Kann ich meinen Praktikumvertrag einfach per Mail kündigen?

24. Oktober 2023 Thema abonnieren
 Von 
stasiali
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)
Kann ich meinen Praktikumvertrag einfach per Mail kündigen?

Guten Abend liebe Community,

ich hätte eigentlich ein freiwilliges vierwöchiges Praktikum, allerdings kann ich aus gesundheitlichen Gründen nach schon einem Tag nicht mehr daran teilnehmen. Ich musste mich die restliche Woche krankschreiben und werde für die kommenden Wochen das Praktikum abbrechen.

Da ich mir nicht genau sicher bin, wie ich das machen soll, hätte ich einfach eine Google Docs bzw. eine PDF per Mail zu der Personalabteilung abgeschickt, die auch meinen Vertrag geregelt hat und damit wäre die Sache erledigt, oder? Oder soll ich es ihm per Telefon sagen und dann einfach nochmal per Mail?

Damit ich es richtig verstehe:
"Das Praktikantenverhältnis endet nach Ablauf der in Paragraph 1 vereinbarten Zeit, ohne dass es einer Kündigung bedarf.
Das Recht zur außerordentlichen Kündigung aus wichtigem Grund bleibt unberührt."

Der letzte Abseits bedeutet, dass wenn ich einen wichtigen Grund habe, ich fristlos kündigen darf, oder? Ich denke, gesundheitliche Gründe sind wichtig genug. Da mir die Gründe auch ehrlich gesagt sehr unangenehm sind, muss ich sie nicht zwingend erwähnen?

Und noch nebenbei: Ich habe noch den Zugangsschlüssel (und einen Kugelschreiber) vom Unternehmen, allerdings weiß ich nicht, wann ich den abgeben kann... ist es in Ordnung, wenn ein Familienmitglied die Sachen bringt?

Mfg und danke im Voraus

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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(643 Beiträge, 79x hilfreich)

Zitat (von stasiali):
Und noch nebenbei: Ich habe noch den Zugangsschlüssel (und einen Kugelschreiber) vom Unternehmen, allerdings weiß ich nicht, wann ich den abgeben kann... ist es in Ordnung, wenn ein Familienmitglied die Sachen bringt?


Warum ruft man nicht einmal mal bei Firma an und regelt das weitere Vorgehen.

PS: da gibt ein zeitloses Verfahren, wohl eine Weiterentwicklung von VoIP und nennt sich PIoV (personal intercommunication over Voice) und funktioniert eigentlich immer.

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#2
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17208 Beiträge, 6426x hilfreich)

Es gibt einen Vertrag. Nach diesem Vertrag bzw. nach der zitierten Passage gibt es keine Kündigung vor Vertragsende, außer aus wichtigem Grund. Bloß dass gesundheitliche Probleme i.d.R eben keinen wichtigen Grund darstellen, es sei denn, sie würden dich objektiv an der Erfüllung deines Vertrages hindern.
Dass es dir 'unangenehm' ist, reicht nicht.
In aller Regel müssen Kündigungen ansonsten auch in Schriftform erfolgen, also auf Papier und mit Original-Unterschrift. WhatsApp-Benachrichtigung, Email oder sonstige elektronische Kommunikation gilt allenfalls als Textform, die für Kündigungen nicht rechtswirksam sind.
Allerdings kann ich mir andererseits auch wieder nicht vorstellen, dass eine Firma auf Erfüllung eines Praktikantenvertrages besteht, wenn Praktikant partout nicht mag. Wenn ich @gerd richtig verstehe, spricht er von der guten alten 'face to face'-Kommunikation, oder vielleicht Mensch zu Mensch, ggf. mittels technischer Hilfsmittel wie Telefon.

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#3
 Von 
stasiali
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
In aller Regel müssen Kündigungen ansonsten auch in Schriftform erfolgen, also auf Papier und mit Original-Unterschrift. WhatsApp-Benachrichtigung, Email oder sonstige elektronische Kommunikation gilt allenfalls als Textform, die für Kündigungen nicht rechtswirksam sind.


Das habe ich gar nicht erwähnt, aber ich würde eine eingescannte Unterschrift dort einfügen. Ist es dann möglich?

Falls "gesundheitliche Probleme" tatsächlich nicht Grund genug sind, was ich mir nicht vorstellen kann, wenn ich so schon eine Woche nicht kommen kann, dann muss ich mich wohl oder übel die nächsten Wochen krankschreiben lassen...

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#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118480 Beiträge, 39579x hilfreich)

Zitat (von stasiali):
ich würde eine eingescannte Unterschrift dort einfügen. Ist es dann möglich?

Was konkret ist denn an
Zitat (von blaubär+):
auf Papier und mit Original-Unterschrift

unverständlich formuliert?



Zitat (von stasiali):
Falls "gesundheitliche Probleme" tatsächlich nicht Grund genug sind

Nö, so was pauschales ist nicht gerichtsfest.
Es müssen Gründe sein, welche die Erfüllung des Vertrages unzumutbar machen.



Zitat (von stasiali):
was ich mir nicht vorstellen kann

Irrelevant.



Zitat (von stasiali):
dann muss ich mich wohl oder übel die nächsten Wochen krankschreiben lassen...

Oder ein entsprechendes Attest beilegen ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#5
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17208 Beiträge, 6426x hilfreich)

Zitat (von stasiali):
ich würde eine eingescannte Unterschrift dort einfügen

Nein - eine eingescannte Unterschrift ist keine Original-Unterschrift.
Ich verstehe diese Verrenkungen nicht: was ist daran so schwierig, ein paar Zeilen zu schreiben, auszudrucken, Unterschrift drunter zu setzen und ab zur Post?

