Krank am Wochenende - werde nicht bezahlt

26. August 2021 Thema abonnieren
 Von 
svarir
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Krank am Wochenende - werde nicht bezahlt

Hallo zusammen.

Ich bin gelernter Krankenpfleger und arbeite seit 9 Monaten bei einer Zeitarbeitsfirma in Teilzeit. Ich arbeite 110 Stunden im Monat, mit unregelmäßigen Diensten und im Schichtdienst in unterschiedlichen Einrichtungen. Den Dienstplan erhalte ich von der Zeitarbeitsfirma.

Die Dienstzeiten sind von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Manchmal arbeite ich eine komplette Woche für 6 Stunden am Tag, mal arbeite ich 3 Tage für 8 Stunden und habe die restliche woche frei.

Im Juli war ich das erste mal krank. Meine geplanten Dienste waren Fr, Sa, So Nachtdienst mit jeweils 10 Stunden Arbeitszeit. Am Freitag morgen habe ich mich korrekt krank gemeldet, AU hat der Arbeitgeber Samstag erhalten.

In der Lohnabrechnung stellte ich erstaunt fest, dass meine Krankheitstage nur mit ingesammt 5,3 Stunden berechnet wurden, anstatt mit 30. Nicht nur das, mir wurden von meinen Überstunden 24,7 Stunden abgezogen.

Auf Nachfrage, was das ganze soll, antwortete man mir, dass mir pro Tag nicht die 10 Stunden angerechnet werden, sondern nur die durchschnittliche Arbeitszeit pro Tag berechnet wird und Samstag sowie Sonntag gar nicht, weil sie eine 5 Tage woche haben. Und das ich 24,7 Stunden von meinen Überstunden abgezogen bekomme, sei auch richtig, da ich sonst nicht auf meine Stunden kommen würde...

Das das ganze rechtlich nicht passt, ist mir klar, aber was kann ich jetzt dagegen machen? Über eine Antwort würde ich mich freuen :)


PS: Noch eine Frage zu einem anderen Thema: Ich habe einen Stundenlohn von 15.83€ Tariflohn und einen übertariflichen Zuschlag von 6.17€, sodass ich auf 22€ die Stunde komme. Ist es eigentlich korrekt, dass der AG Nacht- und Sonntagszuschläge nur von den 15.83€ ausrechnet oder sollte er die Zuschläge von den gesammten 22€ berechnen?

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18 Antworten
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#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17262 Beiträge, 6439x hilfreich)

Soviel möchte ich schon feststellen: Du bist so zu stellen und zu bezahlen, wie wenn du gearbeitet hättest - also für die Stunden, für die der Dienstplan deine Einsätze vorsah. Mit Durchschnittswerten muss du dich nicht abspeisen lassen. Und das WE herauszunehmen ist ein Witz, wenn und da du fürs WE eingeteilt warst.
Was du machen kannst? Eine korrekte Abrechnung deines Gehalts einfordern, ansonsten einklagen.
Ob dir Nacht- bzw. Sonntagszuschläge zustehen, vermag ich im Augenblick nicht zusagen; m.W. werden solche Zuschläge als Nachteilsausgleich nur gezahlt, wenn man dann auch nachts bzw. am Sonntag arbeitet.

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#2
 Von 
svarir
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank für die Antwort.

Der AG argumentiert damit, dass in dem Tarif-Vertrag (BAP) ausdrücklich steht, dass die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten 3 Monate zugrundegelegt wird. Das ergibt ja Sinn, wenn ich von Mo-Fr arbeiten würde und jeden Tag gleichviele Stunden arbeiten würde. Bei mir ist die Stundenanzahl an jedem Tag unterschiedlich, die wöchentliche Arbeits ebenso. Die einzige Konstante sind die 110 Stunden im Monat.
Auf was soll ich mich berufen? Gibt es irgendwas Handfestes im Gesetz?


