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Bereitschaftsdienst und Schichtdienst angeordnet

15.9.2020 Thema abonnieren
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)
Bereitschaftsdienst und Schichtdienst angeordnet

Hallo liebe Helfer, Sachkundige und Mitleser,
ich habe folgende Frage : ich arbeite seit ca 12,5 Jahren in einer Heimeinrichtung. Die ersten 10 Jahre im Schichtdienst d.h. Tag/ Nachtdienste sowie Feiertage und Wochenende im Wechsel. Als ich 52 Jahre alt geworden bin habe ich mich entschieden aus gesundheitlichen nur noch im Tagdienst arbeiten zu wollen. Ich habe mich intern auf ein anderes Stundenmodell/andere Stelle beworben und bin dort nun seit 2,5 Jahren. Jetzt möchte der Arbeitgeber, dass ich aufgrund von Personalmangel Bereitschaftsdienste und Nachtdienste im Gruppendienst übernehme um die Kollegen zu entlasten. Der Gedanke macht mir große Sorgen, weil sich auch mein Privatleben geändert hat und ich mir nicht vorstellen kann erneut in Nachtdienste zu gehen, weil mich das damals zuletzt psychisch sehr belastet hat. Ich war fast zwei Monate krank geschrieben und der Arzt hat mir dringend angeraten den Job aufzugeben oder zu wechseln. Außerdem wird mir ständig vorgeworfen ich hätte zu wenig zu tun und ausreichend Kapazitäten noch mehr zu arbeiten. Manchmal denke ich man will mich einfach nur loswerden.
Nun bin ich fast 55 Jahre. Was kann ich tun ? Leider wurde mein Arbeitsvertrag nach dem internen Stellenwechsel bis heute auch auf meine Nachfrage hin nicht geändert. Vielen Dank für Euer Interesse und Rückmeldungen.

-- Editiert von Pendlerin am 15.09.2020 18:23

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16 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Gelehrter
(11651 Beiträge, 4834x hilfreich)

Und was sagt dein Arbeitsvertrag zum Thema Bereitschaftsdienst und Nachtschichten?

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#2
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)

Dankeschön für die Rückmeldung und das Interesse an meinem "Fall".
Es stehen keine Arbeitszeiten drin. Es ist lediglich meine Berufsbezeichnung als Erzieherin angeführt und das ich Vollzeit beschäftigt bin. ( und an verschiedenen Orten eingeteilt werden darf, aber auch hier keine Aussage zu den Dienstzeiten)
Mein Arbeitsvertrag sagt gar nichts über Schicht oder Bereitschaftsdienst, es steht einfach nichts drin...

-- Editiert von Pendlerin am 15.09.2020 19:40

-- Editiert von Pendlerin am 15.09.2020 19:56

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Gelehrter
(11651 Beiträge, 4834x hilfreich)

Das ist ja schon mal was. Ohne Vertragsgrundlage kann euer Chef keine Bereitschaft von euch fordern. Jedenfalls nicht ohne Änderungskündigung. Wie das mit der Nachtarbeit Arbeit ist, weiß ich im Moment allerdings auch nicht.

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#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(81191 Beiträge, 33936x hilfreich)

Zitat (von Pendlerin):
Mein Arbeitsvertrag sagt gar nichts über Schicht oder Bereitschaftsdienst, es steht einfach nichts drin...

Für Bereitschaftsdienst braucht es eine Vereinbarung.



Zitat (von Pendlerin):
ch habe mich intern auf ein anderes Stundenmodell/andere Stelle beworben

Und was genau wurde da vereinbart?
Und wie wäre es zu beweisen?


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#5
 Von 
drkabo
Status:
Gelehrter
(11606 Beiträge, 7823x hilfreich)

Gibt es evtl. einen Tarifvertrag?

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#6
 Von 
blaubär+
Status:
Gelehrter
(11651 Beiträge, 4834x hilfreich)

Zur Einführung oder Wieder-Einführung von Schichtdienst:
Grundsätzlich ist der AG in der Organisation des Betriebes einigermaßen frei - er kann also auch Schichtdienst einführen. Dabei hat er nach 'billigem Ermessen' zu handeln: will sagen, er muss entgegenstehende Argumente der Beschäftigten anhören und in seine Überlegungen einbeziehen, ihnen aber nicht unbedingt folgen, er kann sie also verwerfen.

Zu deiner Situation: Es scheint sich bei AG noch nicht wirklich herumgesprochen zu haben, dass Altenpfleger gesuchte Leute sind, also ein knappes Gut. Es läge da eher nahe, Beschäftigte pfleglich zu behandeln, statt sie zu knechten. Vielleicht musst du dir früher oder später einen anderen AG suchen - das sollte inzwischen auch mit Mitte Fuffzig kein absolutes Hindernis mehr sein.

