Auf ein schlechtes Arbeitszeugnis vorbereiten?

18. Oktober 2023 Thema abonnieren
 Von 
trsprod
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 2x hilfreich)
Auf ein schlechtes Arbeitszeugnis vorbereiten?

AN ist noch in der Probezeit. AG äußert aufgrund von "Schlechtleistung" die Absicht, sich von AN trennen zu wollen und stellt AN vor die Wahl: entweder Probezeitkündigung oder Aufhebungsvertrag. AN entscheidet sich für Aufhebungsvertrag, da er dadurch noch 2 Monate länger Zeit hat um sich eine neue Beschäftigung zu suchen.

Als Gründe für die Schlechtleistung wird vor allem auf die Aussagen einer Kollegin verwiesen (angeblich unvorbeitete Terminteilnahme etc.). Weitere "Argumente" sind, dass bei einer Business-Präsentation der AN den Termin um 5min überzogen hat, es bei der Erledigung von Aufgaben zu Verzögerungen kommt (obwohl AN die Verzögerungen nicht zu vertreten hat) sowie eine Aufgabe, die der AN interimsweise übernommen hatte, nicht zufriedenstellend ausgeführt wurde.

Ein umfassendes 360-Grad Feedback, welches relevante Kunden einschließen würde, erachtet der AG als irrelevant. Ebenso fließt die Qualität der Erledigung der im Einarbeitungsplan festgelegten Hauptaufgaben der Stelle, nicht in seine Beurteilung ein.

Nicht sonderlich überraschend erfährt der AN von ehemaligen Kollegen, dass die Führungskraft für die Ausstellung von schlechten Arbeitszeugnissen bekannt ist.

Frage: Welche Maßnahmen und Vorbereitungen kann der AN treffen, um im Fall der Fälle vor dem Arbeitsgericht die Chancen zur Ausstellung eines guten Arbeitszeugnisses zu erhöhen?

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Das der AG im Zweifelsfall vor dem Arbeitsgericht ein schlechtes Arbeitszeugnis mit Beweisen begründen muss, ist mir bekannt. Aber darum geht es hier nicht.

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17223 Beiträge, 6427x hilfreich)

Zitat (von trsprod):
Frage: Welche Maßnahmen und Vorbereitungen kann der AN treffen, um im Fall der Fälle vor dem Arbeitsgericht die Chancen zur Ausstellung eines guten Arbeitszeugnisses zu erhöhen?

Derzeit: rein garnix. Abwarten, bis was vorliegt, was man einschätzen kann.

Ansonsten: Probezeitkündigung!
Was immer da gesagt, genannt wurde - k.v. (kannste vergessen). Kündigung in der Probezeit bedarf keines Grundes.

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118551 Beiträge, 39586x hilfreich)

Zitat (von trsprod):
Das der AG im Zweifelsfall vor dem Arbeitsgericht ein schlechtes Arbeitszeugnis mit Beweisen begründen muss, ist mir bekannt.

Da ist einem falsches bekannt ... die Rechtsprechung hat schon seit Jahren festgelegt, das es schlicht keine schlechten Arbeitszeugnisse mehr geben darf. Ein Arbeitszeugnis hat stehts "wohlwollend" formuliert zu sein, alles andere ist auch ohne Beweise zum scheitern verurteilt.



Zitat (von trsprod):
Welche Maßnahmen und Vorbereitungen kann der AN treffen, um im Fall der Fälle vor dem Arbeitsgericht die Chancen zur Ausstellung eines guten Arbeitszeugnisses zu erhöhen?

Man könnte das ganze in den Aufhebungsvertrag mit aufnehmen - wobei es eher zweifelhaft ist, ob der AG da mit spielen will.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17223 Beiträge, 6427x hilfreich)

... und so am Rand:
Arbeitszeugnisse werden überbewertet. Wenn ich recht erinnere, beschäftigen sich Personalverantwortliche mit dem Arbeitszeugnis knapp 1 Minute.
Die Erwartungen an so ein Zeugnis scheinen mir ebenso überfrachtet angesichts so kurzer Betriebszugehörigkeit.

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#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118551 Beiträge, 39586x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Wenn ich recht erinnere, beschäftigen sich Personalverantwortliche mit dem Arbeitszeugnis knapp 1 Minute.

In der Tat - die Rechtsprechung hat diese einst so relevanten Dokumente dermaßen entwertet ...



Zitat (von blaubär+):
Die Erwartungen an so ein Zeugnis scheinen mir ebenso überfrachtet angesichts so kurzer Betriebszugehörigkeit.

Richtig, innerhalb der Probezeit wird da kaum relevantes zu finden sein ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#5
 Von 
trsprod
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 2x hilfreich)

Vielen Dank für Eure Antworten!

