Fristlose Kündigung trotz Krankmeldung und dubiosen Begründungen.

10. Februar 2023 Thema abonnieren
 Von 
Lenti123
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Fristlose Kündigung trotz Krankmeldung und dubiosen Begründungen.

Guten Tag,

Angenommen jemand ist Teamleiter im Marketing und seit 4 Wochen wegen Depressionen und Burnout krankgeschrieben und jetzt hat derjenige eine fristlose Kündigung bekommen, hilfsweise fristgerecht zum nächsten möglichen Zeitpunkt.

Die Gründe in der Annahme wären Folgende:

Es wird behauptet, dass der Arbeitnehmer einige Schuhe "ohne Genehmigung" mitgenommen habe und dafür soll es auch einen Zeugen geben, aber es ist unklar wer der Zeuge sein soll. Das mit den Schuhen stimmt zwar, aber das ist ein Jahr her und damals hat der Arbeitgeber mündlich vereinbart, dass der Arbeitnehmer diese Schuhe mitnehmen, verkaufen und den Gewinn dann mit dem Arbeitgeber teilen solle. Die Schuhe waren für ihn eine Kleinigkeit und er wollte sie nicht mehr bei sich zum Verkauf einstellen. – Jetzt wird aber behauptet, dass diese Schuhe ohne Genehmigung mitgenommen wurden. Mit dem Verkauf hat der Arbeitnehmer auch schon vor einem Jahr begonnen und die Schuhe habe er auch bereits zu einem großen Teil über eBay verkauft. Aber jegliche Absprache mit dem Arbeitgeber war mündlich und bisher wurde seitdem nicht mehr darüber gesprochen und es wurde der Gewinn auch noch nie geteilt.

Und zum anderen wird behauptet, dass der Arbeitnehmer geheimhaltungsbedürftige Dokumente an seine private E-Mail Adresse geschickt hat? Er ist sich aber unsicher, was er alles in der gesamten Zeit an sich privat geschickt hat, denn er tat dies um diverse Aufgaben von zu Hause aus zu beenden. Das hat der Arbeitgeber aber immer mündlich erlaubt. Jetzt will der Anwalt laut Kündigungsschreiben eine Bestätigung, dass diese Daten gelöscht wurden und man solle dem Anwalt außerdem schildern, was man damit vor hatte und ob Dritte davon was gesehen hätten. Es stimmt, auch, dass paar mal etwas an die private E-Mail geschickt wurde, um die Aufgaben zu Hause zu beenden, und die Daten wurden dann auch immer direkt gelöscht.

Und vor kurzem ist dieser Arbeitnehmer ins Büro und hat dort einen seiner eigenen Monitore mitgenommen. Aber eigentlich ist er dorthin gefahren, um die Schlüssel abzugeben, denn der Arbeitgeber hat ihm am selben Tag per E-Mail geschrieben, dass er ihm umgehend die Schlüssel "zukommen lassen soll". Und dafür hat der Arbeitnehmer seine Verlobte mitgenommen. In einem Rutsch habe er seinen Monitor mitgenommen, weil er ehrlich gesagt befürchtet hat, dass der Arbeitgeber etwas damit anstellt und er den Monitor nie wieder sieht. Und weil der Arbeitnehmer nicht alleine im Büro sitze, sondern mit einem Leiter aus einer anderen Abteilung, wird behauptet, dass seine Verlobte offenliegende Dokumente hätte sehen können.

Könnte eine solche Person bei diesen Anschuldigungen/Vorwürfen erfolgreich ohne Anwalt klagen? Weil angenommen eine Kündigungsschutzklage würde laut einer Anwältin aus dem Dorf um die 1800 Euro kosten und ohne Rechtsschutzversicherung wäre das eine gewaltige Summe.

Natürlich hat diese Person sich schon beim Arbeitsamt gemeldet und der Krankasse mitgeteilt, dass sie eine fristlose Kündigung in der Krankheitsphase erhalten hat.

Wie würde man sowas am besten angehen und könnte man es alleine hinbekommen und was wären die Risiken oder wäre ein Anwalt mit den damit verbunden Kosten dringend zu empfehlen?

Ziel der Person ist es in den kommenden Monaten sich von dem Burnout zu erholen und danach in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt einen Bildungsweg einzuschlagen, weil diese Person bisher noch nie eine Ausbildung absolviert hat und auch kein Studium besitzt. Lediglich hat ein Quereinstieg die Position als Teamleiter möglich gemacht. Könnte man eventuell auch ohne Prozess zu einer Lösung finden ohne mit einer Sperre des Krankengeldes oder später mit der Sperre des Arbeitslosengeldes zu rechnen?

Danke und herzlichste Grüße
- Sir Unbekannt

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4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17206 Beiträge, 6426x hilfreich)

Viel Zeug und schwere Kaliber.
- Thema Schuhe: im Klartext wirft der AG dem AN Diebstahl vor. Offenbar handelt es sich um einen größeren Posten Schuhe; schwerer Fehler, sowas ohne schriftliche Vereinbarung zu machen; schwerer Fehler auch, binnen eines Jahres keine Abrechnung zu machen im Sinne der Absprache.
Gleichwohl taugt der Vorwurf in keiner weise für eine 'Fristlose' - für die Fristlose hat der AG 14 Tage Zeit nach Kenntnis des kündigungswürdigen Sachverhalts.
- geheimhaltungsbedürftige Dokumente: wer behauptet, muss ggf. auch beweisen - hier also der AG. Wieder derselbe Fehler: Absprachen nicht schriftlich fixiert, gleichwohl wird dir nichts anderes bleiben, als zu betonen, dass das passiert ist und in der Firma nicht nur toleriert worden ist, sondern sogar gern gesehen wurde.
Auch hier: angesichts der Dauer kein hinreichender Grund für eine Fristlose.
- dass deine Verlobte ggf. hätte vertrauliche Dokumente auf dem Schreibtisch einsehen können beim Abräumen deiner Monitore, wird der AG schwerlich gegen dich verwenden können.
- Schlüsselabgabe: Was du hier so nebenher einbringst, lässt doch ein ernsthaftes Problem erkennen - anscheinend ist das Verhältnis zwischen AG und AN schwer angeschlagen. Das scheint mit am gefährlichsten für dich.

