Arbeitsrecht Arbeitnehmerüberlassung Zeitarbeit

20. August 2020 Thema abonnieren
 Von 
Hallo-Du-Da
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Arbeitsrecht Arbeitnehmerüberlassung Zeitarbeit

Guten Tag an alle Leser:

Ich bin Arbeitnehmer in einer Arbeitnehmerüberlassung. Laut meinem Arbeitsvertrag gilt ein Tarifvertrag wie iGZ oder BAP.
Im Arbeitsvertrag selbst ist nachfolgendes zu lesen:
„Es ist die Wegezeit zu vergüten, die die Dauer von 2 Stunden für die einfache Wegstrecke von der Wohnung zu der Tätigkeitsstätte auf dem zeitlich günstigsten Weg überschreitet, sofern er diese Wegezeit tatsächlich aufgewandt hat."
Aktuell Arbeite ich nähe München und bin Wohnhaft nähe Osnabrück. Mit dem Zug beträgt mein Arbeitsweg etwa 10 stunden (ein Auto besitze ich nachweislich nicht, die Fahrzeit währe ähnlich).
Sehe ich es richtig, dass 8 Stunden Arbeitszeit je Weg je Arbeitstag vergütet werden müssten?
Wie ist die Rechtslage wenn:
- Ich meinen Arbeitgeber gebeten habe, mir Vorort eine Wohnung zu stellen, er dieses aber abgelehnt hat. Muss er dann etwa 2x8 Stunden=16 Stunden vergüten?
- Ich mir selbst Vorort eine Wohnung auf eigene Kosten gesucht habe. Muss er dann die Kosten für die Unterkunft bezahlen (dieses ist laut Arbeit oder Tarifvertrag nicht geregelt) oder muss er weiterhin für die 2x8Stunden=16 Stunden aufkommen
- Er mir Vorort eine Wohnung angeboten hat ich diese aber abgelehnt habe? Muss er mir in diesem Fall ebenfalls die 16 Stunden erstatten?
- Wie verhält es sich wenn zusätzlich 10 Stunden gearbeitet wurde? Insgesamt wären dies 26 Stunden, somit mehr als ein Arbeitstag. Diese Situation ist aus meiner Sicht undefiniert.
- Unabhängig davon, hätte eine übertarifliche Vergütung laut einem anderen Paragraphen oder einem Zusätzlichen Einsatzbezogenen Vertrages Einfluss auf solchen einen Paragraphen? Etwa wenn definiert ist, dass durch diesen Übertariflichen Zuschuss alle Mehrkosten abgegolten sind? Entfällt damit der oben zitierte Paragraph, ist die Übertarifliche Entlohnung unterheblich für diesen expliziet geregelten Fall oder gilt zu prüfen in welchem Fall der Arbeitnehmer besser gestellt ist, oder trifft etwas anderes zu?

Eine Zweite Frage zum Kündigungsschutz:
Mein Arbeitgeber sendet mir eine Kündigung, laut Briefkopf, innerhalb der Probezeit zu. Der Arbeitgeber hat mit einer Zustellungszeit von 4 Tagen spekuliert, was noch fristgerecht gewesen wäre. Eingegangen, bei mir persönlich, ist diese erst nach Ablauf der Probezeit.
Ich habe einen Zustellungsnachweis bei meinem Arbeitgeber angefordert und ihn darauf hingewiesen, das ich ohne einen Nachweis die Kündigung als Rechtswidrig sehe und das Arbeitsverhältnis bis dahin noch als bestehend sehe. Er verweigert die Zahlung. Wie ist die Rechtslage?
Ist die Kündigung rechtsgültig wenn der Postbote sie z.B. fristgerecht im Postkasten bei mir eingeschmissen hat, ich aber nachweißlich unter Zeugen die Kündigung erst später in Empfang genommen habe?

