Kündigungsschutzklage Abwägung

26. März 2024 Thema abonnieren
 Von 
Cryptor68
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Kündigungsschutzklage Abwägung

Hallo
Ich arbeite seit 16 Jahren im Metallbau. Werde im Juli 56 Jahre alt. Nun wurde ich mangels Auftragslage zum 31.10.24 gekündigt. Es ist ein Betrieb mit 12 Mitarbeitern sowie 2 Geschäftsführer( kein Betriebsrat) .

In meinem Aufgabengebiet ist nur ein direkter Kollege beschäftigt der schon 24 Jahre im Betrieb ist. Der Kunde für den wir zu 75 % gearbeitet haben, wird nun laut AG die Produktion drosseln und deshalb fehlt halt eine Summe um wirtschaftlich Arbeitsplätze zu schaffen (Aussage vom AG)

Im April letzten Jahres wurde ein zusätzlicher Mitarbeiter in einem anderen Aufgabengebiet eingestellt, der zu 80 % die Tätigkeit durchführt die ich auch machen kann und das auch als Vertretung schon gemacht habe, den Rest kann man sicher lernen. Es sind einfache Metallarbeiten wie Feinarbeiten, Montage und Kontrolle. Nur eben für einen anderen Kundenbereich. Bei mir Automobilindustrie bei der anderen (neuen) Stelle Elektronik, aber auch nur als Zulieferer.

Nun habe ich erwähnt das es doch möglich sein müsste eine Abfindung zu zahlen, das wurde mangels Masse abgelehnt. Dem Betrieb geht es wirklich nicht besonders und ab nächsten Monat ist wohl auch Kurzarbeit angemeldet.
Da ich seit 4 Wochen wegen einem Bandscheibenvorfall krankgeschrieben bin, weiß ich natürlich nicht ob es so stimmt.

Ich hatte die ganzen Jahre ein sehr gutes Verhältnis zu allen Mitarbeitern und der Geschäftsführung.
Ich sagte ich muß da ein paar Tage drüber schlafen und ich soll definitiv Bescheid geben bevor ich eine Kündigungsschutzklage einreiche.
Desweiteren wurde mir schriftlich mitgeteilt das wenn sich die Auftragslage bessert man die Kündigung nochmals überdenken würde.
(Auch seltsam, oder?)

Ich bin ledig, keine Kinder habe allerdings noch einen Kredit für eine Eigentumswohnung Abzuzahlen .

1.)Was würdet ihr sagen wie die Aussicht auf eine erfolgreiche Klage wäre? Gerade was den neuen Mitarbeiter angeht, müsste da nicht zuerst der Hebel angesetzt werden?

2.) Ich habe leider keine Berufs Rechtsschutz, was würde bei negativen Ausgang an Kosten entstehen?

Gruß




-- Editiert von User am 26. März 2024 17:44

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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(32960 Beiträge, 5764x hilfreich)

Zitat (von Cryptor68 ):
Nun wurde ich mangels Auftragslage zum 31.10.24 gekündigt.
Vermutlich eine betriebsbedingte Kündigung in Schriftform?
Zitat (von Cryptor68 ):
Nun habe ich erwähnt das es doch möglich sein müsste eine Abfindung zu zahlen,
Ob Masse oder nicht, man hat keinen Anspruch auf Abfindung.

Ab Erhalt der schriftlichen Kündigung hast du 3 Wochen Zeit für die KS-Klage. Dem AG musst du nicht mitteilen, ob du klagst.
Wenn du allerdings diese 3-Wochen-Frist verpasst, ist die Kündigung wirksam.

