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Mobbing durch Arbeitgeber

 Von 
Endymion
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Mobbing durch Arbeitgeber

Guten Abend,
meine Schwester ist Rechtsanwaltsfachangestellte und arbeitet bei einem Rechtsanwalt, der seine Kanzlei von seinem Privathaus aus führt. Seit über einem Jahr ist sie die einzige Angestellte. Es handelt sich hierbei um eine Halbtagsstelle (vormittags). Die Probleme begannen bereits wenige Wochen nach Antritt der Stelle, in der Form, dass meiner Schwester von Seiten der Ehefrau des Anwaltes böswillig und völlig aus der Luft gegriffen unterstellt wurde, dass sie ein Verhältnis mit ihrem Mann habe, was diese entsetzt und wahrheitsgetreu zurückgewiesen hat. Meine Schwester wurde in der Folgezeit immer wieder Zeugin lautstarker Auseinandersetzungen zwischen ihrem Chef und dessen Ehefrau. Ständig hat sie schlimmste Beleidigungen und Unterstellungen über sich ergehen lassen, ohne sich jedoch zur Wehr zu setzen, aus Angst, die Stelle zu verlieren, bevor sie eine neue gefunden hat. (Die Stelle hat sie nach Abschluss ihrer Ausbildung angetreten.) Auch ihr Chef begann schließlich, ihr schlimm zuzusetzen. So wurde sie u.a. schon als „Nutte“ und „fette Kuh“ betitelt. Meine Schwester hat ihm mehrmals zu verstehen gegeben, dass sie sich eine solche Behandlung nicht länger bieten lassen wolle. Als Antwort hierauf erhielt sie, dann müsse er ihr eben kündigen. An anderen Tagen dagegen herrschte eine normale und erträgliche Atmosphäre und der Mann schien wie ausgewechselt. Gestern Vormittag ist die Situation schließlich dahingehend eskaliert, dass meine Schwester nach Erledigung ihrer Arbeit ihren Chef fragte, ob sie nun gehen könne. Er reagierte aggressiv und bezeichnete sie als Vampir und Blutsauger. Sie ließ sich dazu hinreißen, genervt zu entgegnen:“Ja, dann bin ich das eben. Ich brauche jeden Tag einen Liter frisches Blut.“ Daraufhin warf er sie aus der Kanzlei und sagte noch, dass er sich nun überlegen müsse, ob er ihr fristlos kündige, oder ob eine Abmahnung vorerst reiche. Er wollte ihr noch am gleichen Nachmittag Bescheid geben, was nicht geschah. Daraufhin ist sie heute wie gewohnt pünktlich zur Arbeit erschienen. Auf ihr Klingeln wurde ihr die Tür (sie besitzt keinen Schlüssel zu den Kanzleiräumen) nicht geöffnet. Schließlich ist sie wieder gegangen und hat den ganzen Tag über vergeblich telefonisch versucht, ihren Chef zu erreichen. Auch auf eine auf seinem Anrufbeantworter hinterlassene Nachricht, was denn nun sei, erfolgte bis jetzt keine Reaktion. Meine Schwester ist nun unsicher, wie sie sich morgen verhalten soll. Sie will zunächst vorab nochmals telefonisch versuchen, eine Klärung herbeizuführen. Ist es sinnvoll, dass sie nochmal zur Arbeitsstelle fährt, möglicherweise wird ihr der Zutritt wieder verweigert. Sie möchte nun unbedingt geklärt haben, wie ihre Position ist. Was kann sie tun, wenn ihr Arbeitgeber partout nicht reagiert und nicht zu einem Gespräch mit ihr bereit ist? Kann er ohne vorherige Abmahnung überhaupt eine fristlose Kündigung aussprechen? (Sie hat bisher keine Abmahnung erhalten.) Wir befürchten, dass er auf ihr Klingeln nicht reagiert, weil er ihr einen Strick daraus drehen möchte, nach dem Motto: Frau X ist mehrere Tage hintereinander nicht zur Arbeit erschienen und will ihrer Arbeitsverpflichtung offensichtlich nicht mehr nachkommen, deshalb bin ich jetzt zur Kündigung berechtigt. Wie kann sie sich hier schützen? Wie ist die Beweislage ihres Chefs? Es steht dann schließlich Aussage gegen Aussage.
Ergänzend möchte ich noch hinzufügen, dass meiner Schwester weder das vertraglich zugesicherte Weihnachtsgeld jemals gezahlt wurde, noch die zahlreichen Überstunden, die sie regelmäßig leistet, vergütet wurden. Sie arbeitet oft bis abends spät in der Kanzlei, obwohl ihre Stelle auf halbe Tage (bis mittags) ausgerichtet ist.
Ich danke schon jetzt herzlich für alle Beiträge.