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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118740 Beiträge, 39624x hilfreich)

Zitat (von svarir):
Der AG argumentiert damit, dass in dem Tarif-Vertrag (BAP) ausdrücklich steht, dass die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten 3 Monate zugrundegelegt wird.

Und?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#4
 Von 
svarir
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Und?


Das ist die Begründung dafür, dass sie mir bei einem Krankheitsfall nur 5,3 Stunden pro Krankheitstag gutschreiben, weil ich ja rein theoretisch jeden Tag 5,x Stunden pro Tag von Mo-Fr arbeite. Das ist halt deren Erklärung, auch wenn sie in meinem Fall keinen Sinn ergibt, denn faktisch arbeite ich in manchen Monaten 12 Tage in der Nacht und habe den Rest des Monats frei.

Aber das ist die Erklärung des AG und in dem Tarifvertrag steht es auch so geschrieben. Die Frage für mich ist halt, ob das bei mir überhaupt so anwendbar ist, da ich nunmal nicht jeden Tag von Montag bis Freitag arbeite.

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#5
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32736 Beiträge, 17222x hilfreich)

Und? Und dann kann es sein, dass der TV das Gesetz bezüglich der Höhe des Entgeltes aushebelt (§ 4(4) EntgFG).

-- Editiert von muemmel am 26.08.2021 19:04

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

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#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118740 Beiträge, 39624x hilfreich)

Zitat (von muemmel):
Und dann kann es sein, dass der TV das Gesetz bezüglich der Höhe des Entgeltes ausshebelt (§ 4(4) EntgFG).

Ist mit bekannt.
Ich wollte wissen, ob da tatsächlich so drin steht, das wäre doch ungewöhnlich.



Zitat (von svarir):
und in dem Tarifvertrag steht es auch so geschrieben.

Dann hat man tatsächlich Pech gehabt.



Zitat (von svarir):
Die Frage für mich ist halt, ob das bei mir überhaupt so anwendbar ist, da ich nunmal nicht jeden Tag von Montag bis Freitag arbeite.

Ja, das gilt dann auch für Dich.
Es wird gemäß vertraglicher Vereinbarung halt nur die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten 3 Monate zugrunde gelegt, Ausnahmen für unregelmäßig Arbeitende gibt es nicht.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#7
 Von 
svarir
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich versuche das mal an einem nicht ganz so fiktiven Beispiel zu erklären. Fiktiv wäre nur die Krankmeldung, den gearbeitet habe ich so schon.

Ich arbeite in den letzten 11 Tagen des Monats in der Nacht a 10 Stunden, alle Tage davor sind frei. Somit würde ich auf meine vertraglichen 110 Stunden im Monat kommen.
Unter diesen 11 Tagen ist ein Wochenende. Wenn ich jetzt die kompletten 11 Tage krank wäre, würde der AG diese Rechnung aufstellen: 9 Tage würde ich 5.4 Tage angerechnet bekommen, für Samstag und Sonntag gar nichts, durch das Argument, dass sie ja nur eine 5 Tage Woche hätten.

Auf dem Gehaltszettel habe ich dementsprechend nur 48,6 Stunden gearbeitet und hätte 61,4 Minusstunden. Diese Minusstunden würden ausgeglichen werden durch meine Überstunden, sofern ich soviele habe. Das heißt, dass ich 61,4 Stunden nicht bezahlt bekomme.

Das Problem ist, das der Tarif-Vertrag genau diese Rechnung vorsieht. Die durchschnittliche Arbeitszeit soll genommen werden. Da ich aber nicht jeden Tag von Mo-Fr arbeite, ist diese Regelung für mich untragbar.

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#8
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118740 Beiträge, 39624x hilfreich)

Zitat (von svarir):
a ich aber nicht jeden Tag von Mo-Fr arbeite, ist diese Regelung für mich untragbar.

