Hilfe!! Lohnabrechnung/Sollstunden etc.

6. Juli 2024 Thema abonnieren
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)
Hilfe!! Lohnabrechnung/Sollstunden etc.

Guten Tag zusammen,

einmal angenommen, eine Firma xyz hat mehrere Mitarbeiter (Baubranche) beschäftigt. Alle Mitarbeiter haben lt Vertrag eine 40 std Woche bzw 8 Std/Tag abzuleisten & werden pro Stunde bezahlt & es ist ein Zeiterfassungssystem vorhanden, in dem die MA ihre Arbeitszeit selber erfassen. In dem System werden natürlich Ist & Soll Stunden erfasst. Nun ist es so, dass ja logischerweise jeder Monat unterschiedliche Sollstunden aufweist, da meist unterschiedlich viele Arbeitstage abzuleisten sind. Nun wird in diesem Unternehmen aber gesagt: da eh alle immer zu viele Überstunden machen, werden grundsätzlich immer 180 Sollstunden von den Iststunden subtrahiert, damit die MA nicht zu hohe Arbeitszeitkonten bekommen. Eine MA im Büro sagt dazu, dass dies nicht korrekt sein kann, da sie es nur so kennt:

- entweder werden alle in dem jeweiligen Monat faktisch vorhandenen Ist- mit den tatsächlichen Sollstunden des jeweiligen Monats verrechnet und die Differenz landet auf dem AZK
- Oder man sagt, okay, wir rechnen grundsätzlich mit 180 Sollstunden, was dann aber auch bedeutet, dass bezogen auf die Jahresbetrachtung (4,33 Wochen/monat), die täglich angerechnete AZ (auch im Falle von Krankheit/Urlaub etc) höher als 8,00 Std ist, nämlich ca. 8,31 Std.

Sie sagt, dass es jedenfalls nicht korrekt sein kann, bei einer täglichen AZ von 8 STD einfach pauschal 180 Sollstd. abzuziehen, da man dem MA quasi STD „klaut" bzw diesen auch im Falle von Urlaub etc benachteiligt, da dem MA in diesen Fällen auch nur 8 Std angerechnet werden.

Danke schonmal für eure Stellungnahmen hierzu :)

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23 Antworten
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#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17734 Beiträge, 6580x hilfreich)

Es gibt also Arbeitsverträge, die für alle eine 40-h-Woche vorsehen, was auf ein Monatssoll von 173,32 hinausläuft; es gibt eine Zeiterfassung mit anscheinend minutengenauem Takt. Klar sollte sein, dass mit den tatsächlichen Stunden zu rechnen ist.
Alles, was über 173,32 Monatsstunden hinausgeht, sind Plusstunden, ggf. auch Überstunden. Das wäre eine weitere Dimension, Plus- und Überstunden zu klären. Dazu wird oben aber nichts erläutert.
Dann die der Abzug von 180 Sollstunden, die in dieser Höhe durch nichts gedeckt sind. verbunden mit der Grundannahme, dass ohnehin zu viel an Mehrarbeit geleistet werde, was wieder ein eigenes Thema ist.
Probleme sollten tatsächlich auftauchen im Falle von Urlaub und Erkrankung.
Transparent wäre i.d.T. ein AZ-Konto.

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#2
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Antwort!

Ja, die Verträge besagen: 40 Std/5 Tage Woche + alle Überstunden laufen bis zu einer Anzahl von 200 Std auf ein Arbeitszeitkonto.

Problem ist eben, dass einfach gesagt wird: Wir ziehen pauschal 180 Std ab, egal wie viele Sollstunden tatsächlich vorhanden sind. Was meist bedeutet, dass locker 10 Std mehr abgezogen werden, als tatsächliche Sollstunden vorhanden sind.

Die Mitarbeiterin in der Lohnbuchhaltung hat sich geweigert dies zu tun, da sie das für inkorrekt hält & keine Lust hat ihren Kopf dafür hinzuhalten.
Sie sagt ebenfalls, dass dieses Szenario ja bedeutet, dass sie jeden Monat die Zeiterfassung faken muss, da diese ja dann jeden Monat manuell angeglichen werden muss. Und das (nachverfolgbar) über ihren Account!

