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Ist Ausbildungsvertrag noch gültig?

10.6.2021 Thema abonnieren
 Von 
gcygnusx1
Status:
Frischling
(33 Beiträge, 4x hilfreich)
Ist Ausbildungsvertrag noch gültig?

Guten Tag,
ich hätte eine kleine juristische Frage zu einem Ausbildungsvertrag, die vermutlich sehr schnell beantwortet ist. Hier der Fall:

Meine Tochter wird am 06.07.2021 (Nachholtermin) ihre letzte Prüfung im Fach Medizinische Chemie im Rahmen ihres 2. Staatsexamens des Pharmaziestudiums ablegen. Am 29.10.2020 hat sie einen Ausbildungsvertrag für das praktische Jahr in einer Apotheke abgeschlossen. Beginn: 01.05.2021; Ende: 31.10.2021.

Nun konnte sie aber krankheitsbedingt, die Prüfungen des 2. Staatsexamens bis zum 01.05.2021 nicht abschließen. In dem Ausbildungsvertrag gibt es folgende Klausel:

Zitat: "Sollte der Zweite Prüfungsabschnitt zum vereinbarten Ausbildungsbeginn nicht bestanden sein, ist dieser Vertrag gegenstandslos." Aktuell ist das auch so, da sie ihre abschließende Prüfung erst am 06.07.21 hat. Die Apothekerin weiß Bescheid und war mit dem späteren Arbeitsbeginn (kein genaues Datum) einverstanden.

Vor ca. 3 Wochen hat die Apothekerin aber meine Tochter angerufen und gefragt, ob sie nicht in der Zwischenzeit auf Basis eines Minijobs bis zwei Wochen vor ihrer letzten Prüfung bei ihr in der Apotheke wegen anstehender Coronatests arbeiten wolle. Meine Tochter hat zugesagt und dort einen Minijob angefangen. Ihr wurde auch nach mehrmaliger Aufforderung bis dato noch kein schriftlicher Arbeitsvertrag für diesen Minijob ausgehändigt. Die erste Monatszahlung hat sie bereits erhalten. Der restliche Lohn steht noch aus.

Nun hat meine Tochter beschlossen, wegen des Prüfungsstress den Minijob vorzeitig, also ca. zwei Wochen früher als geplant, aufzugeben. Die Apothekerin war letzte Woche im Urlaub und da hat meine Tochter am Freitag beschlossen, den Job zu beenden. Sie hat der Stellvertreterin gesagt, dass sie am Montag nicht mehr kommen würde und dass sie dies der Chefin ausrichten soll. Das war ohne Zweifel ein Fehler, auf den hin die Chefin sie am darauffolgenden Montag angerufen und ordentlich gemaßregelt hat. Dabei hat sie ihr nahegelegt, bis zu ihrer Prüfung zu überlegen, ob sie noch in diesem Team arbeiten möchte. Sie würde meine Tochter aber schon noch nehmen, doch sie müsste sich während ihres Praktischen Jahrs auf einige Zumutungen einstellen. Könnte man auch als Drohung auffassen.

Meine Tochter war natürlich voll geschockt und völlig aufgelöst (hat noch nie gearbeitet...). Sie will nun nicht mehr bei dieser Apothekerin ihr Praktisches Jahr absolvieren, da sie befürchtet, dass ihr diese Frau das Leben zur Hölle machen könnte (Schmunzel...). In der Zwischenzeit hat sie sich bei weiteren Apotheken beworben und möchte heute Nachmittag einen neuen Ausbildungsvertrag unterschreiben.

Nun meine Fragen:

1. Ist der beigefügte Ausbildungsvertrag wirklich gegenstandslos, wie in der Klausel aufgeführt? Kann sie also ohne weitere Bedenken den neuen Ausbildungsvertrag unterschreiben?

2. In dem letzten Telefongespräch (Mo., 07.06.2021) hat die Apothekerin meiner Tochter zwar gesagt, dass sie sie noch nehmen würde ab dem 1. August und dass sie ihr einen "überarbeiteten" Arbeitsvertrag zuschicken würde. Bis dato hat sie ihr diesen Vertrag aber noch nicht zugeschickt und meine Tochter hat daher auch noch nichts unterschrieben. Gibt es aber auch einen mündlichen Arbeitsvertrag? Meine Tochter hat in den letzten Tagen zwar versucht, die Apothekerin telefonisch zu erreichen (um ihr abzusagen), aber leider ist diese Person bis zu dem Termin heute Nachmittag um 15:00 Uhr (neuer Vertrag in anderer Apotheke) vermutlich nicht mehr erreichbar (Aussage einer Mitarbeiterin).

