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Krank durch Mobbing - Schmerzensgeld?

18.11.2007 Thema abonnieren Zum Thema: Anwalt Mobbing
 Von 
Grafiker
Status:
Beginner
(78 Beiträge, 44x hilfreich)
Krank durch Mobbing - Schmerzensgeld?

Ich wurde über eine Zeitraum von ca 8 Monaten durch meinen direkten Vorgesetzten schwer gemobbt. Die Geschäftsführer haben trotz schriftlicher Beschwerde von mir nichts unternomen. Im Gegenteil: mir wurde gesagt, dass sie sich nicht um solche "Kindergartenthemen" kümmern könnten."

Die Anfänge des Mobbings gingen von Kommunikationsverweigerung, über subtile Unterminierung meiner Qualifikation bis hin zu schweren Beleidigungen ("*********", "Looser", "Versager" gestreckter Mittelfinger) bis hin zur Sabotage meiner Arbeit, Androhung körperlicher Gewalt ("Willst Du'n paar auf's Maul? Kanst Du gerne haben!").

Den Höhepunkt markierte die Manipulation meiner Forecast-Zahlen durch meinen Vorgesetzten gegenüber den GFs. In meiner Abwesenheit wurde schlechte Leistungen prognostiziert.

Aufgrund dieser Prognosen wurde ich am darauffolgen Arbeitstag gekündigt.
Als ich einen Rechtsanwalt aufsuchte, ihm meine tatsächlichen Umsatzzahlen präsentierte (es fgehlten 93.000EUR Umsatzvoarsuaplanung!) und wir ein Gespräch mit einem der GFs anstrebten, folgte tags drauf die fristlose Kündigung wegen "Verrat von Betriebsinterna".

Ich habe Kü-Schutzklage eingereicht, eine aussergerichtliche Einigung wurde vom AG ausgeschlagen.

Ich möchte nun die Kü-Schutzklage um eine Schmerzensgeldforderung erweitern.

Ich habe ein Mobbingtagebuch geschrieben und kann damit die Vorwürfe zeitlich exakt datieren.

Ich bin zwei Monate vor Rausschmiss zu einem Psychater Dieser attestiert mir eine schwere reaktive Depression, die mit Psychopharmaka behandelt werden. Die Arbeitsumstände werden in einem Attest als ursächlich genannt.

Ich habe ein weiteres Attest, dass mir am Tag der ersten Kündgung einen schweren Erschöpfungszustand aufgrund der Arbeitssituation belegt.

Ich habe ein zusätzliches Attest, dass mir ein vor wenigen Wochen ausgebrochenes mittelschweres Asthma (nur noch 50% Lungenleistung, Behandlung mit Cortison) als Folge negativer Umwelteinflüsse wie Stress, Ärger und Mobbing am Arbeitsplatz attestiert.

Zum Zeitpunkt meiner ersten Kündigung war meine Frau schwanger. Aufgrund der existenziel bdrohlichen Notlage, die mit dem Ausspruch der zweiten fristlosen Kündigung (Sperrfrist 3 Monate am Arbeitsamt) entstand, haben wir uns zu einem Schwangerschaftsabbruch in letztmöglichen Zeitpunkt entschieden.

Meine Frage:
Was kann ich gegen meinen AG als dieser Situation angemessenen Schmerzensgeldforderung geltend machen?

Hintergrund: ich verdiente 40.000 p.a. und war ein knappes Jahr angestelt. Meine Frau hat ihren Job wegen meinem Arbeitsplatz aufgegeben und war mir nach Ablauf der Probezeit nachgezogen und hat nu einen wsentlich schlechter bezahlten Job vorrübergehend bei einer Zeitarbeitsfirma.

Danke für die Informationen.

PS: Ein erneuter Gerichtstermin ist vom Arbeitsgerciht Augsburg auf den 27.11.2007 gelegt. Brauche bis dahin eine ungefähre Vorstelung über eine Schmerzensgeldforderung. Danke.

Hilfesuchende Grüße,
Der Grafiker

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Anwalt Mobbing


14 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
venotis
Status:
Unparteiischer
(9555 Beiträge, 2209x hilfreich)

quote:
Was kann ich gegen meinen AG als dieser Situation angemessenen Schmerzensgeldforderung geltend machen?

Hallo, das wird dir hier keiner sagen können. Feststellen tut das dann das Gericht.