Dann gibt es 2 Möglichkeiten
1. andere Regelung vereinbaren
2. kündigen


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#9
 Von 
svarir
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Kündigen werde ich sowieso, das ist ja klar.

Dennoch habe ich ja über 24 Stunden nicht bezahlt bekommen und darum geht es mir ja.

Ich war krank und habe dadurch 24 Arbeitsstunden nicht bezahlt bekommen, bzw wurden mit Überstunden verrechnet.
Ich kann mir dennoch nicht vorstellen, dass das so seine Richtigkeit hat. Hätte ich keine Überstunden gehabt, hätte ich für 24 Stunden weniger Geld aufs Konto bekommen...

-- Editiert von svarir am 26.08.2021 19:52

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#10
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17262 Beiträge, 6439x hilfreich)

... ich kann es mir auch nicht vorstellen - im Endeffekt bedeutet diese Praxis doch, dass es Entgeltfortzahlung für dich nicht gibt, wenn deine Kranktage aus den Plusstunden 'bezahlt' werden.
Das sollte sich jemand genauer anschauen, mit den TV-Klauseln und allem pipapo.

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#11
 Von 
AN-Interessen123
Status:
Frischling
(30 Beiträge, 17x hilfreich)

Für 24h unbezahlte Arbeit lohnt der Gang vor das Arbeitsgericht nicht in jedem Fall.

Vor dem Arbeitsgericht trägt in der 1. Instanz jede Partei die Kosten selbst – egal wer gewinnt.

Das rechnet sich bei relativ kleinen Beträgen also nur, wenn man
a) Rechtsschutz versichert ist o d e r
b) die Klage selbst aufsetzten kann o d e r
c) eine AG-Kündigung provozieren möchte.

Insbesondere c) kann sinnvoll sein und erheblich mehr bringen als 24h x 22 EUR, wenn man die Nerven dafür hat.

Signatur:

Frei nach Paul Anton Andreotti

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#12
 Von 
-Laie-
Status:
Weiser
(16827 Beiträge, 5865x hilfreich)

Wenn das tatsächlich so im TV stehen sollte, dann hast du wirklich Pech gehabt. Zumindest in dem Teil mit der angerechneten Arbeitszeit. Dass dir Überstunden abgezogen werden können um auf deine Soll-Zeit zu kommen ist sicherlich Unsinnn. Oder sind das evtl. gar keine Überstunden sondern einfach nur Zeitguthaben auf deinem normalen Arbeitszeitkonto? Wenn es einfach nur solch einZeitguthaben ist, dann ist die Vorgehensweise korrekt. an einem Tag arbeitest du mehr, an dem anderen weniger. Da wird dir dann auch nichts abgezogen sondern einfach nur verrechnet.

Beispiel: Es wird vereinbart, dass du täglich 5 Stunden arbeiten musst.
Du startest dann jeden Tag mit einem SOLL von 5 Stunden. Am Ende deiner Schicht hast du deine Zeitschuld ausgeglichen wenn du 5h gearbeitet hast. Dein Zeitkonto wäre am Tagesbeginn bei -5 und am Ende des Tages bei 0.
Jetzt arbeitest du aber jeden Tag 10h. Bei einer 5-Tage Woche hättest du am Ende der Woche ein Guthaben von 10h. In der nächsten Woche arbeitest du aber immer nur 3h. Am Ende der 2. Woche ist dein Zeitkonto wieder bei 0 und alles ist gut.
Was aber, wenn du in der 2. Woche krank wärst und du im Schnitt der letzten 3 Monate täglich nur 4h gearbeitet hättest?
Dann würden dir, laut geltendem Tarifvertrag auch nur 40h in der Krankwoche angerechnet werden. Dein Vertrag würde aber auf 25h lauten, also hättest du am Ende der Woche auch nur noch 5h Zeitguthaben. Dir wäre nichts abgezogen worden sondern dein Zeitguthaben wäre einfach nur geschrumpft.

