Fehler im Arbeitsvertrag: Vollzeitgehalt aber falsche Arbeitszeit (20h anstatt 40h)

7. Oktober 2021 Thema abonnieren
 Von 
fb458793-37
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Fehler im Arbeitsvertrag: Vollzeitgehalt aber falsche Arbeitszeit (20h anstatt 40h)

Hallo Zusammen!

Zum 1.8. wurde für einen Monat als Werkstudent bei einem neuen Arbeitgeber angestellt. Dieser Vertrag war befristet auf 12 Monate. Mündlich wurde abgemacht, dass ich zum 1.9. dann Vollzeit beginne, was ich auch getan habe.

Den neuen Arbeitsvertrag (1 Jahr befristet) habe ich aber erst gestern am 4.10. bekommen. Unterschrieben wurde dieser vom AG auf dem Papier zum 30.8. Wenn ich jetzt daneben mit dem heutigen Datum unterschreibe würde dieser doch unbefristet werden oder?
Deswegen meine erste, aber eher unwichtigere Frage: Ist mein Arbeitsvertrag jetzt automatisch unbefristet? Irgendwelche ansprüche dafür würde ich natürlich sowieso nur geltend machen, falls man mir zum ende der Befristng kündigt. Für den alten liegt auch keine schriftliche Kündigung vor, falls das noch irgendwie interessant ist.

Im neuen Arbeitsvertrag steht das richtige gehalt, sowie die richtige Urlaubsregelung (24 Tage bei einer 5 Tage Woche. Nur im bereich Arbeitszeit wurde (wahrscheinlich copy & paste) einfach der Werkstudententeil gelassen. Dort steht nun:

Zitat:
Die Arbeitszeit beträgt 20 Stunden pro Woche bei einer 5-Tage Woche. Ihre konkrete Lage richtet sich nach der betrieblichen Einteilung. Der Arbeitgeber behält sich vor, die Verteilung und Lage der Arbeitszeit nach billigem Ermessen näher zu bestimmen und auch nachträglich abweichend zu regeln. in seiner studienfreien Zeit kann der Arbeitnehmer auch Vollzeit Arbeiten.


Ganz klar also etwas aus einem Werkstudentenvertrag.
Angenommen ich werde jetzt innerhalb der Probezeit gekündigt, könnte ich dann rückwirkend noch Geld nachfordern? Laut vertrag bekomme ich mein Vollzeitgehalt ja schon bei 20 Stunden. Ich arbeite aber 40h.

Überstunden werden nicht erfasst oder anderweitig aufgeschrieben, geschweige denn bezahlt. Dazu steht im Arbeitsvertrag nur
Zitat:
Der Arbeitnehmer vepflichtet sich, im Falle betrieblicher Notwendigkeiten auf Anordnung sowohl Sonn- und Feiertagsarbeit als auch Mehrarbeit und Überstunden in einem zumutbaren sowie zulässigem Maße zu leisten.



Das sind natürlich nur Situation die bei einer Kündigung für mich interessant werden würden. Ich würde mir in diesem Betrieb gerne eine Zukunft aufbauen, weiß aber auch, dass in meiner Abteilung etwas Personal abgebaut werden soll. Hätte ich hier ein Druckmittel in der Hinterhand?

Viele Grüße und danke im Voraus. Online findet man sonst nur infos zum Arbeitszeitenbetrug seitens des Arbeitnehmers :grins:

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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Wenn man das verständlich geschrieben hätte, könnte man vielleicht helfen.

Welcher alte Arbeitsvertrag? Welcher neue? Wieso Kündigung des alten Vertrags? Von Werkstudent zu Vollzeit? Wann genau? Usw.

Bitte nochmal alles chronologisch darstellen.

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#2
 Von 
fb458793-37
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von bostonxl):
Bitte nochmal alles chronologisch darstellen.


- 1. August bis 31. August Werkstudentenvertrag (alter Vertrag)
- Seit 1.9. auf 12 Monate befristetes Vollzeit Arbeitsverhältnis. (neuer Vertrag)

Im neuen Vertrag steht im Bereich Arbeitszeit noch 20h, wie im vorherigen Werkstudentenvertrag, es sollten aber 40h sein. Sonst ist alles andere richtig. (Gehalt & Urlaubsregelung)

Es wurde zu Anfang nur ein Werkstudentenvertrag aufgesetzt, da ich zu der Zeit noch im Masterstudium eingeschrieben war und dementsprechend auch keine Zeit für 40h/ Woche gehabt hätte.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31539 Beiträge, 5572x hilfreich)

Der Vertrag Werkstudent für 1 Monat ist Vergangenheit. Der Vertrag Vollzeit ab 1.9. ist auf 1 Jahr befristet.
Das Beschäftigungsverhältnis wird von beiden Seiten gelebt. Ob ein alter, ein neuer oder ein später schriftlicher Vertrag vorliegt. Unbefristet ist hier nichts.

