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Arbeitgeber überweist Gehalt nicht

15. November 2019 Thema abonnieren
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)
Arbeitgeber überweist Gehalt nicht

Guten Tag allesamt.

Ich habe einen Freund, der vor 3 Jahren aus dem Ausland hierher kam und seitdem in Deutschland arbeitet. Er hat vor Kurzem bei einer Stelle gekündigt und hat seit dem immer noch nicht sein Gehalt erhalten. Ein anderer Kollege von mir, der Jura studiert, kam zur Hilfe und hat ein Schreiben fertiggestellt. Mein Kollege meinte zudem auch, dass das in Ordnung geht, wenn ich persönlich das Schreiben mit meiner Anschrift, meinem Namen unter dem "Mit freundlichen Grüßen" und einem Aktenzeichen abschicke. Würde das in Ordnung gehen? Darf ich ein beliebiges "Aktenzeichen" nehmen? Darf ich Verzugszinsen erwähnen? Zudem war mein Freund im August noch am arbeiten, wurde dann aber ab September krank und wurde für 2 Wochen krank geschrieben und war daher vom 01.09. bis zum 15.09. arbeitsunfähig. Der Arbeitgeber jedoch unterstellte ihm, dass er dies vorsätzlich und geplant gemacht hätte. Allerdings ist dem nicht so. Er war wirklich krank.

Im Schreiben steht folgendes:

"Sehr geehrter Herr X,

Herr Y hat mich mit der Wahrnehmung Ihrer Interessen beauftragt.
Das mit Wirkung zum 01.06.2019 als Pflegefachkraft geschlossene Arbeitsverhältnis ist von Herrn Y fristgerecht zum 15.09.2019 gekündigt worden.

Gemäß § 2 Nr. 1 Satz 2 des Arbeitsvertrags beträgt die Kündigungsfrist beidseitig zwei Wochen. Mit Gegenzeichnung am 16.08.2019 bei Ihnen ist dieses Arbeitsverhältnis fristgerecht ordentlich gekündigt worden. Das Arbeitsverhältnis endete demzufolge am 15.09.2019.

Die in dem Zeitraum vom 01.09.2019 und 15.09.2019 durchgeführten Arbeitsleistungen wurden bisweilen von Ihnen nicht vergütet. Diese summieren sich in diesem Zeitraum auf eine vertraglich vereinbarte Auszahlung in Höhe von 1.120,00 EUR brutto.

Eine Rechtsgrundlage für die Zurückbehaltung ist nicht ersichtlich.

Ich fordere Sie hiermit auf, die vertraglich geschuldete Zahlung i.H.v. 1.120,00 EUR brutto bis spätestens 27.11.2019 auf das Konto von Herrn Y zu veranlassen. Sollten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, sehe ich mich gezwungen Sie kostenpflichtig nebst Verzugszinsen abzumahnen. Darüber hinaus wird die Möglichkeit in Erwägung gezogen, Klage beim zuständigen Arbeitsgericht einzureichen.

Im Übrigen weise ich Sie vorsorglich darauf hin, dass Sie durch Ihr Verhalten und Ihre Aussagen gegenüber Herrn Y eine vorsätzliche Unterlassung der vertraglich geschuldeten Leistung indizieren.


Mit freundlichen Grüßen,


(Mein Name)"


Würde das als Brief so in Ordnung gehen? Ich würde den Brief dann an das Pflegeheim mit Erwähnung vom Arbeitgeber schicken. Zudem haben wir das Gehalt so berechnet, dass wir einfach die Hälfte vom Monat genommen haben. Es wäre zwar ein kleines Bisschen mehr Geld, aber ich denke mit der Berechnung sollte das schon passen.

Ich bitte um eure Hilfe und würde mich wirklich über Rückmeldung freuen!

