Guten Morgen und schon einmal vielen Dank für Eure Zeit!
Sachverhalt:
Vor einem Jahr hat Person A einen Aufhebungsvertrag erhalten. Grund dafür war, dass seine Stelle wegfallen sollte und die anfallende Arbeit durch ein Team im osteuropäischen Ausland erledigt werden sollte. Dieses Team wurde von Person A aufgrund von seiner Überauslastung weitergebildet und für einfache aber zeitintensive Aufgaben hinzugezogen. Das heißt, vor dem Aufhebungsvertrag, hat das Team bereits unterstützt um Person A zu entlasten.
Dieser Vertrag wurde nicht unterzeichnet aber Person A hat mit seinem Betrieb mündlich vereinbart, das interne Jobportal zu beobachten und sich auf geeignete Stellen zu bewerben. Es gab mehrere interne Bewerbungen durch Person A, welche nicht zu einem Wechsel führten. Sein Chef hat für diese Bewerbungen Empfehlungen ausgesprochen jedoch ohne Erfolg. Des Weiteren wurde später ein Team in London beauftragt (Talent Advisor / HR) freie Stellen für Person A zu finden und bei dem Bewerbungsprozess zu unterstützen. Dieses Team versuchte über Wochen etwas passendes zu finden, jedoch ohne Erfolg. Grund dafür ist, dass in Stadt A wenige Jobs angeboten werden, die dem von Person A entsprechen. Stadt A ist als Arbeitsstandort vertraglich geregelt festgelegt. Person A teilte daraufhin mit, dass er auch bereit wäre nach Stadt B zu gehen (Deutscher Hauptsitz des Unternehmens). Es wurden dennoch keine freien Stellen angeboten und ein Wechsel kam nicht zustande. Das Arbeitsverhältnis lief wie gewohnt weiter. Zeitintensive und anforderungsgeringe Aufgaben wurden weiterhin nach Rumänien ausgelagert aber den Großteil der Arbeit, besonders strategische Projekte wurden von weiterhin von Person A erledigt. Nach mehreren Monaten ist das Thema „abgeflacht" da Person A sehr viele Aufgaben übernommen hat und weiterhin sehr gute Arbeit leistete.
Heute, ein Jahr später, hat Person A wieder einen Aufhebungsvertrag angeboten bekommen, welcher dem ersten ähnelt. Da die Abteilung kürzlich umstrukturiert wurde und Person A einen Termin mit HR in seinem Kalender sah, hat er vorab seinem Chef wiederholt auf folgendes hingewiesen:
Person A ist durchaus an Umschulungs- oder Fortbildungsmaßnahmen interessiert, die eine Weiterbeschäftigung unter geänderten Arbeitsbedingungen (UX Design) möglich machen. Da UX Design im weiteren Sinne seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht, erteilt Person A hiermit nochmal ausdrücklich sein Einverständnis. Besonders hervorzuheben ist, dass sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart und ziemlich sicher auch in Zukunft freie Arbeitsplätze in diesem Bereich verfügbar sind (sogar in Stadt A).
Diese Einverständniserklärung wurde auch schon in der Vergangenheit mündlich zugesichert. Jedoch erfolgte nie der Versuch seitens Unternehmen Person A fortzubilden.
Zusammenfassend gesagt, hat Person A versucht einen neuen Job intern zu finden, ist aber in den unterschiedlichen Interviewrunden „rausgeflogen" (meistens gibt es ca. 4-5 Gespräche). Seitens Betriebes wurde versucht mit Hilfe des Talent Advisor Teams einen freien Arbeitsplatz zu finden jedoch ohne Erfolg. Nach mehreren erfolglosen Wochen, ist die Arbeit des Teams versandet und Person A hat nichts mehr von ihnen gehört. Umschulungs- oder Fortbildungsmaßnahmen wurden nie Angeboten, obwohl dies Person A für freie Stellen qualifiziert hätte.
Person A war zu jeder Zeit komplett ausgelastet und hat seine Arbeit sehr gewissenhaft, und immer zu vollster Zufriedenheit aller Kollegen erledigt. Dies geht auch aus seinem jährlichen Feedback hervor.
Frage:
Person A möchte den Aufhebungsvertrag gern erneut ablehnen um weiterhin im Unternehmen zu bleiben. Person A befürchtet aber, dass ihm aufgrund der Umstrukturierung eine betriebsbedingte Kündigung erteilt wird. Daraufhin wäre Person A bereit eine KdgSchutzklage einzureichen, wenn die Chancen gut stehen den Prozess zu gewinnen (keinen Rechtsschutz). Wie schätzt Ihr den Fall ein und was würdet ihr Person A raten zu tun?
-- Editiert von chrqui am 06.09.2019 08:56
-- Editiert von chrqui am 06.09.2019 08:58
-- Editiert von chrqui am 06.09.2019 08:59
Aufhebungsvertrag - drohende betriebsbedingte Kündigung
6. September 2019
Thema abonnieren
Frage vom 6. September 2019 | 08:52
Von
Status: Frischling (17 Beiträge, 0x hilfreich)
Aufhebungsvertrag - drohende betriebsbedingte Kündigung
#1
Antwort vom 6. September 2019 | 08:59
Von
Status: Heiliger (20330 Beiträge, 7358x hilfreich)
Dein Sermon ist mir viel zu lang, das mal vorab.
Gelesen habe ich ab 'Frage'. Dazu nur soviel: Eine Kündigung aus betrieblichen Gründen geht vor Gericht in aller Regel durch, weil Gerichte unternehmerische Entscheidungen nicht überprüfen.
#2
Antwort vom 6. September 2019 | 09:36
Von
Status: Frischling (17 Beiträge, 0x hilfreich)
Auch wenn Person A zu keiner Zeit Umschulungs- oder Fortbildungsmaßnahmen angeboten wurden, obwohl dies Person A für freie Stellen qualifiziert hätte.
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#3
Antwort vom 6. September 2019 | 10:07
Von
Status: Unbeschreiblich (40641 Beiträge, 6588x hilfreich)
Ja, leider auch dann. Auch das ist doch eine unternehmerische *Freiheit*, sowas anzubieten.
Eine Klage gegen die betriebsbedingte Kündigung und vor allem eine mit dieser Vorgeschichte hätte mE keine Chance am Arbeitsgericht.Zitat :Wie schätzt Ihr den Fall ein und was würdet ihr Person A raten zu tun?
Das Unternehmen hat sich offenbar doch bemüht, dich *sanft* loszuwerden.
Nun gehts wohl nicht mehr anders.
Und auf was würdest du klagen wollen? Auf Fortbildung, auf Weiterbeschäftigung?---- Wohl aus Sicht des Unternehmens unzumutbar.
Bis eine Klage verhandelt wird, vergehen Monate--- das Unternehmen wird diese Zeit nicht ungenutzt lassen.
-ICH- würde den Aufhebungsvertrag akzeptieren, möglichst eine ordentliche Abfindung verhandeln.
Mit betriebsbedingter K. ist auch diese Möglichkeit höchstwahrscheinlich verbaut.
Denn das Unternehmen wird im Falle einer Klage ordentlich jammern, und inzwischen weiterhin um-und runterstrukturieren, dann gibts uU nicht mal mehr ne Abfindung.
btw.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmen noch MA auf eigene Kosten fortbildet, wenn die Umstrukturierung, Outsourcing u.ä. schon am Laufen sind. Dann wird doch gespart und geschrumpft, was irgend geht.
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