MfG

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#2
 Von 
sika0304
Status:
Schlichter
(7946 Beiträge, 2666x hilfreich)

Ich denke, zwei Punkte werden auch keine Rolle spielen - eure Entscheidung, die Familienplanung "jetzt" auf Eis zu legen und die berufliche Schlechterstellung deiner Frau, die aus Familiengründen nachgezogen ist.
Das Wort "Abtreibung" würde ich in diesem Zusammenhang nicht benutzen, da würde nur zusätzliches Salz in die Wunde gestreut werden (von der Gegenseite, Richter?).

Da Mobbing ja noch ein recht neues Thema ist, wird es hierzu auch erst sehr wenige Aussagen/Urteile geben.
Dazu kommt, das die Kündigung und die Schmerzensgeldforderung ja zwei verschiedene Klagethemen sind. Ich vermute mal, das für das zweite auch ein anderes Gericht zuständig ist?

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#3
 Von 
Rikie
Status:
Beginner
(82 Beiträge, 11x hilfreich)

Hi,
das ist schlimm und ich kann dich gut verstehen , weil ich selbst schon sehr lange betroffen bin. schon ca 15 Monate läuft mein Verfahren vo dem Arbeitsgericht, wo ich erste Instanz gwonnen hatte, aber AG ist in Berufung gegangen mit immer neuen haltlosen Vorwürfen.
Am Anfang war ich 3 Monate krank geschrieben, wegen psyche...na und so weiter. die gesundheitlichen Probleme halten bis heute an.
Es wird schwer wegen Schmerzensgeld, das hab ich verschoben bis nach dem Ende dees Arbeitsgerichtsverfahrens. immer eins nach dem anderen. Nimm einen Anwalt und les dich mal hier durch, sehr interessant und h einiges kann man gut verwenden , bis zu schon ergangenen Urteilen.

www.fairness-stiftung.de :)

Es grüßt dich die Rikie

PS: Das Problem nennt man auch BOSSING




-- Editiert von Rikie am 18.11.2007 20:31:16

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#5
 Von 
Grafiker
Status:
Beginner
(78 Beiträge, 44x hilfreich)

Vielen Dank für die Tips, Ratschläge und Informationen!

@Tao:
Das kann zwar sein - aber ich möchte mit einem realistische Vorschlag einer Schmerzensgeldforderung in die Verhandlung gehen.

@Sika0304:
Die Familienplanung wurde durch die ungerechtfertigte - das hat der Richter schon zum ersten Gütetermin festgestellt - zweite fristlose Kündigung unmöglich. Neben der nicht erfolgten betrieblichen Sozialauswahl seitens des Arbeitgeber, was ein grober Verstoß gegen geltendes Arbeitsrecht darstellt, ist hier durch die Folgen ein immaterieller Schaden entstanden: meine Frau und ich haben den Wunsch nach Kindern.
BTW: Alle erhobenen Klagen werden vor dem gleichen Ammtsgericht behandelt. Inwieweit ist diese Information wichtig?

@ Rikie:
Das ist mir bekannt. Auch der Begriff des "Bulleying". Ich habe auch schon einen Anwalt aus einer großen Sozietät. Er ist - wie mein AG - auch Stadtrat. Nur eben in der Oppositionspartei. Und man sagt, es wäre der beste Anwalt für Abeitsrecht vor Ort. Danke aber für Deinen Zuspruch und den Link.

@ Sich-Ing J.Hensel:
Vielen Dank für die informelle und ausführliche Antwort.
Ich habe einen Fachanwalt für Arbeitsrecht beauftragt. Die Inhalte der aufgeführten Links habe ich mir durchgelesen und werde mir heute Nachmittag zusammen mit ihm Gedanken über die Höhe des immateriellen Schadens machen. Ich dachte, es gäbe eine Referenz-Tabelle, oder ähnliches.

Vielen Dank allen, die geantwortet haben.

beste Grüße,
Der Grafiker

-- Editiert von Grafiker am 20.11.2007 13:15:50

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#6
 Von 
sika0304
Status:
Schlichter
(7946 Beiträge, 2666x hilfreich)

Es wäre aber für uns sicher interessant, zu hören, was man a) fordern könnte und b) was man tatsächlich bekommt, also später mal melden.

Konnte deinem Anfangspost nicht entnehmen, dass du bereits zu diesem Thema Aussagen des Richters hast. Aber: ist die Kündigung ungerechtfertigt oder stellte der wirklich fest, dass dadurch die Familienplanung unmöglich wurde?

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#7
 Von 
venotis
Status:
Unparteiischer
(9555 Beiträge, 2209x hilfreich)

quote:
Ich dachte, es gäbe eine Referenz-Tabelle, oder ähnliches.