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#7
 Von 
-Laie-
Status:
Philosoph
(12535 Beiträge, 5133x hilfreich)

Zitat (von Pendlerin):
Bereitschaftsdienst und Schichtdienst angeordnet
Da Schichtdienst zum normalen Alltag in deiner Firma gehört kann der AG dies anweisen, aber natürlich nur zu Tätigkeiten, die mit deinem Arbeitsvertrag vereinbar sind. Ist das der Fall? Du warst ja auch schon einmal im Schichtdienst eingesetzt. Bereitschaftsdienst scheidet aus, das wurde ja bereits beschrieben.
Es bringt dem AG allerdings nichts, wenn dich die Schichttätigkeit gesundheitlich belastet und du durch
Krankheit bedingt dann evtl. ausfallen solltest.
Keine Angst, wie bereits geschrieben wurde ist es auch mit 55 aktuell überhaupt kein Problem eine neue Stelle in der Pflege zu bekommen.

Signatur: Folgende Nutzer werden von mir blockiert und ich kann deren Beiträge nicht lesen: Xipolis; Jule28
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#8
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo liebe Helfer, liebe Mitlesenden,

ich möchte zunächst gerne Fragen beantworten und Infos geben was meine berufliche Situation zum besseren Verständnis angeht. Ich bin Erzieherin und keine Altenpflegerin. Mein Arbeitsvertrag richtet sich nach Tarif öffentlicher Dienst (bei mir Caritas AVR). In dem Unternehmen, in dem ich tätig bin gibt es verschiedene Arbeitsbereiche, nicht alle unterliegen dem Schichtdienst (wie etwa die Tagesgruppen oder die Ambulanzoder das betreute Wohnen) Ich habe vor ca 13 Jahren auf einer Wohngruppe im Schichtdienst mit Tag und Nachdienst angefangen ( zuletzt als Gruppenleitung ) und arbeite seit 2,5 Jahren im sozialpädagogisch betreutem Wohnen als Pädagogin für Jugendliche und junge Erwachsene im Tagdienst. Ich habe einen Kollegen mit einer halben Stelle, ein "Team" in diesem Sinne gibt es in meinem Bereich nicht. Mein Kollege und ich haben feste Klienten die wir betreuen, er hat "seine" und ich "meine". Im Krankheits oder Urlaubsfall vertreten wir uns.
An den Wochenenden und Feiertags habe ich frei, das ist so auf den Wohngruppen nicht der Fall.
Im Vertrag steht noch : Weitere Vereinbarungen bestehen nicht. Spätere Vereinbarungen bedürfen zu ihrer Gütigkeit der Schriftform unter Bezugnahme auf diesen Vertrag.
Von Nacht oder Schichtdienst steht da absolut nichts drin....Vielleicht ist es noch interessant zu wissen, dass der Dienst auf Abruf nicht als Bereitschaftsdienst betitelt wird, sondern ganz neu als "Stand by Dienst"

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#9
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von Pendlerin):
Mein Arbeitsvertrag sagt gar nichts über Schicht oder Bereitschaftsdienst, es steht einfach nichts drin...

Für Bereitschaftsdienst braucht es eine Vereinbarung.

Steht nichts drin in meinem Vertrag.



Zitat (von Pendlerin):
ch habe mich intern auf ein anderes Stundenmodell/andere Stelle beworben

Und was genau wurde da vereinbart?
Und wie wäre es zu beweisen?


Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen leben alle in einer eigenen Wohnung oder in einem Hotel. Die zu Betreuenden sollen Verselbstständigt werden. Nächtliche Betreuung (ausser über den bereits bestehenden Bereitschaftsdienst für den Notfall) wird nicht angeboten

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#10
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Gibt es evtl. einen Tarifvertrag?

Ja, AVR angelehnt an den Tarifvertrag öffentlicher Dienst

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#11
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von -Laie-):
Zitat (von Pendlerin):
Bereitschaftsdienst und Schichtdienst angeordnet
Da Schichtdienst zum normalen Alltag in deiner Firma gehört kann der AG dies anweisen, aber natürlich nur zu Tätigkeiten, die mit deinem Arbeitsvertrag vereinbar sind. Ist das der Fall? Du warst ja auch schon einmal im Schichtdienst eingesetzt. Bereitschaftsdienst scheidet aus, das wurde ja bereits beschrieben.
Es bringt dem AG allerdings nichts, wenn dich die Schichttätigkeit gesundheitlich belastet und du durch
Krankheit bedingt dann evtl. ausfallen solltest.
Keine Angst, wie bereits geschrieben wurde ist es auch mit 55 aktuell überhaupt kein Problem eine neue Stelle in der Pflege zu bekommen.

Wir haben verschiedene Tätigkeitsbereiche. Manche Sozial- (Pädagogen) arbeiten im Schicht-Nachtdienst, andere wiederum nicht. Je nach Arbeitsfeld

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#12
 Von 
drkabo
Status:
Gelehrter
(11606 Beiträge, 7823x hilfreich)

Zitat:
Ja, AVR angelehnt an den Tarifvertrag öffentlicher Dienst

Schlecht für Sie.
Die Caritas-AVR enthalten quasi uneingeschränkte Verpflichtung zu Schicht-, Nacht- und Bereitschaftsdienst in Einrichtungen und Heimen, die der Förderung der Gesundheit, der Erziehung, Fürsorge oder Betreuung von Kindern und Jugendlichen, der Fürsorge oder Betreuung von obdachlosen, alten, gebrechlichen, erwerbsbeschränkten oder sonstigen hilfsbedürftigen Personen dienen, auch wenn diese Einrichtungen nicht der ärztlichen Behandlung der betreuten Personen dienen.