Diese Konstellation ist möglich. Ob das aber bei dir tatsächlich der Fall ist, das kann man anhand deiner Schilderung nicht wirklich beurteilen. Deine Schilderung deutet aber darauf hin, dass es so ist. Dir sollte klar sein, dass bei einem Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht jeder der Beteiligten seine Kosten selbst trägt. Ein Anwalt würde zu deinen Lasten gehen. Hast du eine RV die das abdecken würde? Auf der anderen Seite benötigt man dafür aber keinen Anwalt und zunächst würden für dich auch keine Kosten entstehen wenn du zum Arbeitsgericht gehen und vom Rechtspfleger eine Klage formulieren lassen würdest.
Bevor du das machst solltest du dir aber relativ sicher sein, dass es tatsächlich einen Verstoß auf Seiten des Arbeitgebers gegeben hat.

Signatur:

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#13
 Von 
Intiron
Status:
Beginner
(89 Beiträge, 33x hilfreich)

Das ist ein beliebter Denkfehler bei Zeitarbeit.
Du bist beim ZA-Unternehmen angestellt, nicht beim Entleihbetrieb.

Du bekommst dein Gehalt auf Basis der mit dem ZA-Unternehmen vereinbarten Stunden. Was der Entleiher mit dir macht, ist dahingehend uninteressant.

Beispiel: ZA bezahlte mich auf Basis von 35 Wochenstunden, der Entleihbetrieb hatte eine 40-Stunden-Woche. So baute ich jede Woche 5 Überstunden auf. Ein nettes Zubrot am Jahresende - oder eben Extraurlaub. So ist es auch bei dir.

Das Überstundenkonto ist genau dafür da, um solche Unterschiede bei der Arbeitszeit auszugleichen. Steht auch so in deinem AV. Eben damit du kein schwankendes Einkommen hast. Nochmal: dein Arbeitgeber ist das ZA-Unternehmen, nicht der Entleihbetrieb. Dieser hat mit dir keinerlei Vertrag geschlossen!

Gefällt dir das nicht (was nachvollziehbar ist), lass dich nicht von einem ZA-Unternehmen anstellen. Man sollte sich aber im Allgemeinen schon vorher informieren, wenn man einen Vertrag bei ZA unterschreibt…

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#14
 Von 
dummfragerin
Status:
Praktikant
(757 Beiträge, 335x hilfreich)

Sieh es mal umgekehrt: Am Anfang vom Monat arbeitest du 11x10h. Damit hast du dein Soll erfüllt und musst den restlichen Monat nicht mehr arbeiten. Dann wirst du 2 Wochen krank. Du bekommst also in dem Fall 53 Stunden zusätzlich auf dein Zeitkonto!

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#15
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von §13.3 MTV BAP):

Für die Berechnung der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und des Urlaubsentgelts sind für jeden nach den gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen zu vergütenden Krankheits- bzw. Urlaubstag für die Höhe des fortzuzahlenden Entgelts der durchschnittliche Arbeitsverdienst und die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten drei abgerechneten Monate (Referenzzeitraum) vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit bzw. des Urlaubsantritts zugrunde zu legen.

Hierfür gilt:
a) Es ist der durchschnittliche Arbeitsverdienst des Referenzzeitraums auf Grundlage der individuellen regelmäßigen Arbeitszeit zu bilden. Zum Arbeitsverdienst zählen die Entgeltbestandteile gemäß § 13.2 (ohne Mehrarbeitszuschläge) sowie sonstige Zulagen und Zuschläge gemäß den Bestimmungen des Bundesurlaubsgesetzes.

b) Zusätzlich finden die durchschnittlich im Referenzzeitraum erarbeiteten Zulagen und Zuschläge (ohne Mehrarbeitszuschläge) auf Grundlage der durchschnittlichen tatsächlichen Arbeitszeit Berücksichtigung, die über die individuelle regelmäßige Arbeitszeit hinausgeht.

c) Für die im Arbeitszeitkonto zu berücksichtigenden Stunden ist die im Referenzzeitraum durchschnittlich ermittelte Arbeitszeit gemäß Buchstabe b) maßgeblich.

