Ich stehe bei Bewerbungen im öffentlichen Umfeld (insbesondere kulturbetriebsnahe Einrichtungen, Stiftungen, größere öffentliche Institutionen) im Bereich Höherer Dienst (E13+) vor einer Konstellation, bei der ich das Gefühl habe, dass ich formal aussortiert werde, obwohl mein Profil inhaltlich sehr gut passt.
Kurz zu mir:
– Diplom FH (Design) mit 1,5, inhaltlich sehr nah an vielen Stellenprofilen
– Master 1: 2,5 (teilweise fachlich relevant)
– Master 2 (Visuelle Kommunikation): 3,0, formal einschlägig, aber die Note basiert ausschließlich auf einer fachfremden, experimentellen Abschlussarbeit
Besonderheit:
Der VK-Master war ein verkürztes Ein-Jahres-Programm und bestand nur aus der Abschlussarbeit, ohne modulare Benotung. Die Aussagekraft der Note ist aus meiner Sicht daher eingeschränkt.
Beruflich bringe ich langjährige einschlägige Erfahrung mit, u. a. im Bereich Design-Standards auf Konzernebene.
Mein Eindruck aktuell:
Bei externen Bewerbungen wird stark auf den „formal passenden" Master geschaut, und genau da hänge ich vermutlich.
Wichtig vorab:
Mein Fokus liegt klar auf Positionen ab E13. Mir ist bewusst, dass darunter mehr Optionen existieren, ich versuche hier aber gezielt zu verstehen, welche Wege auf dieses Niveau führen oder es direkt ermöglichen.
Mich interessiert deshalb weniger die Theorie, sondern eure echte Erfahrung:
– Gibt es Konstellationen, in denen so ein Profil trotzdem durchgeht, und wenn ja, wodurch konkret?
– Wird in der Praxis wirklich nur der formal passende Master bewertet, oder gibt es Spielräume (z. B. über Diplom + Berufserfahrung)?
– Kennt jemand konkrete Wege, wie man solche formalen Hürden umgeht oder relativiert?
– Wie unterschiedlich ist das zwischen klassischer Verwaltung und kulturbetriebsnahen Einrichtungen?
– Gibt es Beispiele, wo Stellenprofile bewusst so formuliert wurden, dass auch „nicht ideale" Noten berücksichtigt werden?
Mir geht es explizit um echte Praxis und auch um Erfahrungen jenseits der reinen Lehrbuchsicht.
Danke euch!
E13 im öffentlichen Umfeld - Master 3,0 oft als Ausschlusskriterium, gibt es Praxiswege drum herum?
Zitat :– Wird in der Praxis wirklich nur der formal passende Master bewertet, oder gibt es Spielräume (z. B. über Diplom + Berufserfahrung)?
Ja - es gibt Spielräume.
Aber der Arbeitgeber muss die Spielräume auch nutzen wollen. Und daran hakt es meistens.
Nur nach der Note zu schauen ist für den Arbeitgeber der bequeme, einfach Weg. Den wollen viele Arbeitgeber im öD nicht verlassen. Und dazu zwingen kann man sie halt nicht.
Zitat:– Wie unterschiedlich ist das zwischen klassischer Verwaltung und kulturbetriebsnahen Einrichtungen?
Es kommt halt darauf an, wer die formale Vorauswahl trifft.
Wenn das irgendjemand aus der Personalabteilung ist, dann wird wahrscheinlich hauptsächlich nach formalen Noten geschaut. Zum einen weil es einfacher ist, zum anderen weil die Person aus der Personalabteilung die fachlichen / inhaltlichen Aspekte gar nicht beurteilen kann.
Das ganze ist natürlich dann sehr ärgerlich, wenn die Zahl der Bewerber so groß ist, dass die Personalabteilung schon eine Vorauswahl treffen muss, welche Bewerbungen überhaupt zur fachlich / inhaltlichen Prüfung weitergeleitet werden.
Wenn die Personalabteilung schon sagt, "alle Bewerbungen schlechter als 2,0 schauen wir uns gar nicht erst an, weil wir genug Bewerbungen mit 2,0 und besser haben", dann ist man chancenlos, ohne etwas dagegen tun zu können.
Zitat :– Gibt es Beispiele, wo Stellenprofile bewusst so formuliert wurden, dass auch „nicht ideale" Noten berücksichtigt werden?
Ja - bei uns. Aber bei uns wird nicht im Bereich Kultur / Design gearbeitet. Aber bei uns wird praktische Erfahrung in relevanten Fachthemen höher gewichtet als die Note. Das können wir aber auch nur deshalb machen, weil unsere Stellen so unattraktiv (Bezahlung, Befristung) sind, dass die Anzahl der Bewerber im mittleren zweistelligen Bereich bleibt und wir deshalb nicht nach Noten vorsieben müssen.
Zitat :Aber der Arbeitgeber muss die Spielräume auch nutzen wollen.
Nur nur wollen, sondern auch dürfen.
Die Arbeitgeber sind nicht immer frei in ihrer Entscheidung, wenn die Finanzierung der Stelle aus dezentralen Mitteln stammt.
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Zitat :– Gibt es Konstellationen, in denen so ein Profil trotzdem durchgeht,
Ja.
Zitat :und wenn ja, wodurch konkret?
Durch entsprechende Entscheidungen der Verantwortlichen.
