Gehalt / ERA Umstufung

25. November 2023 Thema abonnieren
 Von 
Sven-1978-11
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 1x hilfreich)
Gehalt / ERA Umstufung

Hallo an alle Leser,

heute habe ich mal eine Frage zum Thema Arbeitsrecht – Gehalt – Era-Umstufung, doch zunächst möchte ich mich erstmal vorstellen. Mein Name ist Stephan, ich bin 55 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder und arbeite seit 25 Jahren in einem mittelständischen Unternehmen im Bereich Automobilindustrie als Konstrukteur. Ich arbeite also seit 1998 in dieser Firma. Eingestellt wurde ich seinerzeit im Tarif T5, habe mich aber binnen weniger Jahre in die Tarifklasse T7 hochgearbeitet, was im damaligen Tarifbereich die obere Grenze darstellte. Ein Angebot im Jahr 2005 zum Wechsel in den außertariflichen Bereich mit Personalverantwortung habe ich seinerzeit abgelehnt.

Das Era Abkommen zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband ist seit 2003 in Kraft. In unserer Firma ist die Umstellung auf das Era System allerdings sehr spät erfolgt, nämlich erst 2015. Nach dem alten System waren die Gehälter klassifiziert von T1 bis T7, nach dem neuen System (Era) sind die Gehälter klassifiziert von A1 bis A12.

Bei einer Umstufung wäre nun zu erwarten gewesen, daß ich von T7 nach A12 umgestuft worden wäre (beides die obere Grenze). Aber man hat ja gelesen, daß die Firmen diese Gelegenheit nutzen, um ihre Mitarbeiter runter zu bewerten und so war das auch in meinem Fall. Ich wurde in die Klasse A10 umklassifiziert. Die betriebliche Vereinbarung zwischen Betriebsrad und Firma war nun so, daß die runterbewerteten Mitarbeiter „zunächst" auch nicht weniger Gehalt erhalten. Dazu ein Beispiel mit den nicht originalen Zahlen:

Bisheriges Bruttogehalt nach der alten Tarifklasse 5000 €
Neues Bruttogehalt nach der Era Tarifklasse 4300 €
Demzufolge hätte sich mein Gehalt um700 € gekürzt, das wurde aber nicht gemacht, ich habe weiterhin 5000 € erhalten. Der Differenzbetrag (700€) wurde als sogenannter Überhang ausgewiesen. Bei künftigen Lohnerhöhungen, die die IG Metall ausgehandelt hat, mußte ich dann solange aussetzen, bis 10% meines Gehaltes aufgebraucht waren, erst dann habe ich auch wieder Lohnerhöhungen erhalten. Bei der diesjährigen Lohnerhöhung waren schließlich die 10% aufgebraucht. Auch wenn ich nie weniger Gehalt bekommen habe, hat sich mein Gehalt gegenüber 2015 um 10% gekürzt, weil ich den inflationären Ausgleich über Tariferhöhungen der IG Metall aussetzen mußte.
Bei einem Sprung in eine andere Tarifklasse, würde dann auch zunächst der Überhang aufgebraucht.

Nun habe ich dazu mal ein paar Fragen:
1) War das rechtlich überhaupt zulässig, daß ich 2 Gehaltsklassen runtergestuft wurde? Ich habe sehr sehr sehr viel später von Kollegen gehört, die in der gleichen Situation waren, diese hätten sich per Anwalt gewehrt und wären dann nur eine Stufe rückgestuft worden , also von T7 in A11.
2) Kann ich nach einer so langen Zeit überhaupt noch rechtlich dagegen vorgehen oder sagt man dann, die Situation gilt nach einer so langen Zeit als stillschweigend akzeptiert, oder verjährt oder irgend so was ähnliches.

Ich wäre dankbar, wenn mir eine sachkundige Person Auskunft erteilen könnte.


Gruß

Stephan

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31586 Beiträge, 5575x hilfreich)

Zitat (von Sven-1978-11):
In unserer Firma ist die Umstellung auf das Era System allerdings sehr spät erfolgt, nämlich erst 2015
Damals in 09/2016 hattest du mit ähnlicher Fragestellung zur *Runterbewertung* gefragt.
Es wurde damals empfohlen, diese Umstellung und die persönlichen Folgen anwaltlich prüfen zu lassen oder gar gerichtlich durchzusetzen.

zu 1: Offenbar war das zulässig, denn in einer BV wurde doch vereinbart, dass es --- nicht weniger Gehalt--- gibt. Es hat seit 2015 vermutlich auch niemand diese ERA-Umstufung vor Gericht angefochten.
zu 2: Ansprüche aus 2015 dürften verjährt sein. Im Arbeitsvertrag/TV/MTV deines AG findet sich vermutlich eine Klausel zu Ausschlussfristen.