-- Editiert von Varkey am 15.11.2019 15:00

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24 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14815 Beiträge, 5718x hilfreich)

So ein Schreiben würde ich nicht verfassen und nicht rausschicken. "Wahrnehmung seiner Interessen" klingt so mandatsmäßig und so unnötig juristisch. Voll daneben ist die Idee mit dem Aktenzeichen. Am Ende bekommst womöglich noch du Probleme wegen unerlaubter Rechtsberatung.
Wenn überhaupt, würde ich diesem Freund helfen, ein Schreiben so aufzusetzen, dass es von ihm stammen könnte. Also ein schlichtes Mahnschreiben 'ich habe meinen Lohn für die Zeit von bis bis heute nicht bekommen. Fristsetzung.'
Aber auch das ist im Grunde schon überflüssig bzw. Zeitverschwendung. Dein Freund sollte am besten - vielleicht mit dir zur Unterstützung - direkt zum Arbeitsgericht gehen und den ausstehenden Lohn einklagen. Wir haben jetzt Mitte November - da braucht es kein Getue mit Schrift hin und her.

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
So ein Schreiben würde ich nicht verfassen und nicht rausschicken. "Wahrnehmung seiner Interessen" klingt so mandatsmäßig und so unnötig juristisch. Voll daneben ist die Idee mit dem Aktenzeichen. Am Ende bekommst womöglich noch du Probleme wegen unerlaubter Rechtsberatung.
Wenn überhaupt, würde ich diesem Freund helfen, ein Schreiben so aufzusetzen, dass es von ihm stammen könnte. Also ein schlichtes Mahnschreiben 'ich habe meinen Lohn für die Zeit von bis bis heute nicht bekommen. Fristsetzung.'
Aber auch das ist im Grunde schon überflüssig bzw. Zeitverschwendung. Dein Freund sollte am besten - vielleicht mit dir zur Unterstützung - direkt zum Arbeitsgericht gehen und den ausstehenden Lohn einklagen. Wir haben jetzt Mitte November - da braucht es kein Getue mit Schrift hin und her.


Hey, danke dir. Was würden denn da für Kosten auftreten, wenn man zum Arbeitsgericht geht? Mein Freund hat zudem das Attest noch und da ja alle Gehälter per Banküberweisung übergeben wurden, sollte es in der Hinsicht kein Problem geben nachzuweisen, dass für den Monat September nichts überwiesen wurde, nehme ich an?

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14815 Beiträge, 5718x hilfreich)

Das Arbeitsgericht kostet in erster Instanz nichts und bei der Formulierung des Antrags hilft ein Rechtspfleger. Das ist wirklich der Königsweg für solche Angelegenheiten. Und einen RA braucht AN dazu auch nicht.
Details kannst du googeln.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(25172 Beiträge, 4789x hilfreich)

Zitat (von Varkey):
Was würden denn da für Kosten auftreten, wenn man zum Arbeitsgericht geht?
Keine. Beim Arbeitsgericht helfen Rechtspfleger, eine *Lohnklage* zu formulieren.
Das kostet nichts außer Fahrkosten zum Arbeitsgericht.

Zuständig ist das Gericht am Ort des Arbeitgebers.
Bitte mit den Unterlagen zum Gericht gehen. Dazu auch die Kontoauszüge vorlegen---das als Beleg, dass der AG nur bis xx gezahlt hat.

Das Schreiben, aber ohne den 1.Satz und ohne ein AZ und ohne die geforderte Summe und ohne den Schluss-Satz--- kann man schreiben. Also nur die sachlichen und richtigen Feststellungen.
Herr Y kann das selbst unterschreiben. Das kann man dem AG schicken.

Zitat (von Varkey):
Die in dem Zeitraum vom 01.09.2019 und 15.09.2019 durchgeführten Arbeitsleistungen
Da war er doch krank. Hat also keine Arbeitsleistungen erbracht, hat trotzdem Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Das Arbeitsgericht kostet in erster Instanz nichts und bei der Formulierung des Antrags hilft ein Rechtspfleger. Das ist wirklich der Königsweg für solche Angelegenheiten. Und einen RA braucht AN dazu auch nicht.
Details kannst du googeln.


