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Mobbing / Drohungen im Unternehmen

 Von 
mn930
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Mobbing / Drohungen im Unternehmen

Hallo zusammen,

Ich würde mich über Tipps zum weiteren Vorgehen bzw. um Erfolgseinschätzungen zur nachfolgenden Situation sehr freuen. Bei der nachfolgenden Situation geht es nicht um mich, sondern um eine Bekannte.

Die Arbeitnehmerin ist kürzlich in einem Krankenhaus als KPH (1-jährige Ausbildung) erfolgreich und als Stufenbeste examiniert worden. Es besteht ein Arbeitsverhältnis als KPH. Ein Problem ist eine psychische Vorerkrankung (gesichert diagnostiziert, mit psychiatrischer Behandlung und Medikation), die dazu führt das die Arbeitnehmerin für einzelne Tage ausfällt - es sind allerdings keine exzessiven Fehltage, auch Krankheitsfälle wegen anderen Erkrankungen sind sehr selten.
Der Arbeitnehmerin wurde eine Folge-Ausbildung zur Krankenschwester angeboten, welche allerdings abgelehnt wurde (aus Rücksicht auf die eigene Gesundheit) und das vorhandene Arbeitsverhältnis wurde beibehalten, wobei die Arbeitnehmerin von der aktuellen Station auf die angestammte Station aus der Ausbildung wechseln wollte. Dieser Wechsel wurde zunächst grundlos abgelehnt, und nach einigem Stress dann widerwillig genehmigt, weil die Stationsleitung sich dafür ausgesprochen hat.

Hier gehen jetzt die Probleme los. Zunächst wurde die Arbeitnehmerin zur PDL zitiert und dort direkt für das Ablehnen des Ausbildungsverhältnisses auf persönlicher Ebene zusammengestutzt, das Sie eine "Enttäuschung" sei, und "psychisch nicht tragbar". Selbige Person hat dann alles nachfolgende initiiert bzw. getan:

- Kollegen mit gutem Bezug zur Arbeitnehmerin haben Sie direkt darauf aufmerksam gemacht, dass sowohl Mitarbeiter der alten sowie der angestammten Station gegen Arbeitnehmerin aufgehetzt wurden
- Auf der Station wurden täglich Kontrollanrufe durchgeführt, ob Arbeitnehmerin erschienen ist, und wie die Leistung war (wir sprechen hier von einem Krankenhaus mit mehreren Tausend Mitarbeitern...)
- Bei Krankheit fanden Kontrollanrufe auf die private Festnetznummer statt, inklusive Geschrei auf dem Anrufbeantworter bei Nicht-Rangehen
- Ein Schichtplan existiert, allerdings wurde in den letzten Monaten kein einziger Tag nach dem Schichtplan gearbeitet
- Anrufe das Arbeitnehmerin jetzt/gleich/später zu einer anderen Schicht zu erscheinen hat "da sie weiß was sonst passiert"
- Ruhezeit zwischen den Schichtwechseln wurde nicht eingehalten, es gab auch oft direkte Spät-Früh-Wechsel
- Nachtdienste wurden als "Test" für die Arbeitnehmerin zugewiesen
- Pausen sind so gut wie nicht existent

Einige dieser Punkte (wie Pausen) spielen sich bei anderen Kollegen auch ab, allerdings nicht in dieser Gesamt-Konstellation wie bei der Arbeitnehmerin. Das hier eine weitere friedliche Mitarbeit möglich ausgeschlossen ist, scheint mir klar. Auch ist der Ruf dieses Krankenhauses eher im Naja-Bereich, von Patienten wie von (Ex-)Mitarbeitern.
Aus Laien-Sicht scheinen mir hier doch einige Verstöße gegen das Arbeitsrecht (wie das Thema mit Pausen und Schichten) vorzuliegen? Das übrige Mobbing führt auch zur Verstärkung der psychischen Probleme der Arbeitnehmerin.