Für die anderen AN in dieser Situation, die sich gewehrt hatten, gab es evtl. diese besondere BV nicht? (andere Stufe, aber nicht weniger Gehalt)

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#2
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17245 Beiträge, 6431x hilfreich)

Zitat (von Sven-1978-11):
Kann ich nach einer so langen Zeit überhaupt noch ...

Keine Chance nach so langer Zeit
- wahrscheinlich findet sich in deinem AV oder im TV eine Ausschlussfrist
- auch die Verjährung nach BGB ist längst um
- und zu guter Letzt gibt es auch noch das Konstrukt der stillschweigenden Zustimmung

Was bringt dich denn nach 8 Jahren auf die Idee, dass daran noch was zu rütteln sein könnte?
Oder was ist dein Anlass, das infrage zu stellen?

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17245 Beiträge, 6431x hilfreich)

Zitat (von Sven-1978-11):
Bei einer Umstufung wäre nun zu erwarten gewesen, daß ich von T7 nach A12 umgestuft worden wäre (beides die obere Grenze).

Angemerkt:
Dieser Gedanke folgt der Logik Obergrenze hier, also auch Obergrenze da - also reine Auffächerung statt T1-T7 nun A1-A12; das muss aber nicht so sein, der neue Tarif könnte oben und unten erweitert worden sein.
Du solltest dir m.E. nicht solche Sorgen machen, denn die Überleitungsregeln bei solchen Umstellungen sind doch eher rein mechanischer Art. (Ich habe das seinerzeit mitgemacht von BAT auf TVöD.) Und mit ziemlicher Sicherheit hast du damals auch zur Überprüfung das Resultat mitgeteilt bekommen.
Du kannst dir auch sicher sein, dass zuvor viele Köpfe bei der Gewerkschaft geschaut haben, den Transfer auch möglichst fair hinzubekommen - und auch in deinem Betrieb war man bedacht, die Umstellung abzufedern wie in deinem Fall, wo sich ein schlechteres Ergebnis herausstellte.
Du irrst übrigens, wenn du annimmst, dass 'Mitarbeiter' bei solchen Gelegenheiten 'runtergruppiert würden - bei solchen Aufgaben wie Tarifumstellungen geht es um Planstellenbewertung und Tarifgefüge, da schaut man nicht auf einzelne MA.

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#4
 Von 
Sven-1978-11
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 1x hilfreich)

Hallo,

erstmal vielen Dank für die Antworten. Nachfolgend meine Antworten auf die Fragen in den Beiträgen:

Zitat (von Anami):
Damals in 09/2016 hattest du mit ähnlicher Fragestellung zur *Runterbewertung* gefragt.
Es wurde damals empfohlen, diese Umstellung und die persönlichen Folgen anwaltlich prüfen zu lassen oder gar gerichtlich durchzusetzen.


Ich habe mich damals nicht gewehrt und auch keinen Anwalt eingeschalten aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes. Dazu muß man wissen, daß der Arbeitgeber sehr rabiat ist. Da kommt es schon auch mal vor, daß Mitarbeiter vom Werkschutz zur Pforte geführt (getragen) und regelrecht vor die Tür gesetzt werden. Oder ein Mitarbeiter erhält innerhalb von 10 Minuten 3 Abmahnungen und hat dann noch eine halbe Stunde Zeit, seinen Platz zu räumen ...

Zitat (von Anami):
Für die anderen AN in dieser Situation, die sich gewehrt hatten, gab es evtl. diese besondere BV nicht? (andere Stufe, aber nicht weniger Gehalt)


Nein, für die anderen Mitarbeiter galten genau die gleichen Bedingungen, wie für mich. Wie gesagt, habe ich erst sehr viel später erfahren, daß sich Kollegen erfolgreich mit dem Anwalt gewehrt haben und dann von T7 in A11 und eben nicht in A10 gruppiert wurden.

Zitat (von blaubär+):
Was bringt dich denn nach 8 Jahren auf die Idee, dass daran noch was zu rütteln sein könnte?
Oder was ist dein Anlass, das infrage zu stellen?