Zitat (von Cryptor68 ):
(Auch seltsam, oder?)
NÖ. Der AG denkt mit und hofft und akquiriert Aufträge---> so sehe ich das. Er könnte selbst die Kündigung *zurücknehmen*.

zu 1: Offenbar hat der AG bereits eine Sozialauswahl getroffen. Wenn du klagst, gehts nur um deinen Job.
zu 2: Kosten? Vermutlich keine, aber eben auch kein Job mehr. Meist will das Gericht das Verfahren mit Vergleich beenden. Evtl. einigt man sich doch auf eine Abfindung statt Weiterbeschäftigung.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#2
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17674 Beiträge, 6563x hilfreich)

1. Rechtsschutz brauchst du auch keinen. Auch keinen Rechtsanwalt, der eine Klage eben teuer machen würde.
Die Klage vor dem Arbeitsgericht ist nicht teuer; falls es zu einem Richterspruch käme (und nicht ein Vergleich die Streitsache beendet) fällt eine Gebühr an.
2. Deine Klageaussichten kann hier wohl keiner einschätzen. Eine Klage bringt die Gewissheit - im Falle eines Richterspruches, ggf. aber auch nur eine Abfindung.
3. " ... ich soll definitiv Bescheid geben bevor ich eine Kündigungsschutzklage einreiche" - was soll das dann :???: Sicher ist, dass mit einer Klage das Tischtuch zerschnitten sein wird.

Anmerkung: Dass man dich bei besserer Auftragslage gerne zurückholen möchte, kann eine freundliche, gleichwohl Leere Floskel sein, es kann aber auch heißen, dass man dir wirklich ungerne den Stuhl vor die Tür setzt und dass es der Firma wirklich schlecht geht.

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#3
 Von 
DerNeueNutzer
Status:
Beginner
(88 Beiträge, 3x hilfreich)

Zitat (von Cryptor68 ):
Nun wurde ich mangels Auftragslage zum 31.10.24 gekündigt.


Da ist ja noch eine ganze Zeit hin.....

Zitat (von Cryptor68 ):
Da ich seit 4 Wochen wegen einem Bandscheibenvorfall krankgeschrieben bin


Hast Du eine Ahnung, wie lange Du AU sein wirst?

Zitat (von Cryptor68 ):
Ich bin ledig, keine Kinder habe allerdings noch einen Kredit für eine Eigentumswohnung Abzuzahlen .


Und Deine Kollegen, die haben Kinder (unterhaltspflichtige)

Zitat (von Cryptor68 ):
1.)Was würdet ihr sagen wie die Aussicht auf eine erfolgreiche Klage wäre? Gerade was den neuen Mitarbeiter angeht, müsste da nicht zuerst der Hebel angesetzt werden?


Kommt auf die Sozialauswahl an.....

Zitat (von Cryptor68 ):
2.) Ich habe leider keine Berufs Rechtsschutz, was würde bei negativen Ausgang an Kosten entstehen?


Kann man selber machen, kostet erst mal nix, für einen Rechtsanwalt ist das eh Standardgeschäft und der würde versuchen, so schnell wie möglich mit einem Vergleich das abzuschließen.

Zitat (von Cryptor68 ):
Desweiteren wurde mir schriftlich mitgeteilt das wenn sich die Auftragslage bessert man die Kündigung nochmals überdenken würde.


Da würde ich mal antworten, dass Du gerne einen anderen Job suchst, Du Dir aber für den Notfall mit einer Kündigungsschutzklage die Möglichkeit für den jetzigen Arbeitsplatz offen halten willst.....

Hast Du denn gute Aussichten am Arbeitsmarkt?

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#4
 Von 
Cryptor68
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Erstmal Danke für die Antworten.

Der neu eingestellte Mitarbeiter ist ebenfalls ledig und kinderlos.
Mir geht es nicht mal um die Rücknahme der Kündigung sondern um die Abfindung, wenn man sich ohne Gericht einigen könnte wäre mir das auch lieber. Aber einfach so nach 16 Jahren, Danke und Tschüss finde ich nicht gut. Im Endeffekt weiß auch keiner der Mitarbeiter wie es wirklich um die Finanzen der Firma steht. Aber auch in der Geschäftsführung sind mMn Fehler gemacht worden weil man sich zu sehr auf seine Stammkunden verlassen hat. Aber das tut nichts zur Sache.
Wenn es zu einem Vergleich kommt dann wird das außergerichtlich gemacht, ohne Kosten für mich?
Wie lange ich ausfalle mit dem Bandscheiben kann ich nicht sagen, es wurde gerade mit Physiotherapie angefangen, eventuell Spritzen zur Not große OP, laut Arzt, das kann sich auch bis zu 6 Monate hinziehen.

