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Minder-/Minusstunden nacharbeiten

13. Juni 2022 Thema abonnieren
 Von 
lupio
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)
Minder-/Minusstunden nacharbeiten

Guten Tag,

ich habe eine Frage bzgl. Minder- bzw. Minusstunden.
Es kommt oftmals vor, dass ich im Dienstplan, welcher für mehrere Wochen geplant wird, nicht auf meine wöchentliche und letztendlich nicht auf meine monatlich vereinbarten Stunden komme.
Begründung seitens des AGs, es können nicht genug Stunden geplant werden, da der Umsatz dafür fehlt.

Ich habe mich zu dem Thema schon ein wenig belesen, einerseits heißt es, wenn die Minusstunden nicht durch mich als AN verursacht werden, bräuchte ich diese nicht nachzuarbeiten. Allerdings werde ich nicht ganz schlau aus der ganzen Sache. Bei mir besteht ein Arbeitszeitkonto und falls ich Minusstunden in einem Monat angesammelt habe, bekomme ich mein ganz normales Gehalt, wie als ob ich keine Minusstunden gesammelt hätte.

Durch das Sammeln von den Minusstunden kann es aber vorkommen, dass ich im Sommer 300-400h zusätzlich nacharbeiten muss, aufgeteilt über mehrere Monate.

In meinem Vertrag steht folgendes:

Zitat:
Auf Wunsch des Arbeitnehmers und in Absprache mit dem Arbeitgeber beträgt die Arbeitszeit durchschnittlich 100 Stunden im Monat. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit sowie der Pausen unterliegen dem Weisungsrecht des Arbeitgebers und richten sich nach der Regelung im Betrieb. Der Arbeitnehmer erklärt sich bereit, während der Betriebszeit flexibel tätig zu sein. Darüber hinaus erklärt er ausdrücklich, im Bedarfsfall angeordnete Mehrarbeit zu leisten.

Mehr- oder Minusstunden innerhalb einer Woche / eines Kalendermonats können im Rahmen der tariflichen Regelungen auf die Folgemonate übertragen und etwaige Salden innerhalb von 52 Wochen ausgeglichen werden. Als Ausgleichszeitraum für ggf. bestehende Stundensalden dient insoweit das Kalenderjahr.


Den Tarifvertrag worauf sich hier berufen wird, liegt mir leider nicht vor. Im Internet finde ich nur eine alte Version aus dem Jahr 2014, dort steht nichts über Minus- bzw. Minderstunden geschrieben.

tldr;

Müssen Minusstunden die nicht durch Eigenverschulden zustande kommen, auch nachgearbeitet werden?

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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14966 Beiträge, 5772x hilfreich)

Der Text ist doch klar und dazu dient ja auch ein Arbeitszeitkonto, Schwankungen auszugleichen. 'Flexibilisierung' dient eher den Interessen des AG als des AN. Du wirst also früher oder später nacharbeiten müssen.

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
lemonshaker
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 5x hilfreich)

Hallo,

mich würde interessieren um welchen Tarifvertrag es geht, den ein Ausgleich über ein ganzes Kalenderjahr ist schon arg übertrieben. Ferner eine tägliche Arbeitszeit auf Zuruf dürfte auch nicht problemlos möglich sein, denn eine gewisse Planungssicherheit für den AN ist verlangt. In der Regel sollten Arbeitszeiten schon bis Mitte der Vorwoche klar sein da andernfalls schon fast von einer Bereitschaftszeit auszugehen wäre wenn jeden Tag die AZ von Minus - Plus angesagt würde.

Signatur:

Gruss

Stefan

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
lupio
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Der Text ist doch klar und dazu dient ja auch ein Arbeitszeitkonto, Schwankungen auszugleichen.


Mir war dies nicht so ganz klar. da ich in meiner Recherche auch über den Begriff Annahmeverzug gestolpert bin. Was ja letztendlich bedeutet, wenn die Minusstunden durch den AG zustande kommen, dann muss der AN diese nicht nacharbeiten.

Aber vielen Dank, dann weiß ich nun Bescheid.

Zitat (von lemonshaker):
mich würde interessieren um welchen Tarifvertrag


Einzelhandel, dazu finde ich aber nur einen aus dem Jahr 2014, welcher als ganzen einsehbar ist.
Die Dienstpläne werden im Regelfall für 4 Wochen im Voraus geplant, zwar gabs auch Phasen wo diese erst am Freitag der Vorwoche vorlagen oder gar an einen Samstag komplett neugeschrieben wurden, aber dass war bisher eher selten.

Zur Flexibilität, es kam in der Vergangenheit schon mehrmals vor, dass man morgens um 6 angerufen wurde zum einspringen, weil ein anderer Mitarbeiter krank war. Dies wird aber nicht extra vergütet durch Bereitschaftsdienst o.a

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14966 Beiträge, 5772x hilfreich)

Zitat (von lupio):
.... dass man morgens um 6 angerufen wurde zum einspringen,

Und immer wieder das gleiche Lied: AN ist nicht verpflichtet, so kurzfristig einzuspringen - wenn er es tut, hat er eben zugestimmt und dann auch keinen Grund zur Beschwerde. Und: AN ist in aller Regel nicht verpflichtet, daheim und im Frei ans Telefon zu gehen, nur weil der AG anruft.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(25826 Beiträge, 4864x hilfreich)

Zitat (von lupio):
Bei mir besteht ein Arbeitszeitkonto und falls ich Minusstunden in einem Monat angesammelt habe, bekomme ich mein ganz normales Gehalt, wie als ob ich keine Minusstunden gesammelt hätte.
Richtig. Weil Stunden (Plus oder Minus) eben nichts mit dem Lohn/Gehalt zu tun haben.