'Gesundheitliche Probleme' können ein Grund sein, dass AN von der Verpflichtung befreit wird, der Arbeit nachzukommen - das passiert in aller Regel durch 'Krankschreibung' durch einen Arzt, die AUB. Einen Grund zur fristlosen Kündigung geben diese Probs aber nicht her, die 'Fristlose' ist nicht von der Art 'kann man machen oder auch nicht'.

Wenn du schon ein freiwilliges Praktikum machst, was ja wohl ein Ausprobieren mit beinhaltet, solltest du von Anfang an auch besser lernen, wie AN es richtig macht im Berufsleben, statt solche schrägen Ideen zu verfolgen.

Um zu guter Letzt auch diese Frage zu beantworten: Eigentum des AG muss natürlich zurückgegeben werden, aber nicht zwingend persönlich.

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#6
 Von 
stasiali
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Was konkret ist denn an
Zitat (von blaubär+):
auf Papier und mit Original-Unterschrift

unverständlich formuliert?


??? Das war nur eine Frage, ob dies auch möglich ist. Da brauchst du deine Antworten nicht so unhöflich formulieren.

Aber danke für deine weiteren Antworten.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
stasiali
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Nein - eine eingescannte Unterschrift ist keine Original-Unterschrift.
Ich verstehe diese Verrenkungen nicht: was ist daran so schwierig, ein paar Zeilen zu schreiben, auszudrucken, Unterschrift drunter zu setzen und ab zur Post?


Meine Güte, es gibt keine Verrenkungen, das war nur eine Frage, ob es auch möglich ist! Ich werde die Kündigung per Hand schreiben, das weiß ich jetzt. Ich habe leider keine zwanzig Jahre Lebenserfahrung und im Internet spalten sich die Meinungen:

"Nach § 623 BGB muss eine Kündigung des Arbeitsvertrags immer in Schriftform erfolgen, die elektronische Form ist ausgeschlossen." - Stand November 2022, merkur.de

"Doch diese Zeiten sind vorbei, seit im Oktober 2016 die neuen Regeln des § 309 Nr. 13 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in Kraft traten. Hier wird die Möglichkeit einer Vertragskündigung geregelt: Seither können Verträge neben Brief auch per Fax oder per E-Mail, mit einem eingescannten PDF oder per SMS gekündigt werden." - ihk.muenchen.de

"Diese Rechtslage gilt für Verträge, die nach dem 30. September 2016 abgeschlossen wurden. Mehr als eine solche Kündigung in Textform ohne Unterschrift darf das Unternehmen von Ihnen nicht mehr verlangen." - Stand Oktober 2023, verbraucherzentrale.de

Verstehst du, was ich meine?

Aber danke für deine weiteren Antworten.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
cirius32832
Status:
Senior-Partner
(6866 Beiträge, 1451x hilfreich)

Zitat (von stasiali):
dann muss ich mich wohl oder übel die nächsten Wochen krankschreiben lassen...


Wieso denn das, wenn man nicht mehr krank ist?

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

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#9
 Von 
stasiali
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von cirius32832):
Wieso denn das, wenn man nicht mehr krank ist?


Ich verstehe deine Frage vollkommen. Es liegt an meiner psychischen Verfassung. Jedes Mal, wenn ich mit meiner Sozialphobie konfrontiert werde, wird mit speiübel und kriege Würgereize und Magenprobleme. So kann ich nicht weitermachen, weil ich so kaum in die Arbeit gehen kann, ohne alle fünf Minuten wegen diversen Gründen auf die Toilette zu rennen. Kopfschmerzen etc. kommen auch dazu. Es wurde im Praktikums so schlimm, sowas habe ich noch nie erlebt.

Der Arzt wollte davon allerdings nichts hören, als ich ihm erzählt habe, dass es in der Schule schon so schlimm war. Weshalb ich jetzt davon ausgehen muss, dass ich für die nächsten Wochen doch keine Krankschreibung bekomme. Kommen kann ich allerdings auch nicht und meine einzige Möglichkeit ist, das freiwillige Praktikum (ohne Bezahlung) zu kündigen.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16278 Beiträge, 9220x hilfreich)

Zitat (von stasiali):
"Nach § 623 BGB muss eine Kündigung des Arbeitsvertrags immer in Schriftform erfolgen, die elektronische Form ist ausgeschlossen." - Stand November 2022, merkur.de

Das ist immer noch richtig.
"Schriftform" bedeutet in Jura-Deutsch übrigens nicht "schriftlich", sondern "mit Original-Unterschrift".

Zitat (von stasiali):
"Doch diese Zeiten sind vorbei, seit im Oktober 2016 die neuen Regeln des § 309 Nr. 13 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in Kraft traten. Hier wird die Möglichkeit einer Vertragskündigung geregelt: Seither können Verträge neben Brief auch per Fax oder per E-Mail, mit einem eingescannten PDF oder per SMS gekündigt werden." - ihk.muenchen.de

Das gilt nur für Verbraucherverträge, das sind Handyverträge, Stromverträge, Fitnesstudio-Mitgliedschaften, Abos usw. - also alles, wo man Kunde ist. Das gilt nicht(!) für Arbeitsverträge.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
stasiali
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Das gilt nur für Verbraucherverträge, das sind Handyverträge, Stromverträge, Fitnesstudio-Mitgliedschaften, Abos usw. - also alles, wo man Kunde ist. Das gilt nicht(!) für Arbeitsverträge.


Danke für deine Antwort! Sonst hätte ich vielleicht einen großen Fehler gemacht. Aber ich habe meine Kündigung schriftlich geschrieben.

0x Hilfreiche Antwort

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