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Azubi - Arbeitsweg (1,5 - 2 Std.) zumutbar?

18.6.2020 Thema abonnieren
 Von 
car4000
Status:
Schüler
(320 Beiträge, 45x hilfreich)
Azubi - Arbeitsweg (1,5 - 2 Std.) zumutbar?

Hallo zusammen, folgende Situation:

Azubi, 18 Jahre, kein Führerschein.
Der Azubi (Technischer Systemplaner) wird im Rahmen seiner Ausbildung ein vierwöchiges Baustellenpraktikum absolvieren. Die von der Geschäftsführung angedachte Firma liegt etwa 50km von seinem Wohnort entfert.

Die Fahrtdauer per ÖPNV beträgt ca. 1,5 Stunden wenn es gut läuft, da ein Umsteigen mit einer Zeit von unter 5 Minuten eingeplant ist. Wird dieser Umstieg durch eine Verspätung verpasst, verlängert sich die Fahrtzeit auf gut 2 Stunden.

Arbeitsbeginn Baustellenpraktikum: 07:00 Uhr, also Abfahrt spätestens um 05:30 Uhr
Arbeitsbeginn Ausbildungbetrieb: 08:00 Uhr

Ist dem Auszubildenden im Rahmen seiner Ausbildung eine so lange Fahrt über mehrere Wochen zuzumuten?

car4000

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14 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Anami
Status:
Unsterblich
(23344 Beiträge, 4588x hilfreich)

Zitat (von car4000):
Ist dem Auszubildenden im Rahmen seiner Ausbildung eine so lange Fahrt über mehrere Wochen zuzumuten?
Ich meine ja. Es ist ein zeitlich recht kurz bemessenes Praktikum.
Zitat (von car4000):
Arbeitsbeginn Ausbildungbetrieb: 08:00 Uhr
Das ist für diesen 1 Monat nicht relevant.

uU ergibt sich im Praktikumsbetrieb nach kurzer Zeit eine Mitfahrgelegenheit?
Oder man sucht sich selber eine solche?

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99943 Beiträge, 36993x hilfreich)

Abgesehen davon das Lehrjahre keine Herrenjahre sind: diese Zeiten sind durchaus an der Grenze des zumutbaren, aber noch zumutbar. Insbesondere da es ein fixer Zeitraum ist.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
palino
Status:
Praktikant
(717 Beiträge, 123x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Abgesehen davon das Lehrjahre keine Herrenjahre sind:


Ich HASSE diesen Satz. Genau unter dem Deckmantel sind Azubis noch immer billige Arbeitskräfte. Er ergibt auch keinen Sinn, denn wieso muss jemand der einen Beruf lernt eine Arbeit ausführen die derjenige der den Beruf gelernt hat (die Herrenjahre) nicht macht?
Es ist nicht zu verantworten jemanden etwas zuzumuten, dass einem normalen AN nicht zugemutet wird nur weil er Lehrling ist. Im Gegenteil, Lehrjahre sind keine Arbeitsjahre würde besser passen.

Just my two cents, beim aktuellen Fall erkenne ich keine Unzumutbarkeit.

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34631 Beiträge, 13193x hilfreich)

Wieso würde das einem normalen Arbeitnehmer nicht zugemutet?

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
palino
Status:
Praktikant
(717 Beiträge, 123x hilfreich)

Habe ich nicht behauptet. Mein Rant ging gegen "Lehrjahre sind keine Herrenjahre"

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99943 Beiträge, 36993x hilfreich)

Zitat (von palino):
denn wieso muss jemand der einen Beruf lernt eine Arbeit ausführen die derjenige der den Beruf gelernt hat (die Herrenjahre) nicht macht?

Ganz einfach, weil:
- der es halt nicht mehr lernen muss
- es im Lehrplan steht


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
car4000
Status:
Schüler
(320 Beiträge, 45x hilfreich)

Dankeschön, Leute.

Ich wollte nur mal die Grundstimmung zu dieser Situation hören, der Azubi knurrt deswegen nämlich schon.


car4000

Signatur:

- car4000 -

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#8
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14409 Beiträge, 5597x hilfreich)

Zurück zur Ausgangsfrage: Ich kenne einige Leute, die täglich pendeln über solche Entfernungen und mit solchen Wegezeiten. Auch von Seiten der AA oder Jobcenter werden solche Anreisezeiten als zumutbar angesehen.
Dein Trost kann sein, dass es für eine ziemlich überschaubare Zeit sein wird.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
car4000
Status:
Schüler
(320 Beiträge, 45x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Dein Trost kann sein, dass es für eine ziemlich überschaubare Zeit sein wird.


Mein Trost ist es, dass ich schon lange kein Azubi mehr bin... :wipp:

Signatur:

- car4000 -

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
philosoph32
Status:
Lehrling
(1223 Beiträge, 142x hilfreich)

Zitat (von palino):
Ich HASSE diesen Satz. Genau unter dem Deckmantel sind Azubis noch immer billige Arbeitskräfte.


Das ist natürlich nicht richtig. Letztendlich bedeutet der Satz aber, dass man in der Ausbildung auch mal den Hintern zusammenkneifen muss und was tun muss, was eben nicht so angenehm ist....

So wie hier halt mal einen absehbaren Zeitraum einen höheren Aufwand betreiben.....

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#11
 Von 
palino
Status:
Praktikant
(717 Beiträge, 123x hilfreich)

Zitat (von philosoph32):
Zitat (von palino):
Ich HASSE diesen Satz. Genau unter dem Deckmantel sind Azubis noch immer billige Arbeitskräfte.


