Arbeitsvertrag geschlossen oder nicht geschlossen?

1. November 2016 Thema abonnieren
 Von 
guest-12301.11.2016 20:28:42
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Arbeitsvertrag geschlossen oder nicht geschlossen?

Hallo zusammen.

Ich habe eine etwas komplexere Fragestellung zum Themengebiet des Arbeitsvertrages und ob die stattgefunden Kommunikation via Mail bereits einen Arbeitsvertrag darstellt oder nicht...

Ich würde mich freuen wenn mir jemand ein paar Tips geben kann, zu den Fragen die ich unten formuliert habe.

Es ist aus meiner Perspektive folgendes passiert:

Nach einer Bewerbung gab es ein gutes, erstes Vorstellungsgespräch. Wir vereinbarten einen Termin zum Probearbeiten, der dann auch an zwei Tagen bezahlt stattfand. Ich hatte ein gutes Gefühl mit dem Aufgabengebiet und es wuchs die Vorfreude auf das, was alles noch dazu kommen würde. Die Ausschreibung war mir, wie ich fand 'auf den Leib geschrieben' und ich freute mich, eine Stelle gefunden zu haben, die quasi perfekt zu mir passte.

Daher schrieb ich der Verwaltungsmitarbeiterin Frau X nach dem Probearbeiten eine Mail, mit dem Inhalt, dass ich mir gut vorstellen könne, mit der Firma XY zu arbeiten, woraufhin sie mich im Laufe des Tages anrief, um mir ein Jobangebot zu unterbreiten und wir bereits kurz über das Gehalt sprachen.
Wir vereinbarten die Übersendung des Vertrages an mich, was auch am gleichen Tag noch geschah, worauf hin ich darum bat, sich nochmals zusammen zusetzen, um ein paar Punkte nachzuverhandeln. Dies geschah in Absprache per Mail am 25.10.2016. Ich setzet mich also mit Frau X zusammen und trug meine Änderungswünsche vor, die sie sich notierte.
Bereits in diesem Gespräch ging es um die notwendige, zeitnahe Kündigung meines bestehenden Vertrages, zumal in der vorgelegten Version der 10. Oktober als Eintrittstermin stand. Wir stellten gemeinsam fest, dass ich im Laufe der Woche noch kündigen müsste, damit ein Vertrag zum 10. oder 15. November in Kraft treten könne, da ich zwei Wochen Kündigungsfrist hatte.
Frau X äußerte, dass auch der 15.11. noch in Ordnung sei, so lange es nicht erst der 30.11. wäre, da es in naher Zukunft viel zu tun gäbe.

Am 27.10.2016 erhielt ich eine Mail mit dem Inhalt, dass die Änderungswünsche in Absprache mit dem Geschäftsführer teils in den Vertrag eingepflegt wurden, jedoch die Überstundenregelung gerne beibehalten werden würde. Die Mail war so formuliert:

'Hi (ich),

meine Rücksprache mit Geschäftsführer XY hat nun folgendes ergeben:
xy,- € nehmen wir rein, nach der Probezeit wird dann noch mal verhandelt
26 Urlaubstage sind ok
Die Überstundenregelung würden wir gerne so drinlassen. Grundsätzlich sollte es natürlich so sein, dass Überstunden erst gar nicht anfallen. Wenn man merkt, dass es Workloadmäßig zu viel wird, muss man sich ja sowieso zusammensetzen und überlegen, wie man Abläufe ggf. neu organisiert. Lass uns dazu doch morgen noch mal telefonieren. Ich konnte Dich eben leider nicht erreichen.

Viele Grüße und einen schönen Feierabend,
Frau X.

Daraufhin bat ich um ein weiteres Gespräch um gemeinsam eine finale Version auszuarbeiten. Mein Wortlaut:

'Ich kann ja morgen zwischen 16 und 18 Uhr (je nach dem wann ich raus komme) einfach noch mal kurz vorbei kommen und dann einigen wir uns auf eine endgültige Version. Passt das für dich?' Kannst du mir den aktuellen Vertrag morgen früh noch mal zusenden, dann schau ich noch mal drüber…

Worauf hin am Folgetag die Antwort kam:

'Hi (ich),
ok, alles klar. Bis später und hier kommt der Vertrag.'

So gab es am 28.10. ein weiteres Treffen an dem noch einmal über die Überstundenregelung gesprochen wurde.
Ich wünschte mir einen Passus, der die Überstundenregelung nach der Probezeit nochmals zur Disposition stellt.
ich bot an den Vertrag mit de Passus zu unterschreiben. Die Einarbeitung des Passus' wurde aber nicht direkt gemacht, daher kam es an diesem Abend nicht zur Unterzeichnung, obwohl der Geschäftsführer XY im Hause war, wenngleich nicht am Gespräch beteiligt.
Frau X fragte mich ob ich am Montag den 31.10. nochmals vorbei kommen könne. Dem stimmte ich zu und wir vereinbarten 8:45 Uhr.

Mit dem bis zu diesem Punkt aufgebauten Vertrauen in die Aussagen sowie die überarbeiteten und zugesendeten Verträge kündigte ich meinen Job, damit das Arbeitsverhältnis bis zum 15. November zustande kommen konnte.
Ich war in der Probezeit mit zwei Wochen Kündigungsfrist.

Man lud mich im Anschluss telefonisch nochmals ein um mich auch anderen Mitarbeitern vorzustellen, die mich noch nicht kennen gelernt hatten und um über künftige Schnittstellen und Aufgabenbereiche für mich zu sprechen. Das fand am 29. Oktober statt.

