Überzahlung nach über einem Jahr aufgefallen - Tarifbeschäftigter, Ausschlussfristen?

24. Juli 2023 Thema abonnieren
 Von 
AskCpu
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Überzahlung nach über einem Jahr aufgefallen - Tarifbeschäftigter, Ausschlussfristen?

Hallo Zusammen,

ich habe von meinem Arbeitgeber eine Aufforderung zur Rückzahlung von überbezahltem Lohn erhalten.

Ich bin aus allen Wolken gefallen, da es mir nicht aufgefallen ist, dass ich zu viel Lohn erhalten habe.

Ich habe im März 2022 meinen Arbeitgeber gewechselt. Von einem Tarifunternehmen zu einem anderen. (Tarif Metall + Elektro) ich hatte beim Wechsel bemerkt, dass ich nicht wie geplant zum Februar 2022 anfangen kann, sondern einen Monat später und habe meinen späteren Vorgesetzten und auch HR darüber informiert, dass ich erst einen Monat später anfangen kann. (E-Mail habe ich noch) ich habe angefangen zu arbeiten und überhaupt nicht mehr aufs Konto geschaut.

Durch den Wechsel wurde mir eine Sonderzahlung nicht korrekt berechnet und ich habe Sozialversicherungsbescheinigungen nachgereicht um die Zeit bei meinem alten Arbeitgeber nachzuweisen. Dadurch schein die Überzahlung meinem Arbeitgeber aufgefallen zu sein - und mir durch die E-Mail meines Arbeitgebers in dem Verfahren.

Kann mein Arbeitgeber über ein Jahr später das Geld zurückfordern? Ich würde gerade aufgrund der Differenz von Brutto/Netto hier eher nach einem Weg suchen das zu umgehen. Ich habe nicht darum gebeten zu viel zu erhalten und habe jetzt die Scherereien.

Vor dem Hintergrund dass ich extrem viel Arbeiten muss und aufgrund neuer Verträge mit "Vertrauensarbeitszeit" die es mir aber nicht ermöglichen meine Zeit selbst einzuteilen, weil die Projekte in denen ich arbeite sehr Arbeitsintensiv sind und mein Chef mir Gleitzeit verwehrt, würde ich bei knapp 270 Überstunden die ich mittlerweile habe, eher einen Deal anbieten und sagen: "wir tauschen 175 Überstunden gegen die Überzahlung".

Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich den Vertrag nicht unterschrieben, aber das ist ein anderes Thema.

Ich würde mich sehr über Ratschläge freuen.

-- Editiert von User am 24. Juli 2023 16:21

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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17189 Beiträge, 6422x hilfreich)

Zitat (von AskCpu):
Kann mein Arbeitgeber über ein Jahr später das Geld zurückfordern?

Das kommt darauf an. Wenn dein AV eine Ausschlussfrist beinhaltet, ist die Rückzahlung von zu viel Geleistetem auf diesen Zeitpunkt begrenzt. Ohne Ausschlussfrist gilt die gesetzliche Verjährung von 3 Jahren.
Eine andere Frage und Ebene ist die der Modalitäten, wie also gezahlt wird - da mag deine Vorstellung von Verrechnung zum Zuge kommen; aber das ist Verhandlungssache.

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#2
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von AskCpu):
Ich habe im März 2022 meinen Arbeitgeber gewechselt. Von einem Tarifunternehmen zu einem anderen. (Tarif Metall + Elektro) ich hatte beim Wechsel bemerkt, dass ich nicht wie geplant zum Februar 2022 anfangen kann, sondern einen Monat später und habe meinen späteren Vorgesetzten und auch HR darüber informiert, dass ich erst einen Monat später anfangen kann. (E-Mail habe ich noch) ich habe angefangen zu arbeiten und überhaupt nicht mehr aufs Konto geschaut.
D.h. Dir wurde schon für Februar Gehalt gezahlt? Und Dir ist es nicht aufgefallen?

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
AskCpu
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

@Blaubär:

Im Mantelvertrag M+E ( Abschluss: 11.11.2021) steht dazu:

Zitat:

Teil E: Ausschlussfristen, Beilegung von Streitigkeiten

§46

Ausschlussfristen

Ansprüche der Beschäftigten aus dem Arbeitsverhältnis sind dem Arbeitgeber gegenüber
folgendermaßen geltend zu machen:
- Ansprüche auf Zuschläge aller Art innerhalb von 2 Monaten nach Fälligkeit,
- alle übrigen Ansprüche innerhalb von 6 Monaten nach Fälligkeit, spätestens jedoch
innerhalb von 3 Monaten nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Ansprüche, die nicht innerhalb dieser Frist geltend gemacht werden, sind verwirkt, es sei
denn, dass der Beschäftigte durch unverschuldete Umstände nicht in der Lage war, diese
Fristen einzuhalten.

Bleibt die Geltendmachung erfolglos, so tritt die Verwirkung nicht ein, vielmehr gilt dann die
3-jährige Verjährungsfrist des § 195 BGB. Die 3-jährige Frist beginnt mit dem Schluss des
Kalenderjahres, in welchem der Anspruch entstanden ist.

Für Ansprüche des Arbeitgebers gegenüber Beschäftigten aus dem Arbeitsverhältnis gelten
die vorstehenden Bestimmungen sinngemäß.

Die vorstehenden Ausschlussfristen gelten nicht für solche Ansprüche, über deren
Berechtigung zwischen den Tarifvertragsparteien Streitigkeiten bestehen (§ 47.3).



Gibt es wegen der Verhandlung im Sinne der Verrechnung etwas zu beachten? Ich kann ja grundsätzlich einen Rechtsanwalt beratend hinzuziehen ohne dass es gleich vors Arbeitsgericht gehen muss.

@Bostonxl:
Tatsächlich ja. Ich habe einen guten Überblick über meine Ausgaben und muss nicht ständig auf mein Gehaltskonto schauen. Das einzige Konto dass ich frequentiert im Auge habe ist, dass meiner Nebenberuflichen Selbstständigkeit, da ich hier deutlich größere Summen verschiebe als ich in mehreren Monaten verdiene. Ich sehe mein monatliches Gehalt, als etwas an, dass meine Fixkosten deckt, der Rest geht in Bausparverträge, ETFs und ein separates "Geld ausgebe Konto".


-- Editiert von User am 24. Juli 2023 17:46

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#4
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Irgendwelche Ausschlussfristen aus dem TV kommen gar nicht zum tragen. Die falsche Zahlung resultierte nicht aus einem Arbeitsverhältnis, das begann erst zum 1.3.
Also bleibt die dreijährige Verjährungsfrist. Und Entreicherung liegt definitiv auch nicht vor. Ergo ist das komplette Gehalt zurück zu zahlen.

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118366 Beiträge, 39557x hilfreich)

Zitat (von AskCpu):
und überhaupt nicht mehr aufs Konto geschaut.

Das hilft in dem Falle leider überhaupt nicht als Argument.



Zitat (von AskCpu):
Kann mein Arbeitgeber über ein Jahr später das Geld zurückfordern?

Ich verstehe die Frage nicht - man macht es doch schon, da ist die Frage ob man es kann doch irgendwie überflüssig?



Zitat (von AskCpu):
Gibt es wegen der Verhandlung im Sinne der Verrechnung etwas zu beachten?

Eigentlich nur, das man es nachweisbar machen sollte, also mindestens eine valide Textform.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
AskCpu
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Antworten - schade dachte dass würde Anwendung finden mit der Auschlussfrist.

Dann sehe ich mal zu, dass ich zu einer Einigung wegen Überstundenvergütung komme.

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