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Bewerbungen schreiben während der Insolvenz, habe einen GdB, was muss ich beachten?

 Von 
stillewassersindtief
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Bewerbungen schreiben während der Insolvenz, habe einen GdB, was muss ich beachten?

Guten Abend, bin neu hier, männlich, Ende 30, und habe gleich eine Frage zu Beginn.

Es läuft bei mir eine Privatinsolvenz, heute war der Treuhänder bzw. Insolvenzverwalter bei mir und hat mir grob die weitere Vorgehensweise erklärt und die Wohnung besichtigt. Weil ich denke dass der Insolvenzverwalter eher auf der Seite der Gläubiger, als auf meiner, steht, wende ich mich zunächst mal mit dieser Frage hier in anonymer Form an das Forum.

Mein Thema sind Bewerbungen. Aktuell "suche ich eine neue Herausforderung", wie es im Bewerbungsfachjargon so schön heißt. Das Problem bei mir ist, dass ich einen GdB von 50 habe. Nun möchte ich von Anfang an gerne alles richtig machen, um mit keiner der beteiligten Stellen, weder Anwälten, Gerichten, Gläubigern, noch Arbeitgebern in Schwierigkeiten zu geraten.

Derzeit habe ich keine Sicherheit, ob ich nun meinen GdB in den Bewerbungen erwähnen soll, oder nicht. Die einen meinen ja, die anderen nein. Aufgrund meiner Behinderung brauche ich spezielle Arbeitsplätze und kann bei weitem nicht "jede zumutbare Tätigkeit" annehmen, wie es immer so schön heißt.

Ich sehe den Richter schon vor mir: "Sie dürfen doch nicht reinschreiben, dass sie behindert sind und einen speziellen Arbeitsplatz brauchen! Es ist ja sonnenklar, dass sie bei diesem Bewerbungstext nur Absagen kassieren!" So etwas will ich mir natürlich keinesfalls vorwerfen lassen und ich suche deshalb nach einem Mittelweg oder einer guten Lösung, wie genau ich denn nun meine Bewerbungen formulieren soll, damit es hinterher keinen Ärger gibt. Angeblich kann mir die Restschuldbefreiung verweigert werden, wenn ich bei Bewerbungen bzw. bei der Arbeitssuche etwas falsch mache. Ich würde es schade finden wenn sich ein Arbeitgeber extra die Mühe des Auswahlverfahrens macht, und erst im Vorstellungsgespräch bemerkt, dass ich spezielle Arbeitsplatzbedingungen brauche. Wäre dann ja schade um die Arbeit, die sich die Firma dann schon bis dahin gemacht hat.

Nun meine Frage: Was darf/soll in das Bewerbungsanschreiben, und was nicht?

Herzlichen Dank schonmal,
Grüße,
stillewassersindtief

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Frage Problem Behinderung


13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Richter
(8907 Beiträge, 4045x hilfreich)

/// Das Problem bei mir ist, dass ich einen GdB von 50 habe.

Nö. Wüsste nicht, dass das schon ein Problem sein soll. In eine Bewerbung gehören Unterlagen zur Qualifikation und ein Anschreiben, das erklärt, wozu sich AN auf eben diese Stelle bewirbt.
Der GdB spielt nur dann eine Rolle, wenn/falls die Behinderung für die erwartete Tätigkeit bedeutsam sein oder werden könnte. Oder wenn Behinderung offensichtlich ist. Ansonsten kann AN frei entscheiden, ob er seine oder ihre Behinderung überhaupt preisgibt. I.d.R. sanktionslos - es wäre denn - s.o. - , dass der AG ausnahmsweise davon wissen müsste.

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#2
 Von 
stillewassersindtief
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
(...) ob er seine oder ihre Behinderung überhaupt preisgibt (...)

Okay, jetzt muss ich doch nochmal nachhaken. In meinem Fall ist es Autismus und zwar eine spezielle Form, das Asperger-Syndrom. Erwähnte ich dies in der Vergangenheit nicht, führte das schon bei zahlreichen früheren Arbeitgebern zu massiven Konflikten und schlussendlich zum Ende des Arbeitsverhältnisses nach wenigen Monaten. Was ich damit sagen will: Selbst wenn ich es weder im Bewerbungstext noch beim Vorstellungsgespräch angebe, fällt es mit der Zeit in jedem Fall auf. Früher oder später.

Ich denke also schon, dass der AG das wissen sollte, oder?

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#3
 Von 
DumitruKurier
Status:
Schüler
(337 Beiträge, 121x hilfreich)

Wenn du meinst das du eine besondere Behandlung braucht musst du es sagen sonst bekommst du die besondere Behanldung ja nicht. Kannst du ohne besondere Behandlung auskommen sag nichts. Deine 50Grad (nicht Prozent) sagen aber eher aus das du nur geinge EInschränkungen hast. Evtl. sollte man diese 50Grad erhöhen, wenn du so sehr eingeschränkt bist

Bei staatlichen AG oder großere Arbeitgebern steigen deine Chancen

50Grad sind keine gelungene Ausrede für kein Bock. In der Wohlverhaltensphase musst du dich schon bemühen, mehr als nur das was das Arbeitsamt verlangt. Wenn man es mal ganz böse sagen will: Hof kehren kann fast jeder.