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#3
 Von 
Holperik
Status:
Praktikant
(569 Beiträge, 185x hilfreich)

„Problem ist eben, dass einfach gesagt wird: Wir ziehen pauschal 180 Std ab, egal wie viele Sollstunden tatsächlich vorhanden sind."
Vorbehaltlich irgendwelcher Regelungen in TV/AV, die dieses Vorgehen erlauben ( was ich mir aber nicht ernsthaft vorstellen kann) geht dieser Abzug so nicht. Ganz einfach. Das ist „Arbeitszeitbetrug" durch den AG, denn grundsätzlich ist jede Stunde, in der tatsächlich gearbeitet wird und -im Falle von Überstunden- diese angeordnet oder geduldet werden, zu vergüten. Ein pauschaler Abzug von Stunden steht der Vergütung entgegen, erst recht, wenn es rechnerisch ausweislich der vertraglichen Vereinbarung gar nicht möglich ist, diese Stunden ohne Überstunden überhaupt zu erarbeiten.

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#4
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(859 Beiträge, 104x hilfreich)

Zitat (von DasGrau18):
Alle Mitarbeiter haben lt Vertrag eine 40 std Woche bzw 8 Std/Tag abzuleisten & werden pro Stunde bezahlt & es ist ein Zeiterfassungssystem vorhanden, in dem die MA ihre Arbeitszeit selber erfassen.


Die Mitarbeiter erhalten einen Stundenlohn. Was wird ihnen den nun in der monatlichen Lohnabrechnung ausbezahlt?

1.) die tatsächliche geleisteten Arbeitsstunden mal Stundenlohn
oder
2.) ein fester Monatslohn plus Mehrarbeitsstunden mal Stundenlohn



-- Editiert von User am 6. Juli 2024 13:57

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#5
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Antworten bisher. Ich sehe das genauso wie ihr.

@Gerd61 was meinst du damit?

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#6
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(859 Beiträge, 104x hilfreich)

Zitat (von DasGrau18):
@Gerd61 was meinst du damit?


Ich habe es so verstanden das die Mitarbeite einen Stundenlohn erhalten, also für die geleistete Arbeitszeit bezahlt werden.

Wenn sie 170h im Monat arbeiten werden auch 170h bezahlt
Wenn sie 190h im Monat arbeiten werden auch 190h bezahlt.
(von Sonderfällen wie Urlaub und Krankheit abgesehen)

Daher habe ich die Regelung mit den 180 festen Sollstunden nicht verstanden.

Sollstunden wären 8h mal Anzahl der Arbeitstage im Monat, alles andere halte ich nicht für korrekt.


-- Editiert von User am 6. Juli 2024 14:13

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#7
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Sorry, habe eben gesehen, dass der letzte Beitrag nochmal editiert wurde….

@Gerd61

Den MA wird kein fester Lohn bezahlt! Es wird auf Stundenbasis abgerechnet. Ich mache mal ein einfaches Beispiel…der MA hat tatsächlich 189 STD gearbeitet & in dem jeweiligen Monat wären 168 Sollstunden abzuleisten gewesen…dann wird NICHT 189-168=21 Überstunden, also 168 x 19 Euro = 3.192 Euro + 399 Euro Überstunden - 399 (da Auffbau AZK) gerechnet, sondern einfach
189-180 (Pauschale oder fiktive Sollstunden)

= 9 Überstunden

Also 168 x 19 Euro = 3.192 Euro + 171 Euro - 171 Euro Aufbau AZK






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#8
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(859 Beiträge, 104x hilfreich)

Zitat (von DasGrau18):
Also 168 x 19 Euro = 3.192 Euro + 171 Euro - 171 Euro Aufbau AZK


Das ist mit Sicherheit rechtlich unhaltbar! Da werden dem AN ja in diesem Beispielmonat 12 Arbeitsstunden nicht bezahlt.