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Abmahnung Chef Kündigen


5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
venotis
Status:
Unparteiischer
(9555 Beiträge, 2245x hilfreich)

Hallo, sie sollte weiter ihre Arbeitskraft anbieten. Z.B. indem sie - möglichst mit Zeugen - hingeht, um zu arbeiten. Er wird sie vermutlich nicht reinlassen, aber die Tatsache, dass sie ihre Arbeitskraft angeboten hat, bringt ihr vielleicht noch weiteren Anspruch auf Bezahlung bis eine schriftliche Kündigung kommt.

Aber mal ehrlich: Wer möchte bei so einem Ar***loch weiter arbeiten? Sich beleidigen zu lassen, hat man als AN wirklich nicht nötig.

Keine Angst vor neuer Stellensuche. Es kann nur besser kommen als dort.

MfG

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#2
 Von 
guest-12319.11.2008 09:24:21
Status:
Lehrling
(1536 Beiträge, 182x hilfreich)

Köstlich, wenn nicht mal Rechtsanwälte selbst wissen, wie man einen Angestellten richtig *los* wird. :grins:

Wie Venotis schon sagte, solange keine schriftliche Kündigung eingegangen ist, sie täglich zu arbeiten *versucht*, solange hat sie Anspruch auf Vergütung! Sie sollte auch mal in ihren Arbeitsvertrag sehen, ob hinsichtlich von Ausschlußfristen was erwähnt ist und ob evt. Überstunden im Gehalt inbegriffen sind, dann könnte sie noch den entgangenen Lohn für Überstunden etc. einfordern.

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"Wie war das mit dem Pferd vor der Apotheke? <a href='http://smiliestation.de/' target='_blank' title='Smileys'><img src='http://smiliestation.de/smileys/Tiere/259.gif' alt='Smiley' border='0'>
"

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#3
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17601 Beiträge, 7783x hilfreich)

Ich würde mir zu dieser doch speziellen Situation mal einen Tipp bei einem Rechtsanwalt einholen (es gibt ja auch gute!), z.B. bei Frag einen Anwalt hier im Forum.

Ich bezweifle, dass Ihre Schwester Tag für Tag wie blöd an der Tür klingeln muß, also ihre Arbeitskraft anbieten. Das ist doch eine demütigende Situation, jeden Tag davor zu stehen. Ihren Verdacht halte ich für gerechtfertigt, den mit dem Strick.
Ganz praktisch würde ich da noch vielleicht zweimal in Begleitung hinfahren, damit bestätigt wird, dass der AG Ihre Schwester nicht arbeiten lässt.

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#4
 Von 
Andreas.Hauser
Status:
Lehrling
(1229 Beiträge, 122x hilfreich)

Das problem ist, daß sie aufgrund der betriebsgröße keinen Kündigungsschutz hat, so daß der Anwalt fristgemäß kündigen kann jederzeit. Interessant wird es nur, wenn Ihre Schwester schwanger oder schwerbehindert wäre ?

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#5
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17601 Beiträge, 7783x hilfreich)

Auch wenn der AG jederzeit kündigen könnte, so geht es doch auch darum, dass die Kündigungsfrist eingehalten wird und somit die Gehaltszahlung bis zu diesem Zeitpunkt.

Desweiteren hätte ja eine fristlose Kündigung des AG mit der Begründung, hier läge Arbeitsverweigerung vor, auch erhebliche Folgen bei der Beantragung von Arbeitslosengeld, Sperre etc.

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