1. In erster Linie meine ich mit einem schlechten Arbeitszeugnis eine negative Beurteilung des AN. Beispiel: "Er war stets bemüht" ist wohlwollend formuliert. Personaler lesen hier allerdings eine Note 5.

2. Der Aufhebungsvertrag enthält u.a. die Standardklausel: "Der AN erhält ein Arbeitszeugnis, welches seinem beruflichen Fortkommen dienlich ist".

Darunter verstehe ich lediglich, dass das Arbeitszeugnis wohlwollend formuliert sein aber nicht zwangsläufig eine gute Beurteilung beinhalten muss. Wie bewertet ihr das?

3. Ich denke auch, dass ein Arbeitszeugnis für ein solch kurzes Arbeitsverhältnis nicht allzu hoch gehängt werden darf. Leider ist es jedoch so, dass es sich bei dem AG um einen renommierten Konzern handelt und der geneigte Leser das Arbeitszeugnis unterbewusst vielleicht doch höher bewerten könnte als unbedingt notwendig.
Aber unabhängig davon: der AN hat, mit Ausnahme der FK, bisher vorwiegend positives Feedback von div. Stakeholdern erhalten, weswegen eine schlechte Beurteilung unbegründet ist.

Die Frage ist also: wie kann der AN vor dem Arbeitsgericht beweisen, dass er gute Arbeit geleistet hat?

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#6
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17223 Beiträge, 6427x hilfreich)

Zitat (von trsprod):
Die Frage ist also: wie kann der AN vor dem Arbeitsgericht beweisen, dass er gute Arbeit geleistet hat?

Antwort, kurz und ernüchternd: gar nicht. Denn eine inhaltliche Debatte, wie du sie dir wohl erhoffst, gibt es gar nicht vor Gericht. Was du erwarten kannst, ist ein computer-generiertes Zeugnis, das vor allem eines sein wird: rechtlich unangreifbar. Und: ein Anrecht auf ein gutes Zeugnis gibt es nicht.

Angemerkt: ich verstehe sehr wohl aus deinen Ausführungen eingangs, dass es da Bemerkungen gegeben hat, die dich zornig machen und die du dir nicht bieten lassen willst. - Vergiss es; tatsächliche Gründe, gesagte Gründe ....
Und bitte: Probezeit! Sie dient eben dazu auszuprobieren, ob man miteinander kann und will. Kein Mensch bei Verstand wird da zu viel Gewicht darauf legen zu eruieren, wieso genau das Mal nicht geklappt hat.

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#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118551 Beiträge, 39586x hilfreich)

Zitat (von trsprod):
Die Frage ist also: wie kann der AN vor dem Arbeitsgericht beweisen, dass er gute Arbeit geleistet hat?

Mal ernsthaft, wenn nicht mal der AN selber weis, wie er seine Leistungen beweisen kann und das diese "gut" waren, woher sollen dann die Mitglieder dieses Forums das wissen?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#8
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17223 Beiträge, 6427x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Leistungen beweisen

Wenn es denn nur die Leistungen wären!
Es wird eine Ebene geben an Fakten und eine andere voller Einschätzungen, durchaus auch recht subjektiver Art - ein weites Feld! Und es es kann Entscheidungsgründe geben, die mit dem Kandidaten herzlich wenig, mit betrieblichen Spannungsfeldern aber eine ganze Menge zu tun haben können, sich im Ergebnis zu einem Nein verdichten.

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#9
 Von 
trsprod
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 2x hilfreich)

Na gut, dann werde ich wohl ein wohlwollend formuliertes und computer-generiertes Arbeitszeugnis mit einer schlechten Bewertung akzeptieren, da es rechtlich nicht angreifbar ist und ich meine guten Leistungen sowieso nicht beweisen kann.

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#10
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31525 Beiträge, 5571x hilfreich)

Zitat (von trsprod):
AN entscheidet sich für Aufhebungsvertrag
Falls es dem AN nicht gelingt, in der Zeit einen anderen Job zu finden, hätte der AN vermutlich eine außerordentlich schlechte Wahl getroffen.
... zumal bisher alles Schlechte nur geahnt wird.

Falls der AN Anspruch auf ALG hat, ereilt ihn eine Sperrzeit.
Falls auch Bürgergeldanspruch besteht, gäbe es noch eine Minderung des Bürgergeldes.

Einen Anspruch auf ein umfassendes 360°-Feedback hat der AN definitiv nicht.

Eine Probezeit ist extra dafür erfunden worden, dass beide (AN und AG) probieren können, ob man *miteinander kann*.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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