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Papa wurde von *** wegen Corona entlassen

25.11.2021 Thema abonnieren
 Von 
gonegirl
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Papa wurde von *** wegen Corona entlassen

Hallo,

ich melde mich hier, weil ich Hilfe brauche und nicht weiß, wen ich sonst fragen kann. Mein Name ist Ezra und ich bin 15 Jahre alt. Mein Vater hat bis vor Kurzem bei *** gearbeitet, einer Firma, die Spielautomaten herstellt. Wir haben unsere Mutter letztes Jahr im Dezember durch das Coronavirus verloren, und mein Vater hat sich vor kurzem infiziert, obwohl er geimpft ist.

Er meldete seinen Zustand dem Unternehmen und erhielt bald darauf eine E-Mail, dass er dort nicht mehr beschäftigt sei. Sein Arbeitsplatz wusste über unsere familiäre Situation Bescheid, und ich verstehe nicht, warum sich ein Unternehmen so verhält. Ich bin vielleicht noch jung, aber das scheint nicht fair zu sein. Jetzt versucht mein Vater verzweifelt, Arbeit zu finden, um die Rechnungen zu bezahlen und Essen auf den Tisch zu bringen.

Er will auch nicht mit meinem Bruder und mir über diese Situation sprechen, und alles, was wir von ihm erfahren konnten, war, dass sein ehemaliger Chef das Coronavirus als Grund für seine Entlassung angab. Ich konnte das nicht verstehen, zumal ich mich daran erinnere, dass ich mir Sorgen um die Position meines Vaters machte, als unsere Mutter letztes Jahr starb. In diesem Moment fand ich auch das hier: https://www.aktiencheck.de/exklusiv/Artikel-Einbussen_beim_Automatenriesen_Gauselmann-11391741.

Mein Vater hat fast sein ganzes Leben lang für dieses Unternehmen gearbeitet. Da in diesem Zeitungsartikel die eigenen Worte des Eigentümers aufgeführt sind, dass er trotz COVID19 keine Arbeitnehmer entlassen würde, gibt es da eine Möglichkeit, das Unternehmen zu verklagen? Bitte verzeiht mir meine Unwissenheit, wenn ich eine dumme Frage stelle, denn mir ist klar, dass ich noch nicht weiß, wie die Welt funktioniert. Aber ich kann nicht tatenlos zusehen, wie mein Vater von Tag zu Tag deprimierter wird, daher bitte ich um Ratschläge, was wir tun können.

Danke, dass ihr das lest,

Ezra


-- Editiert von Moderator topic am 27.11.2021 13:32

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Philosoph
(13619 Beiträge, 5364x hilfreich)

Zitat (von gonegirl):
gibt es da eine Möglichkeit, das Unternehmen zu verklagen?

Krankheit ist normalerweise kein Grund für eine Kündigung.
Wenn einer etwas tun kann, ist es dein Vater - er kann und sollte Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben. Wenn es denn nicht zu spät ist dafür: ab Zugang der Kündigung hat/hatte dein Vater genau 3 Wochen Zeit für eine Kündigungsschutzklage.
Wenn er diese Frist versäumt hat, hat er es allerdings gründlich vermasselt.

Zitat (von gonegirl):
erfahren konnten, war, dass sein ehemaliger Chef das Coronavirus als Grund für seine Entlassung angab

Das freilich könnte auch bedeuten, dass dein Vater nicht gekündigt wurde, weil er selbst erkrankt ist, sondern weil die Firma in der Corona-Zeit Einbußen hatte (worauf dein Link deutet). Dann wäre die Kündigung allerdings aus betrieblichen Gründen erfolgt. Dann könnte es sein, dass eine Klage nutzlos ist/wäre - jedenfalls dann, wenn die Regeln eingehalten worden sind.

Also: Ihr als Kinder könnt gar nichts tun; euer Vater vielleicht.

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(94142 Beiträge, 36094x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
er kann und sollte Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben.

Ohne Kündigung gibt es aber rein gar keinen Grund Kündigungsschutzklage.



Zitat (von gonegirl):
und erhielt bald darauf eine E-Mail, dass er dort nicht mehr beschäftigt sei.

Das ist aber gar keine Kündigung.

Wann genau war das mit der E-Mail?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Philosoph
(13619 Beiträge, 5364x hilfreich)

... den Teil mit der Email hatte ich glatt überlesen. (Die Kündigung muss in Schriftform erfolgen, also per Brief und mit ordentlicher Unterschrift des Zuständigen; so ist es keine Kündigung).
Also wäre das Erste gewesen, dass euer Vater weiter zur Arbeit erscheint (und sich ggf. nach Hause schicken lässt).
Wenn der AG ihn nicht arbeiten lässt .. dann kann es weitergehen wie in #1 dargestellt. Ich habe sozusagen den zweiten Schritt vor dem ersten dargestellt.
Ohne weitere, genaue Informationen gibt es hier aber kein Weiterkommen.

Anmerkung: Hier im Forum nennt man besser keine Namen, auch keine Firmennamen

-- Editiert von blaubär+ am 26.11.2021 06:34

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#4
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(29968 Beiträge, 16223x hilfreich)

Der Vater ist mit Corona infiziert und sollte tunlichst NICHT zur Arbeit erscheinen, sondern die Quarantäne einhalten.

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

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#5
 Von 
FancyFox
Status:
Beginner
(132 Beiträge, 8x hilfreich)

Hallo Ezra,

Zitat (von gonegirl):

Er meldete seinen Zustand dem Unternehmen und erhielt bald darauf eine E-Mail, dass er dort nicht mehr beschäftigt sei.

