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Bekannter wurde grundlos nach 17 Jahren gekündigt

14.11.2021 Thema abonnieren
 Von 
randy2201
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 0x hilfreich)
Bekannter wurde grundlos nach 17 Jahren gekündigt

Guten Abend!

Ich frage für einen Bekannten und werde nach meinem Wissensstand berichten.
Er wurde nach 17 Jahren fristlos gekündigt. Ein verschulden seinerseits lag nicht vor.
Mein bekannter war nie krank und beruflich gab es nie Beschwerden.
Abmahnungen gab es keine.
Die fristlose Kündigung wurde ihm Sonntags mit Zeugen an seiner Privatwohnung übergeben mit der Aufforderung den Erhalt zu quittieren. Dieses tat er. Daraufhin bekam er eine 3 monatige Sperre beim Arbeitsamt.
Nachdem er einen Anwalt eingeschaltet hat (nach 14 Tagen weil Anwalt hatte Urlaub), zog sein Chef die Kündigung zurück. Begründung: Kündigung wurde aus einer Laune heraus ausgesprochen. Er solle doch am nächsten Tag wieder auf Arbeit erscheinen und bekomme sogar Weihnachtsgeld.
Bekannter hat aber bereits eine neue Arbeitsstelle.
Ehemaliger Arbeitgeber schickte ihm nun per Handy ein Dokument, in dem er aufgefordert wird, sein (nun wieder bestehendes) Arbeitsverhältnis selbst aufzukündigen und jegliche Ansprüche abzutreten!

Anwalt des Bekannten sieht angeblich keine Aussicht auf Erfolg. Bekannter wollte auf Zahlung von Abfindung klagen.
Anwalt des Bekannten meinte: Ehemaliger Arbeitgeber nutze ein sogenanntes "Schlupfloch" in der Rechtssprechung.

Ich würde mich freuen, Sie könnten einige Tipps anbringen.
Ist evtl. ein anderer Anwalt zu beauftragen, oder bestünde wirklich kein Erfolg bei einer Klage.

Herlichsten Dank!!
R.Th

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14428 Beiträge, 5606x hilfreich)

Zitat (von randy2201):
fristlos gekündigt

... sancta justitia, ich könnte rasen!

Dein Bekannter hat zunächst nix unternommen, gleichwohl aber offenbar eine neue Stelle angetreten.
Worauf wollte er denn jetzt noch klagen?
'Auf Abfindung klagen' gibt es nicht und Kündigungsschutzklage hat sich auch erübrigt.

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(100066 Beiträge, 37019x hilfreich)

Zitat (von randy2201):
Ehemaliger Arbeitgeber nutze ein sogenanntes "Schlupfloch" in der Rechtssprechung.

Was für ein Schlupfloch? Da ist keines, der Bekannte hat einfach falsch reagiert ...

Er hat eine neue Arbeitsstelle, somit hat er 2 vertragliche Verpflichtungen zu erfüllen, er kann aber nur eine erfüllen (ich nehme an das es ein Vollzeitjob war).

Da kann er froh sein, wenn der Ex-Chef im die Aufhebung anbietet und er keinen Schadenersatz leisten muss.



Zitat (von randy2201):
Bekannter wollte auf Zahlung von Abfindung klagen.

Damit wäre er recht heftig gescheitert. In Ermangelung einer Rechtsgrundlage kann man nicht wirksam auf Zahlung von Abfindung klagen. Eine Klage ist nur auf Weiterbeschäftigung möglich. Angesichts dessen das eine Weiterbeschäftigung nicht mehr möglich ist, wäre eine solche Klage aber sinnlos.



Zitat (von randy2201):
Arbeitsverhältnis selbst aufzukündigen

Das wäre anzuraten.



Zitat (von randy2201):
und jegliche Ansprüche abzutreten!

