Unbefristeter Arbeitsvertrag - jetzt Stundenkürzun

21. April 2012 Thema abonnieren
 Von 
Hoferin
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Unbefristeter Arbeitsvertrag - jetzt Stundenkürzun

Hallo miteinander,

ich habe eine Frage, vielleicht kann man hier Licht ins Dunkel bringen.

Ich arbeite seit 2001 bei einem Unternehmen und habe nach zwei Jahren (2003) einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. Das heißt auch, dass für zwei Chefs je 20 Stunden pro Woche arbeite.

Jetzt steht eine Stundenkürzung an, da ein Kollege aus betrieblichen Gründen wegfällt (Kürzung wirtschaftlicher Gründe).

Was hat das für Auswirkungen auf meinen Arbeitsvertrag? Muss ich die Stundenkürzung annehmen oder ist das Unternehmen verpflichtet, eine Ersatzstelle anzubieten, damit ich meine 40 Stunden behalte?

Kann mir das Unternehmen aufgrund der Stundenkürzung kündigen? In meinem Arbeitsvertrag steht: "Vertrag und Arbeitsverhältnis können beiderseits mit einer Frist von einem Monat zum Monatsende gekündigt werden." Hier würde doch der § 622 BGB greifen, so dass ich drei Monate zum Monatsende Kündigungsfrist habe.

Habe ich dann ein Recht auf Abfindung?

Was ist wenn ich mich weigere den neuen Arbeitsvertrag mit der Stundenkürzung zu unterschreiben? Oder wenn die mir vom Unternehmen angebotene "Zweit"-Stelle nicht entspricht?

Ich freue mich auf eure Meinungen!

Viele Grüße von Daniela

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
guest-12309.07.2016 16:31:25
Status:
Junior-Partner
(5011 Beiträge, 2531x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Das heißt auch, dass für zwei Chefs je 20 Stunden pro Woche arbeite.
<hr size=1 noshade>


Was ist genau zur Arbeitszeit und zur Arbeit vertraglich vereinbart?

Wurde ein geänderter Vertrag mit weniger Stunden bereits vorgelegt?

quote:<hr size=1 noshade>Kann mir das Unternehmen aufgrund der Stundenkürzung kündigen? In meinem Arbeitsvertrag steht: "Vertrag und Arbeitsverhältnis können beiderseits mit einer Frist von einem Monat zum Monatsende gekündigt werden." Hier würde doch der § 622 BGB greifen, so dass ich drei Monate zum Monatsende Kündigungsfrist habe. <hr size=1 noshade>


Der rechtlich saubere Weg wäre eine Änderungskündigung, gegen die man sich arbeitsrechtlich wehren kann. Und ja, bei einer Kündigung oder Änderungskündigung müsste der AG die Kündigungsfrist aus dem § 622 Abs. 2 BGB einhalten.


quote:<hr size=1 noshade>Ich arbeite seit 2001 bei einem Unternehmen und habe nach zwei Jahren (2003) einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. <hr size=1 noshade>


Wenn Sie seit 2001 ohne Unterbrechung im selben Betrieb arbeiten, dann wäre die Kündigungsfrist nach § 622 Abs. 2 BGB 4 Monate zum Monatsende.

quote:<hr size=1 noshade>oder ist das Unternehmen verpflichtet, eine Ersatzstelle anzubieten, damit ich meine 40 Stunden behalte?
<hr size=1 noshade>


Kommt auf die vertragliche Vereinbarung im AV an. Wieviel AN beschäftigt der Betrieb?

Vorsicht: Wenn man einen neuen AV mit weniger Stunden freiwillig und damit einvernehmlich unterschreibt, dann ist der Zug abgefahren, wie man so schön sagt. Also lieber rechtlich von einem RA oder der Gewerkschaft beraten lassen.

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#2
 Von 
Hoferin
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank erst einmal für Ihre prompte und ausführliche Antwort.

Was ist genau zur Arbeitszeit und zur Arbeit vertraglich vereinbart?

Im AV steht, dass die Verteilung von der Leitung (also von dem einem Chef (das ist der Kollege, der nicht wegfällt) festgelegt wird. Daraufhin wurde sich bei Unterzeichnung des Vertrages geeinigt, dass ich für jeden je 20 Stunden die Woche arbeite. Im AV steht auch noch, dass die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit 40 Stunden beträgt.

Wurde ein geänderter Vertrag mit weniger Stunden bereits vorgelegt?

