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Kann ich fristlos kündigen wegen Arbeitskleidung?

3.7.2021 Thema abonnieren
 Von 
freunf
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)
Kann ich fristlos kündigen wegen Arbeitskleidung?

Hallo,

ich arbeite als Aushilfe in einem Bekleidungsgeschäft im Verkauf als Beraterin. Ich bin hauptberuflich Studentin mit Fachrichtung Modedesign. Zu beginn meiner Anstellung wurde betont, dass wir tragen dürfen was wir wollen. Die Vollzeit Angestellten mussten immer Kleidung aus der Kollektion tragen, aber von Aushilfen und Studenten hat man das nicht erwartet. Nun ein Jahr später wurde jetzt einheitliche Arbeitskleidung eingeführt. Und ich möchte das aufgarkeinen Fall tragen. Ich fühle mich absolut nicht wohl und finde es einfach nur schrecklich. Deswegen möchte ich kündigen. Mein Arbeitgeber kann mich ja nicht zwingen die Kleidung während der Kündigungsfrist zu tragen. Immerhin wurde das Neu eingeführt und als ich den Vertrag unterschrieben habe, war das noch keine Bedingung? Kann ich auch fristlos kündigen?

Danke!

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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14406 Beiträge, 5596x hilfreich)

Kündigen kannst du. Für eine 'Fristlose' ist das aber kein hinreichender Grund.
Der AG mag 'einheitliche Kleidung' - was immer das konkret sein mag - wohl anordnen, erzwingen kann er das Tragen aber nicht.
Es sei denn, es wäre eine Uniform - dann müsste er aber auch die Kosten dafür tragen. Und dann wäre da noch die Frage, ob eine Uniform/'einheitliche' Kleidung dem Direktionsrecht unterliegt - ich meine eher nein. Dann bliebe dem AG noch der Weg via Änderungskündigung, seinen Willen durchzusetzen.

-- Editiert von blaubär+ am 03.07.2021 11:21

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99906 Beiträge, 36985x hilfreich)

Zitat (von freunf):
Ich fühle mich absolut nicht wohl und finde es einfach nur schrecklich.

Sofern es sich um normale Kleidung handelt, ist das Dein Problem.



Zitat (von freunf):
Mein Arbeitgeber kann mich ja nicht zwingen die Kleidung während der Kündigungsfrist zu tragen.

Auch davor kan er Dich nicht wirklich zwingen.
Aber er kann entsprechende arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen.



Zitat (von freunf):
Immerhin wurde das Neu eingeführt und als ich den Vertrag unterschrieben habe, war das noch keine Bedingung?

Ja und?



Zitat (von freunf):
Kann ich auch fristlos kündigen?

Da hier kein Grund dafür ersichtlich ist, eher nicht.
Allerdings kann es sein, das der AG das dennoch akzeptiert.




Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1115 Beiträge, 607x hilfreich)

Zitat (von freunf):
Es wurde jetzt einheitliche Arbeitskleidung eingeführt.


Das ist eine mitbestimmungspflichtige Angelegenheit - ohne die Zustimmung der von euch gewählten Mitarbeitervertretung bleibt die Anordnung unverbindlich.

Grundsätzlich darf der Arbeitgeber Anweisung geben, welche Arbeitskleidung zu tragen ist, § 106 GewO:

"Der Arbeitgeber kann Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen näher bestimmen, soweit diese Arbeitsbedingungen nicht durch den Arbeitsvertrag, Bestimmungen einer Betriebsvereinbarung, eines anwendbaren Tarifvertrages oder gesetzliche Vorschriften festgelegt sind. Dies gilt auch hinsichtlich der Ordnung und des Verhaltens der Arbeitnehmer im Betrieb. Bei der Ausübung des Ermessens hat der Arbeitgeber auch auf Behinderungen des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen."

Zitat (von freunf):
Ich fühle mich absolut nicht wohl und finde es einfach nur schrecklich.


Das für die Wirksamkeit der Anweisung erforderliche "billige Ermessen" verpflichtet den Chef, Deine Interessen "billig", d.h. in gerechtem Verhältnis zu seinen Interessen zu berücksichtigen. Dein Interesse, dass Deine Kleidung Dir ein Wohlgefühl bescheren soll, und Du kein schreckliches Empfinden spüren möchtest, wiegt vermutlich nicht sehr schwer gegenüber dem Interesse des Arbeitgebers, vom Erscheinungsbild seiner Angestellten solle ein Werbeeffekt ausgehen, der den Absatz seiner Kollektion erhöht.