Zitat :– Wird in der Praxis wirklich nur der formal passende Master bewertet, oder gibt es Spielräume (z. B. über Diplom + Berufserfahrung)?
Es gibt Spielräume. Die Neigung diese zu nutzen, ist gerade im Bereich der klassischen Verwaltung mitunter aber gering bis 0.
Zitat :– Kennt jemand konkrete Wege, wie man solche formalen Hürden umgeht oder relativiert?
Klar - die Mentalität der Bearbeitenden muss sich ändern. Oder man behilft sich mit "Vitamin B".
Zitat :– Wie unterschiedlich ist das zwischen klassischer Verwaltung und kulturbetriebsnahen Einrichtungen?
Bei kulturbetriebsnahen Einrichtungen ist der entscheidende Faktor die Unabhängigkeit von der übergeordneten, klassischen Verwaltung bei Personalentscheidungen.
Zitat :– Gibt es Beispiele, wo Stellenprofile bewusst so formuliert wurden, dass auch „nicht ideale" Noten berücksichtigt werden?
Stellenprofilen die "exotisch" sind oder wenn sich keiner bzw. niemand passendes bewirbt, erfolgen durchaus Anpassungen
Ich kann hier nur naturwissenschaftlich/technisch/mathematisch argumentieren.
Zuerst fällt auf, dass die Noten immer (deutlich) schlechter werden, jede Iteration lässt deutlich nach. Ich würde mich da fragen, warum macht der Mensch immer weiter und wird immer schlechter (sollte doch mit Erfahrung und fachlich nicht ganz unverwandt eher besser werden)?
Nicht nur, aber auch im kulturbetriebsnahen Einrichtungen werden immer mehr Stellen abgebaut. Es ist zudem ein teurer und nicht immer profitabler Bereich mit vielen Anfeindungen. Zudem gibt es nicht gerade wenige Leute, die den Nutzen derartiger Einrichtungen bezweifeln, die zudem meist nur durch ohnehin schwindende Förderungen am Leben gehalten werden können. Die Luft wird also schon eher dünn. Auch was die Nachfrage für Personal betrifft.
Und jetzt kommt auch noch KI, die vor allem in diesem Bereich sehr viel ersetzen kann. Über die Qualität kann man diskutieren.
Da gibt es dann auch viele Bewerber, teils mit, ich sag mal thematisch nicht so brauchbaren Abschlüssen, bzw. eben mit sehr spezialisierten Abschlüssen. Die müssen dann aber auch die entsprechende Bezahlung akzeptieren.
E13 entspricht dem höheren Dienst, akademischen Tätigkeiten, Forschung und spezialisierten Fachaufgaben. Man fordert also schon recht viel für das, was nur selten zu besetzen ist, oftmals ein Minusgeschäft darstellt und das alles in einem wirtschaftlich angespannten Feld in herausfordernden Zeiten. Zudem gibt es viele Mitbewerber (unabhängig davon, wie passend das jetzt formal ist).
Soll zusammengefasst heißen:
* Älteres Semester (Diplom ist lange her).
* Die Noten haben eine starke Tendenz nach unten.
* Nicht gerade die schwersten Studienfächer. -> Viele Studenten.
Generelle Nachfrage ist durchaus vorhanden, aber nicht unbegrenzt.
* KI als stark disruptive Technologie, vor allem im betreffenden Bereich.
* Instabiles Marktumfeld.
* Relativ (zu?) hohe Anforderungen an das Gehalt.
* Eine Schwemme von Mitbewerbern mit ähnlichen Problemen.
Es wird halt nur eine Stelle geben und jeder der abgelehnten 99% wird ähnlich denken...
Die Sache ist doch relativ einfach. Im öD gibt es flächendeckend Stellenpläne, aus denen ergibt sich die Klassifizierung der Stelle. Entweder direkt oder mit entsprechendem Hinweis auf die Arbeitsplatzbeschreibung. Daraus ergibt sich dann, mit wem theoretisch eine Stelle besetzt werden kann. Also, welche Qualifizierung der Mitarbeiter haben muss.
So, dann gibt es noch weitere interne Regelungen, etwa welchen Bewerbern der Vorzug zu geben ist. Beispiel aus meinem Bereich: eine Richter/Staatsanwaltsstelle setzt das zweite jur. Staatsexamen voraus, nach den obigen Kriterien, mehr nicht. So, intern ist dann noch geregelt, dass Bewerbern mit Prädikatsexamen der Vorzug zu geben ist. Was nicht bedeutet, dass bei besonderen Konstellationen nicht auch Bewerber ohne Prädikatsexamen berücksichtigt werden können. Das ist dann eine interne Entscheidung.
Aus diesem Konstrukt ergibt sich dann, dass der Arbeitgeber bei Besetzung einer Stelle relativ viel Freiheiten hat, wie er eine Stelle besetzt, wenn denn die grundsätzliche Qualifikation da ist. Allerdings hat der Bewerber keinen Anspruch darauf, dass er in die engere Wahl kommt, wenn interne Vorgaben nicht erfüllt sind.
wirdwerden
Zitat :wenn denn die grundsätzliche Qualifikation da ist.
Naja. Im Kulturbereich wird auch oftmals Budgetplanung, Einholung von Fördergeldern, Umsetzung von Forderungen, Planung von Veranstaltungen usw. verlangt. Dass sollte man dann auch mitbringen.
Ob das beim TE zutrifft, vermag ich nicht zu sagen
Und jetzt?
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