Entweder laufen die real geleisteten Überstunden auf ein Arbeitszeitkonto oder aber die Stunden werden ausbezahlt. Eine willkürlich festgelegte "Sollarbeitszeit vom 180h" muss der AN nicht hinnehmen

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#9
 Von 
Schalkefan
Status:
Lehrling
(1343 Beiträge, 222x hilfreich)

Zitat (von DasGrau18):
= 9 Überstunden

Also 168 x 19 Euro = 3.192 Euro + 171 Euro - 171 Euro Aufbau AZK


Also, der Mitarbeiter arbeitet 189 Std.
168 Std bekommt er bezahlt.
9 Std wandern aufs Arbeitszeitkonto. ->
Und der Rest von 12 Std fällt einfach hintenüber? Ne, das geht so natürlich nicht. Das würden ja wohl die Mitarbeiter nicht mitmachen.

Oder war es falsch wiedergegeben und es läuft wie folgt:
180 Std bekommt er bezahlt
9 Std wandern aufs Arbeitszeitkonto
Das geht zumindest Rechnerisch. Ob das auch faktisch geht, müsste man aus den Verträgen entnehmen. Mir kommt das wie eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit durch die Hintertür vor.

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#10
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(859 Beiträge, 104x hilfreich)

Zitat (von Schalkefan):
Oder war es falsch wiedergegeben und es läuft wie folgt:
180 Std bekommt er bezahlt
9 Std wandern aufs Arbeitszeitkonto


Das würde zumindest Sinn machen.

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#11
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Es werden 180 Stunden als vermeintliche Sollstunden abgezogen, nicht ausbezahlt.

& genau das, ist das Problem, weswegen die Buchhalterin sagt, sie möchte das nicht verantworten.

Selbst wenn 180 Stunden ausbezahlt würden, müssten die Arbeitsverträge wohl auch mal angepasst werden.
Und außerdem würde das ja dann bedeuten, dass im Zeiterfassungssystem auch andere Arbeitszeiten hinterlegt werden müssten. Z.b. 8,3 STD ca….ansonsten „klaut" man ja an jedem Urlaubstag oder Krankheitstag 0,3 Std…

Es ist aber Fakt, dass vertraglich 40 Std pro Woche vereinbart sind.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Schalkefan
Status:
Lehrling
(1343 Beiträge, 222x hilfreich)

Zitat (von DasGrau18):
Es werden 180 Stunden als vermeintliche Sollstunden abgezogen, nicht ausbezahlt.

Ich verstehe das Abrechnungsprinzip nicht.

Wovon werden die Sollstunden denn abgezogen? Sollstunden sind doch nur ein zu erreichender Zielwert, mehr nicht. Warum werden die irgendwo abgezogen?

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#13
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17734 Beiträge, 6580x hilfreich)

... Sollstunden werden mit Minuszeichen geschrieben und insoweit abgezogen; AN nähert sich durch die Stunden, die er arbeitet, dem Soll an; am Ende des Monats geht sich das dann mit plusminus Null aus.

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#14
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

In dem Zeiterfassungssystem werden auf der linken Seite die IST Stunden (tatsächlich gearbeitet) erfasst & rechts die Soll Stunden. So werden doch die Überstunden bzw Minusstunden ermittelt.
Und in diesem Falle wird halt einfach pauschal gesagt, es werden immer 180 Stunden abgezogen, auch wenn der Monat gar nicht so viele Sollstunden hat.

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17734 Beiträge, 6580x hilfreich)

... eigentlich ist alles Notwendige erörtert. Die Vorgabe von 180 Sollstunden bedeutet de facto, die vertraglich vereinbarte AZ zu erhöhen. Dafür gibt es keine Grundlage.

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(859 Beiträge, 104x hilfreich)

Wie auch immer der AG die Sollstunden hin und her rechnet.

1.) wenn kein Arbeitszeitkonto geführt wird, dann sind die geleistete Arbeitsstunden zu bezahlen.
2.) wenn ein Arbeitszeitkonto geführt wird, dann muss die Anzahl der bezahlten Arbeitsstunden plus dem Stundenzufluss ins Arbeitszeitkonto gleich der Anzahl der geleistete Arbeitsstunden sein

Die Thematik mit wie vielen Stunden ein Krankheitstag/Urlaubstag bezahlt werden muss ist dann noch einmal eine andere und richtet sich nach der regelmäßig real geleisteten Arbeitszeit.