Ich sehe aber, dass wenn man einen Rechtsanwalt dazuholt, dann eben Kosten auftreten werden. So wie ich das verstanden habe, erstmal zum Arbeitsgericht mit Kontoauszügen hingehen und dem ärztlichen Attest sowie Kündigung usw. Und was geschieht dann? Also die fertigen dann ein Schreiben an und wir müssen das dann dem Arbeitgeber zusenden? Ist es denn schlimm, dass bereits 2 Monate vergangen sind seit der Kündigung oder besteht da problemlos ein Anspruch und es wird jetzt nicht wegen einer Lücke oder so gefragt, ja?
Ich weiß, das sind viele Fragen aber wir hatten beide mit sowas noch nicht zutun.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Zitat (von Varkey):
Was würden denn da für Kosten auftreten, wenn man zum Arbeitsgericht geht?
Keine. Beim Arbeitsgericht helfen Rechtspfleger, eine *Lohnklage* zu formulieren.
Das kostet nichts außer Fahrkosten zum Arbeitsgericht.

Zuständig ist das Gericht am Ort des Arbeitgebers.
Bitte mit den Unterlagen zum Gericht gehen. Dazu auch die Kontoauszüge vorlegen---das als Beleg, dass der AG nur bis xx gezahlt hat.

Das Schreiben, aber ohne den 1.Satz und ohne ein AZ und ohne die geforderte Summe und ohne den Schluss-Satz--- kann man schreiben. Also nur die sachlichen und richtigen Feststellungen.
Herr Y kann das selbst unterschreiben. Das kann man dem AG schicken.

Zitat (von Varkey):
Die in dem Zeitraum vom 01.09.2019 und 15.09.2019 durchgeführten Arbeitsleistungen
Da war er doch krank. Hat also keine Arbeitsleistungen erbracht, hat trotzdem Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.


Also, ist das richtig so? Zum Arbeitsgericht gehen, ein Schreiben formulieren lassen oder das obige Schreiben umändern und dann dem Arbeitsgericht schicken, damit die das so bestätigen können oder was wäre der genaue Vorgang? Ab wann würde ein Anwalt dazukommen? Wir haben nämlich die Befürchtung, dass ein Anwalt dazukommen muss und auch wenn wir uns sicher sind, dass wir dass dann gewinnen würden, dennoch der Anwalt mit hohen Kosten bezahlt werden muss. Ich weiß da wirklich nicht so ganz genau.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(25172 Beiträge, 4789x hilfreich)

Bitte einfach nur auf ---ANTWORTEN--- klicken.
Bitte nicht den vorigen Beitrag komplett zitieren. Danke.
---------------------------------------------

Zitat (von Varkey):
Zum Arbeitsgericht gehen, ein Schreiben formulieren lassen
Ja, so würde -ICH- das machen. -ICH- würde nur die Unterlagen wie Arbeitsvertrag, Kündigung, Arzt-Attest und Kontoauszüge mit zum Gericht nehmen. RechtspflegerIN erkennt dann schnell, was in die Klageschrift gehört.
Zitat (von Varkey):
Ab wann würde ein Anwalt dazukommen?
Vielleicht und hoffentlich braucht man gar keinen. Jetzt auf jeden Fall nicht.

-Ich- würde das Schreiben an den AG aber trotzdem schicken. Als Einschreiben/Rückschein.
Der AG sieht, dass sich Herr Y nicht alles gefallen lässt. Später erhält der AG Post vom Arbeitsgericht.
Für den Fall, dass der AG zwischenzeitlich doch zahlt, kann die Klage auch zurückgenommen werden bzw. die Sache für erledigt erklärt werden.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Vielen Dank. In der Zwischenzeit haben wir uns hingesetzt und mein Freund hat folgendes geschrieben:

"Sehr geehrter Herr X,

Ich hatte Ihnen am XX.XX.XXXX geschrieben, um Sie nach meinem, mir rechtlich zustehendem Gehalt zu fragen. Genauer gesagt, handelt es sich um das von Ihnen einbehaltene, mir rechtlich zustehende Gehalt für den Zeitraum zwischen 01.09.2019 und 15.09.2019.

Gemäß § 2 Nr. 1 Satz 2 des Arbeitsvertrags beträgt die Kündigungsfrist beidseitig zwei Wochen. Mit Gegenzeichnung am 16.08.2019 bei Ihnen ist dieses Arbeitsverhältnis fristgerecht ordentlich gekündigt worden. Das Arbeitsverhältnis endete demzufolge am 15.09.2019.