Gibt es hier Möglichkeiten dieses Mobbing nicht einfach so auf sich ruhen zu lassen? Wie sieht es hier aus mit möglichem Schmerzensgeld / Abfindung? Ich befürchte das mögliches Vorgehen gegen den Arbeitgeber an der Beweislage abprallt.

Vielen Dank im Vorraus.

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Abfindung Mobbing Arbeitsverhältnis Arbeitsrecht


8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(71154 Beiträge, 32388x hilfreich)

Zitat (von mn930):
Bei Krankheit fanden Kontrollanrufe auf die private Festnetznummer statt, inklusive Geschrei auf dem Anrufbeantworter bei Nicht-Rangehen

Arbeitgeber untersagen diese Rufnummer nutzen und Nummer des Arbeitgebers blockieren.



Zitat (von mn930):
Pausen sind so gut wie nicht existent

Die laut Gesetz / vertraglicher Vereinbarung vorgeschrieben Pausen einfach machen.



Zitat (von mn930):
Ein Schichtplan existiert, allerdings wurde in den letzten Monaten kein einziger Tag nach dem Schichtplan gearbeitet

Warum nicht?



Zitat (von mn930):
Anrufe das Arbeitnehmerin jetzt/gleich/später zu einer anderen Schicht zu erscheinen hat "da sie weiß was sonst passiert"

Aha, und was passiert sonst?
Warum geht man überhaupt ans Telefon?


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#2
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6629 Beiträge, 2737x hilfreich)

Gibt's da keinen Betriebsrat?

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#3
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(28572 Beiträge, 11834x hilfreich)

Das war auch mein erster Gedanke. Der schaut sich ja auch die Schichtpläne an. Sollte eigentlich wissen, was in einem Betrieb wann wie geplant ist. Was warum nicht eingehalten wird.

wirdwerden

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#4
 Von 
mn930
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo zusammen,
vielen Dank für eure Antworten!

Zitat (von Harry van Sell):

Aha, und was passiert sonst?
Warum geht man überhaupt ans Telefon?

Zitat (von Harry van Sell):

Warum nicht?

Was sonst passiert ist ihre Kündigung, womit Sie von Ihren Vorgesetzten bedroht wird. Sorry, das hätte ich genauer ausführen sollen.

Zitat (von fb367463-2):
Gibt's da keinen Betriebsrat?

Ja, allerdings hat Sie Angst sich dorthin zu wenden, da die Befürchtung besteht das es alles nur schlimmer macht wenn die entsprechenden Vorgesetzten davon erfahren.

Zitat (von wirdwerden):
Das war auch mein erster Gedanke. Der schaut sich ja auch die Schichtpläne an. Sollte eigentlich wissen, was in einem Betrieb wann wie geplant ist. Was warum nicht eingehalten wird.

Soweit ich weiß interessiert sich der Betriebsrat nicht für die Schichtpläne...

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#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(71154 Beiträge, 32388x hilfreich)

Zitat (von mn930):
Was sonst passiert ist ihre Kündigung, womit Sie von Ihren Vorgesetzten bedroht wird.

Nun, man wird sich entscheiden müssen
A) man lässt sich weiter rumschubsen, verarschen und ausbeuten
B) man setzt sich zur Wehr und nimmt seine Rechte wahr


Bei B) kann es zur Kündigung kommen, dagegen muss man dann halt gerichtlich vorgehen.
Wenn da dann noch die oberste Führungsebene und die Presse / Öffentlichkeit geschickt einbindet, sollten auch die Vorgesetzten der Dame mal aufwachen und auf das treiben aufmerksam werden.


Als erstes würde ich mal ein sehr detailliertes Tagebuch führen, damit man was in der Hand hat wenns vor Gericht geht.

Auch falls die Dame dann einen Kleinkrieg gegen die Bekannte starten sollte, ist das sehr nützlich.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#6
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6629 Beiträge, 2737x hilfreich)

Zitat (von mn930):
Hallo zusammen,
vielen Dank für eure Antworten!