Nö, eben sowas gibt es nicht. Schmerzensgeldforderungen sind ja immer wieder unterschiedlich und individuell. Und für immaterielle Schäden wirds ja noch schwieriger. Wie soll man denn - deiner Meinung nach - die Höhe des Schmerzes 'berechnen', wenn man sich entschließt einen Schwangerschaftsabbruch machen zu lassen?

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#8
 Von 
Grafiker
Status:
Beginner
(78 Beiträge, 44x hilfreich)

Hallo Sika,

danke des Interesses und Deiner Nachfrage.

Der Richter hat zum ersten Gütetermin festgestelt, dass alle ausgesprochenen Kündigungen seitens meines AG rechtsunwirksam sind.

Die Familienplanung war durch die in Folge der fristlosen Kündigung ausgesprochenen existenziell bedrohliche Notlage vollkommen unmöglich. Dies zu beweisen, strebe ich mit meinem Anwalt an:
in meinen Augen ist ein nichht unerheblicher imaterieller Schaden dadurch enstanden, dass eine existenziellen Grundlage widerrechtlich entzogen wurde.

Begründung: zum Zeitpunkt der Kündigung war meine Frau schwanger. Eine Sozialauswahl zum Zeitpunkt der Kündigung wurde nicht getroffen. Dies ist ein Verstoß gegen geltendes Arbeitsrecht.

Ein Urteil darüber wird letztendlich das Gericht finden, so daß eine Diskussion hierüber müßig ist. Ich möchte lediglich einen Tip zur Höhe des entstandenen immateriellen Schadens. Evtl gibt es ja Präzedensfälle oder Schadenstabellen.

@ Tao: genau das ist der Knackpunkt...

Abschließend nochmal meine Frage:
inwieweit ist es von Relevanz, an welchem Gericht die Klage zur Schmerzensgeldforderung eingereicht wird? Alle Klagen sind fristgerecht am Amtsgericht Augsburg eingereicht. Mein Anwalt kümmmert sich drum.

Danke nochmal allen, die mit Tips und Ratschlägen weiterhelfen. Ich werde nach dem Gerichtstermin am 27.11. Feedback zmm Ausgang des Verfahrens geben.

freundliche Grüße,
Der Grafiker

-- Editiert von Grafiker am 20.11.2007 13:36:09

-- Editiert von Grafiker am 20.11.2007 13:37:21

-- Editiert von Grafiker am 20.11.2007 13:40:07

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#9
 Von 
Grafiker
Status:
Beginner
(78 Beiträge, 44x hilfreich)

Übrigens - Hier gibt es übrigens noch mehr Details zum Verfahren:

http://www.123recht.net/Habe-inzwischen-4-verschiedene-K%FCndigungen-zur-Auswahl!__f94239.html

Hat niemand eine Idee über die Höhe einer realistischen Schmerzensgeldforderung?

Gruß,
Der Grafiker

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#10
 Von 
Rikie
Status:
Beginner
(82 Beiträge, 11x hilfreich)

hallo Grafiker
hier sind einige Beispielurteile, vielleicht findest du was passendes..

http://www.andreas.buschmann.net/

gruß Rikie

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#11
 Von 
Grafiker
Status:
Beginner
(78 Beiträge, 44x hilfreich)
3x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#12
 Von 
Grafiker
Status:
Beginner
(78 Beiträge, 44x hilfreich)

Ich habe mal den mittleren Punkt gegen einen Bindestrich ausgetauscht:

http://www.andreas-buschmann.net/

Dort finden sich Beispielurteile in Bezug auf Schmerzensgeld.

@ Rikie: Danke. Hat ja doch noch geklappt und ich lese mir die Urteile mal durch.

Gruß,
Der Grafiker

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#13
 Von 
Grafiker
Status:
Beginner
(78 Beiträge, 44x hilfreich)

Eine abschließende Frage:
sind 15.000 EUR Schmerzensgeldforderung in meinem Fall angemessen?

Danke für Tips...

Gruß,
Der Grafiker

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#14
 Von 
Rikie
Status:
Beginner
(82 Beiträge, 11x hilfreich)

guten Abend Grafiker
ich bins noch mal, die Rikie

ich finde du solltest mehr fordern.
Du hast soviel mitgemacht und dann hast du auch noch Beweise und Gutachten.

"Fordere das Unmögliche, damit du das Mögliche erhältst"

also ran an Speck, die anderen handeln sowieso. ich dachte bei meiner Sache schon ich sei auf dem Basar.
was sagt der Anwalt, sag einfach 25... und das ist es dir doch wert oder ?
Der Richter wird eh entscheiden und dann sagt deine Forderung aus, was du dir selbst wert bist.

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