3. Reicht daher auch eine schriftliche Absage per E-mail bis 15:00 Uhr, um zu bekunden, dass meine Tochter jetzt doch kein Interesse mehr hat, bei dieser besagten Apothekerin ihr praktisches Jahr zu absolvieren.

4. Abschließend: Könnte also unter Umständen eine Situation eintreten, in der meine Tochter mit zwei Ausbildungsverträgen dasteht (einer mündlich und einer schriftlich) und daher eventuell schadensersatzpflichtig wäre?

Vielen Dank.

gcygnusx1


-- Editiert von gcygnusx1 am 10.06.2021 11:21

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3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14407 Beiträge, 5596x hilfreich)

Um hinten anzufangen:
4. Schadensersatz setzt voraus, dass ein 'Schaden' tatsächlich eingetreten und bezifferbar ist. Dürfte hier schwerfallen.
3. Absage per Email ist zwar eine Textform, erfüllt aber nicht die Kriterien der Schriftform; unbekannt an dieser Stelle, was denn ggf. gefordert ist. Abgesehen davon, dass ich Email für reichlich unhöflich halte in so einer Frage, geht die Tochter mit Brief und Unterschrift jedenfalls das kleinere Risiko ein. Im Übrigen: s.u. Ausbildungsordnung
2. Grundsätzlich gilt: AV können auch mündlich abgeschlossen werden. Nur ist ja infrage gestellt, ob es überhaupt eine Vereinbarung gibt, wenn die AGin einen nachgebesserten/überarbeiteten AV ankündigt. Allenfalls könnte der wohl schon unterschriebene AV noch Gültigkeit haben.
1. Da das Praktikum im Kontext einer Ausbildung steht, sollten die Praktikumsbedingungen samt Exit-Strategien auch in der Ausbildungsordnung verankert sein. Zudem wird es für die Studentinnen auch zuständige Begleitungen geben, die in diesen Fragen weiterhelfen können sollten. Das wäre die erste Adresse in so einem Konfliktfall.

Summa summarum: Ausbildungsordnung checken hinsichtlich der Regeln für Praktika

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#2
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14407 Beiträge, 5596x hilfreich)

.... noch zu der Klausel
/// Zitat: "Sollte der Zweite Prüfungsabschnitt zum vereinbarten Ausbildungsbeginn nicht bestanden sein, ist dieser Vertrag gegenstandslos."

Die Formulierung ist ja durchaus tricky: 'nicht bestanden sein' beinhaltet sowohl, dass Töchterchen den 2. Prüfungsabschnitt versemmelt haben könnte (Note: nicht bestanden), aber auch dass sie ihn einfach nicht nachgewiesen hat. Zu bedenken ist, dass die Chefin gewissermaßen (vorerst) darauf verzichtet hat, von dieser Klausel Gebrauch zu machen.
Die spannende Frage ist jetzt, ob die Tochter sich ebenfalls darauf berufen kann - intendiert wird das kaum sein, ausgeschlossen aber sicher auch nicht. Denn das ist sicher: ' sollte .... nicht bestanden sein' hebt den ganzen Vertrag auf.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8121 Beiträge, 3615x hilfreich)

Zitat:
Dabei hat sie ihr nahegelegt, bis zu ihrer Prüfung zu überlegen, ob sie noch in diesem Team arbeiten möchte.


Ich würde die Sache ganz pragmatisch angehen: Die Apo-Inhaberin hegt selbst schon Zweifel, ob die Tochter ins Team passt. Dies aufgreifend kann man auch das Gespräch suchen und den Vertrag bestenfalls einfach einvernehmlich - per Aufhebungsvertrag - beenden oder eben durch Kündigung. Aus Sicht der Apothekerin würde ich "Reisende" nicht aufhalten wollen.

Eine EMail beendet den Vertrag -wie schon geschrieben- auf jeden Fall nicht rechtswirksam.

0x Hilfreiche Antwort

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