Der mir im Zeitraum vom 01.09.2019 und 15.09.2019 zustehende Lohn wurde bisweilen von Ihnen nicht vergütet. Dieser summiert sich in diesem Zeitraum auf eine vertraglich vereinbarte Auszahlung in Höhe von 1.120,00 EUR brutto.

Eine Rechtsgrundlage für die Zurückbehaltung ist nicht ersichtlich.

Ich fordere Sie hiermit auf, die vertraglich geschuldete Zahlung i.H.v. 1.120,00 EUR brutto bis spätestens 27.11.2019 auf mein Konto zu veranlassen. Sollten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen wird die Möglichkeit in Erwägung gezogen, Klage beim zuständigen Arbeitsgericht einzureichen.

Im Übrigen weise ich Sie vorsorglich darauf hin, dass Sie durch Ihr Verhalten und Ihre Aussagen mir gegenüber eine vorsätzliche Unterlassung der vertraglich geschuldeten Leistung indizieren.

Mit freundlichen Grüßen,

(Name von meinem Freund)"


Soll ich vielleicht den letzten Absatz mit "Im Übrigen weise ich Sie vorsorglich [...]" rausnehmen? Und passt das, wenn wir einfach die Hälfte des Monats nehmen? Als wir Stunden nahmen, kamen wir eine etwas höhere Summe aber sind der Meinung, dass die Hälfte des Monats mit 1.120,00 EUR besser ist.

-- Editiert von Varkey am 15.11.2019 16:04

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
So ein Schreiben würde ich nicht verfassen und nicht rausschicken. "Wahrnehmung seiner Interessen" klingt so mandatsmäßig und so unnötig juristisch. Voll daneben ist die Idee mit dem Aktenzeichen. Am Ende bekommst womöglich noch du Probleme wegen unerlaubter Rechtsberatung.
Wenn überhaupt, würde ich diesem Freund helfen, ein Schreiben so aufzusetzen, dass es von ihm stammen könnte. Also ein schlichtes Mahnschreiben 'ich habe meinen Lohn für die Zeit von bis bis heute nicht bekommen. Fristsetzung.'
Aber auch das ist im Grunde schon überflüssig bzw. Zeitverschwendung. Dein Freund sollte am besten - vielleicht mit dir zur Unterstützung - direkt zum Arbeitsgericht gehen und den ausstehenden Lohn einklagen. Wir haben jetzt Mitte November - da braucht es kein Getue mit Schrift hin und her.


Wir haben uns hingesetzt, und folgendes verfasst:

Ich hatte Ihnen am XX.XX.XXXX geschrieben, um Sie nach meinem, mir rechtlich zustehendem Gehalt zu fragen. Genauer gesagt, handelt es sich um das von Ihnen einbehaltene, mir rechtlich zustehende, Gehalt für den Zeitraum zwischen 01.09.2019 und 15.09.2019.

Gemäß § 2 Nr. 1 Satz 2 des Arbeitsvertrags beträgt die Kündigungsfrist beidseitig zwei Wochen. Mit Gegenzeichnung am 16.08.2019 bei Ihnen ist dieses Arbeitsverhältnis fristgerecht ordentlich gekündigt worden. Das Arbeitsverhältnis endete demzufolge am 15.09.2019.


Der mir im Zeitraum vom 01.09.2019 und 15.09.2019 zustehende Lohn wurde bisweilen von Ihnen nicht vergütet. Dieser summiert sich in diesem Zeitraum auf eine vertraglich vereinbarte Auszahlung in Höhe von 1.120,00 EUR brutto.

Eine Rechtsgrundlage für die Zurückbehaltung ist nicht ersichtlich.

Ich fordere Sie hiermit auf, die vertraglich geschuldete Zahlung i.H.v. 1.120,00 EUR brutto bis spätestens 27.11.2019 auf mein Konto zu veranlassen. Sollten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, wird die Möglichkeit in Erwägung gezogen, Klage beim zuständigen Arbeitsgericht einzureichen.

Im Übrigen weise ich Sie vorsorglich darauf hin, dass Sie durch Ihr Verhalten und Ihre Aussagen mir gegenüber eine vorsätzliche Unterlassung der vertraglich geschuldeten Leistung indizieren.