Eine Kündigung via Email dürfte keinen Bestand haben, wie schon von den anderen geschrieben wurde.

Zitat:
Sein Arbeitsplatz wusste über unsere familiäre Situation Bescheid, und ich verstehe nicht, warum sich ein Unternehmen so verhält. Ich bin vielleicht noch jung, aber das scheint nicht fair zu sein. Jetzt versucht mein Vater verzweifelt, Arbeit zu finden, um die Rechnungen zu bezahlen und Essen auf den Tisch zu bringen.

Leider ist die Arbeitswelt oft nicht fair, insbesondere nicht bei einfachen Arbeitern. Zudem wird da recht häufig geltendes Recht ignoriert, in der Hoffnung, dass der Betroffene schon nicht klagen wird. Im Schnitt scheint sich dieses unfaire Verhalten also zu rechnen.

Zitat:
Er will auch nicht mit meinem Bruder und mir über diese Situation sprechen, und alles, was wir von ihm erfahren konnten, war, dass sein ehemaliger Chef das Coronavirus als Grund für seine Entlassung angab.

Das finde ich insbesondere deswegen schlimm, als dass sich nicht wenige Arbeiter am Arbeitsplatz infizieren, oft wegen mangelnder Vorsorgemaßnahmen.

Zitat:
Mein Vater hat fast sein ganzes Leben lang für dieses Unternehmen gearbeitet.

Um so mehr ist das Handeln des Arbeitsgebers zu verachten. Es wäre von großem Vorteil, wenn dein Vater einen Fachanwalt für Arbeitsrecht aufsucht und sich von diesem beraten lässt! Sofern dein Vater noch unter Quarantäne steht, ist diese natürlich unbedingt einzuhalten! Sobald dein Vater nicht mehr unter Quarantäne steht, sollte er unbedingt seine Arbeitskraft anbieten (also zur Arbeit erscheinen) und sich ggf. nach Hause schicken lassen. Erscheint er nicht, ist das wie ein unentschuldigtes Fernbleiben, was wiederum eine Kündigung rechtfertigen könnte.

Zitat:
Da in diesem Zeitungsartikel die eigenen Worte des Eigentümers aufgeführt sind, dass er trotz COVID19 keine Arbeitnehmer entlassen würde, gibt es da eine Möglichkeit, das Unternehmen zu verklagen?

Eventuell könnte man sich später an die Zeitung wenden und denen die Situation schildern. Aber zunächst ist wichtig, dass dein Vater einen guten Anwalt aufsucht, der mit ihm das weitere Verhalten bespricht!

Ich weiß natürlich nicht, ob dein Vater Mitglied in einer Gewerkschaft ist oder eine Rechtsschutzversicherung hat. Wenn ja, wäre das von Vorteil. Wenn nicht, würde ich trotzdem empfehlen, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht aufzusuchen. Eine anwaltliche Erstberatung ist nicht teuer. Es wäre von Vorteil, wenn so viele Unterlagen wie möglich zu dem Termin mitgebracht werden, also z. B. der Arbeitsvertrag, ggf. auch Lohnabrechnungen, die ausgedruckte E-Mail und alles weitere, was mit seiner Tätigkeit im Unternehmen zusammen hängt.

Ich wünsche dir und deinem Vater viel Glück und hoffe, dass sich alles zum Guten wendet!

P.S.: Wenn dein Vater sich arbeitslos meldet, sollte er unbedingt die Umstände der "Kündigung" angeben. Ich weiß zwar nicht, ob das Jobcenter da tätig wird, könnte es mir aber vorstellen. Denn was da mit deinem Vater gemacht wird, entspricht nicht der Rechtslage.

-- Editiert von FancyFox am 27.11.2021 14:03

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#6
 Von 
blaubär+
Status:
Philosoph
(13619 Beiträge, 5364x hilfreich)

Zitat (von FancyFox):
Eventuell könnte man sich später an die Zeitung wenden und denen die Situation schildern. Aber zunächst ist wichtig, dass dein Vater einen guten Anwalt aufsucht, der mit ihm das weitere Verhalten bespricht!


... alles gut und schön - bloß dass es an entscheidenden Informationen fehlt, namentlich an Infos zum Zeitablauf.

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#7
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(94142 Beiträge, 36094x hilfreich)

Zitat (von FancyFox):
Aber zunächst ist wichtig, dass dein Vater einen guten Anwalt aufsucht, der mit ihm das weitere Verhalten bespricht!

Dann sollte man auch erwähnen, dass das den Vater wohl ein paar hundert EUR kosten würde ... die momentan wohl nicht zur Verfügung stehen ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB

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#8
 Von 
ip552003-23
Status:
Frischling
(35 Beiträge, 5x hilfreich)

Was für eine offensichtliche Werbung für die verlinkte Seite. Und hier geben sich Menschen die Mühe zu antworten.

Signatur:

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#9
 Von 
blaubär+
Status:
Philosoph
(13619 Beiträge, 5364x hilfreich)

Zitat (von ip552003-23):
Was für eine offensichtliche Werbung für die verlinkte Seite.

Du meinst, das sei eine Fake-Anfrage?
Ein wenig hatte ich auch den Verdacht, dass der Text für eine angeblich 15-Jährige doch zu ausgefeilt sei.

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#10
 Von 
Alter Sack
Status:
Lehrling
(1076 Beiträge, 137x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Du meinst, das sei eine Fake-Anfrage?



Das ist mit Sicherheit so, denn in einer anderen Anfrage ist die/der TE auf einmal Buchhalter.

https://www.123recht.de/Forum-__f591102.html

-- Editiert von Alter Sack am 28.11.2021 11:38

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