Ich bin, wie gesagt, seit 25 Jahren in der Firma. Meine jetzige Chefin (wohlgemerkt der 12. Vorgesetzte) hat mir gesagt, daß ich für das, was ich leiste unterbezahlt bin. Sie hat einen Überblick, da sie auch andere Gehälter kennt. Auch Kollegen, die um diesem Umstand wissen, haben das schon gesagt. Nun hat sie gesagt, daß sie mich bei der nächsten Bewertung in die Klasse A11 hochheben möchte. Das finde ich natürlich gut, aber ich kenne auch meinen Arbeitgeber. Da ist die Denke etwa so:
- Warum sollte ich einem 55 jährigen AN das Gehalt erhöhen? Der hat ohnehin keine Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt und wird bei mir bleiben, egal ob für das jetzige Geld oder für mehr.
- Möglicherweise stimmt er der Gehaltserhöhung auch zu, verrechnet das dann aber so mit dem Überhang, daß wieder möglichst wenig übrig bleibt.
Nun denkt Ihr vielleicht, ich habe eine pessimistische Einstellung - nein habe ich nicht, aber nach 25 Jahren habe ich mit diesem Arbeitgeber schon ziemlich viel Erfahrung und auch schon viel gesehen und gehört. Man kann sich da ausmalen, was passieren wird.
Sollte es tatsächlich zu einem Gespräch bezüglich Gehaltserhöhung kommen, und der AG versucht dann wieder mit allen möglichen Tricks die Gehaltserhöhung zu drücken, dann würde ich ihn gerne mit entsprechenden Gegenargumenten konfrontieren. Deshalb habe ich die Anfrage im Forum platziert.

Zitat (von blaubär+):
Du kannst dir auch sicher sein, dass zuvor viele Köpfe bei der Gewerkschaft geschaut haben, den Transfer auch möglichst fair hinzubekommen - und auch in deinem Betrieb war man bedacht, die Umstellung abzufedern wie in deinem Fall, wo sich ein schlechteres Ergebnis herausstellte.
Du irrst übrigens, wenn du annimmst, dass 'Mitarbeiter' bei solchen Gelegenheiten 'runtergruppiert würden - bei solchen Aufgaben wie Tarifumstellungen geht es um Planstellenbewertung und Tarifgefüge, da schaut man nicht auf einzelne MA.


Nunja, die Mitarbeiter haben sich damals auch ausgetauscht, auch wenn das offiziell verboten war. Natürlich hat keiner sein Gehalt offen gelegt, aber es wurde schon offen darüber gesprochen, ob das Gehalt rauf oder runter ging. Ich kenne keinen Fall, wo das Gehalt nach oben ging.
Wie gesagt, es ist ein sehr rabiater Arbeitgeber, was sich letztlich auch in der Unzufriedenheit der Mitarbeiter ausdrückt. Ein Beispiel: vor etwa 1 Jahr gab es eine Umfrage, in der Mitarbeiter das Unternehmen bewerten durften. Das ist so grottenschlecht für den AG ausgefallen, daß das Ergebnis erst ein halbes Jahr später und nur auf mehrmaliges Nachfragen der Mitarbeiter veröffentlicht wurde. Und was dann alles für Maßnahmen ergriffen wurden ... - man kann sich nur an den Kopf fassen.

Aber ich will nicht jammern. Irgendwas hält mich ja auch dort. Wäre ich aber Mitte 30, dann würde ich dort sicher weggehen.

Nochmal vielen Dank Euch für die Antworten.


Gruß

S.




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#5
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31586 Beiträge, 5575x hilfreich)

Zitat (von Sven-1978-11):
Ich habe mich damals nicht gewehrt und auch keinen Anwalt eingeschalten
Ja, dann war das so. Niemand hat dich damals gezwungen--- und du hast dich so entschieden.
Zitat (von Sven-1978-11):
Wie gesagt, habe ich erst sehr viel später erfahren, daß sich Kollegen erfolgreich mit dem Anwalt gewehrt haben
Ja, das habe ich gelesen. Dann war das ebenso. Die hatten also weniger Angst und haben es einem Anwalt überlassen, die richtigen Forderungen zu stellen und sind nicht entlassen worden.
Zitat (von Sven-1978-11):
Meine jetzige Chefin (wohlgemerkt der 12. Vorgesetzte) hat mir...
Ich meine, das spricht nicht gerade für modernes Personalmanagement. Aber hoffentlich klappt es, dass du in die A11 *gehoben* wirst.
Zitat (von Sven-1978-11):
dann würde ich ihn gerne mit entsprechenden Gegenargumenten konfrontieren.
Ja. Das steht dir frei. Womit würdest du --konfrontieren--?
ICH würde mir nie Gegenargumente (gegen was denn?) einfallen lassen, sondern FÜR-Argumente, d.h. FÜR meine Einstufung in A11 bzw. FÜR andere finanzielle Kompensationen (das sagt mir meine Erfahrung).
Zitat (von Sven-1978-11):
Wie gesagt, es ist ein sehr rabiater Arbeitgeber,
Diese dauernde Wiederholung betoniert nur deine schlechte Meinung, trotzdem bist du der AN, der seit Jahren dort duldet und duldet...und leistet... solche AN braucht dieser AG.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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