt nachgegangen wird.

Entweder man kann dazu stehen, oder man sollte es lassen, ich denke, das ist auch eine Charakterfrage.

Anonyme Anzeiger stehen für mich auf dem Niveau eines Stasi-Spitzels oder eines Blockwartes zu Adolfs Zeiten.

Das finde ich schlimm.

Daß der europäische Gerichtshof in Straßburg die bisherige Rechtsprechung der deutschen Gerichte kassiert hat, das finde ich allerdings gut.

Das verbessert am Stehvermögen von Arbeitnehmern doch einiges.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82068 Beiträge, 34098x hilfreich)

quote:
Entweder man kann dazu stehen, oder man sollte es lassen, ich denke, das ist auch eine Charakterfrage.

Anonyme Anzeiger stehen für mich auf dem Niveau eines Stasi-Spitzels oder eines Blockwartes zu Adolfs Zeiten.



Eventuell auch mal für 5 Pfennig weiterdenken?
Nicht jeder kann es sich leisten, seine Existenz aufs Spiel zusetzen um strafbare Handlungen zu unterbinden.
Oder seine Gesundheit oder die seiner Frau, Kinder, ... weil der Drogendealer sie gerne abstechen möchte ...





-----------------
"Die Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung/Interpretation dar !

"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden


#9
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(31275 Beiträge, 12432x hilfreich)

Natürlich kann man jemanden anzeigen. Aber, das macht man nicht, indem man an die Öffentlichkeit geht, sondern zur Staatsanwaltschaft oder zur Polizei. Welche Auswirkungen eine solche Anzeige auf das Arbeitsverhältnis hat, das ist doch eine ganz andere Frage. Kann mit Sicherheit ein Kündigungsgrund sein, muss aber nicht. Nur, man sollte nicht erwarten, dass man wegen sowas befördert wird.

wirdwerden

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#10
 Von 
Mogeltom
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 69x hilfreich)

Ja, ist schon klar, daß dann das Verhältnis zerrüttet ist, bzw. es ist es eigentlich schon vorher, sonst denkt man ja über sowas nicht nach.

Dann mal auf zur Polizei, ich werde natürlich nichts fest behaupten, sondern die Sache als dringenden Verdacht formulieren, obwohl der Arbeitgeber wohl nicht daran vorbeikommen wird.

Die Staatsanwaltschaft wird den Sachverhalt ja dann ausermitteln und gegebenenfalls Anklage erheben.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#11
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(82068 Beiträge, 34098x hilfreich)

quote:
Nur, man sollte nicht erwarten, dass man wegen sowas befördert wird.

Eventuell doch - und zwar vor die Türe ...
:devil:





-----------------
"Die Beiträge stellen ausschließlich meine persönliche Meinung/Interpretation dar !

"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#12
 Von 
Mogeltom
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 69x hilfreich)

Das ist ja gerade das Schöne:

das vor die Türe war gestern.

Nach dem Urteil aus Straßburg funktioniert das aber so einfach nicht mehr und das ist gut so.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden


Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 199.573 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 25
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
83.598 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. Zzgl. 2€ Einstellgebühr pro Frage.