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#4
 Von 
stillewassersindtief
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von DumitruKurier):
(...) 50Grad sind keine gelungene Ausrede für kein Bock (...)

Es soll auch keine Ausrede sein, ich will nur rechtliche Schwierigkeiten vermeiden wenn es hinterher heißt, ich hätte es angeben sollen, oder nicht.

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#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(66718 Beiträge, 31512x hilfreich)

Man sollte sich im Bewerbungsschreiben möglichst positv dartellen.
Die Problematik des speziellen Arbeitsplatzes kann man dann ja im Bewerbungsgespräch erwähnen. Oder später


Die Frage ist ja auch, was bedeutet überhaupt "spezieller Arbeitsplatz"?
Wir haben z.B einen Mitarbeiter der Temperaturen über 25 Grad gar nicht gut verträgt. Der ist glücklich über seinen Arbeitsplatz hier im Tiefkühllager ...



Zitat (von stillewassersindtief):
Ich sehe den Richter schon vor mir: "Sie dürfen doch nicht reinschreiben, dass sie behindert sind und einen speziellen Arbeitsplatz brauchen!

Ja, lebensferne Ansichten von Gerichten sind durchaus ein Problem.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#6
 Von 
sonnen8licht
Status:
Beginner
(130 Beiträge, 69x hilfreich)

"Asperger ist keine Krankheit sondern eine andere Verteilung von Stärken und Schwächen." Diese Art der Definition gefällt mir.
Im Regelfall hat ein Mensch mit Asperger Syndrom seine Spezialgebiete. Darauf könnte man in einer Bewerbung besonders aufbauen.

Ich meinerseits bin meinem Kollegen mit leichtem Asperger sehr dankbar, dass er im wahrsten Sinne eine "wandelnde Bibliothek " von Fachliteratur ist. Dafür stehe ich ihm bei, wenn Fremde manchmal merkwürdig auf sein Sozialverhalten reagieren oder akzeptiere es, wenn er mir im Gespräch nicht in die Augen schauen kann.
Und auch Sozialverhalten ist (begrenzt) lernbar.

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#7
 Von 
hiphappy
Status:
Bachelor
(3732 Beiträge, 2007x hilfreich)

Zitat (von stillewassersindtief):
Aktuell "suche ich eine neue Herausforderung", wie es im Bewerbungsfachjargon so schön heißt.

Damit bist du ja jetzt schon in einem Arbeitsverhältnis, da ist einem Richter ziemlich egal, was du in die Bewerbungen schreibst, so lange du den alten Job erst kündigst, wenn du einen neuen hast, und auch nicht weniger verdienst als vorher.

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#8
 Von 
blaubär+
Status:
Richter
(8907 Beiträge, 4045x hilfreich)

zu #2: Jedenfalls wird dein Problem jetzt verständlich.
Da wirst du in der Tat einen Weg finden müssen, denn Asperger wirkt sich tatsächlich im Beruf aus und bedarf bei AG wie bei den KollegInnnen eines gewissen Wissens um den Sachverhalt.
Ich bin aber überzeugt, dass das besser im Gespräch abzuhandeln sein wird als in der Bewerbung. Für die Bewerbung wie für das Gespräch wirst du in der Tat einige Mühe aufbringen müssen, gilt es doch, dem Gegenüber die Angst zu nehmen - und sei es die Angst vor dem, was er nicht kennt.
Mir hat die Darstellung auf der Seite https://autismus-kultur.de/autismus/asperger.html gut gefallen.
Vielleicht hilft dir auch Training mit einem Bewerbungs-Coach.

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#9
 Von 
stillewassersindtief
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von DumitruKurier):
Wenn du meinst das du eine besondere Behandlung braucht musst du es sagen sonst bekommst du die besondere Behanldung ja nicht.

Ja, unbedingt, das zeigte die Vergangenheit mehr als deutlich. In Standard-Umgebungen die für nicht eingeschränkte Menschen geschaffen wurden, komme ich nur wenige Tage klar, bevor es zu psychischen Problemen kommt. Leider war es auch so, dass nicht mal der Integrationsfachdienst bei meinem letzten Arbeitgeber etwas erreichte. Der AG stellte dermaßen auf stur und entzog mir sämtliche Aufgaben, dass ich schließlich unterfordert aufgab.

Zitat (von DumitruKurier):
Evtl. sollte man diese 50Grad erhöhen, wenn du so sehr eingeschränkt bist

Ja, würde Sinn machen. Ich kenne einen Asperger mit einem sehr ähnlichen Verhalten und ähnlichen Problemen wie den meinen, dieser hat aber einen GdB von 100.

Zitat (von sonnen8licht):
"Asperger ist keine Krankheit sondern eine andere Verteilung von Stärken und Schwächen." Diese Art der Definition gefällt mir.