Das klingt schon besser, oder? Seine Anschrift, sein Name, kein Aktenzeichen, keine Verzugszinsen oder sonst was. Sollen wir das so an den Arbeitgeber schicken oder ZUERST zum Arbeitsgericht?

-- Editiert von Varkey am 15.11.2019 16:07

-- Editiert von Varkey am 15.11.2019 16:07

-- Editiert von Varkey am 15.11.2019 16:08

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
spatenklopper
Status:
Unparteiischer
(9557 Beiträge, 3960x hilfreich)

Zitat (von Anami):
-Ich- würde das Schreiben an den AG aber trotzdem schicken.


Ich nicht, denn es ist vollkommen unnötig und in der Regel eher schädlich als nützlich.

Zitat (von Varkey):
Und was geschieht dann? Also die fertigen dann ein Schreiben an und wir müssen das dann dem Arbeitgeber zusenden?


Nein.
Die Rechtspfleger formulieren die Lohnklage und die wird dem Arbeitgeber vom Gericht zugestellt.

Zitat (von Varkey):
Ist es denn schlimm, dass bereits 2 Monate vergangen sind


Möglicherweise..... Nach BGB würden die Ansprüche erst Ende 2022 verjähren, allerdings sollte dringend nachgesehen werden, ob im Arbeits- oder Tarifvertrag sogenannte Ausschlussfristen vereinbart wurden.

Für die Zukunft merken, dass es im Arbeitsrecht auch sehr kurze Fristen gibt wie z.B. die 3 wöchige bei einer Kündigungsschutzklage.

Zitat (von Varkey):
Ab wann würde ein Anwalt dazukommen?


Sobald Dein Bekannter einen beauftragt, für eine simple Lohnklage ist der aber unnötig.

Und nochmal MEIN Rat.
Lasst das mit dem Schreiben an den Arbeitgeber bleiben!

-- Editiert von spatenklopper am 15.11.2019 16:14

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(25172 Beiträge, 4789x hilfreich)

Ich denke, so ein Schreiben kann jemand, der seit 3 Jahren in D ist--- nicht selbst formulieren. Aber Hilfe ist erlaubt. Ich meine, du *verdrechselt* es hier immer weiter...
-ICH- würde für Herrn Y so schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
leider kann ich bis heute die letzte Zahlung der vertraglich vereinbarten Vergütung aus meiner Beschäftigung nicht feststellen.
Noch immer steht die Zahlung für die Zeit vom 01. bis 15.09.2019 aus.

Ich gebe Ihnen hiermit eine Frist bis zum 22.11.2019, die Zahlung auf das Ihnen bekannte Konto zu überweisen.
Ich werde sonst am 25.11.2019 Klage beim Arbeitsgericht erheben.

Freundliche Grüße
Herr Y


Warum so knapp?
-Weil der AG alle Fakten kennt.
-Weil der AG selbst die genaue Summe ausrechnen soll
-Weil eine Woche Frist genügt, das Geld zu überweisen.
-Weil eine Woche Frist genügt, evtl. an Herrn Y noch was zu schreiben---damit der nicht klagt.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von Anami):
[...]


Ich danke vielmals. Ich habe mir den Arbeitsvertrag nochmal angeschaut und folgendes gefunden:

§ 10 Anspruchsverwirkung

1. Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag müssen von den Vertragsparteien innerhalb von 3 Monaten nach Ihrer Entstehung schriftlich geltend gemacht werden; andernfalls sind sie verwirkt und verfallen.

2. Die in § 10 Nr. 1 genannten Ansprüche müssen spätestens nach 3 weiteren Monaten (ab Zugang der schriftlichen Geltendmachung beim Anspruchsgegner) gerichtlich geltend gemacht werden, andernfalls sind die Ansprüche verwirkt und verfallen.

Gekündigt wurde ja am 15.09., da war mein Freund raus. Wie lange hat er denn nun wirklich Zeit, dagegen vorzugehen? Wir wollen den nächstmöglichen Termin beim Arbeitsgericht finden. Ginge es auch, dem Arbeitgeber eine WhatsApp Nachricht oder E-Mail zu schicken, falls wenig Zeit vorhanden sein sollte?