Mit dem Argument "es steht nichts in meinem Arbeitsvertrag" werden Sie also nichts gewinnen können, wenn für Ihren Arbeitsvertrag die Caritas-AVR gelten.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#13
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Zitat:
Ja, AVR angelehnt an den Tarifvertrag öffentlicher Dienst

Schlecht für Sie.
Die Caritas-AVR enthalten quasi uneingeschränkte Verpflichtung zu Schicht-, Nacht- und Bereitschaftsdienst in Einrichtungen und Heimen, die der Förderung der Gesundheit, der Erziehung, Fürsorge oder Betreuung von Kindern und Jugendlichen, der Fürsorge oder Betreuung von obdachlosen, alten, gebrechlichen, erwerbsbeschränkten oder sonstigen hilfsbedürftigen Personen dienen, auch wenn diese Einrichtungen nicht der ärztlichen Behandlung der betreuten Personen dienen.

Mit dem Argument "es steht nichts in meinem Arbeitsvertrag" werden Sie also nichts gewinnen können, wenn für Ihren Arbeitsvertrag die Caritas-AVR gelten.

Wie ich ja bereits erwähnte habe ich aus nachweislich gesundheitlichen Gründen nicht weiter Nachtdienste machen wollen. Wäre dies ein Argument wenn es über den Betriebsart abgeklärt werden würde ?

-- Editiert von Pendlerin am 17.09.2020 20:01

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#14
 Von 
Pendlerin
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)

Die können doch nicht mit uns machen was sie wollen ? Oder habe ich da etwas nicht mitbekommen oder falsch verstanden ?

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#15
 Von 
drkabo
Status:
Gelehrter
(11606 Beiträge, 7823x hilfreich)

in §6 des Arbeitszeitgesetzes lesen wir:
(4) Der Arbeitgeber hat den Nachtarbeitnehmer auf dessen Verlangen auf einen für ihn geeigneten Tagesarbeitsplatz umzusetzen, wenn
a) nach arbeitsmedizinischer Feststellung die weitere Verrichtung von Nachtarbeit den Arbeitnehmer in seiner Gesundheit gefährdet [...] sofern dem nicht dringende betriebliche Erfordernisse entgegenstehen. Stehen der Umsetzung des Nachtarbeitnehmers auf einen für ihn geeigneten Tagesarbeitsplatz nach Auffassung des Arbeitgebers dringende betriebliche Erfordernisse entgegen, so ist der Betriebs- oder Personalrat zu hören. Der Betriebs- oder Personalrat kann dem Arbeitgeber Vorschläge für eine Umsetzung unterbreiten.

Nicht "wollen" reicht nicht aus. Es müsste durch einen Arbeitsmediziner festgestellt weden, dass weitere Nachtarbeit zu einer Gesundheitsgefährdung führt.
Mitarbeitern, die Nachtarbeit verrichten und über 50 sind, steht eine jährliche kostenlose Untersuchung durch den Betriebsarzt zu. Falls der Arbeitgeber keinen Betriebsarzt hat (bei der Caritas allerdings unwahrscheinlich), muss der Arbeitgeber die Kosten für eine arbeitsmedizinische Untersuchung bei einem Facharzt für Arbeitsmedizin erstatten.

Der Arbeitgeber muss dann den Arbeitnehmer auf einen geeigneten Tagesarbeitsplatz umsetzen.
Hier scheint sich allerdings das Problem aufzudrängen, dass der Arbeitgeber offenbar keinen freien, geeigneten Tagesarbeitsplatz hat. Sie scheinen da ja nicht zurechtzukommen und genug Arbeit ist wohl auch nicht da.
Es wäre jetzt eine gute Aufgabe des Betriebsrates, für Sie einen geeigneten Platz im Betrieb zu finden.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#16
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(81191 Beiträge, 33936x hilfreich)

Zitat (von Pendlerin):
Vielleicht ist es noch interessant zu wissen, dass der Dienst auf Abruf nicht als Bereitschaftsdienst betitelt wird, sondern ganz neu als "Stand by Dienst"

Das können die auch als "Hüpfelmüpf" bezeichnen, das ist egal.



Zitat (von Pendlerin):
Die können doch nicht mit uns machen was sie wollen ?

Tun sie ja nicht. Aber sie können die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen einfordern und durchsetzen



Zitat (von Pendlerin):
Oder habe ich da etwas nicht mitbekommen

Offenbar ja, nämlich das sie in den vertraglichen Verpflichtungen eine quasi uneingeschränkte Verpflichtung zu Schicht-, Nacht- und Bereitschaftsdienst steht.

Und da man bei der Änderung des Vertrages keine Einschränkung vereinbart hat, gilt die dann erst mal weiter.


Hier könnte der Weg über den Arzt und entsprechende Atteste führen.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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