Das ist natürlich nicht richtig. Letztendlich bedeutet der Satz aber, dass man in der Ausbildung auch mal den Hintern zusammenkneifen muss und was tun muss, was eben nicht so angenehm ist....

So wie hier halt mal einen absehbaren Zeitraum einen höheren Aufwand betreiben.....


Das muss man auch als AN, solange es eben zur Arbeit gehört. HvS sprach vom Lehrplan. Ich glaube in keinem Lehrplan steht "Wasche das private Auto vom Chef" oder "mach 100 unbezahlte Überstunden" und Sachen wie Sandsäcke schleppen ect. mag zwar in manchen Bereichen dazu gehören, es heißt aber nicht das der Azubi nichts anderes machen muss.

Und genau solche Sachen werden mit diesem Satz gerechtfertigt. So als ob die Lehrzeit extra unangenehm sein muss, damit einem auch richtig die Lust auf den Job vergeht.


Es ist genau diese Gutsherren-Einstellung die manche Chefs heutzutage noch fahren. Und weil ihnen die meisten normale Arbeitnehmer dank quasi Vollbeschäftigung (zumindest vor Corona) dann schnell nen Vogel zeigen und gehen, probieren sie es bei denen die noch keine Erfahrung in der Arbeitswelt haben, nicht wissen wie man sich wehrt und nicht einfach die Firma wechseln können. Und dann wundern die sich wenn sie keine Azubis kriegen weil eben keiner Bock hat für nen dreistelligen Betrag immer genau die Arbeiten zu machen die andere nicht machen wollen. Und dann heißt es, Lehrjahre sind keine Herrenjahre. UN-FASS-BAR

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Anami
Status:
Unsterblich
(23344 Beiträge, 4588x hilfreich)

@palino
Bitte reg dich ab. Und schweif nicht ab. Es geht um 4 x 5 Tage.
@HvS ist weder der Chef noch der Lehrherr. Er hat einfach seine altmodische Ansicht dazu geschrieben.

Der TE kann seinem Azubi das gern ganz anders beibringen--- mit der Zumutbarkeit für schlappe 4 Wochen, wo sogar noch fahrfreie Wochenenden drin sind.

Sicher steht im Lehrplan: Der Azubi hat ein 4-wöchiges Baustellenpraktikum zu absolvieren.

Wer eine Ausbildung zum Technischen Systemplaner macht, sollte tatsächlich auch mal dort kurz reinschnuppern, wo das dann realisiert wird, was der TSP immer nur am Monitor *erfindet*...

(blöderweise gibts nur grad keine Baustelle vor der eigenen Haustür oder neben dem Ausbildungsbetrieb)
DAS ist hier das einzige Problemchen des Azubi.

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99943 Beiträge, 36993x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Er hat einfach seine altmodische Ansicht dazu geschrieben.

Nö, das ist keine altmodische Ansicht, das ist Realität.



Zitat (von palino):
probieren sie es bei denen die noch keine Erfahrung in der Arbeitswelt haben, nicht wissen wie man sich wehrt und nicht einfach die Firma wechseln können.

Das passiert normalen AN genau so - oder glaubst Du die ganzen Fragesteller in den anderen Beiträgen hier sind Azubis?



Zitat (von palino):
Ich glaube in keinem Lehrplan steht "Wasche das private Auto vom Chef" oder "mach 100 unbezahlte Überstunden"

Davon war hier nicht die Rede.



Zitat (von palino):
Und dann heißt es, Lehrjahre sind keine Herrenjahre. UN-FASS-BAR

Unfassbar ist es eher das jemand meint sich künstlich über was aufregen zu müssen, das hier gar nicht zur Diskussion steht.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

1x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1115 Beiträge, 607x hilfreich)

Zitat (von palino):
Ich HASSE diesen Satz.


Weshalb läßt Du nicht diesen wunderbar zeitlos richtigen Satz in Frieden, und richtest Deinen Unmut auf Ignoranz und Unwissenheit bei der ( Hinnahme von ) Ausbeutung und Ungerechtigkeit, wenn sie in weiter Bildungsferne mit diesem Satz gerechtfertigt bzw. klaglos hingenommen werden?

Zitat (von car4000):
Ist dem Auszubildenden im Rahmen seiner Ausbildung eine so lange Fahrt über mehrere Wochen zuzumuten?


Die Frage muss lauten: ist ihm die mit der Bestimmung des Praktikumsorts verbundene Belastung zumutbar? ( Aufwand an Zeit, Organisation, Mühe um vom Wohnort dorthin und wieder zurückzugelangen, Verkürzung der Erholungs- und Freizeit usw. )

Zitat (von car4000):
vierwöchig

Arbeitsbeginn Baustelle: 07:00 Uhr
Arbeitsbeginn Ausbildungbetrieb: 08:00 Uhr


Allein die ca. 150.000 Auszubildenden in Pflegeberufen werden 3 Jahre lang im Schichtbetrieb mit regulärer Wochenend- und Feiertagsarbeit ausgebildet, mit Frühdienstbeginn um 6:00 und Spätschichtende um 22:00.

Welche Belastungen einem Auszubildenden zugemutet werden können/dürfen, ist fraglich.
Sich vier Wochen lang im Sommer von Mo. bis Freitag morgens um 7:00 an einer 50km von seinem Wohnort entfernten Baustelle einfinden ( und dort 8h lang arbeiten ) zu müssen, wird den Azubi nicht über das ihm Zumutbare hinaus belasten.

RK

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