Ob ich mit der ganzen Geschichte gute Möglichkeiten auf dem Markt habe, weiß ich nicht. Habe Schlosser mit Abschluss gelernt, aber auch nicht mehr in der Lage dazu, schwere körperliche Arbeit durchzuführen, wegen dem Rücke.

Wann muß ich mich eigentlich arbeitslos melden, 3 Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist reicht?

-- Editiert von User am 27. März 2024 08:18

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#5
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10825 Beiträge, 4237x hilfreich)

Zitat (von Cryptor68 ):
Wenn es zu einem Vergleich kommt dann wird das außergerichtlich gemacht, ohne Kosten für mich?

Das passiert alles vor Gericht, 1 Termin ist die Güteverhandlung, das ist im Sinne die Vorstufe zum "richtigen" Gerichtstermin, aber 90% aller Verfahren werden bereits in der Güteverhandlung geklärt und beendet (der Vergleich).
Der Gütetermin ist kostenlos.
Bei der Formulierung der Kündigungsschutzklage helfen die Gerichtspfleger vor Ort, ebenfalls kostenlos.


Erfolgt im Gütetermin keine Einigung geht es zum Kammertermin, erst ab hier fallen Kosten an (sind am Arbeitsgericht recht niedrig).
Diese Kosten kannst Du z.B. hier berechnen -> Gerichtskostenrechner Arbeitsgericht Hamm

Zitat (von Cryptor68 ):
Wann muß ich mich eigentlich arbeitslos melden, 3 Monate vor Ablauf der Kündigungsfrist reicht?

Es sind spätestens 3 Monate bevor die Beschäftigung endet, ich würde es sofort machen, mit dem Hinweis, dass Du ab dem 01.11. arbeitslos bist.
Erstens vermeidest Du so eventuelle finanzielle Nachteile durch eine zu späte Meldung, wenn es zum Bezug von ALG kommt und zweitens erhöht es die Vermittlungschancen, so dass eventuell ein nahtloser Übergang stattfinden kann.

Zitat (von Cryptor68 ):
Ob ich mit der ganzen Geschichte gute Möglichkeiten auf dem Markt habe, weiß ich nicht. Habe Schlosser mit Abschluss gelernt, aber auch nicht mehr in der Lage dazu, schwere körperliche Arbeit durchzuführen, wegen dem Rücke.

Babyboomer Fachkraft mit Rücken und Berufserfahrung, ich sehe da gute Aussichten.

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#6
 Von 
Cryptor68
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank, ich muß mir das über Ostern überlegen, werde dann wohl erstmal mit dem AG das Gespräch suchen.

Zitat (von spatenklopper):
Babyboomer Fachkraft mit Rücken und Berufserfahrung, ich sehe da gute Aussichten.


War das jetzt Ironie? Ich arbeite jetzt seit 16 Jahren in der Montage und Feinarbeit ohne große körperlich, schwere Arbeiten. Bin 56,ob ich so einen Job nochmal finde für das Gehalt bezweifle ich.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10825 Beiträge, 4237x hilfreich)

Zitat (von Cryptor68 ):
War das jetzt Ironie?


Nein, mein vollkommener Ernst.
In meinem näheren Umfeld hier in Essen (NRW) fallen mir 5 Betriebe ein, die jemanden wie Dich verzweifelt seit mehr als 1 1/2 Jahren suchen.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(32960 Beiträge, 5764x hilfreich)

Zitat (von Cryptor68 ):
Mir geht es nicht mal um die Rücknahme der Kündigung
Davon hat dein AG auch nichts erwähnt. Außerdem: Betriebsbedingte Kündigung, wahrscheinlich Kurzarbeit, schlechte Auftragslage---> woher sollte also ein freiwillige Abfindung kommen? Dein AG hätte dir ansonsten evtl. einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung angeboten...
Die Lohnfortzahlung endet so oder so nach der 6. AU-Woche, danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld, falls du weiterhin AU bist.