0x Hilfreiche Antwort

#17
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Alles klar! Vielen Dank an Alle für die hilfreichen Antworten & ein schönes Wochenende noch!!

0x Hilfreiche Antwort

#18
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1576 Beiträge, 678x hilfreich)

Zitat (von DasGrau18):
Alle Mitarbeiter haben lt Vertrag eine 40 std Woche bzw 8 Std/Tag abzuleisten. die Verträge besagen: 40 Std/5 Tage Woche + alle Überstunden laufen bis zu einer Anzahl von 200 Std auf ein Arbeitszeitkonto


Hier fehlen Informationen.

Vermutlich ist im Arbeitsvertrag vereinbart, dass als "regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit" 40 Stunden vereinbart sein sollen, vermutlich aber nur "im Durchschnitt".

In welchem Ausgleichszeitraum der 40-Stunden-Durchschnitt zu erreichen sein soll, das könnte entweder (tarif-)vertraglich vereinbart sein, ansonsten wäre es ( mitbestimmt durch den Betriebsrat ) vom Arbeitgeber festzulegen.

Zitat (von DasGrau18):
logischerweise weist jeder Monat unterschiedliche Sollstunden auf


Nein; es könnten für jeden Monat identisch viele Sollstunden vorgegeben sein - und es könnte auch eine flexible unterschiedliche Sollstunden-Höhe vorgegeben sein, solange nur im gesamten Ausgleichszeitraum die Sollstunden eingehalten sind.

Denkbar wäre z.B., dass der 40-Wochenstunden-Durchschnitt jeweils in 12 Wochen erreicht sein muß. Zudem könnten in Monat 1 170 Sollstunden vorgegeben sein, in Monat 2 150 Sollstunden, in Monat 3 180 Sollstunden ....

In Woche 1 könnten planmäßig 50 Stunden angeordnet werden, in Woche 2 35 Stunden, in Woche 3 43 Stunden .... sodaß im Durchschnitt von 12 Wochen genau 40 Stunden pro Woche gearbeitet werden.

Im weiteren hängt es dann von der Vereinbarung ab, was als zeitzuschlagspflichtige Überstunden gelten soll:

Die Differenz zwischen dem wöchentlichen Soll ( z.B. 50 Stunden ) und den in dieser Woche tatsächlich geleisteten Stunden ( z.B. 52 Stunden )?

Oder die Differenz zwischen den für einen Monat ( oder ein Jahr ) festgesetzten Sollstunden und den im konkreten Zeitraum geleisteten Ist-Stunden?

Denkbar wäre zudem, dass dienstplanmäßig festgesetzte Arbeitsstunden ( z.B. 190 pro Monat ) niemals Überstunden sein könnten, sondern nur auf Anordnung darüberhinaus geleistete Arbeitsstunden.

Zitat (von DasGrau18):
40 std Woche bzw 8 Std/Tag


Eine vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit von 40 h/Woche wäre auch bei vereinbarter Verteilung auf 5 Tage ( oder noch strenger: auf Montag bis Freitag ) dann eingehalten, wenn von Montag bis Donnerstag 9 Stunden angeordnet würden, und freitags 4 Stunden.

Zitat (von DasGrau18):
da eh alle immer zu viele Überstunden machen, werden grundsätzlich immer 180 Sollstunden von den Iststunden subtrahiert, damit die MA nicht zu hohe Arbeitszeitkonten bekommen.


Unsinn.

Klar ist, dass eine vereinbarte "durchschnittliche regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden" im ( ggf. gemeinsam mit dem Betriebsrat ) festgelegten Ausgleichszeitraum ( sofern dieser nicht bereits im (Tarif-)Vertrag festgeschrieben ist ) einzuhalten wäre.

Daraus könnte sich eine durchschnittliche Monats-Arbeitszeit errechnen errechnen, und für jeden Monat könnte diese identische Arbeitszeit als Sollarbeitszeit festgelegt werden und - sofern entsprechend vereinbart - zum Bezugspunkt für die Überstunden-Berechnung genommen werden.

