Mitarbeiter kündigt an "für euch arbeite ich sicher nichtmehr"

23. September 2022 Thema abonnieren
 Von 
Jester20
Status:
Beginner
(64 Beiträge, 4x hilfreich)
Mitarbeiter kündigt an "für euch arbeite ich sicher nichtmehr"

Hallo zusammen,

wir haben von einer Mitarbeitern erfahren, dass sie mit einem weiteren Kollegen eine Unterhaltung hatte, dieser ihr mitgeteilt hat, dass er zum 01.11. von "unserer" Firma weggeht und bis dahin mit Krank und Resturlaub überbrücken wird. "Er ist doch nicht blöd", sagte er "und arbeitet bis zum Ende fertig...!"

Nun haben wir den Mitarbeiter damit konfrontiert und er streitet selbstverständlich alles ab. Die Tatsache, dass er ab dem 01.11. zu genau der Firma wechselt, welche uns die Kollegin mitgeteilt hat, ist bereits bestätigt.

Nun schrieb er uns eine Nachricht, dass er nach diesen Vorwürfen sicher kein einzigen Tag mehr für uns arbeiten wird.

Er ist aktuell bis zum 30.10. noch krankgeschrieben hat dann im Anschluss Urlaub vom 01.10. - 16.10. und müsste dann theoretisch noch vom 17.10. - 31.10.2022 arbeiten.

Kann man mit der Aussage "ich werde sicher keinen einzigen Tag mehr für euch arbeiten" fristlos kündigen?

Diese Aussage liegt uns schriftlich vor.

Über Rückmeldungen freue ich mich.

Euch einen schönen Tag

Arbeitsrechtlicher Notfall?

Arbeitsrechtlicher Notfall?

Ein erfahrener Anwalt im Arbeitsrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt im Arbeitsrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



15 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17234 Beiträge, 6430x hilfreich)

Das könnte man durchaus als 'angekündigte Krankheit' verstehen, ist aber nicht richtig ein-eindeutig.
Darauf eine 'Fristlose' zu gründen, hat Risiken.
Was ihr sicher machen könntet: den MDK bei ihm vorbeischicken zu Überprüfung der Krankschreibung.

Zitat (von Jester20):
Er ist aktuell bis zum 30.10. noch krankgeschrieben

:???: - eventuell 30/09ter??
UND: liegt denn schon eine Kündigung vor

-- Editiert von User am 23. September 2022 11:13

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Gerd61
Status:
Praktikant
(647 Beiträge, 80x hilfreich)

Zitat (von Jester20):
Er ist aktuell bis zum 30.10. noch krankgeschrieben hat dann im Anschluss Urlaub vom 01.10. - 16.10. und müsste dann theoretisch noch vom 17.10. - 31.10.2022 arbeiten.


Ist nicht doch der 30.09 gemeint.

Zitat (von Jester20):
Nun schrieb er uns eine Nachricht, dass er nach diesen Vorwürfen sicher kein einzigen Tag mehr für uns arbeiten wird.


Auf welche Vorwürfe bezieht er sich bei dieser Aussage?

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31555 Beiträge, 5573x hilfreich)

Zitat (von Jester20):
Nun haben wir den Mitarbeiter damit konfrontiert
Wer ist denn WIR? Tratsch unter Kollegen hat iaR keinen arbeitsrechtlichen Bezug.
Wenn die schriftliche Kündigung zum 1.11.2022 dem AG fristgerecht vorliegt, hat diese wohl Bestand.

Ein AN darf selbst kündigen. Er darf auch gern ab 1.11. schon bei einem anderen AG einen Arbeitsvertrag haben, damit er für sich keine Beschäftigungslücke hat.

Welche Vorwürfe habt IHR ihm gemacht? Diese haben das Fass evtl. zum Überlaufen gebracht?
Nun wollt IHR ihm fristlos kündigen---wegen eines im Ärger irgendwo hingeschriebenen Satzes?
Das dürfte kein wirksamer Kündigungsgrund sein.

p.s.
manche sagen ihrem AG auch: macht euren Sch*** doch alleene.





Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17234 Beiträge, 6430x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Tratsch unter Kollegen

'Tratsch unter Kollegen' deutet den Vorfall unzulässig um: 'Tratsch' ist das nicht, wenn eine MA ein Gespräch mit einem anderen MA für derart beachtlich hält, dass sie einem Zuständigen (Chef; GF) davon Mitteilung macht. Der streitet dann alles zwar ab, teilt dann aber doch in Textform mit, er werde für diese Firma nicht einen Tag mehr arbeiten - nix da mit Gerede vom Hörensagen.
Gleichwohl die Frage nach möglichen und möglichst aussichtsreichen Reaktionen seitens des AG.
Wenn die 'Fristlose' erwogen wird, sollte der Betrieb dies mit einem versierten Fachanwalt beraten; von 'do-it-yourselft'-Handgestricktem rate ich ab.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Holperik
Status:
Schüler
(469 Beiträge, 153x hilfreich)

Neben der sicherlich riskanten außerordentlichen Kündigung bleibt noch eventuell die Möglichkeit, den Anspruch auf Entgeltfortzahlung in Frage zu stellen.
Die Kombination aus dieser Nachricht und der Erkrankung erscheinen zunächst mal an sich schon geeignet, den Beweiswert der AU zu erschüttern. Richtig fahrt nimmt die Sache auf, wenn er eine weitere Krankschreibung genau bis Ablauf der Kündigungsfrist einreicht. Denn hier hat das BAG entschieden, dass den Arbeitnehmer bei passend datierter Arbeitsunfähigkeit die Beweislast für seine Arbeitsunfähigkeit trifft.
Das wird ihm nur gelingen, wenn er die Ärzte von der Schweigepflicht entbindet und im Übrigen Einblick in seine Krankheitsunterlagen gewährt.
Zwar ist es natürlich möglich, dass Sie am Ende doch zahlen müssen, ab bis dahin muss der Arbeitnehmer ein steinigen Weg gehen - einschließlich die Kosten seiner Rechtsverfolgung, die er im ersten Rechtszug vor dem ArbG selbst zahlen muss.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Kalanndok
Status:
Student
(2231 Beiträge, 347x hilfreich)

Anderer Aspekt, der zum Tragen kommen kann:

Der AN ist jetzt krankgeschrieben, dann läuft die AU aus und danach geht es in den Erholungsurlaub.
Wenn der AN jetzt die Krankschreibung verlängert (um dann den Urlaub am Ende machen zu können), könnte man auch mal den MDK involvieren.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47275 Beiträge, 16744x hilfreich)

Zitat (von Jester20):
Kann man mit der Aussage "ich werde sicher keinen einzigen Tag mehr für euch arbeiten" fristlos kündigen?


Ich würde ihm fristlos kündigen, aber die Kündigung wie von @Holperik vorgeschlagen von einem Anwalt formulieren lassen.

Mindestens sollte die Entgeltfortzahlung eingestellt werden und dazu kann man sich auf das Urteil des BAG vom 08.09.2021 (Az.: 5 AZR 149/21) berufen.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17234 Beiträge, 6430x hilfreich)

Die 'Fristlose' ist/sollte sein 'ultima ratio'. Und die Arbeitsgerichte sind da durchaus pingelig. Mit einer 'Fristlosen' zu scheitern, ist für AG wahrlich kein Vergnügen.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
ip552003-23
Status:
Beginner
(73 Beiträge, 11x hilfreich)

Warum sollte ein Scheitern „ wahrlich kein Vergnügen" sein? Selbst bei einer unwahrscheinlichen Niederlage besteht quasi 0 Risiko in diesem Fall.

Signatur:

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6214 Beiträge, 1489x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Was ihr sicher machen könntet: den MDK bei ihm vorbeischicken zu Überprüfung der Krankschreibung.

Ein Arbeitgeber kann nicht "den MDK vorbeischicken"...

Ein Arbeitgeber kann, wenn er Zweifel an der Korrektheit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) eines Arztes hat, denn MDK informieren und diesen bitten, die AU zu überprüfen.

Das wird mit 99,99prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Prüfung "nach Aktenlage" werden, denn MDK-Gutachter brauchen in der Regel mehrere Monate, bis sie einen Termin wahrnehmen. In diesem Fall muss obendrein ein Arzt die AU des Arztes überprüfen (nur der hat die fachliche Kompetenz, die AU eines Arztes in Frage zu stellen) - und Ärzte sind beim MDK noch rarer als andere Mitarbeiter, die sich z.B. um die Einstufung der Pflegestufe kümmern. (Und auch da erfolgt die Einstufung nicht selten nach Aktenlage, weil der Pflegebedürftige zwischenzeitlich verstorben ist...)