-- Editiert von Varkey am 15.11.2019 16:57

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Sir Berry
Status:
Unparteiischer
(9330 Beiträge, 2980x hilfreich)

Zitat (von Varkey):
Mein Freund hat zudem das Attest noch


Kannst Du das mal erklären, Varkey.

Was ist mit Attest gemeint? Die vom Arzt bestätigte AU?
Falls ja, wieso hat Dein Freund den Beleg noch?

Berry

0x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von Sir Berry):
Zitat (von Varkey):
Mein Freund hat zudem das Attest noch


Kannst Du das mal erklären, Varkey.

Was ist mit Attest gemeint? Die vom Arzt bestätigte AU?
Falls ja, wieso hat Dein Freund den Beleg noch?

Berry


Ein Beleg ist beim Arbeitgeber, der andere bei meinem Freund. Der Arzt sollte soweit ich weiß ja auch Belege haben.

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(103975 Beiträge, 37582x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Ich nicht, denn es ist vollkommen unnötig und in der Regel eher schädlich als nützlich.

Absolut korrekt.



Zitat (von Varkey):
Wie lange hat er denn nun wirklich Zeit, dagegen vorzugehen?

Bis zum 31.12.2022
Die Klausel ist nämlich nichtig und damit gilt das Gesetz.



Zitat (von Varkey):
Ginge es auch, dem Arbeitgeber eine WhatsApp Nachricht oder E-Mail zu schicken,

Und was glaubt man da nützliches mit zu teilen?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Die Klausel ist nämlich nichtig und damit gilt das Gesetz.


Gilt dies auch bei folgendem, im Arbeitsvertrag festgehaltenem Absatz?

§ 10 Anspruchsverwirkung

1. Ansprüche aus dem Arbeitsvertrag müssen von den Vertragsparteien innerhalb von 3 Monaten nach Ihrer Entstehung schriftlich geltend gemacht werden; andernfalls sind sie verwirkt und verfallen.

2. Die in § 10 Nr. 1 genannten Ansprüche müssen spätestens nach 3 weiteren Monaten (ab Zugang der schriftlichen Geltendmachung beim Anspruchsgegner) gerichtlich geltend gemacht werden, andernfalls sind die Ansprüche verwirkt und verfallen.

Bis wann würde mein Freund noch Zeit haben, um im Zeitrahmen zu bleiben? Wie gesagt, der möchte nächste Woche sich mit dem Arbeitsgericht in Verbindung setzen und schnellstmöglich dahingehen. Gilt das also trotzdem bis zum 31.12.2022 oder ab dem 15. September nur bis zum 15. Dezember? Da bin ich noch etwas durcheinander.

Danke!

0x Hilfreiche Antwort

#17
 Von 
guest-12328.05.2020 09:37:38
Status:
Student
(2498 Beiträge, 499x hilfreich)

Der § 10 des Arbeitsvertrages regelt eine zweistufige Ausschlussfrist. Eine solche ist nicht generell unwirksam.

Insoweit sollte spätestens drei Monate, nachdem das Gehalt fällig geworden ist, dieses schriftlich und nachweisbar gegenüber dem Arbeitgeber angemahnt werden. Alternativ kann selbstverständlich auch direkt das Arbeitsgericht bemüht werden.

0x Hilfreiche Antwort

#18
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(103975 Beiträge, 37582x hilfreich)

Zitat (von Ratsuchender@123net):
Eine solche ist nicht generell unwirksam.

Stimmt, diese ist es allerdings.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#19
 Von 
Varkey
Status:
Frischling
(23 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat (von Ratsuchender@123net):
Der § 10 des Arbeitsvertrages regelt eine zweistufige Ausschlussfrist. Eine solche ist nicht generell unwirksam.

Insoweit sollte spätestens drei Monate, nachdem das Gehalt fällig geworden ist, dieses schriftlich und nachweisbar gegenüber dem Arbeitgeber angemahnt werden. Alternativ kann selbstverständlich auch direkt das Arbeitsgericht bemüht werden.