In dem am Freitag vereinbarten Termin am Montag morgen war nur Frau X anwesend. Der Geschäftsführer XY war nicht da. Mir wurde der am Freitag so vereinbarte Vertrag samt eines Personalbogens ausgehändigt. Diesen füllte ich soweit ich konnte aus und kündigte an, die noch fehlenden Informationen als bald nachzureichen...

Gegen Mittag schrieb mir der Geschäftsführer XY eine SMS mit der Frage, wann ich denn erreichbar sei. Ich bot per SMS an, in der nächsten Stunde zurück zu rufen und tat dies auch, erreichte ihn jedoch nicht. Ich bekam eine Nachricht, dass mich er mich gleich zurück rufen werde. Das passierte nicht.

Schliesslich erreichte ich den Geschäftsführer gegen 17:15 Uhr. Er sprach die im Vertrag stehende Überstundenregelung an und sorgte sich, ich könne mich 'runtergehandelt' fühlen und hielt dies für schlechte Vorraussetzungen. Da ich in der Ubahn und die er im Auto saß, war die Kommunikation schwierig. Ich bot an nach dem Aussteigen zurückzurufen.
Das tat ich um 17:36 Uhr. Ich hörte die Geschäftsführung nur sehr abgehackt, bis die Verbindung schliesslich weg war.
Per SMS bot ich ihm an, sich doch einfach nochmals persönlich mit mir zusammenzusetzen und über besagte Regelungen zu sprechen. Darauf wurde nicht eingegangen.

Stattdessen kam folgende Nachricht:

'lieber (ich), irgendwie klappt das nicht mit dem telefon, ich komm nicht durch. pass auf, ich hab irgendwie bauchschmerzen, eigentlich fangen wir mit 20 Tagen Urlaub an, 26 Tage hat niemand sonst, XY € Brutto ist auch überdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen und das es nach der Probezeit neu verhandelt werden soll finde ich auch nicht so gut. Ich glaub es passt leider doch nicht, tut mir leid das wir einen schlechten start hatten, vielleicht ein ander mal! bestes, Geschäftsführer XY'

-----------------

Meine Fragen sind:

- Ist hier ein Arbeitsvertrag anhand der Absprachen via Mail zustande gekommen?

- Mir ist klar, dass ich vermutlich voreilig gekündigt habe, aber gibt es in irgendeiner Form Schadensersatzansprüche?
(wenngleich ich keine Lust mehr habe, mit dem Unternehmen zusammen zuarbeiten...)

Vielen Dank für alle Tipps!
Beste Grüße und eine gute Woche!





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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
calimero2010
Status:
Schüler
(484 Beiträge, 314x hilfreich)

Wenn ich das richtig sehe, hat es hier an keiner Stelle zwei übereinstimmende Willenserklärungen gegeben. Von daher würde ich sagen: Nein, es ist kein Vertrag zustande gekommen.

Ehrlich gesagt klingt es für mich ein bisschen so, als wenn du es beim Verhandeln ein bisschen übertrieben hast. Nur aus Interesse: Was ist denn die Überstundenregelung die du unbedingt noch wolltest?

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
guest-12301.11.2016 20:28:42
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Nun, übertreiben ist wohl immer relativ, nicht wahr?
Warum soll man für gute Arbeit nicht auch gut bezahlt werden?

16 unbezahlte Überstunden waren vorgesehen.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38135 Beiträge, 13928x hilfreich)

Ist doch völlig wurscht, ob übertrieben wurde oder nicht. Es gab (soweit man das hier einschätzen kann) keine korrespondierenden Willenserklärungen, und damit sind wir am Ende der Fahnenstange angekommen.

wirdwerden

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#4
 Von 
0815Frager
Status:
Master
(4953 Beiträge, 2375x hilfreich)

Zitat (von Parkhausparker):
Ist hier ein Arbeitsvertrag anhand der Absprachen via Mail zustande gekommen?

Nö schließlich war man sich nicht übereinstimmt einig.
Zitat (von Parkhausparker):
Schadensersatzansprüche?
(wenngleich ich keine Lust mehr habe, mit dem Unternehmen zusammen zuarbeiten...)

Für was sollte es Schadenersatz geben?
Das Unternehmen hat klar gestellt, solch einen MA wollen sie doch nicht haben.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118551 Beiträge, 39589x hilfreich)

Zitat (von Parkhausparker):
- Ist hier ein Arbeitsvertrag anhand der Absprachen via Mail zustande gekommen?

Nein, es wurde während der Verhandlungen von einer Seite die Verhandlungen abgebrochen/eingestellt.



Zitat (von Parkhausparker):
aber gibt es in irgendeiner Form Schadensersatzansprüche?

Aus der Schilderung heraus lassen sich keine Schadensersatzansprüche oder Ansprüche auf Ersatz vergeblicher Aufwendungen erkennen.



Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort


#7
 Von 
0815Frager
Status:
Master
(4953 Beiträge, 2375x hilfreich)

Zitat (von guest-12301.11.2016 20:28:42):
Mir ist klar, dass ich vermutlich voreilig gekündigt habe

Ratschlag nebenher, sich schnellsten mit der Agentur für Arbeit zu melden.
Es könnte vielleicht auch eine Sperre fürs ALG verhängt werden.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
0815Frager
Status:
Master
(4953 Beiträge, 2375x hilfreich)

Zitat (von guest-12301.11.2016 20:28:42):
Mir ist klar, dass ich vermutlich voreilig gekündigt habe

Ratschlag nebenher, sich schnellsten mit der Agentur für Arbeit zu melden.
Es könnte vielleicht auch eine Sperre fürs ALG verhängt werden.

0x Hilfreiche Antwort

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