Zitat (von Harry van Sell):

Aha, und was passiert sonst?
Warum geht man überhaupt ans Telefon?

Zitat (von Harry van Sell):

Warum nicht?

Was sonst passiert ist ihre Kündigung, womit Sie von Ihren Vorgesetzten bedroht wird. Sorry, das hätte ich genauer ausführen sollen.

Zitat (von fb367463-2):
Gibt's da keinen Betriebsrat?

Ja, allerdings hat Sie Angst sich dorthin zu wenden, da die Befürchtung besteht das es alles nur schlimmer macht wenn die entsprechenden Vorgesetzten davon erfahren.

Zitat (von wirdwerden):
Das war auch mein erster Gedanke. Der schaut sich ja auch die Schichtpläne an. Sollte eigentlich wissen, was in einem Betrieb wann wie geplant ist. Was warum nicht eingehalten wird.

Soweit ich weiß interessiert sich der Betriebsrat nicht für die Schichtpläne...

Bei uns schon. Die Pläne müssen dem Betriebsrat vorgelegt werden, der sie dann absegnet.

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#7
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6629 Beiträge, 2737x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von mn930):
Was sonst passiert ist ihre Kündigung, womit Sie von Ihren Vorgesetzten bedroht wird.

Nun, man wird sich entscheiden müssen
A) man lässt sich weiter rumschubsen, verarschen und ausbeuten
B) man setzt sich zur Wehr und nimmt seine Rechte wahr




In der Tat. Entweder sie will, dass sich etwas ändert, dann ist der Betriebsrat eine große Hilfe und Unterstützer. Oder sie will nicht, dass die Vorgesetzten oder der falsche Vorgesetzte oder überhaupt irgendjemand etwas erfährt, dann geht die Sache halt weiter und sie soll aufhören zu maulen. Entscheiden muss sie sich. Wasch mich, aber mach mich nicht nass, funktioniert nicht. Und ohne dass sie etwas unternimmt, wird keiner etwas für sie unternehmen.

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#8
 Von 
blaubär+
Status:
Unparteiischer
(9819 Beiträge, 4325x hilfreich)

/// ... sondern um eine Bekannte.

Das ist wohl des Pudels Kern, dass diese Bekannte wohl von Angst getrieben ist, eine verletzliche Seele. Da fällt es schwer, 'einfach seine Rechte wahrzunehmen'. Nur wird sie nicht drum herumkommen, eine gewisse Widerstandsfähigkeit zu entwickelen, sonst ist sie am Ende für keinen Job stabil genug.
Mir scheint, eine Auflistung und Unterteilung der Probleme täte gut nach Themen, die direkt lösbar sind und allgemein bedrohlichen.

# Anrufe daheim - nicht im Krankenstand ans Telefon gehen scheint mir zumutbar, auch der AB lässt sich abschalten. Das hilft im Übrigen auch gegen das kurzfristige Zitieren zu irgendwelch anderen Schichten als den veröffentlichten.
# An der Angst, auch nur zum BR zu gehen, sollte sich auch arbeiten lassen. Sie kann dort eigentlich nur Unterstützung finden, und wenn wider Erwarten nicht, ist auch nicht viel passiert.
# Auch wenn der BR sich tatsächlich für Schichtpläne nicht interessieren sollte - der veröffentlichte Schichtplan ist auch für die AN unmittelbar von Bedeutung: er legt fest, wann AN arbeitspflichtig ist. Und darüber ebenso, wann nicht - kein Eintrag im Schichtplan, keine Arbeitspflicht.

Unterstützung, wie du sie leistest, sollte beitragen, dass AN sicherer wird bzgl. ihrer Rechte. Dafür einzustehen, erfordert dann immer noch Mut und Stehvermögen, aber es lässt sich aufbauen mit einem Anfang bei den leichteren Sachen und Fortschritt mit den schwereren.

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