Danke! Ich komme aus einer ländlichen Gegend, hier "gefällt" das Aspergersyndrom den Firmen aber überhaupt nicht. Die meisten Personaler kennen lediglich den Begriff, aber nicht das, was dahintersteckt, und ich muss immer viel Erklärungsarbeit leisten. Da ich selbst im eigenen Boot sitze, berichte und erkläre ich oft falsch und missverständlich. Vielleicht wäre da mal ein Coach hilfreich, der mit ins Bewerbungsgespräch geholt wird.

Zitat (von hiphappy):
Damit bist du ja jetzt schon in einem Arbeitsverhältnis

Nein. Tut mir leid wenn das falsch rüberkam. Ich beziehe derzeit Geld vom Jobcenter.

Zitat (von blaubär+):
Ich bin aber überzeugt, dass das besser im Gespräch abzuhandeln sein wird als in der Bewerbung.

Okay, also keine Hinweise im Bewerbungstext auf meine Andersartigkeit. Verstehe ich. Aber wie vermeide ich, dass sich Firmen extra die Mühe des Auswahlverfahrens machen, wenn ich dann im Besprechungsraum sitze und erst dann erwähne dass ich Asperger bin? Viele Firmen, zumindest hier in meiner Gegend, bevorzugen nicht-autistische und "normale" Mitarbeiter. Das erfuhr ich bei einem Asperger-Treffen von einem Vertreter der in zahlreichen Firmen in Beratender Funktion tätig ist. Die Aufklärungsarbeit hier und das Verständnis für Autisten ist noch ganz an den Anfängen.

Zitat (von blaubär):
Vielleicht hilft dir auch Training mit einem Bewerbungs-Coach.

Danke für diesen entscheidenden Tipp, ich frage im Jobcenter nach ob kostenlose Hilfe angeboten wird.

Aber zurück zur Ausgangsfrage, weil ich rechtliche Probleme und vielleicht eine Versagung der Restschuldbefreiung vermeiden will: GdB und Asperger in die Bewerbung? Ja/Nein?

Danke...
stillewassersindtief

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#10
 Von 
blaubär+
Status:
Richter
(8907 Beiträge, 4045x hilfreich)

/// Aber zurück zur Ausgangsfrage, weil ich rechtliche Probleme und vielleicht eine Versagung der Restschuldbefreiung vermeiden will: GdB und Asperger in die Bewerbung? Ja/Nein?

Da es - von wenigen Ausnahmen abgesehen - keine Pflicht zur Selbstoffenbarung einer Behinderung gibt, kann es auch keine rechtlichen Probleme geben. Da auch Vorgesetzte oder auch Menschen in Personalbüros mit solchen Fragen nicht vertraut sind, bist du notgedrungen Aufklärer nicht nur in eigener Sache. Von daher genau genommen weniger eine Rechtsfrage, wohl aber eine existenzielle Frage im Sinn von Sein oder Nicht-Sein im Berufsleben, auf dem ersten Markt ..., dass du lernst, dieses Thema angemessen zu kommunizieren.

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#11
 Von 
fb367463-2
Status:
Junior-Partner
(5592 Beiträge, 2513x hilfreich)

Es kann aber auch keine rechtlichen Probleme geben, wenn man den GdB (weiter würde ich zuerst einmal nicht gehen) im Anschreiben erwähnt.

Je nach Größe der Firma ist ein spezielles Kontingent an Arbeitsplätzen an Schwerbehinderte zu vergeben, für jeden fehlenden Schwerbehinderten ist eine Abgabe zu zahlen ... Daher kann es für manchen Arbeitgeber von starkem Interesse sein, einen Schwerbehinderten einzustellen.

Ich würde, wie gesagt, im Anschreiben einfach erwähnen, dass eine Schwerbehinderung bei GdB 50 vorliegt und dann den Rest im persönlichen Gespräch klären. Das scheint mir die eleganteste Lösung zu sein.

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#12
 Von 
sonnen8licht
Status:
Beginner
(130 Beiträge, 69x hilfreich)

Zitat (von fb367463-2):

Ich würde, wie gesagt, im Anschreiben einfach erwähnen, dass eine Schwerbehinderung bei GdB 50 vorliegt und dann den Rest im persönlichen Gespräch klären. Das scheint mir die eleganteste Lösung zu sein.

So sehe ich das persönlich auch.
Sinnvoll wäre dann auch der Hinweis, dass die Schwerbehinderung keine Auswirkungen auf die fachlichen Anforderungen der Stelle hat (Wenn es so stimmt).

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#13
 Von 
stillewassersindtief
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von sonnen8licht):
Sinnvoll wäre dann auch der Hinweis, dass die Schwerbehinderung keine Auswirkungen auf die fachlichen Anforderungen der Stelle hat (Wenn es so stimmt).

Gute Frage ob sich das auswirkt. Die Social Skills sind vom Aspergersyndrom betroffen, das heißt, ich bin kaum Teamfähig, telefoniere nicht, meide größere Gruppen und brauche einen sehr ruhigen Arbeitsplatz ohne Störgeräusche. Wenn das alles passt, bin ich fachlich genauso leistungsfähig wie jeder andere auch.

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