Das sollte an nochmals genauer prüfen, nicht das man da auf zu viel Rechte verzichtet.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
randy2201
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Dein Bekannter hat zunächst nix unternommen

Er hatte sich nach Erhalt der fristlosen Kündigung arbeitslos gemeldet. Durch fristlose Kündigung erhielt er 3 Monate Sperre.
Die neue Stelle hat er erst nach ca. 2 Monaten nach der Kündigung angenommen.
Erst als sein Anwalt aus seinem Urlaub kam und die Sache bearbeitet... hat die Ex Firma meines Bekannten die fristlose Kündigung zurückgenommen.
Ja, es war vorher eine Vollzeitstelle und jetzt auch.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
randy2201
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Arbeitsverhältnis selbst aufzukündigen


Das wäre anzuraten.


Mein Bekannter war aber doch bereits fristlos gekündigt. Wochen danach hat er eine neue Stelle gefunden.
Wie kann er dann einer ausgesprochener fristlosen Kündigung entgegen selbst kündigen.

Vielleicht versteh ich das falsch...
aber wenn mein Chef mir fristlos kündigt und ich die Kündigung annehme, dann könnte ich doch einen anderen Arbeitsplatz annehmen.
Nach meiner Meinung hat er nichts falsch gemacht.
Sein Chef hat nach ca. 2 Monaten die fristlose Kündigung als "nichtig" erklärt und dieses als "überreagiert" erklärt.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
hiphappy
Status:
Junior-Partner
(5150 Beiträge, 2395x hilfreich)

Eine Kündigung kann man nicht zurück nehmen.

Wenn dem Bekannter nicht binnen 3 Wochen gegen die Kündigung geklagt hat, hat sie Bestand.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Daskalos
Status:
Schüler
(485 Beiträge, 115x hilfreich)

ich verstehe auch nicht, warum dein bekannter wartet, bis der Anwalt aus dem Urlaub kommt?
Entweder er will dagegen vorgehen, dann sofort ( frag ihn mal, wieviel Anwälte es in seiner Stadt gibt!?) oder nicht. Dann brauch er auch keinen Anwalt. Aber nicht paar Monaten.
Und wenn er eine neue Stelle sucht und findet, warum will er dann klagen?
hat er denn nicht einmal nach dem Grund gefragt, wenn er nach 17 Jahren einfach so gekündigt wird? Aus Lust und Laune gekündigt???

-- Editiert von Daskalos am 15.11.2021 01:16

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#7
 Von 
frannzwick
Status:
Beginner
(114 Beiträge, 24x hilfreich)

Irgendwas stimmt hier nicht: Anwalt wurde 14 Tage nach fristloser Kündigung eingeschaltet. Daraufhin hat Arbeitgeber die Kündigung für nichtig erklärt. Zwei Monate nach Kündigung hat der Gekündigte eine neue Stelle angenommen.

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#8
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34662 Beiträge, 13197x hilfreich)

Dann tröseln wird das alles mal auf.

Es wurde eine Kündigung ausgesprochen. Mit Zugang der Kündigung (einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung) ist sie zunächst einmal wirksam. Eine Rücknahme ist nicht möglich, es sei denn, der Empfänger dieser Kündigung akzeptiert die Rücknahme oder aber ein Gericht stellt die Unwirksamkeit der Kündigung fest. Für letzteres ist jedoch eine Kündigungsschutzklage erforderlich, muss binnen drei Wochen ab Zugang der Kündigung bei Gericht anhängig gemacht worden sein. Dann hätten wir jedoch mit Sicherheit schon eine Güteverhandlung gehabt. Hat der Anwalt die Dreiwochenfrist verbaselt?

Zwischenergebnis: Kündigung ist wirksam oder aber das Gericht entscheidet. Jedenfalls ist für den AN kein Grund da, hier selbst zu kündigen, dadurch würde er sich aller Rechte begeben.

