Kündigung vor Arbeitsantritt im Postfach.

16. Februar 2023 Thema abonnieren
 Von 
farbenfrohxx
Status:
Frischling
(47 Beiträge, 5x hilfreich)
Kündigung vor Arbeitsantritt im Postfach.

Hallo,

am 05.12.22 wurde mit Firma Mustermann ein Arbeitsvertrag mit Arbeitsbeginn zum 01.03.23 unterzeichnet.
Nun habe ich mich entschlossen mich beruflich komplett neu zu orientieren und wollte die Stelle bei Firma Mustermann nicht antreten. Mein Kündigungsschreiben habe ich am 13.02.23 vorab per Whatsapp an die GF der Firma Mustermann, mit der die Vertragsverhandlungen geschlossen wurden und die auch den Vertrag unterzeichente, gesandt. Postalisch habe ich die Kündigung am selbten Tag per Einschreiben mit Sendungsnummer an das Unternehmen zu Händen der GF gesandt.

Whatsapp war stets das Kommunikationsmedium beider Parteien. Aktuell scheint die Kündigung allerdings nicht gelesen worden zu sein (es fehlen die blauen Haken). Die postalisch versandte Kündigung liegt seit dem 14.02.23 in einem Postfach des Unternehmens, welches bisher aber nicht geleert wurde. Mir war kein Postfach bekannt.

Fragen:
1. Gilt hier eine Kündigung oder ein Aufhebungsvertrag?
2. Gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von 2 Wochen wie in der Probezeit?
3. Müsste ich die Stelle am 01.03.23 somit also nicht antreten?
4. Gilt die Kündigung als zugestellt obwohl sie in dem Postfach liegt?

Ich würde mich sehr über Antworten und Ihre Meinungen freuen.

Herzlichen Dank im Voraus.

Grüße

farbenfrohxx

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4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17236 Beiträge, 6430x hilfreich)

Was sagt denn der AV zur Frage der Kündigung vor Arbeitsantritt?
Ob der AG sein Postfach leert oder nicht, ist belanglos für dich - deine Kündigung liegt in seinem Machtbereich, ist also bei ihm eingegangen. Und 14 Tage sollten reichen - wie in der Probezeit, wenn denn eine vereinbart war.

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#2
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Und 14 Tage sollten reichen - wie in der Probezeit, wenn denn eine vereinbart war.
Und falls die Kündigung vor Arbeitsantritt nicht im AV ausgeschlossen wurde.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Holperik
Status:
Schüler
(469 Beiträge, 153x hilfreich)

.

Zitat (von farbenfrohxx):
Whatsapp war stets das Kommunikationsmedium beider Parteien.

Das ist bei der Frage der wirksamen Kündigung leider nicht entscheidend, da Kündigungen zwingend der Schriftform unterliegen. Da Sie aber ja wohl auch schriftlich gekündigt haben, ist das kein Problem.

Zitat (von farbenfrohxx):
Die postalisch versandte Kündigung liegt seit dem 14.02.23 in einem Postfach des Unternehmens, welches bisher aber nicht geleert wurde.

Woher wissen SIe das? Wenn Sie ihre Kündigung aber an die Adresse gerichtet haben, die in Ihrem Arbeitsvertrag steht oder an die Adresse, die der Arbeitgeber für solche Angelenheiten z.B. Kündigungen benannt hat, so ist das für Sie unwichtig, wo und wie der Arbeitgeber seine Post empfängt. Manche sammeln halt Post in einem Postfach. Die Kündigung gilt dann aber trotzdem als zugegangen.

Zitat (von farbenfrohxx):

1. Gilt hier eine Kündigung oder ein Aufhebungsvertrag?

Wenn die Kündigung vor Arbeitsantritt nicht ausgeschlossen ist, können Sie kündigen. Das muss explizit im Arbeitsvertrag ausgeschlossen sein, wenn also da nichts steht, können Sie kündigen. Wenn die Kündigung ausgeschlossen ist, müssten Sie strenggenommen eine Aufhebungsvereinbarung schließen, anderenfalls am ersten Tag die Arbeit antreten und sofort kündigen. Da letzteres in der Regel völlig sinnlos ist, wird eine halbwegs vernünftiger Arbeitgeber entweder die Kündigung direkt akzeptieren oder einen Aufhebungsvertrag schließen.

Zitat (von farbenfrohxx):
2. Gilt die gesetzliche Kündigungsfrist von 2 Wochen wie in der Probezeit?

