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Arbeitsunfall oder Wegeunfall ? Wenn JA, was sind die Unterschiede zur " normalen" Krankschreibung?

14.9.2021 Thema abonnieren
 Von 
Ninarrr
Status:
Frischling
(19 Beiträge, 2x hilfreich)
Arbeitsunfall oder Wegeunfall ? Wenn JA, was sind die Unterschiede zur " normalen" Krankschreibung?

Hallo, ich arbeite als Büroleiterin ganztags nach Absprache mit den Kollegen regelmässig im Home Office. So auch am Donnerstag den 19.8.21, als mir auffiel, dass ich noch Ordner und Büromaterial benötigte dafür. Ich fuhr zum nächstgelegenen Schreibwarengeschäft Mac Paper und stürzte auf dem Fußweg zurück zum Auto aufs Trottoir. Passanten halfen mir auf und wollten den Norarzt rufen, aber ich schleppte mich unter starken Schmerzen irgendwie nach Hause. Am Dienstag dann bekam ich endlich einen Termin beim Facharzt für Orthopädie und Chirurgie, Nach dem Röntgen wurde die Diagnose Beckenringfraktur gestellt und ich bin seitdem krank geschrieben und werde es auch noch sicher die nächste Zeit sein. Meine Kollegen und Andere meinen, dies sei ein Arbeits-oder Wegeunfall, was müsste ich in diesem Fall beachten, gibt es überhaupt "Vorteile", oder wer entscheidet das überhaupt? Für Ratschläge wäre ich sehr dankbar.
Gruß NINA

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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
ratlose mama
Status:
Lehrling
(1053 Beiträge, 423x hilfreich)

Bei einem Arbeits- oder Wegeunfall ist die BG zuständig.

Du musst das dem AG mitteilen und eigentlich hättest du zu einem D-Arzt gehen müssen. Deine Krankenkasse wird dir wahrscheinlich noch einen Fragebogen schicken und wenn du angbist, dass du beruflich unterwegs wast deinen Fall an die BG abwälzen wollen.

Hast du denn dem AG deinen Unfall mitgeteilt und auch, dass du beruflich unterwegs warst? Dann sollte er eigentlich alles weitere in die Wege leiten. Allerdings wäre noch die Frage, ob es bei euch üblich ist, dass ihr euer Büromaterial selbständig besorgt und dann die Rechnungen einreciht oder ob ihr dazu eine Stelle im Betrieb habt, wo ihr die benötigten Sachen holen könnt. Dann wäre durchaus nochmal zu diskutieren, ob es dann tatsächlich ein BG-Fall wäre.

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#2
 Von 
sonnen8licht
Status:
Schüler
(296 Beiträge, 143x hilfreich)

Die Entscheidung, ob ein AU oder Wegeunfall vorliegt, trifft die zuständige BG, die erste Einschätzung dazu der D-Arzt.

AU oder Wegeunfall im homeoffice sind noch nicht so häufig in der Rechtsprechung verankert. Die Auslegung ist bisher enger, als wenn man wirklich auf dem traditionellen Weg zu Arbeit verunfallt.

Wenn es tatsächlich üblich, Büromaterial fürs homeoffice zu benötigen (ich kenne nur die ausschließlich digitale Form) und ausserdem, sich auf die beschriebene Weise zu besorgen, sehe ich keine Probleme, dass es ein versicherter Unfall war.

Vorteile gegenüber "normalen" Erkrankungsfällen?
Verletztengeld statt Krankengeld nach Wegfall der Lohnfortzahlung. Dieses ist höher.
Steuerung des Heilverfahrens über den D-Arzt läuft meist optimaler.
Es wird nicht nur das Notwendige an Therapien etc. verordnet, weil es kein Budget wie bei Krankenkassenfällen gibt.
Zuzahlungen entfallen.
Ggf. Stationäre Reha oder gar berufliche Maßnahmen laufen alles über die BG. Man muss sich nicht an verschiedene Stellen wenden.
Ggf. verbleibende Unfallfolgen werden mit Unfallrente entschädigt. Auch wenn man seinen ursprünglichen Job wieder ausüben kann.

Das sind nur ein paar Beispiele. In meinen Augen fährt man mit der BG auf jeden Fall besser. Medizinisch und finanziell.

Ergänzung:
Was ist zu tun?
Wenn noch nicht geschehen:
Dem Arbeitgeber melden.
Dem behandelnden Arzt mitteilen. Dieser kann ggf. auch einen D-Arzt benennen bzw. dahin überweisen.
Zum D-Arzt gehen.
Au-Bescheinigungen weiterhin aber an Arbeitgeber und Krankenkasse einreichen

Zusätzlich kann man sich auch selbst bei der BG melden. Telefonisch, schriftlich wie es beliebt.
Auch der Krankenkasse kann man es mitteilen. Die freut sich sowieso, wenn sie keine Kosten mehr hat und von der BG die bisherigen erstattet.


-- Editiert von sonnen8licht am 15.09.2021 08:08

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#3
 Von 
Ninarrr
Status:
Frischling
(19 Beiträge, 2x hilfreich)

Hallo,
danke für eure Antworten. Ja es ist üblich und mache ich seit Jahren so, die Bürosachen selbst zu besorgen als groß zu bestellen, da wir nur ein kleiner Betrieb sind.
Durch euch weiß ich erst einmal grob Bescheid, aber da meine Verletzung nicht wirklich dramatisch ist und ich denke dass ich in ca. 2-3 Wochen wieder arbeiten kann (sind dann max. 6Wochen), werde ich bei den "normalen" Krankmeldungen bleiben.
Also nochmals lieben Dank für eure Antworten
Gruß NINA

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#4
 Von 
blaubär+
Status:
Philosoph
(13364 Beiträge, 5298x hilfreich)

/// Diagnose Beckenringfraktur

Wenn du sicher bist, dass nichts zurückbleibt, mag das dein Weg sein.
Wenn da aber ein Risiko für später bleibt, würde ich den Unfall als Arbeitsunfall melden.

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#5
 Von 
sonnen8licht
Status:
Schüler
(296 Beiträge, 143x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
/ Diagnose Beckenringfraktur

Wenn du sicher bist, dass nichts zurückbleibt, mag das dein Weg sein.
Wenn da aber ein Risiko für später bleibt, würde ich den Unfall als Arbeitsunfall melden.


Das sehe ich genauso.

Spätfolgen kann man nie ausschließen.

Eine Nachmeldung kann zwar immer erfolgen, wird aber, je länger es zurück liegt, schwerer zu beweisen sein.
So einfach nach x Jahren zu sagen, das war aber ein Arbeitsunfall, reicht nicht so einfach aus.
Den ersten Angaben nach dem Unfall, zum Bsp. beim Arzt, wird auch zuerst geglaubt. Spätere Ergänzungen bedürfen auch mehr Begründung.

Irgendwo an offizieller Stelle sollte wenigstens die Unfallschilderung dokumentiert sein. Vielleicht hat man es seiner privaten Unfallversicherung gemeldet oder so...

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#6
 Von 
Ninarrr
Status:
Frischling
(19 Beiträge, 2x hilfreich)

Hallo,
ja, ich habe den Unfall zeitnah meiner privaten ADAC-Unfallversicherung gemeldet, aber das mit eventuellen Spätfolgen werde ich natürlich nochmal genau abklären.
Vielen Dank
Gruß NINA

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