Nein, ein neuer Vertrag wurde mir noch nicht vorgelegt, aber das wird in den nächsten Wochen passieren. Daher wollte ich mich vorab schon mal erkunden, was auf mich zukommt.

Wenn Sie seit 2001 ohne Unterbrechung im selben Betrieb arbeiten, dann wäre die Kündigungsfrist nach § 622 Abs. 2 BGB 4 Monate zum Monatsende.

Bei der Berechnung der Beschäftigungsdauer werden Zeiten, die vor der Vollendung des 25. Lebensjahrs des Arbeitnehmers liegen, nicht berücksichtigt. Daher komme ich auf drei Monate zum Ende des Kalendermonats, da ich aktuell 33 Jahre alt bin. Vier Monate sind natürlich noch besser :)

Das Unternehmen hat mehr als 300 Mitarbeiter. Leider gehöre ich einem Bereich an, für diesen kein Betriebsrat zuständig ist. Das heißt, ich kann mich bei Fragen nicht mal dahin wenden.

Und vor vielen Jahren hatte ich das Problem ja schon mal gehabt, dass mir ein Vertrag mit gekürzten Stunden vorgelegt wurde. Nur damals war ich noch zu jung um zu realisieren, was das bedeutet und habe unterschrieben. Was jetzt nicht mehr vorkommen würde. Aufgrund der Arbeitszunahme wurde mir dann wieder ein Vetrag mit 40 Stunden unterbreitet.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17802 Beiträge, 8066x hilfreich)

Die Kündigungsfrist dürfte vier Monate betragen, Beschäftigungszeiten vor dem 25.Lebenshar müssen inzwischen berücksichtigt werden. siehe dazu:

http://www.arbeitsrecht.org/arbeitnehmer/kuendigung/blog-news/neue-berechnung-der-kuendigungsfristen-zeiten-vor-dem-25-lebensjahr-muessen-beruecksichtigt-werde/

Einen neuen AV würde ich nicht unterschreiben. Für eine Verringerungen der Arbeitszeit kann der Arbeitgeber eine Änderungskündigung aussprechen, dann ist eine Klage dagegen möglich.
Geht es dem Unternehmen wirklich so schlecht? Das müßte der Arbeitgeber dann dem Gericht glaubhaft machen.

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""

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Jennerwein
Status:
Praktikant
(510 Beiträge, 159x hilfreich)

die Rechtsprechung hat den Absatz bzgl. der Anrechnung von Zeiten vor dem 25ten Lebensjahr zwischenzeitlich gekippt, er darf nicht mehr angewendet werden

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"Tra il dire e il fare c’è di mezzo il mare.
(Zwischen Reden und Tun liegt das Meer) ital.Sprichwort"

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
guest-12309.07.2016 16:31:25
Status:
Junior-Partner
(5011 Beiträge, 2531x hilfreich)

quote:
Das Unternehmen hat mehr als 300 Mitarbeiter. Leider gehöre ich einem Bereich an, für diesen kein Betriebsrat zuständig ist. Das heißt, ich kann mich bei Fragen nicht mal dahin wenden.


Können Sie das näher erklären? Das Unternehmen hat mehrere Betriebe und sie arbeiten in einem, der keinen BR hat? Weil einzelne Bereiche eines Betriebes können sicht von der Zuständigkeit des BR ausgeschlossen werden.

quote:
Und vor vielen Jahren hatte ich das Problem ja schon mal gehabt, dass mir ein Vertrag mit gekürzten Stunden vorgelegt wurde. Nur damals war ich noch zu jung um zu realisieren, was das bedeutet und habe unterschrieben.


Wie eingangs beschreiben gibt es für den AG zwei Möglichkeiten, eine Vertragsänderung mit weniger Stunden durchzusetzen.

1. Die Änderungskündigung

Dabei wird Ihr derzeitiger AV schriftlich (!) fristgemäss gekündigt (also auf die 4 Monate achten) und gleichzeitig einen neuer, geänderter Vertrag angeboten. Bei einer Änderungskündigung hat man verschiedene Möglichkeiten zu reagieren. Das können sie am einfachsten bei hensche.de nachlesen.


2. Einvernehmliche Änderung des Arbeitsvertrages

Da eine Änderungskündigung für den AG relativ schwer bis gar nicht rechtlich durchzusetzen ist, wenn der AN seine Rechte kennt und entsprechend wahrnimmt, wird normalerweise der einfache Weg über einen geänderten und zur Unterschrift vorgelegten neuen AV gegangen.

Damit kommen die meisten AG durch und müssen noch nicht mal mündlich mit der Kündigungskeule herumfuchteln.

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