Eine nur im Durchschnitt vereinbarte Arbeitszeit würde jedoch auch eine flexible monatliche Soll-Stunden-Vorgabe zulassen: in Monaten mit erwartetem hohen Arbeitsanfall könnten 200 Sollstunden vorgegeben werden ( sodaß Überstunden erst ab der Anordnung der 201. Stunde anfielen ), während in Monaten mit niedrigerem Soll ( von z.B. 130 Stunden ) schon ab der zusätzlich abverlangten 131. Stunde Überstundenvergütung + -zuschläge fällig wären.

Zwingend wäre dabei immer die Einhaltung des vereinbarten Wochenstunden-Durchschnitts im Ausgleichszeitraum.

Zitat (von DasGrau18):
Und in diesem Falle wird halt einfach pauschal gesagt, es werden immer 180 Stunden abgezogen


Es können im festgelegten Ausgleichszeitraum ( für die Berechnung des Durchschnitts der vereinbarten "durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit" ) nur die rechnerisch möglichen Sollstunden festgelegt werden.

Zulässig wären also z.B. :
In den ersten vier Wochen: 160 Stunden ( 4 * 40 Stunden )
In den zweiten vier Wochen: 180 Stunden ( 38 Stunden, 50 Stunden, 42 Stunden, 50 Stunden )
In den dritten vier Wochen: 140 Stunden. ( 3 * 40 Stunden, 2 Stunden )
----> Im Ausgleichszeitraum von 12 Wochen exakt 40h/Woche.

Überstunden würden sich dann als Differenz zwischen tatsächlich geleisteten IST-Stunden, und den geplanten SOLL-Stunden ergeben können - je nach Vereinbarung bei wöchentlicher, monatlicher, ausgleichszeitraumbezogener oder jährlicher Betrachtung.

Beispiel für eine tarifliche Regelung:

"Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt ausschließlich der Pausen durchschnittlich 39 Stunden wöchentlich. Für die Berechnung des Durchschnitts der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit ist in der Regel ein Zeitraum von bis zu 24 Wochen oder einem halben Jahr zugrunde zu legen. Beginn und Ende des Zeitraums für die Berechnung der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit ist im Voraus festzulegen.

Überstunden sind die auf Anordnung geleisteten Arbeitsstunden, die über die im Rahmen der regelmäßigen Arbeitszeit für die Woche dienstplanmäßig bzw. betriebsüblich festgesetzten Arbeitsstunden hinausgehen."

Im Voraus ( gemeinsam mit dem Betriebsrat ) festgelegter Ausgleichszeitraum : 8 Wochen.

Für Woche 1 festgesetzt: 60 Stunden. Geleistet: 60 Stunden. Überstunden: 0
Für Woche 2 festgesetzt: 39 Stunden. Geleistet: 39 Stunden; zusätzlich auf Anordnung: 5 Überstunden: 5
(...)
Für Woche 8 festgesetzt: 42 Stunden. Geleistet: 42 Stunden.

Summe in 8 Wochen: 8*39 Stunden = 312 + 5 Überstunden.

Wie ist der exakte Wortlaut der konkreten vertraglichen Bestimmungen zur (durchschnitlichen) wöchentlicher Arbeitszeit, zur Verteilung auf die Wochentage, zum Ausgleichszeitraum, zur Berechnung von Überstunden, zur Führung des Arbeitszeitkontos usw.

RK

-- Editiert von User am 7. Juli 2024 17:08

0x Hilfreiche Antwort

#19
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo,

In den Verträgen steht diesbezüglich

1. Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt durchschnittlich 40 Stunden wöchentlich; Beginn und Ende der Arbeitszeit und der Pausen richten sich nach den Anordnungen des Arbeitgebers. Die tägliche Arbeitszeit richtet sich nach den Erfordernissen des Arbeitgebers. Dementsprechend kann die tägliche Arbeitszeit unterschiedlich sein. Die Arbeitszeiten sprechen nach Vereinbarung von Montags bis Freitags.