Zitat (von fb458793-37):
wahrscheinlich copy & paste
Ja, könnte so passiert sein.
Zitat (von fb458793-37):
könnte ich dann rückwirkend noch Geld nachfordern?
Ja, aber wohl erfolglos. Den Irrtum wird jeder erkennen.
Hast du denn für den Monat September noch keinen Vollzeit-Lohn erhalten?

Im AV lesbarer Passus zu Mehrarbeit/Überstunden gilt im laufenden Beschäftigungsverhältnis. Dazu gesetzliche Regelungen, und sicher auch ein Tarifvertrag?
Zitat (von fb458793-37):
Hätte ich hier ein Druckmittel in der Hinterhand?
Ich erkenne keins.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von fb458793-37):
Ist mein Arbeitsvertrag jetzt automatisch unbefristet?
Nein.

Zitat (von fb458793-37):
Angenommen ich werde jetzt innerhalb der Probezeit gekündigt, könnte ich dann rückwirkend noch Geld nachfordern? Laut vertrag bekomme ich mein Vollzeitgehalt ja schon bei 20 Stunden. Ich arbeite aber 40h.
Nein. Weil es einfach ein offensichtlicher Fehler im Vertragswerk ist.

Zitat (von fb458793-37):
ch würde mir in diesem Betrieb gerne eine Zukunft aufbauen, weiß aber auch, dass in meiner Abteilung etwas Personal abgebaut werden soll. Hätte ich hier ein Druckmittel in der Hinterhand?
Nein.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17228 Beiträge, 6429x hilfreich)

/// Ist mein Arbeitsvertrag jetzt automatisch unbefristet?

'Automatisch' geht da nix. Du stellt wohl ab auf die Bestimmung, dass befristete AV vor Arbeitsaufnahme schriftlich abgeschlossen sein müssen: Und die Frage kann i.d.T spannend sein oder werden. Sicher ist Mal, dass die Schriftform des AV deutlich später liegt als dein Arbeitsbeginn in Vollzeit.

Es wird wohl darauf ankommen, wie die beiden Verträge zu betrachten sind, speziell: ob dein AV ab September ein neuer Vertrag ist, oder ob er 'nur' als eine Änderung des August-Vertrags anzusehen ist (also praktisch Anpassung der Wochenarbeitszeit, was dann aber auch unglücklich gelaufen ist)

Zitat:
Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (Teilzeit- und Befristungsgesetz - TzBfG)
§ 14 Zulässigkeit der Befristung
(1) [Befristungsgründe]
(2) Die kalendermäßige Befristung eines Arbeitsvertrages ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes ist bis zur Dauer von zwei Jahren zulässig;..... Eine Befristung nach Satz 1 ist nicht zulässig, wenn mit demselben Arbeitgeber bereits zuvor ein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis bestanden hat.
(3) ...
(4) Die Befristung eines Arbeitsvertrages bedarf zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform.

Wenn der September-AV z.B. die 12 Monatsfrist neu setzt, sollte es wohl ein neuer AV sein. Wenn es aber die Fristen des August-AV sind, wohl eher nicht.

Der August-Vertrag muss nicht eigens gekündigt werden - ein Vermerk, dass der September-AV den davor ablöst, wäre gleichwohl hilfreich gewesen.
Den Fehler mit der Wochen-AZ halte ich auch für offenkundig; sowas wird stillschweigend korrigiert.

-- Editiert von blaubär+ am 07.10.2021 17:08

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#6
 Von 
guest-12324.04.2023 06:27:18
Status:
Lehrling
(1448 Beiträge, 232x hilfreich)

Hier sei noch angemerkt, dass mWn eine Kalendermäßige Befristung nach 14,2 TzBfG VOR Antritt schriftlich vereinbart werden muss.

Hintergrund ist, das die Rechtsprechung/der Gesetzgeber im Formerfordernis auch eine bewusstmachende Funktion sieht, dahingehend, dass sich alle Beteiligten im vorraus dieser Endbedingung klar werden.

Wenn nun der schriftliche Vertrag mit der Befristung dem Kalender nach erst im Oktober geschlossen wurde, halte ich die Befristung für unzulässig.

(Würde das gleichwohl nicht jetzt kommunizieren oder einsetzen)

Grüße

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