Heisst das also, da mein Freund am 15.09. raus aus dem Arbeitsverhältnis war, also zum 15.09. gekündigt hat, die Frist am 31.12. diesen Jahres abläuft? Also hätte er jetzt eineinhalb Monate Zeit?

0x Hilfreiche Antwort

#20
 Von 
guest-12328.05.2020 09:37:38
Status:
Student
(2498 Beiträge, 499x hilfreich)

Was wurde denn zur Fälligkeit der Vergütung vereinbart? Sofern es beispielsweise der letzte Arbeitstag ist, hast Du hiernach drei Monate Zeit, die Vergütung anzumahnen (vorausgesetzt, die zitierte Regelung ist wirksam, sonst bis zum 31.12.2022).

Sollte man jedoch den Eindruck haben, dass der Arbeitgeber auch auf ein etwaiges Mahnschreiben nicht reagieren wird, macht ein solches naturgemäß keinen Sinn. Dann sollte umgehend der Weg zum Arbeitsgericht gegangen werden. Wie bereits von den Kollegen hier richtig erwähnt, benötigt man hierfür keinen Rechtsanwalt, da die Rechtsantragsstelle kostenlos behilflich ist.

-- Editiert von Ratsuchender@123net am 15.11.2019 20:57

0x Hilfreiche Antwort

#21
 Von 
Jana_MAi
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Hey,

wie hast du es denn nun gemacht. Eigentlich fand ich den Brief ziemlich gut, aber man kann zunächst auch andere Steps machen. Hier findest du zum Beispiel andere Handulgsoptionen: https://www.bigkarriere.de/karrierewelt/querbeet/ohne-moos-nix-los-0

Einen Brief würde ich also schreiben, ihn zunächst weniger juristisch formulieren. Aber wenn dann nichts passiert, muss du ja quasi "drohen". Aber das mit dem Verzugszins stimmt auch.

Prinzipiell können die deinem Freund ja nicht unterstellen, dass er nicht krank war. Solange er ein Attest hat, können Sie nichts dagegen machen und eine Chance auf Klage steht gut. Wurde er wegen der Krankheit abgemahnt? Wenn nicht, kann auch niemand behaupten "ihn gesehen zu haben".

Wie gesagt, bin gespannt, wie es weitergeht?

0x Hilfreiche Antwort

#22
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(103975 Beiträge, 37582x hilfreich)

Zitat (von Jana_MAi):
Prinzipiell können die deinem Freund ja nicht unterstellen, dass er nicht krank war.

Natürlich können die das



Zitat (von Jana_MAi):
Solange er ein Attest hat, können Sie nichts dagegen

Wie kommt man denn auf das schmale Brett? Egal ob AU oder Attest, beides kann angezeifelt und angegriffen werden.



Zitat (von Jana_MAi):
Wurde er wegen der Krankheit abgemahnt?

Krankheit ist kein Abmahnungsgrund.



Zitat (von Jana_MAi):
Wenn nicht, kann auch niemand behaupten "ihn gesehen zu haben".

Aber sicher kann und darf der Zeuge seine Aussage machen...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#23
 Von 
Jana_MAi
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Wie kommt man denn auf so eine Ausdrucksweise? Klar kann man alles Anzweifeln, nur das Beweisen wird schwer. Fällt dann in den Bereich Unterstellung!

Ein fiktiver Zeuge, den sich die Firma ausdenkt (wenn man wen zu einer Falschaussage überredet) hat aber mit einem Attest weniger Glaubwürdigkeit. Das meinte ich.

Naja gefakte Krankheit, wenn man da dann erwischt wird, wäre ein Abmahnungsgrund. Doch nicht, wenn man wirklich krank ist... also wirklich:/
Ich denke hier wurde meine komplette Aussage nicht verstanden....

Aber es ging mir auch darum, wie der Fall ausging bzw. weiterging und das würde ich gerne vom Postschreiber wissen.

0x Hilfreiche Antwort

#24
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(103975 Beiträge, 37582x hilfreich)

Zitat (von Jana_MAi):
Fällt dann in den Bereich Unterstellung!

Nein, das fällt in den Bereich "Rechtewahrnehmung des Arbeitgebers", das prüft dann der MDK.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

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