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Dienstwagen-Unfall - AG behält Urlaubsgeld ein

 Von 
Koalakoning
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 1x hilfreich)
Dienstwagen-Unfall - AG behält Urlaubsgeld ein

Hallo allerseits und noch frohes Jahr!

Wie bereits im Betreff angedeutet habe ich ein Problem mit meinem AG. Ich bin Student und jobbe halbtags als Fensterputzer, um mir das zu finanzieren (20h/Woche; 12,65€/h). Letztes Jahr hatte ich beim Rangieren in einer engen Straße einen leichten Unfall, bei dem ich an einer kleinen Mauerecke hängen blieb und einen Blechschaden am Radkasten verursacht habe. Ich habe dies am Ende des Tages meinem AG berichtet und einige Zeit später ein Gespräch, dass es 6000€ kosten würde, den Schaden zu beheben und wie ich gedenken würde, dies wieder gut zu machen bzw. ihm entegegen zu kommen. Da ich mit solchen Dingen noch gar keine Erfahrung hatte, fiel mir dazu nicht viel ein und mein AG sagte, ob ich ihm bezahlte Urlaubstage anbieten würde und ich solle mal eine Nacht darüber schlafen, wieviele ich für angemessen erachten würde. Danach haben wir allerdings nie wieder über dieses Thema gesprochen.

Am Montag folgte dann bei der Lohnabrechnung die dicke Überraschung: Mir wurde seit diesem Moment bis zum Jahresende mein kompletter Urlaub nicht ausgezahlt, was mir vor Montag nicht auffiel, da ich bis zum Dezember lediglich einen Tag Urlaub genommen hatte. Da wir aber verpflichtende Betriebsferien haben, in denen ich dieses Mal ausnahmsweise nicht bzw. kaum freiwillig gearbeitet habe, und zudem vorher noch Urlaub nahm, habe ich nun statt sonst ca. 800-900€ lediglich ca. 550€ erhalten - was für mich ein Problem darstellt, da ich mich über diesen Job komplett finanziere.

Auf Nachfrage fragte mein Chef zurück, ob ich unsere Vereinbarung vergessen hätte, dass mein gesamter restlicher Jahresurlaub als Entschädigung für den Unfall einbehalten würde. Allerdings habe ich dem nie zugestimmt und es ist auch nichts schriftlich festgehalten worden. Verdutzt habe ich erstmal erwidert, dass ich das wohl vergessen habe. Zudem erwähnte er Montag, dass der Betrag zur Reparatur zwischen 1900 und 2200€ läge, er es aber billiger gemacht habe. Jemand aus dem Büro meinte aber, es sei gar nicht repariert worden und so sieht es auch aus. Die Summe, die aus den mir verbleibenden Urlaubstagen einbehalten wurde, liegt laut Aussage meines Chefs bei 800-900€, bisher waren es aber "lediglich" ca. 700€ (= 7 Arbeitstage) - möglich, dass Anfang Januar noch 1-2 Tage dazukommen, das werde ich wohl erst in der nächsten Abrechnung sehen.

Da ich durch's Googlen nicht wirklich schlauer geworden bin, die Frage hier: Kann mir jemand sagen, was ich nun tun kann? Wie sieht die Rechtslage aus (ich gehe von einer mittleren Fahrlässigkeit aus!? Infos über Auto-Versicherung der Firma liegen mir bisher keine vor)? Oder liegt hier sogar Betrug vor, da das Auto ja gar nicht repariert wurde?

Besten Dank schon im Voraus!

-- Editier von Koalakoning am 13.01.2016 18:08

-- Editier von Koalakoning am 13.01.2016 18:08

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Frage Jahr Problem Schaden


4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
JogyB
Status:
Bachelor
(3155 Beiträge, 3040x hilfreich)

Die Frage ist zunächst mal, ob Du überhaupt für den Schaden haftest. Das ist wohl leichte bis mittlere Fahrlässigkeit, da haftest Du höchstens teilweise für den Schaden.

Ohne saubere Abrechnung des Schadens aber einfach Geld einzubehalten ist nicht drin.

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#2
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(16701 Beiträge, 7304x hilfreich)

Urlaub muß zwingend gewährt werden, es gibt nur eine einzige Ausnahme: Er kann wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht gewährt werden. Insofern ist eine Vereinbarung wie die vorgesehene sowieso rechtswidrig.

Wie Sie den Vorfall beschreiben liest ist es fraglich, ob überhaupt etwas von Ihnen zu bezahlen ist.
Unter dem Link ist ausführlich erklärt, wer wann wofür haftet:
http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Haftung_Arbeitnehmer.html

Sie können Ihr Gehalt ziemlich unkompliziert einklagen, wenn der Chef auf dem Abzug beharrt. Die Rechtsantragsstelle des Arbeitsgerichts formuliert die Klage für Sie.

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#3
 Von 
Koalakoning
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 1x hilfreich)

Ist es in diesem Fall ratsam, direkt ein Schreiben mit einer Zahlungsfrist aufzusetzen bzw. von einem Juristen aufsetzen zu lassen?

Da mein Chef offensichtlich meint, mich über den Tisch ziehen zu können (er hat andersrum 2-3 andere mündlich getroffene Vereinbarung bzgl. meiner Urlaubstage selbst nicht eingehalten; z.B. arbeite ich sonst von Mo.-Mi. und habe einmal statt montags an einem Donnerstag gearbeitet, wofür er mir den Montag als (unbezahlten) Urlaubstag verbucht hat, obwohl ich genauso viel wie sonst gearbeitet habe, um mir wohl im Jahr 2015 weniger zahlen zu müssen...) und ich laut Aussagen eines Büromitarbeiters nicht der erste Arbeitnehmer bin, bei dem er so ein Vorgehen durchführt, fühle ich mich dementsprechend vorsätzlich nachteilig behandelt und bin gerade am Überlegen, was ein persönliches Gespräch hier darüber bringen soll (außer Anwaltskosten zu sparen, allerdings kenne ich Juristen, die mir zumindest so ein Schreiben auch so aufsetzen würden)...

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#4
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(16701 Beiträge, 7304x hilfreich)

Zitat:
Ist es in diesem Fall ratsam, direkt ein Schreiben mit einer Zahlungsfrist aufzusetzen bzw. von einem Juristen aufsetzen zu lassen?

Das wäre m.E. nicht der richtige Weg, weil es ein Umweg ist. Reichen Sie eine Lohnzahlungsklage über die Rechtsantragsstelle des Arbeitsgerichts ein, einen Anwalt zu beauftragen kostet nur unnötig Geld, das Sie aus eigener Tasche bezahlen.


-- Editiert von altona01 am 18.01.2016 16:14

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