Alles in Allem will der AG dich offenbar loshaben, die Mittel dazu sind ziemlich rabiater Natur.
Und eher ungeeignet.

Gegen die Fristlose wirst du dich erfolgreich wehren können und solltest das auch tun - einen RA brauchst du dafür überhaupt nicht. Ob die ersatzweise ausgesprochene ordentliche Kündigung durchgeht, ist nicht mit derselben Sicherheit zu sagen - Wenn ein Zerwürfnis vorliegt und Vertrauen verloren ist, kann das am Ende durchgehen.

Angemerkt: Wenn du von Burnout redest, redest du zugleich von einer Überforderung, die du dir am Endel selbst aufgebürdet hast. Du hast deine Freizeit auch noch mit beruflichen Aufgaben gefüllt - was sich im Lichte deiner Krankheit als katastrophal erwiesen hat. Da hast du wirklich Anlass, über deine Prioritäten nachzudenken, über deine Ansprüche an dich selbst, deinen Ehrgeiz etc.
Du erlebst, dass das alles am Ende keinen Dank findet ...

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#2
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31492 Beiträge, 5569x hilfreich)

Zitat (von Lenti123):
Könnte eine solche Person bei diesen Anschuldigungen/Vorwürfen erfolgreich ohne Anwalt klagen?
Keine Ahnung. Oft endet diese Scharmützel mit einem Vergleich, und dann mit oder ohne Anwalt.
Da aber die fristlose im Raum steht, sollte man jetzt innerhalb 3 Wochen ohne Anwalt KS-Klage erheben. Das kostet nichts, die Rechtsantragstelle beim zuständigen Arbeitsgericht formuliert die Klage für den AN.

Aber andere Frage: Was will man denn mit einer KS-Klage tatsächlich erreichen, wenn der AG schon jetzt solch massive *gesammelte Gründe* auffährt und man selbst vermutlich wegen dieses Jobs AU geschrieben ist.
Zitat (von Lenti123):
weil diese Person bisher noch nie eine Ausbildung absolviert hat und auch kein Studium besitzt. Lediglich hat ein Quereinstieg die Position als Teamleiter möglich gemacht.
Das klingt für mich wie ein *Verheizen* eines gutwilligen, aber unwissenden und unerfahrenen AN. Ob man das dem Arbeitsgericht ohne anwaltliche Unterstützung schon im ersten Gütetermin verklickert bekommt, weiß ich nicht, kommt auf den AN und den Richter an und wer dort von Seiten des AG auftritt.

ICH würde nicht zur Dorfjuristin gehen, sondern zunächst nur eine Erstberatung bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht haben wollen. Das kostet ca. 250,-
Oder noch günstiger und schneller hier nebenan einen Anwalt befragen (dann möglichst nicht jedes Detailchen erzählen)

...hier enden mE die arbeitsrechtlichen Fragen. Das Weitere wäre dann unter *Sozialrecht* besser aufgehoben.
Wegen des Kündigungsgrundes wird die Arbeitsagentur eine 12-wöchige Sperrzeit bescheiden.
Die Sperrzeit kommt mit oder ohne KS-Klage, und auch mit oder ohne Anwalt.
Das Krankengeld kommt weiter von der KK und die Krankenversicherung von der Arbeitsagentur, auch während der Sperrzeit.

Je nach finanzieller Lage kann man für die 12 Wochen Sperrzeit das Bürgergeld beim Jobcenter beantragen.
Dann, wenn ALG1 bewilligt ist, könnte Wohngeld-Anspruch bestehen.
Zitat (von Lenti123):
Natürlich hat diese Person sich schon beim Arbeitsamt gemeldet und der Krankasse mitgeteilt, dass sie eine fristlose Kündigung in der Krankheitsphase erhalten hat.
Wann hat die Person denn die fristlose Kü erhalten?
Und warum der KK was mitgeteilt?

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32680 Beiträge, 17209x hilfreich)

Was will man denn mit einer KS-Klage tatsächlich erreichen In der Tat - will man ernsthaft in der Firma bleiben? Und falls man nur die fristlose Kündigung weghaben will, sehe ich das wie blaubär+ - das kriegt man auch ohne Anwalt hin.

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118451 Beiträge, 39575x hilfreich)

Zitat (von Lenti123):
Fristlose Kündigung trotz Krankmeldung

Und?
Krankmeldung schützt nicht vor Kündigung.



Zitat (von blaubär+):
Gleichwohl taugt der Vorwurf in keiner weise für eine 'Fristlose'

Den Optimismus teile ich nicht.



Zitat (von blaubär+):
für die Fristlose hat der AG 14 Tage Zeit nach Kenntnis des kündigungswürdigen Sachverhalts.

Zum einen sich die Tage zwar die Regel, aber nicht fix.
Zum anderen dürfte der AG eine deutlich abweichende Vorstellung von den Zeitpunkt der Kenntniserlangung haben...



Zitat (von Anami):
Oder noch günstiger und schneller hier nebenan einen Anwalt befragen (dann möglichst nicht jedes Detailchen erzählen)

Richtig, geht hier https://www.frag-einen-anwalt.de/
oder hier: https://www.123recht.de/forum_forum.asp?forum_id=79


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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