2. Mehr- und Überarbeit werden grundsätzlich nicht vergütet, sondern über ein Arbeitszeitkonto durch bezahlte Freizeit ausgeglichen. Der Arbeitnehmer ist mit der Einrichtung eines solchen Arbeitszeitkontos einverstanden. Im Arbeitszeitkonto werden Überschreitungen der vereinbarten monatlichen Arbeitszeit als Plus- und Unterschreitungen als Minusstunden erfasst. Weist das Arbeitszeitkonto Minusstunden zu Lasten des Arbeitnehmers aus, stellt das negative Zeitguthaben einen Gehaltsvor-schuss des Arbeitgebers dar, welchen der Arbeitnehmer spätestens bei einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses auszugleichen hat. Dem Arbeitgeber ist es gestattet, bereits während des Arbeitsverhältnisses innerhalb der gesetzlichen Grenzen eine Verrechnung von Minusstunden mit den im Arbeitszeitkonto erfassten Plusstunden vornehmen. Zeitguthaben des Arbeitnehmers sind innerhalb von zwölf Kalendermonaten nach ihrer monatlichen Erfassung, spätestens im Falle der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu vergüten. (Wobei anzumerken ist, dass es die Möglichkeit zum Abfeiern der Überstunden ohnehin nicht gibt, da alle MA jeden Monat mindestens 30 Überstunden machen)

3. Über die vertraglich vereinbarte Stundenzahl hinausgehende Arbeitsstunden können bis zu einer Gesamthöhe von 200 Arbeitsstunden in das Arbeitszeitkonto eingestellt werden. Im Falle einer Uberschreitung dieser Obergrenze gilt für die Fälligkeit des Anspruchs auf Vergütung dieser Arbeitsstunden die Regelung nach § 4 dieses Vertrages.

Paragraf 4 besagt:
Der Arbeitnehmer erhält für seine Tätigkeit einen Stundenlohn in Höhe von 19.00 EUR
brutto, des am Ende eines jeden Monats nach Abzug der gesetzlichen Steuern und Abgaben auf ein vom Arbeitnehmer zu benennendes Konto überwiesen wird.

Weitere Regelungen über Zeiträume des Durchschnitts etc gibt es nicht.

Lg

0x Hilfreiche Antwort

#20
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(33235 Beiträge, 5786x hilfreich)

Na, dann habt ihr doch ein AZkonto.
- Plusstunden deutlich
- Minusstunden deutlich.
-200 Std. p.a. als Obergrenze auch nicht verboten.

Zitat (von DasGrau18):
(Wobei anzumerken ist, dass es die Möglichkeit zum Abfeiern der Überstunden ohnehin nicht gibt, da alle MA jeden Monat mindestens 30 Überstunden machen)
Das ist nicht Schuld und Sache des AG bzw. des Vertrages. :sad:

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#21
 Von 
DasGrau18
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich glaube ehrlich gesagt, dass ich missverstanden werde.

Ich habe nie gesagt, dass es kein Arbeitszeitkonto gibt. Das gibt es. Klar!
Es geht um den pauschalen Abzug von 180 Std….selbst wenn im Arbeitszeiterfassungssystem keine 180 Sollstunden vorhanden wären.
Sollstunden sind die Stunden, die von den tatsächlich gearbeiteten Iststunden abgezogen werden, um die +- Stunden zu ermitteln.

Beispiel anhand des Monats Juni 24:

20 Arbeitstage x 8 Arbeitsstunden pro Tag (so im Zeiterfassungssystem hinterlegt) = 160 Sollstunden
Wenn der MA nun aber nicht nur 8 Std pro Tag arbeitet, sondern mehr, meinetwegen insgesamt 185 Iststunden in dem Monat, würde in diesem Unternehmen gesagt, wir ziehen davon 180 Stunden ab, obwohl dieser Monat lt. Zeiterfassungssystem nur 160 Sollstunden aufweist.

0x Hilfreiche Antwort

#22
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1576 Beiträge, 678x hilfreich)

Zitat (von DasGrau18):
Im Arbeitszeitkonto werden Überschreitungen der vereinbarten monatlichen Arbeitszeit als Plus- und Unterschreitungen als Minusstunden erfasst.