Er hat eine neue Stelle, will wohl auch nicht mehr zurück. Bleibt die Frage nach Schadensersatz. Immerhin hat er ja zwei Monate ohne Einkommen da gestanden, möglicherweise verdient er jetzt weniger. Insoweit sehe ich die Möglichkeit der Geltendmachung noch nicht verbaut. Das sollte jetzt aber schnellstens angeleiert werden.

Wenn der Anwalt die Frist zur Einreichung der Kündigungsschutzklage versiebt hat, wäre da auch ein Anspruch auf Schadensersatz zu prüfen. Denn so ein Fehler darf einfach nicht passieren. Und - einen Rechtsanspruch auf Abfindung gibt es nicht. Allerdings arbeiten die Gerichte gerne darauf hin, wenn zwar die Kündigung unwirksam ist, allerdings das Arbeitsverhältnis so zerrüttet ist, dass eine Fortsetzung zwar zumutbar, aber konfliktträchtig wäre. Nur, diese Chance gibt es jetzt nicht mehr.

wirdwerden

1x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
-Laie-
Status:
Wissender
(14121 Beiträge, 5437x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Zwischenergebnis: Kündigung ist wirksam oder aber das Gericht entscheidet. Jedenfalls ist für den AN kein Grund da, hier selbst zu kündigen, dadurch würde er sich aller Rechte begeben.
Genau so ist es! Sind die 3 Wochen seit Kündigung bereits um? Oder steht in dessen Arbeitsvertrag etwas anderes bezüglich dieser Frist?

Signatur:

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0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14428 Beiträge, 5606x hilfreich)

@laie
Wenn der AN 2 Monate nach der Kündigung einen neuen Job angetreten hat, werden die 3 Wochen Frist für eine Kündigungsschutzklage wohl verstrichen sein.

Zitat (von randy2201):
Nach meiner Meinung hat er nichts falsch gemacht.
Sein Chef hat nach ca. 2 Monaten die fristlose Kündigung als "nichtig" erklärt und dieses als "überreagiert" erklärt.

Die Abläufe bleiben ziemlich verschwommen, wenn man von der Ausgangsdarstellung ausgeht. Einzelne Fakten reicht randy peu a peu nach, aber die entscheidende Zeit bleibt unklar, insbesondere, was passiert ist, als der Anwalt wieder da war.

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
randy2201
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Wenn der Anwalt die Frist zur Einreichung der Kündigungsschutzklage versiebt hat


... deshalb fragte ich für ihn hier.
Er war bei seinem Anwalt und hat sich einen Termin geben lassen. Dieser Termin kam bestimmt erst nach der 3 Wochen Frist zustande (da Anwalt in Urlaub war).
Was mich selbst stutzig macht, dass sein Anwalt nun sagt, er sehe keine Chancen, da der Arbeitgeber mit der Rücknahme der Kündigung eine Art "Schlupfloch" nutzt.
Ich hatte meinem Bekannten auch schon angeraten einen anderen Anwalt zu suchen. Nun dürfte es aber zu spät sein.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34662 Beiträge, 13197x hilfreich)

Es ist immer schwierig, wenn der Betroffene selbst keine genauen Daten gibt. Man vermutet, dass die Frist abgelaufen war. Genaues weiß man jedoch nicht. Wenn der Anwalt nach zwei Wochen wieder da war, der Termin wegen einer Kündigungsschutzklage vereinbart wurde, dann wird der bestimmt nicht erst für drei Wochen später gegeben. Es kann natürlich sein, dass der Betroffene die Frist selbst verbaselt hat. Dann kann man hinsichtlich Kündigungsschutz und evtl. Abfindung nichts mehr tun. Es bleibt jedoch der Schadensersatz.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(100066 Beiträge, 37019x hilfreich)

Angesichts des neuen Sachverhaltes, würde ich sagen das der Vertrag bereits gekündigt ist - es gibt also nichts mehr was man noch kündigen müsste.

Das

Zitat (von randy2201):
und jegliche Ansprüche abzutreten!

sollte man definitiv nicht machen.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

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