Die 3-Wochen-Frist für eine KS-Klage beim Arbeitsgericht setzt für dein Problem den Punkt !

Kommt es zu einer Verhandlung vorm Arbeitsgericht (etwa Anfang 2025), kann uU evtl. vllt. eine Abfindung Inhalt des Vergleichs sein. Ob der AG dann kann, weiß man jetzt noch nicht.
Zitat (von Cryptor68 ):
und ich soll definitiv Bescheid geben bevor ich eine Kündigungsschutzklage einreiche.
ICH würde nun über Ostern oder danach gründlich nachdenken, ob ich dem AG *Bescheid* gebe. Was dieses Signal heißen KÖNNTE, weiß ich nicht. Ich war nicht dabei.
Aber eine betriebsbedingte Kündigung ist nun mal keine Verabschiedung in den Ruhestand.
Zitat (von Cryptor68 ):
Wenn es zu einem Vergleich kommt
Es gibt außergerichtliche Vergleiche oder Vergleiche vor Gericht. Beide kosten nichts außer Verhandlungsgeschick.
Auch die KS-Klage kostet nichts. Dafür hält das Arbeitsgericht/Rechtsantragstelle Mitarbeiter bereit, die auf Wunsch/Antrag hilfreich und kostenlos die KS-Klage formulieren und auf den Gerichtsweg bringen.
Zitat (von Cryptor68 ):
Wann muß ich mich eigentlich arbeitslos melden,
Das sollte in der Kündigung stehen. Das ist ein Pflichthinweis des AG. Wenn vorher kein *Wunder* passiert, ist die persönliche Arbeitslosmeldung am 1. oder 4.11.2024 bei der zuständigen Arbeitsagentur nötig.

Zitat (von Cryptor68 ):
Bin 56,ob ich so einen Job nochmal finde für das Gehalt bezweifle ich.
Ich bezweifle das auch. Aber so ist die Arbeitswelt...

Trotz allem gute Besserung!

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Cryptor68
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Das sollte in der Kündigung stehen.

Da steht innerhalb von 3 Werktagen, das ist nach meinen Recherchen aber nur bei einer fristlosen Kündigung der Fall. Bei mir steht aber zum 31.10. Endet das Arbeitsverhältnis. Also reicht ja 13-15 Wochen vor dem 31.10.

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#10
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(32960 Beiträge, 5764x hilfreich)

Zitat (von Cryptor68 ):
Da steht innerhalb von 3 Werktagen,
Dann darf ich nochmal fragen... hast du tatsächlich eine schriftliche betriebsbedingte Kündigung zum 31.10.24 erhalten?

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10825 Beiträge, 4237x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Dann darf ich nochmal fragen... hast du tatsächlich eine schriftliche betriebsbedingte Kündigung zum 31.10.24 erhalten?

Davon ist auszugehen, Arbeitgeberseitige Kündigungsfrist bei >15 Jahren Beschäftigungsdauer beträgt 6 Monate.

Zitat (von Cryptor68 ):
Da steht innerhalb von 3 Werktagen, das ist nach meinen Recherchen aber nur bei einer fristlosen Kündigung der Fall.

Ist ein Standarttextbaustein, die reguläre Frist zur Meldung beim Amt liegt bei 3 Monaten vor Ende der Beschäftigung, die 3 Tage gelten, wenn die Kündigungsfrist kürzer ist als diese 3 Monate.

-- Editiert von User am 27. März 2024 16:38

1x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Cryptor68
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Dann darf ich nochmal fragen... hast du tatsächlich eine schriftliche betriebsbedingte Kündigung zum 31.10.24 erhalten?


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