Die wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden ist nur ... im Durchschnitt ( welchen Zeitraums? ) vereinbart.

Es fehlt jedoch die Vereinbarung einer monatlichen Arbeitszeit. Diese vereinbarte monatliche Arbeitszeit ist allerdings vereinbarter Bezugspunkt für die Berechnung monatlicher "Plus- und Minusstunden". Diese "Plusstunden" dürften die gemeinte "Mehr- und Überarbeit" sein, die vereinbarungsgemäß nicht vergütet, sondern durch bezahlte Freizeit auszugleichen sein soll.

Zitat (von DasGrau18):
Zeitguthaben des Arbeitnehmers sind innerhalb von zwölf Kalendermonaten nach ihrer monatlichen Erfassung, spätestens im Falle der Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu vergüten.


Unklar: einerseits wird Mehr-/Überarbeit nicht vergütet, sondern durch Freizeit ausgeglichen; andererseits sollen Zeitguthaben innerhalb von 12 Monaten vergütet werden ( gemeint ist wohl eher, dass nicht innerhalb von 12 Monaten ausgeglichene Zeitguthaben zu vergüten sind, anstatt durch bezahlte Freizeit auszugleichen. )

Zitat (von DasGrau18):
Über die vertraglich vereinbarte Stundenzahl hinausgehende Arbeitsstunden können bis zu einer Gesamthöhe von 200 Arbeitsstunden in das Arbeitszeitkonto eingestellt werden.


Vertraglich vereinbart ist eine (nur) im Durchschnitt zu leistende wöchentliche Zahl von 40 Arbeitsstunden. Wenn kein Betriebsrat vorhanden ist, darf der Arbeitgeber den Durchschnittszeitraum allein bestimmen.

Damit ist dann aber noch keine monatliche Stundenzahl, insbesondere keine von 180 vereinbart ...

Zitat (von DasGrau18):
20 Arbeitstage x 8 Arbeitsstunden pro Tag (so im Zeiterfassungssystem hinterlegt) = 160 Sollstunden


Bei einem auf 12 Monate festgelegten Ausgleichszeitraum kann es zulässig zu bestimmen, dass die monatliche Sollstunden-Anzahl auf diese Weise bestimmt wird.

Zitat (von DasGrau18):
in diesem Unternehmen wird gesagt, wir ziehen von [ geleisteten 185 Stunden ] 180 Stunden ab [ anstatt nur 160 ]


Es wäre vielleicht höchstens zulässig, über den gesamten Ausgleichszeitraum hinweg monatlich unterschiedlich hohe Sollstunden festzulegen, wenn insgesamt im Ausgleichszeitraum die "korrekte" Sollstundenzahl erreicht wird.

Wenn z.B. im betrachteten Monat im Voraus eine Sollstundenzahl von 180 ( statt 160 ) festgelegt worden war, dann müssen dafür als Ausgleich in anderen Monaten die Sollstundenzahlen entsprechend vermindert werden ( z.B. 144 statt 154 , und 163 statt 173 ).

Unzulässig erscheint mir, eine einmal für einen Monat festgelegte Sollstundenzahl im Nachhinein zu erhöhen ( um die Anrechnung von Plus-/Überstunden zu umgehen ).

RK

-- Editiert von User am 7. Juli 2024 22:00

0x Hilfreiche Antwort

#23
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(859 Beiträge, 104x hilfreich)

@RrOrtmann

Aber das geht doch an der Schilderung des TE vorbei.
Die TE schreibt von einer dauerhaften Festsetzung von der Monats-Sollabeitszeit auf 180h.

Zitat (von DasGrau18):
Nun wird in diesem Unternehmen aber gesagt: da eh alle immer zu viele Überstunden machen, werden grundsätzlich immer 180 Sollstunden von den Iststunden subtrahiert, ...

siehe auch Beitrag: #7

Das ist zwar arbeitsrechtlich abwegig, aber so beschreibt es die TE nun einmal.

0x Hilfreiche Antwort

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