Eine dritte Frage zur Definition von Arbeitstätigkeiten:
Ich soll beispielsweise gestempelte Arbeitszeiten beim Kunden in eine Excel Tabelle meines Arbeitgebers übertragen (obwohl er den Zeitnachweis des Kunden selbst bekommt). Ist eine solche Arbeit und andere Arbeiten im Kontext meiner Arbeit (z.B. Dienstreiseanträge) oder Tätigkeiten – aus meiner Sicht – im Interesse meines Arbeitgebers nun Arbeitszeit oder Privates Vergnügen? Wir sind uns hierdrüber natürlich uneinig….

Eine letzte Frage:
Ist es sinnig gegen diese Streitigkeiten Klage einzureichen? Recht haben und Recht bekommen sind leider häufig nicht das gleiche und auch nicht das selbe… :(

Vielen Dank für Ihre Unterstützung! :)


-- Editiert von Hallo-Du-Da am 20.08.2020 19:20

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9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Schalkefan
Status:
Lehrling
(1228 Beiträge, 196x hilfreich)

Wegezeit: da sie ja wohl kaum tatsächlich täglich 16 Std. Gependelt sind, muss der Arbeitgeber in keinem ihrer Szenarien die Wegezeit bezahlen (sie zitieren doch selber aus dem Arbeitsvertrag: "...sofern er diese wegezeit tatsächlich aufgewandt hat.)

Das führen von stundennachweisen oder erstellen von reisekostenabrechnungen ist meiner Meinung nach Arbeitszeit.

-- Editiert von Schalkefan am 21.08.2020 08:07

-- Editiert von Schalkefan am 21.08.2020 08:08

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#2
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17286 Beiträge, 6449x hilfreich)

Eine Wegezeit von 16 Stunden von daheim an den Einsatzort und wieder zurück erscheint mir abenteuerlich; mag sein, dass du deinen 1. Wohnsitz in OS hast, aber dass du täglich von OS nach M pendelst, kann allenfalls funktionieren, wenn du mit Privatjet anreist. - Ironie - M.a.W. ich bezweifle, dass die tatsächlichen Verhältnisse so sind, wie du beschreibst - du wirst deiner Arbeitspflicht schlicht nicht nachkommen können, da du ja schon wieder aufbrechen musst, um für den nächsten Tag die Einsatzstelle zu erreichen. Der Fall ist also nicht gegeben.

Der AG muss weder für eine Unterkunft sorgen, noch sie bezahlten, außer es wäre denn so vereinbart. Wenn du vor Ort wohnst, muss der AG erst recht nicht eine fiktive Wegezeit OS/M zahlen.
Bei übertariflicher Vergütung müsste man sich die genauen Formulierungen anschauen.

Wenn eine Kündigung in deinem Briefkasten liegt, ist sie dir zugegangen. Wann du deinen Briefkasten leerst, ist unerheblich. Allerdings könnte der AG ein Problem haben, den rechtzeitigen Zugang nachzuweisen. Andererseits steht es dir nicht zu, dass du den Zugang einer zu erwartenden Kündigung durch Tricks unterläufst/vereitelst.

Wenn du die Anweisung hast, deine AZ auf bestimmte Weise zu erfassen/zu übertragen, ist dies Arbeit und Arbeitszeit. Da gibt es keinen Zweifel.

Im Übrigen ein überkonstruiertes Sammelsurium hypothetischer Sachverhalte.

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#3
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31696 Beiträge, 5594x hilfreich)

zu 1. Noch hat der Tag 24 Std. Vermutlich beträgt deine Arbeitszeit 8 Std+Pausenzeiten. Du benötigst deshalb in Osnabrück gar keine Wohnung, richtig? Schon schmilzt dein Konstrukt zusammen. In keinem Fall muss der AG diese Wegezeit bezahlen. Eine ZAF muss dem AN keine Unterkunft am jeweiligen Einsatzort zur Verfügung stellen. Wenn es keine tarifl. Regelung gibt, könnte nur eine individuelle Vereinbarung über Unterkunftskosten helfen. Kommt die nicht zustande, ist der AN selbst *zuständig*.