Wenn Sie kündigen können, gilt die vertraglich vereinbarte Frist. Da für Kündigungen vor Arbeitsantritt in der Regel keine besondere Frist vereinbart wird, geht man davon aus, dass die Kündigungsfrist gilt, die gelten würde, wenn man am ersten Tag kündigen würden. Wenn als eine Probezeit vereinbart wurde, gilt die dortige Kündigungsfrist.

Zitat (von farbenfrohxx):
3. Müsste ich die Stelle am 01.03.23 somit also nicht antreten?

Nunja, wenn die Kündigung vor Arbeitsantritt zulässig ist und sie die Kündigung an die richtige Adresse geschickt haben, dann nicht. Wenn eins von beiden nicht der Fall, dann eigentlich schon, es sei denn sie schließen noch einen Aufhebungsvertrag.
Allerdings müssen Sie natürlich eigentlich gar nichts. Sie brauchen auch einfach nicht hingehen. Sie müssen nur die Risiken abwägen. Diese sind aus meiner Sicht in solchen Konstellationen überschaubar. Zwar wird jetzt ein Mitforist mit sehr vielen Beiträgen vermutlich etwas von "hellsehrischen Fähigkeiten" und "manchmal ja doch" erzählen, aber folgendes:
Wenn Sie die Stelle nicht antreten, kommen zwei Aspekte an Konsequenzen in Betracht: 1. zum einen eine Vertragsstrafe, die manchmal in Arbeitsverträgen für den Fall des Nichtantritts vereinbart wird. Diese muss aber explizit vereinbart werden und darf nicht mehr umfassen als den Betrag des Gehalts, den der Arbeitnehmer für die Zeit seiner normalen Kündigungsfrist (z.B. bei einer Probezeitkündigungsfrist von 2 Wochen eben 2 Wochen Gehalt) erhalten würde. Ist das eine oder andere nicht der Fall, droht da schon mal kein Ungemach.
2. Bleibt das Thema Schadensersatz. Da stellt sich die Frage, welchen Schaden der Arbeitgeber durch den Nichtantritt erleidet. Auch hier ist der Zeitraum auf die Kündigungsfrist begrenzt. Zudem müsste der Arbeitgeber erstmal beziffern, welche Schaden er hat. Abzüglich Ihres Gehalts im Übrigen, sodass da eigentlich nur irgendwelche Mehrkosten in Betracht kommen. Das wird für den Arbeitgeber relativ schwierig. Wenn Ihnen der andere Job sehr am Herzen liegt oder vielleicht sogar deutlich lukrativer ist, würde ich das Risiko eingehen.

2x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118591 Beiträge, 39598x hilfreich)

Zitat (von farbenfrohxx):
Die postalisch versandte Kündigung liegt seit dem 14.02.23 in einem Postfach des Unternehmens,

Nein das tut sie mit Sicherheit nicht.



Zitat (von farbenfrohxx):
Gilt die Kündigung als zugestellt obwohl sie in dem Postfach liegt?

Nein, sie gilt nicht als zugestellt, da sie nicht im Postfach liegt und sich somit nicht im Machtbereich des Empfänger befindet.
Mit viel Glück findet sich im Postfach eine Benachrichtigung, das ein Einschreiben zur Abholung bereitgehalten wird. Oder halt nicht ...

Hier sollte man entweder mittels Einschreiben-Einwurf oder einer gerichtsfesten Zustellung (z.B. per Bote, Gerichtsvollzieher, ...) schleunigst nachbessern.



Zitat (von Holperik):
Zwar wird jetzt ein Mitforist mit sehr vielen Beiträgen vermutlich etwas von "hellsehrischen Fähigkeiten" und "manchmal ja doch" erzählen

Aber nicht, wenn die Themen "Vertragsstrafe" und "Schadensersatz" so schön ausgearbeitet wurden ...



Zitat (von Holperik):
Woher wissen SIe das?

Ganz ohne hellseherische Fähigkeiten ... Sendungsverfolgung ...



Zitat (von Holperik):
Wenn Sie ihre Kündigung aber an die Adresse gerichtet haben, die in Ihrem Arbeitsvertrag steht oder an die Adresse, die der Arbeitgeber für solche Angelenheiten z.B. Kündigungen benannt hat, so ist das für Sie unwichtig, wo und wie der Arbeitgeber seine Post empfängt.

Das ist schlicht falsch ... siehe oben.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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