Liegen im Referenzzeitraum Verdienstkürzungen aufgrund von Kurzarbeit, Krankheitstagen, für die wegen Überschreitung der 6-Wochen-Frist kein Entgeltfortzahlungsanspruch besteht, unverschuldeten Arbeitsversäumnissen oder Zeiten, in denen das Arbeitsverhältnis ruht, bleiben diese für die Berechnung außer Betracht.

Bestehende, für den Arbeitnehmer günstigere, betriebliche Vereinbarungen bleiben unberührt.

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118740 Beiträge, 39624x hilfreich)

@bostonxl
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#17
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1511 Beiträge, 667x hilfreich)

Zitat (von svarir):
Ich arbeite bei einer Zeitarbeitsfirma in Teilzeit ... 110 Stunden im Monat


§ 2 MTV-BAP
"Die individuelle regelmäßige monatliche Arbeitszeit beträgt 151,67 Stunden;"

§ 3
"Teilzeitarbeit liegt vor, wenn die vereinbarte individuelle regelmäßige monatliche Arbeitszeit des Mitarbeiters geringer ist als 151,67 Stunden."

§ 4.1
"Die tatsächliche Lage der Arbeitszeit wird an die des Kundenbetrie-bes angepasst. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließ-lich der Pausen und die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage richten sich nach den im jeweiligen Kundenbetrieb gültigen Regelungen bzw. Anforderungen des Kundenbetriebes."

§ 4.2
"Zum Ausgleich der monatlichen Abweichungen zwischen der nach § 2 / § 3 vereinbarten individuellen regelmäßigen Arbeitszeit des Mitarbeiters und der tatsächlichen Arbeitszeit nach § 4.1 wird ein Arbeitszeitkonto eingerichtet. In das Arbeitszeitkonto können Plus- und Minusstunden eingestellt werden."

§ 13.3 - Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
a) die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten drei abgerechneten Monate (Referenzzeitraum) vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit (...)
"b) Zusätzlich finden die durchschnittlich im Referenzzeitraum erarbeiteten Zulagen und Zuschläge (ohne Mehrarbeitszuschläge) auf Grundlage der durchschnittlichen tatsächlichen Arbeitszeit Berücksichtigung, die über die individuelle regelmäßige Arbeits- zeit hinausgeht.

c) Für die im Arbeitszeitkonto zu berücksichtigenden Stunden ist die im Referenzzeitraum durchschnittlich ermittelte Arbeitszeit gemäß Buchstabe b) maßgeblich."

--> Bei Arbeitsunfähigkeit werden zunächst die drei vorangegangenen abgerechneten Monate betrachtet, und die durchschnittliche Arbeitszeit errechnet. Im Arbeitszeitkonto wird für jeden Krankheitstag dieser Stundendurchschnitt gutgeschrieben ( sofern für diesen Tag noch keine konkrete Arbeitszeit angeordnet gewesen war ).

Zitat (von svarir):
Der AG argumentiert damit, dass in dem Tarif-Vertrag (BAP) ausdrücklich steht, dass die durchschnittliche Arbeitszeit der letzten 3 Monate zugrundegelegt wird.


Soso ... so ein Blödsinn:

Das gilt offenkundig für den Fall, dass der Entleiher die Arbeitszeit noch nicht festgelegt hatte, wenn also "nur" feststand, das der entliehene Arbeitgeber X am Freitag ( und Samstag und Sonntag ) zum Dienst anzutreten hatte.

Hier hat der Entleiher aber FESTGELEGT, dass am Fr., Sa. und So. 10 Stunden lang von ... bis ... zu arbeiten sein soll. Also sind dem Arbeitszeitkonto diese Stunden gutzuschreiben.