Zitat (von freunf):
Ich bin hauptberuflich Studentin mit Fachrichtung Modedesign. Ich fühle mich absolut nicht wohl und finde es einfach nur schrecklich.


Wenn das individuelle Modebedürfnis einen solchen Schweregrad erreicht hätte, daß es als Behinderung gewertet werden könnte ( aufgrund der Unfähigkeit, keine unmodische Kleidung (er-)tragen zu können ohne schwerste körperlich/psychische Mißempfindungen ), dann hätte das Weisungsrecht des Arbeitgebers seine Grenzen in der ermessensgerechten Berücksichtigung dieser "Mode-Behinderung".

Zitat (von freunf):
Mein Arbeitgeber kann mich ja nicht zwingen die Kleidung während der Kündigungsfrist zu tragen.


Doch: wenn seine Bekleidungsanweisung wirksam ist, dann ist man von der Befolgung nicht deshalb entbunden, weil man mitgeteilt hat, zu einem künftigen Termin aus dem Unternehmen auszuscheiden.

Zitat (von freunf):
als ich den Vertrag unterschrieben habe, war das noch keine Bedingung?


Umgekehrt: Nur das, was im Vertrag "festgehalten" ist, ist dem Weisungsrecht des Arbeitgebers entzogen, § 106 GewO. Wenn also vertraglich geregelt ist: "Fr. X wird bei der Arbeit eine zur Haus-Kollektion passende Bekleidung ihrer Wahl tragen", dann sind Bekleidungs-Vorgaben unwirksam.

Zitat (von freunf):
Kann ich auch fristlos kündigen?


Das ist nur zulässig aus "wichtigem Grund", § 626 BGB.

Zitat (von freunf):
Ich fühle mich absolut nicht wohl und finde es einfach nur schrecklich.


Angewidertsein und Unwohlsein sind vermutlich keine wichtigen Gründe im Sinne dieser Vorschrift.

RK

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Anami
Status:
Unsterblich
(23320 Beiträge, 4588x hilfreich)

Zitat (von freunf):
Kann ich auch fristlos kündigen?
Können kannst du wohl. Zu beachten sind die Konsequenzen...o.g.
Was ist denn die ordentliche Kü-Frist lt. AV?
Zitat (von freunf):
Mein Arbeitgeber kann mich ja nicht zwingen die Kleidung während der Kündigungsfrist zu tragen.
Zwingen ist so oder so nicht möglich.
Vielleich kündigt er DIR, uU sogar fristlos, wenn du Arbeitsanweisungen konsequent missachtest. Auch hier bitte die Konsequenzen berücksichtigen.
Eine (unpassende) Aushilfe wird ein AG vermutlich recht schnell los.

Signatur:

ist nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99906 Beiträge, 36985x hilfreich)

Zitat (von RrKOrtmann):
Wenn das individuelle Modebedürfnis einen solchen Schweregrad erreicht hätte, daß es als Behinderung gewertet werden könnte

Nicht jedes psychische Problem ist gleich eine Behinderung. Und dar Arbeitgeber wird auch zu Recht darauf verweisen dürfen, das diese Behinderung dann auch offiziell bestätiget sein müsste.



Zitat (von RrKOrtmann):
Doch:

Wie darf man sich das denn vorstellen? Der AG steht mit der Schrotflinte am Personaleingang?
Alles was er kann: er kann entsprechende arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen. Mehr nicht.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1115 Beiträge, 607x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Wie darf man sich das denn vorstellen?


So wie es freunf verstanden wissen wollte: "es ist der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften."

Sie wollte nicht bestätigt bekommen, dass der Arbeitgeber sie nicht mit körperlicher Gewalt oder Drohungen zum Tragen der vorgeschriebenen Kleidung nötigen kann ( das ist ihr unzweifelhaft klar ), sondern dass er - ihrer Meinung nach - überhaupt keine arbeitsrechtlichen Sanktionen verhängen dürfe, da ihrer Ansicht nach keine Bekleidungsvorgaben zulässig seien, wenn und weil sie "im Arbeitsvertrag nichts dazu unterschrieben" hätte. Freunf wollte eine Beurteilung ihrer Meinung, zumindest bis zum Ablauf ihrer Kündigungsfrist "sanktionslos" die Bekleidungsvorschriften unbeachtet lassen zu dürfen.