Zitat (von Hallo-Du-Da):
Diese Situation ist aus meiner Sicht undefiniert.
Diese Situation muss nicht definiert werden. Die ist nicht erlaubt, es sei denn, es ergibt sich solches aus einer besonderen Regelung für besondere AN-Leiharbeitsverhältnisse (etwa Ärzte in B-Diensten).

zu 2. Wenn du andauernd nur auf der Bahn sitzt, kannst du die Kündigung eben nicht rechtzeitig aus dem Briefkasten, wo auch immer, entnehmen.

zu 3. Führung des Arbeitszeitnachweises ist Arbeitszeit. Allerdings kann der AG sie ggfls. begrenzen.

zuletzt: Du hast hier kein Recht.
Also ist mE eine Klage ein unsinniges Unterfangen. Auf was überhaupt?

frei nach Loriot: Klagen ist möglich, aber sinnlos.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#4
 Von 
Despi
Status:
Lehrling
(1102 Beiträge, 305x hilfreich)

Eine kleine Anmerkung noch:
Arbeitsverträge enthalten i.d.R. Angaben zum Dienstort bzw. zum Einsatzgebiet.
Eventuell ist es hilfreich zu wissen, was dort steht...

Signatur:

Meine Meinung kannst du oben lesen, doch ist‘s keine richt‘ge Rechtsberatung gewesen.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31696 Beiträge, 5594x hilfreich)

Zitat (von Despi):
Arbeitsverträge enthalten i.d.R. Angaben zum Dienstort bzw. zum Einsatzgebiet.
Sehr variabel, wenn der AG ein Zeitarbeitsunternehmen ist.
Zitat (von Hallo-Du-Da):
Ich bin Arbeitnehmer in einer Arbeitnehmerüberlassung.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Despi
Status:
Lehrling
(1102 Beiträge, 305x hilfreich)

Mich interessiert in erster Linie, wie die Entfernung München - Osnabrück zustande kommt.

Wenn ich in Osnabrück wohnen würde, würde ich keinen Vertrag unterschreiben, der vorsieht, dass München mein regulärer Einsatzort ist oder sein könnte.
Zumindest nicht, wenn das Gehalt nicht entsprechend hoch ist, um die Folgekosten abzudecken bzw. anderweitige Regelungen vereinbart wurden.

Signatur:

Meine Meinung kannst du oben lesen, doch ist‘s keine richt‘ge Rechtsberatung gewesen.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31696 Beiträge, 5594x hilfreich)

Zitat (von Despi):
Mich interessiert in erster Linie, wie die Entfernung München - Osnabrück zustande kommt.
Kann man doch ausführlich beschrieben im EP lesen.
Er hatte solch einen Vertrag für Arbeitsort München. Die vom AG angebotene Unterkunft in M hat er abgelehnt.
Nun will er seine aberwitzigen Rechnereien evtl. per Klage bestätigen lassen.

Was du tun würdest---oder ich--- braucht man nicht diskutieren.
;)

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Hallo-Du-Da
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Zitat (von Despi):
Mich interessiert in erster Linie, wie die Entfernung München - Osnabrück zustande kommt.
Kann man doch ausführlich beschrieben im EP lesen.
Er hatte solch einen Vertrag für Arbeitsort München. Die vom AG angebotene Unterkunft in M hat er abgelehnt.
Nun will er seine aberwitzigen Rechnereien evtl. per Klage bestätigen lassen.

Was du tun würdest---oder ich--- braucht man nicht diskutieren.
;)


Hallo und danke für die Zahlreichen Antworten.

In diesem Fall habe ich meinen Arbeitgeber abgelehnt die Unterkunft in der Einsatzwechseltätigkeit in München zu übernehmen. Hiernach habe ich gefragt, da jeden Tag (mit einem Nachtzug) pendeln kaum vereinbar ist. Für mich bedeutet diese Entscheidung im Grunde die Zustimmung ich könne auch gerne pendeln. Es ist nicht definiert nicht auch im Zug während der Reisezeit arbeiten zu können/dürfen und wie viele stunden tatsächlich im Betrieb abgeleistet werden müssen. Das Konstrukt ist somit in der Theorie möglich.

Viele Grüße

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Eff123
Status:
Schüler
(292 Beiträge, 50x hilfreich)

Wenn Du auch unterwegs arbeiten kannst, kannst Du es im Zweifel auch von zu Hause aus?

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