Zitat (von svarir):
antwortete man mir, dass mir pro Tag nicht die 10 Stunden angerechnet werden, sondern nur die durchschnittliche Arbeitszeit pro Tag berechnet wird


Die Gutschrift der tatsächlichen Durchschnitts-Stundenzahl auf dem Arbeitszeitkonto rechtfertigt sich nur für diejenigen Zeiten, zu denen der Arbeitnehmer noch keine Anordnung zum Beginn und Ende seiner Arbeitszeit bekommen hatte.

Zitat:
Samstag sowie Sonntag gar nicht, weil sie eine 5 Tage Woche haben.


Heiliger Schwachsinn.

Mit der Vereinbarung einer "5-Tage-Woche" zwischen Verleiher und Arbeitnehmer ist sicherlich nicht gemeint, dass der Arbeitnehmer von Entleihunternehmen nur von Montag bis Freitag eingesetzt werden könnte.

§ 4.1 MTV-BAP
"Die tatsächliche Lage der Arbeitszeit wird an die des Kundenbetrie- bes angepasst. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen und die Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage richten sich nach den im jeweiligen Kundenbetrieb gültigen Regelungen bzw. Anforderungen des Kundenbetriebes."

Die Arbeitszeit des Leiharbeitnehmers ist also nicht auf "Mo.-Fr." verteilt. Mit "5-Tage-Woche" ist gemeint, dass die wöchentliche Arbeitszeit im Durchschnitt auf 5 Tage zu verteilen sein soll.

Zitat (von svarir):
Und das ich 24,7 Stunden von meinen Überstunden abgezogen bekomme, sei auch richtig


Unsinn.

Der zeitbetrügerische Verleiher schreibt dem Arbeitszeitkonto für die für Samstag und Sonntag fest angeordnete, aber wegen Arbeitsunfähigkeit nicht geleistete Arbeit überhaupt keine Arbeitszeit gut! Nichteinmal die falsch verstandene "Durchschnittsarbeitszeit der zurückliegenden 3 Monate", und erst recht die konkret angeordnete tatsächliche Arbeitszeit von 10 Stunden. Auf keinen Fall kann eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit zu "Minusstunden" bzw. zur Minderung eines Arbeitszeitguthabens führen, also zu einer Verpflichtung, die durch Krankheit "ausgefallene" Arbeitszeit nachholen zu müssen ( bzw. ein erarbeitetes, grundsätzlich in Freizeit auszugleichendes Arbeitszeitguthaben beschnitten zu bekommen. )

Ausserdem fehlt in den Tarif-Bestimmungen eine Vereinbarung, wonach Minusstunden mit einem Zeitguthaben auf dem Arbeitszeitkonto verrechnet werden dürfen! Dies ist aber laut Bundesarbeitsgericht Voraussetzung für eine Saldierung von Plus- und Minusstunden.

Die korrekte Abrechnung lautet:

Im Monat X vereinbart: 110 Stunden
Tatsächlich geplant: 146
Aufgrund Erkrankung arbeitsunfähig: 3 * geplante 10 Stunden
Aufgrund kurzfristiger Anordnung überplanmäßig tatsächlich geleistet: 191
Dem Arbeitszeitkonto gutzuschreibende Stunden: 30 + 101 = 131 Stunden
Plusstunden: 21 = 131-110

RK

0x Hilfreiche Antwort

#18
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1511 Beiträge, 667x hilfreich)

Zitat (von dummfragerin):
Du bekommst also in dem Fall 53 Stunden zusätzlich auf dein Zeitkonto!


Nein - für Tage, an denen planmäßig keine Arbeit angeordnet worden ist, wird dem Arbeitszeitkonto keine Arbeitszeit gutgeschrieben. Auch nicht, wenn man sich an diesen Tagen arbeitsunfähig meldet.

RK

0x Hilfreiche Antwort

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