RK

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99906 Beiträge, 36985x hilfreich)

Zitat (von RrKOrtmann):
sondern dass er - ihrer Meinung nach - überhaupt keine arbeitsrechtlichen Sanktionen verhängen dürfe,

Da freunf ja fristlos kündigen will, welche arbeitsrechtlichen Sanktionen sollten denn da für freunf interessant / relevant sein, irgendeinen Druck ausüben können?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
guest-12321.03.2022 17:40:03
Status:
Lehrling
(1312 Beiträge, 174x hilfreich)

Der AG will eine neue verbindliche Arbeitskleidung per Anordnung durchsetzen. Sofern hierfür keine arbeitsvertragliche Grundlage existiert wird der dies kaum durchsetzen können. Für den AN stellt dies jedoch erst einmal keinen Grund für eine fristlose Kündigung dar, er kann (und sollte) die Anordnung einfach ignorieren und dies dem AG auch mitteilen. Damit wäre der AG im Handlungszwang, entweder er akzeptiert die Weigerung oder er greift zu arbeitsrechtlichen Maßnahmen. Maßnahmen gegen die nun der AN selbst arbeitsrechtlich vorgehen könnte.

Insofern stellt sich die Frage warum der AN nun selbst das Risiko einer ungerechtfertigten fristlosen Kündigung eingehen will.

PS: kein AG will wegen so einer Regelung Stress haben. Deshalb könnte man auch einfach auf den AG zugehen, ihm sagen das man die neue Kleiderordnung ablehnt und einen AHV vorschlagen.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(99906 Beiträge, 36985x hilfreich)

Zitat (von Alter Sack):
Sofern hierfür keine arbeitsvertragliche Grundlage existiert wird der dies kaum durchsetzen können.

Da es auch noch andere als die arbeitsvertraglichen Grundlagen gibt, sollte man die nicht unberücksichtigt lassen.



Zitat (von Alter Sack):
Insofern stellt sich die Frage warum der AN nun selbst das Risiko einer ungerechtfertigten fristlosen Kündigung eingehen will.

Ich denke
Zitat (von freunf):
Ich fühle mich absolut nicht wohl und finde es einfach nur schrecklich.

ist ein veritabler Grund.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Anami
Status:
Unsterblich
(23320 Beiträge, 4588x hilfreich)

Zitat (von Alter Sack):
Der AG will eine neue verbindliche Arbeitskleidung per Anordnung durchsetzen.
NÖ.
Zitat (von freunf):
Nun ein Jahr später wurde jetzt einheitliche Arbeitskleidung eingeführt.
Wie denn? Was denn? Wo stehts denn?
Zitat (von Alter Sack):
warum der AN nun selbst das Risiko einer ungerechtfertigten fristlosen Kündigung eingehen will.
Weil ein zukünftiger Modedesigner die vorgeschriebene Arbeitskleidung einfach nur schrecklich findet und keinesfalls auch nur 1 Tag länger als unbedingt nötig tragen will.
Ansonsten könnte man ordentlich mit Frist kündigen.

Ob fristlos hier mit 2 Wochen Frist berücksichtigt wurde?

Signatur:

ist nur meine Meinung.

1x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
guest-12321.03.2022 17:40:03
Status:
Lehrling
(1312 Beiträge, 174x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
ist ein veritabler Grund.


Nun, das Ungehagen des AN mag ein Grund für vieles sein, nicht jedoch auch immer ein ausreichender Grund für eine fristlose Eigenkündigung.

Daher mein Vorschlag, die neue Kleiderordnung einfach ignorieren.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1115 Beiträge, 607x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Da freunf ja fristlos kündigen will ...


Zunächst fragte sie nach Beurteilung ihrer Meinung, "mein Arbeitgeber kann mich ja nicht zwingen die Kleidung während der Kündigungsfrist zu tragen" - hierbei MUSST Du sie so verstehen, dass sie sich unzweifelhaft klar war, dass sie während der Kündigungsfrist nicht mit Gewalt, sondern höchstens - ihrer Meinung nach aber nichteinmal das - mit arbeitsrechtlichen Sanktionen zum Tragen der Dienstkleidung bewegt werden kann/darf.

Zitat (von freunf):
Kann ich auch fristlos kündigen?


Wenn ihr bestätigt würde, dass sie dazu berechtigt sei - dann würde es ihr gleichgültig gewesen sein, mit welchen Mitteln sie nach einer fristlosen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zu irgendetwas hätte "gezwungen" werden können - weder mit "Gewalt", noch mit "friedlichen Mitteln".

RK

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