Das Ansammeln soll aber nicht übers ganze Jahr erfolgen und vor allem soll ein Zeitausgleich zwischen Plus-und Minusstunden erfolgen.
Machst du denn manchmal auch Plusstunden? Oder führt das morgendliche *Einspringen* zu Minusstunden?

Über welchen Zeitraum hast du die 300-400 Minusstunden angesammelt? Es soll doch grundsätzlich übers Kalenderjahr ausgeglichen werden.

Wenn du nur für 100 Std./Monat beschäftigt wirst und jetzt im Juni schon 300-400 Minusstunden hast, stimmt etwas mit der Dienstplanung nicht.

Arbeit auf Abruf---- findet sich dazu etwas in deinem Vertrag?

Signatur:

ist nur meine Meinung.

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#6
 Von 
lupio
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Und immer wieder das gleiche Lied: AN ist nicht verpflichtet, so kurzfristig einzuspringen - wenn er es tut, hat er eben zugestimmt und dann auch keinen Grund zur Beschwerde.


Das stimmt sicherlich. Die Konsequenz dafür wäre, dass AN irgendwann in eine andere Filiale versetzt wird.
Gerne wird auch auf die Mailbox gesprochen oder eine Nachricht geschrieben, man solle sich dringend in der Filiale melden, der Grund wird vorneherein nicht gesagt.

Zitat (von Anami):
Über welchen Zeitraum hast du die 300-400 Minusstunden angesammelt? Es soll doch grundsätzlich übers Kalenderjahr ausgeglichen werden.

Wenn du nur für 100 Std./Monat beschäftigt wirst und jetzt im Juni schon 300-400 Minusstunden hast, stimmt etwas mit der Dienstplanung nicht.

Arbeit auf Abruf---- findet sich dazu etwas in deinem Vertrag?


Von Januar bis Mai wurde ich pro Monat gerade einmal zwischen 10-20 Stunden eingeteilt, dadurch kommen eine Menge Minusstunden zusammen. Auch wenn ich meinen AG drauf anspreche heißt es: man könne mich nicht mehr einteilen, da der aktuelle Filialumsatz nicht mehr stunden zulässt. Kurzum ist der Umsatz unten können seitens meines Vorgesetzten auch nur weniger Stunden geplant werden, obwohl die tägliche Arbeit ja erstmal unverändert bleibt.

Überstunden fallen natürlich auch an und die werden ausbezahlt oder mit den Minusstunden verrechnet.
Die können spontan anfallen, man wird vom Vorgesetzten gefragt, ob man länger bleiben kann. Aber es gibt auch mal Dienstpläne (obwohl man zu dem Zeitpunkt keine Minusstunden hat), da wird man auf 37,5h pro Woche eingeteilt, also so viele Wochenstunden wie eine Vollzeitkraft.

Zu Arbeit auf Abruf findet sich nichts im Vertrag.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(25826 Beiträge, 4864x hilfreich)

Zitat (von lupio):
Durch das Sammeln von den Minusstunden kann es aber vorkommen, dass ich im Sommer 300-400h zusätzlich nacharbeiten muss, aufgeteilt über mehrere Monate.
Ich meine, das wird nicht vorkommen.

Signatur:

ist nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
lupio
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Nochmal dazu, wie die Minusstunden zustande kommen. Macht die Filiale nicht genügend Umsatz, muss die Filialleitung weniger Stunden planen, ansonsten sinkt ja die Leistung der Filiale weiter, wenn die Stundenplanung gleichbleibend ist.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
lupio
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Ich meine, das wird nicht vorkommen.


Natürlich. Aktuell stehe ich bei -321,75h. Von der Verkaufsleitung (über der Filialleitung) wurde ich schon darauf angesprochen, was wir mit meinen Minusstunden machen. Ich habe ihm entgegnet, dass man mich eben meine 100h pro Monat einsetzen soll. Ich meine, was kann ich dafür, dass die Filiale schlecht läuft und dadurch Personalkosten gespart werden müssen. Letzteres habe ich natürlich nicht gesagt.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
lupio
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich habe noch eine Frage, welche nicht direkt mit Minusstunden zutun hat.
Wenn man morgens 5h arbeitet, danach nach Hause geht, also Freizeit hat und am Abend nochmal 5h beim selben AG arbeitet. Muss einem dann eine Pause gewährt werden? Bei zusammengerechnet 10h.

Der AG meint nein, da ich ja eine lange Pause(Freizeit) hatte. Zur Absicherung habe ich noch einen anderen Schichtverantwortlichen gefragt, er verneinte dies ebenfalls. Also muss ich mir nun keine Sorgen machen, dass ich vom Bezirksvorgesetzten ärger bekomme wegen einem Arbeitsverstoß, gar eine Abmahnung?

Edit: Im Vertrag steht nichts zu Teil- oder geteilten Diensten.

-- Editiert von lupio am 02.07.2022 22:31

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
drkabo
Status:
Wissender
(14095 Beiträge, 8561x hilfreich)

Wenn zwischen den 5h morgens und den 5h abends mindesten 45min zeitlicher Abstand liegen, muss keine weitere Pause gemacht werden.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14966 Beiträge, 5772x hilfreich)

Zitat (von lupio):
Sorgen machen, dass ich vom Bezirksvorgesetzten ärger bekomme wegen einem Arbeitsverstoß,

Eher bekommt der Filialleiter den Ärger.
Aber sei unbesorgt: selbst wenn du die beiden Arbeitsblöcke zusammenzählst, verlangt das Gesetz nur eine Pause von 45 Minuten (> 9 h). Die hast du beim geteilten Dienst ja locker eingehalten bzw. übertroffen.

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