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47275 Beiträge, 16744x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Mit einer 'Fristlosen' zu scheitern, ist für AG wahrlich kein Vergnügen.


Was soll denn das Risiko in einem Fall wie diesem sein?

Eine Arbeitsverweigerung, die auch noch angekündigt wird ist im übrigen ein klassischer Grund für eine fristlose Kündigung.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6214 Beiträge, 1489x hilfreich)

Zitat (von Holperik):
Denn hier hat das BAG entschieden, dass den Arbeitnehmer bei passend datierter Arbeitsunfähigkeit die Beweislast für seine Arbeitsunfähigkeit trifft.
Das wird ihm nur gelingen, wenn er die Ärzte von der Schweigepflicht entbindet und im Übrigen Einblick in seine Krankheitsunterlagen gewährt.

Der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit ist die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des behandelnden Arztes... Die reicht dafür vollkommen aus.

Wenn man die AU des behandelnden Arztes als unkorrekt anzweifelt, kann man den MDK bitten, sie zu überprüfen.
Das macht der MDK dann logischerweise nach Aktenlage, denn bis die Prüfung erfolgen kann, ist der Patient in der Regel ja nicht mehr arbeitsunfähig...

Dann guckt ein Arzt des MDK auf die AU, deren Ausfertigung für die Krankenversicherung ja die Diagnose enthält, anders als die Ausfertigung für den Arbeitgeber.

Und dann? Kann sich der Arzt vom MDK, wenn er zuviel Zeit hat, eine Kopie der Befunde des Arztes geben lassen, die zu der Diagnose geführt haben.

Und das war's auch schon.

Und kein Arzt, der nicht gerade komplett besoffen bei der Arbeit ist, wird anhand seiner Befunde eine Diagnose stellen, die ärztlich nicht haltbar ist.

Den MDK einzuschalten macht für den Arbeitgeber nur Sinn, wenn er es mit einem langzeit-kranken Arbeitnehmer zu tun hat, bei dem ein Arzt des MDK dann den Patienten mal selber untersucht bzw. - in der Regel - eine weitere Untersuchung durch einen Facharzt veranlasst.

Im Fall des EP macht das alles überhaupt keinen Sinn für den Arbeitgeber.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47275 Beiträge, 16744x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit ist die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung des behandelnden Arztes... Die reicht dafür vollkommen aus.


Das BAG hat aber anders entschieden.

Zitat (von eh1960):
Wenn man die AU des behandelnden Arztes als unkorrekt anzweifelt, kann man den MDK bitten, sie zu überprüfen.


Das war in dem vom BAG entschiedenen Fall nicht erforderlich.

Zitat (von eh1960):
Und kein Arzt, der nicht gerade komplett besoffen bei der Arbeit ist, wird anhand seiner Befunde eine Diagnose stellen, die ärztlich nicht haltbar ist.


Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?

Zitat (von eh1960):
Im Fall des EP macht das alles überhaupt keinen Sinn für den Arbeitgeber.


Das sehe ich auch so. Sinn macht nur die sofortige fristlose Kündigung.

Hier hat der AN dem AG den Gefallen getan und die Glaubwürdigkeit der AU-Bescheinigung durch eigene Äußerungen zu erschüttert. Das kann der AG noch untermauern, indem er z.B. einen Privatdetektiv damit beauftragt, entsprechende Nachweise zu liefern. Sollte das gelingen, muss der AN auch noch die Kosten dieses Privatdetektives übernehmen.

0x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118582 Beiträge, 39597x hilfreich)

Zitat (von Jester20):
Nun schrieb er uns eine Nachricht, dass er nach diesen Vorwürfen sicher kein einzigen Tag mehr für uns arbeiten wird.

Die zweifelsohne laienhaft ungelenke Formulierung dafür, das die Vorwürfe ihm derartig physisch zusetzten, das er aktuell AU ist und jede weitere Arbeit in der Firma seinen Gesundheitszustand verschlechtern würde...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17234 Beiträge, 6430x hilfreich)

Zitat (von hh):
Was soll denn das Risiko in einem Fall wie diesem sein?

Wenn ich schreibe, dass ein womöglich verlorener Prozess auch für AG 'kein Vergnügen' ist, also ggf. frustgeneigt, liegt diese Meinung auf einer ganz anderen Ebene, als von Risiken zu sprechen. Das war nicht Ziel meiner Einlassung.

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 264.865 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
107.166 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen