Urlaub am Stück und Urlaub während der Ausbildung

31. Mai 2019 Thema abonnieren
 Von 
guest-12301.06.2022 21:18:29
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 1x hilfreich)
Urlaub am Stück und Urlaub während der Ausbildung

Hallo User,

Ich befinde mich in der Ausbildung, habe eine 6-tage Woche und anspruch auf 24 Tage Urlaub.
Da 24 Tage etwas kläglich auskommen, habe ich mir bisher immer "Einzeltage" Urlaub genommen (1-3 Tage, je nachdem), damit ich die 24 Tage immer an Wochenenden oder Feiertage heften kann um dadurch zumindest "gefühlt" mehr Urlaub zu haben und die 24 Tage einfach etwas weiter übers Jahr strecken und verteilen kann.

Obwohl ich eine 6 Tage Woche im Vertrag stehen habe, arbeite ich dennoch nur regulär von Mo-Fr 8-17 Uhr. (natürlich mit 2 Berufsschultagen innerhalb der Woche). Wegen der 6 Tage Woche muss ich mir also immer auch Samstags Urlaub nehmen, obwohl ich diesen ganz regulär eigentlich (fast!) immer frei habe. Für mich also auch ein blödes Gefühl, die Urlaubstage so zu "verschenken".

Meinen Chef missfiel nun nach einiger Zeit, dass ich immer nur diese Einzeltage Urlaub genommen habe und untersagte mir das.

Darf er das?
-Muss- ich Urlaub "am Stück" nehmen?

(Ich bin mir darüber bewusst, dass Urlaub am Stück erholsamer für Körper und Seele ist, aber aus o.g. Gründen halte ich meine Taktik für mich persönlich für angebrachter.)

Und: zum Thema "Urlaub in der Ausbildung"
Ich weiß, dass Azubis bei Möglichkeit den Urlaub immer nur während der Berufsschulferien nehmen sollten. Darf man den Urlaub in der sonstigen Zeit nur wegen "außerordentlichem" Grund nehmen oder sowas? Gibts da Gesetze oder Regeln zu?

Und wenn man den Urlaub nicht während der Ferien nimmt, und eben nur auf der Arbeit fehlt, aber -nicht- in der Berufsschule, wie läuft das mit der Urlaubsberechnung an den Berufsschultagen?
(Ich muss an keinem Berufsschultag im Anschluss zur Arbeit - muss mir aber dennoch halbe Urlaubstage nehmen, wenn ich eine ganze Woche Urlaub nehme, wenn in dieser auch Berufsschule ist)


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9 Antworten
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#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17236 Beiträge, 6430x hilfreich)

Mit diesem Herauspicken von günstigen Urlaubstagen ist das freilich so eine Sache - gerade in diesem Monat war ja in allen Zeitungen wohl zu lesen, wie AN durch Brückentagnutzung zu mehr Freizeit kommen. Nur: Des einen Freud, des anderen Leid. Untersagen im strengen Sinn kann dein AG dir nicht, für solche Tage Urlaub zu beantragen - allein: er muss ihn dir nicht unbedingt gewähren.
Da gibt es einmal die Bestimmung wegen der Berufsschulferien - ich könnte mir vorstellen, dass Berufsschule in einem Ausbildungsverhältnis schon ein gewichtiges Pfund ist - und ansonsten die üblichen Regeln, nach denen Urlaubswünsche von AN abgelehnt werden können - dringende betriebliche Belange (greift bei einem Azubi eher nicht) und Urlaubswünsche anderer. Auch das BUrlG steht da eher auf der Seite des AG: Urlaub soll zusammenhängend gewährt werden.
Deine Position und dein Wunsch sind verständlich, aber nicht unbedingt starke. In dem Punkt ist das BUrlG auf deiner Seite, dass hinsichtlich des Urlaubs die Wünsche der AN berücksichtigt werden sollen. Wobei SOLLEN im Arbeitsrecht schon Nahe dem Müssen steht (jedenfalls nicht für 'kann sein oder auch nicht).
Es wird also wohl darauf ankommen, wie streitlustig du wegen dieser Sache bist, dass du ggf. einen abgelehnten Urlaubswunsch durch das Arbeitsgericht überprüfen lässt.

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#2
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17802 Beiträge, 8067x hilfreich)

Im Bundesurlaubsgesetz steht ja nun, Urlaub ist am Stück zu gewähren und wenn nicht das, dann mind. 12 Tage am Stück. Das gilt dann auch für den Rest, da eine Reneration an einzelnen Tagen eher nicht zu erreichen ist. M.E. muss der AG hier einschreiten, um die gesetzliche Vorgabe zu erfüllen, da es ja um den gesamten Urlaub geht.
Auch wenn ich Fregs sehr gut verstehen kann, hängt er die Urlaubstage ans WE an, muss er für Sa keinen Urlaub nehmen.

-- Editiert von altona01 am 01.06.2019 09:27

Signatur:

Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln.

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#3
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3762x hilfreich)

Hallo Fregs,

du hast dir ein paar komplexe Themen ausgesucht, ich versuchs mal mit einfachen Worten:

Urlaubsanspruch allgemein:

das Bundesurlaubsgesetz regelt, dass jeder Arbeitnehmer (oder volljähriger Azubi) einen Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen/Jahr hat. Dabei ging man von einer regulären 6-Tage-Woche aus.
Umgerechnet auf die 5-Tage-Woche, beträgt der Urlaubsanspruch mindestens 20 Arbeitstage/Jahr.
Unterm Strich stehen in beiden Fällen also jedem AN mindestens 4 Wochen Urlaub/Jahr zu.

Du hast tatsächlich eine 5-Tage-Woche (Montag - Freitag), hättest somit einen jährlichen Mindesturlaubsanspruch von 20 Arbeitstagen. Dein Urlaub ist im Vertrag jedoch in Werktagen (24) ausgedrückt; d. h., wenn du eine Woche (5 Tage) freimachen willst, werden 6 Tage vom Urlaub abgezogen .

Urlaub am Stück oder nur einzelne Tage


Wer seinen Urlaub nur so legt, dass er das WE verlängert, erholt sich in den 3-4 Tagen nicht in der Weise, wie er es in einem z. B. 14-tägigen Urlaub machen würde. Also muss der AG sogar dafür sorgen, dass dir diese Zeitspanne der Erholung zuteil wird - er kann also verlangen, dass du dich anständig erholst :-)

Berufsschule und Urlaub

In der Schule kann man keinen Urlaub beantragen - man muss also hin, wenn Unterricht stattfindet. Wenn du in einer Berufsschulwoche im Betrieb Urlaub machst, musst du an den Schultagen trotzdem zum Unterricht. Solche Unterbrechungen dienen aber auch nicht der Erholung, also muss der AG dafür Sorge tragen, dass du einen zusammenhängenden Erholungsurlaub der schulfreien Zeit nehmen kannst. Aber du musst nicht ausschließlich in den Ferien deinen Urlaub nehmen: DU beantragst deine Wunschurlaubszeit und der AG muss zustimmen, wenn keine betrieblichen Belange dagegenstehen.

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#4
 Von 
guest-12301.06.2022 21:18:29
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 1x hilfreich)

Hm, danke für eure Antworten bis hier hin.

Mir selbst missfällt die Lage eigentlich auch nur aus dem Grund, weil mein Chef sehr penibel ist, was den Urlaub angeht. Seine Anweisung, ich sollte den Urlaub fortan nur noch in größeren Stücken nehmen, kommt nicht daher, dass er sorge wegen fehlender Erholung hat, sondern weil er wohl eher den Braten riecht, dass ich versuche, mir möglichst schlaue Freizeit zu nehmen.

Ich hatte ihn zudem auch schon vor langer Zeit gefragt, wie das mit den Ferien und Feiertage in Kombination mit Urlaub ist. Daraufhin meinte er, dass die Leute mit Kindern in den Ferien Vorrang haben und die Feiertage sozusagen durch die Anzahl der Beschäftigten geteilt wird, damit jeder Feiertage ausnutzen kann. Fand ich absolut fair und hatte ich keinerlei Probleme mit. Bei meiner Urlaubswahl berücksichtige ich diese Faktoren immer.

Dass ich in einer Urlaubswoche, die nicht in den Ferien stattfindet, trotzdem zur Brufsschule muss, ist natürlich völlig logisch, macht mir persönlich aber auch überhaupt nichts aus. Eine Frage, die für mich immernoch offen ist, ist die aus meinem Ausgangspost: Ist es legitim, dass ich mir eben in solchen Wochen halbe Urlaubstage nehmen muss? - An den Tagen, an denen ich Berufsschule habe?
Für mich würde diese Rechnung nur dann aufgehen, wenn ich -normalerweise- nach der Schule noch zur Arbeit ginge. Doch das tue ich nicht, weil ich es nicht muss. Trotzdem werden mir Urlaubstage mitberechnet, welche meiner Meinung nach verschenkt werden, weil ich nichts von dem halben Urlaubstag habe, wenn ich nach der Berufsschule genauso spät zuhause bin, wie wenn ich arbeiten bin.

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#5
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17236 Beiträge, 6430x hilfreich)

Zu deiner Schlussfrage lies
https://www.azubiyo.de/azubi-wissen/urlaub/
dort weiter nach unten scrollen.
Es läuft im Grunde darauf hinaus, dass der AG dir für BS-Tage gar keinen Urlaub gewähren kann, weil die BS sogar der Arbeit im Betrieb vorgeht. Folglich kann es auch nicht richtig sein, dir für solche Situationen 'halbe Urlaubstage' abzuverlangen, wenn/da du sonst nach der BS auch nicht wieder in den Betrieb zurück musst. Abgesehen davon, dass es halbe Tage Urlaub eigentlich gar nicht gibt nach BUrlG.

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#6
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3762x hilfreich)

Da stimme ich blaubär zu: Halbe Urlaubstage gibt es nicht, das kann nur über ein Stundenkonto geregegelt werden. Du kannst in einer Berufsschulwoche nur an den Tagen Urlaub nehmen, an denen du keine Schule hast. Für die beiden Schultage darf dir dann aber kein Urlaub abgezogen werden.

Berufsschulzeit ist ebenfalls Ausbildungszeit, für die der AG dich jedoch freistellen muss.
Das Berufsbildungsgesetz regelt: "Findet während der Ausbidlungszeit Berufsschule statt, muss der Azubi dafür freigestellt werden".

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#7
 Von 
guest-12301.06.2022 21:18:29
Status:
Frischling
(32 Beiträge, 1x hilfreich)

Jau, hab ich bis hier alles verstanden und war mir teilweise bewusst.
Der Artikel, der oben verlinkt wird, war mir auch bekannt.
Darin heißt es ja: "Urlaub kann nur für die Arbeit im Betrieb, aber nicht für den Schulunterricht verwendet werden. Deshalb sollten (nicht müssen, schon klar) Azubis ihren Urlaub in der Zeit der Berufsschulferien nehmen. (Sonst kann es nämlich passieren, dass du während deines Urlaubs in die Schule musst. Falls es wirklich dazu kommen sollte, bekommst du pro Urlaubstag, an dem du in der Berufsschule warst, 1 weiteren Tag Urlaubsanspruch dazu (...)" https://www.azubiyo.de/azubi-wissen/urlaub/

Bei IHK / HWK ließt man dann: "Der Urlaub soll zusammenhängend und während der Berufsschulferien gewährt werden." oder...
"Sofern der Urlaub nicht in den Ferien gegeben werden kann, ist der/die Auszubildende weiterhin berufsschulpflichtig und muss die Schule besuchen. Für die Berufsschultage dürfen der/dem Auszubildenden keine Urlaubstage angerechntet werden."

Meine einzige Sorge dabei ist: Wenn ich meinen Chef jetzt darauf anspreche, dass ich gern diesen halben Urlaubstag, den er mir angerechnet hat, "zurück" haben möchte, dann wird er sich vermutlich genauso belesen wie ich auch und dann herausfinden, dass Azubis den Urlaub eigentlich sowieso eher während der Ferien nehmen sollten.
Sobald er diese Info hat, vermute ich, dass er mich die restliche Ausbildungszeit dazu verdammt, wirklich nurnoch während der Ferien Urlaub zu nehmen, was ich persönlich eher unpraktisch fände.

Verzicht auf einen halben Tag Urlaub.. oder Verzicht auf freie Wahl des Urlaubs.
Andererseits: wenn ich die Wahl habe, und weiterhin Urlaub in der Berufsschulzeit nehme, werden mir ja auch weiterhin halbe Urlaubstage berechnet.. Hm, damit hat sich das Thema wohl auch gegessen.

Danke für alle Eindrücke.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
HeHe
Status:
Richter
(8401 Beiträge, 3762x hilfreich)

Zitat:

dass Azubis den Urlaub eigentlich sowieso eher während der Ferien nehmen sollten.


"eigentlich" ist ein so unnötiges Wort...das verwässert jede Aussage und die ist hier wie schon gesagt, falsch!
Damit der Azubi sich erholen kann - am Stück - soll er seinen Urlaub in der berufsschulfreien Zeit nehmen können. Aber auch außerhalb der Ferien kannst du Urlaub beantragen, der genehmigt werden muss, wenn der AG eine Ablehnung nicht begründen kann.

Aber es ist nicht einfach sich da durchzusetzen. Vorschlag: Nimm zusammenhängenden Urlaub nur an Arbeitstagen im Betrieb (das kann auch ein verlängertes WE sein, wenn trotzdem ein richtiger Erholungsurlaub im Jahr eingeplant ist) und nicht mehr an Schultagen ODER bitte die Kammer um Hilfe bei der Regelung - vllt. können dort jemand mit deinem Chef reden und versuchen, eine Regelung zu finden.

-- Editiert von HeHe am 05.06.2019 15:53

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17236 Beiträge, 6430x hilfreich)

Also, um auch das Mal bzw. zum Schluss noch los zu werden: Fregs, du bist offenbar ein cleverer Kerl oder Kerlin und es zeichnet dich ganz gewiss vor anderen Azubis aus, dass du dich mit solchen Fragen gründlich auseinander setzt. Du kannst/wirst es mit deiner Clerverness, deinem Fleiß und auch deiner Tüchtigkeit gewiss auch weit bringen. Das Risiko scheint mir darin zu liegen, dass/wenn du die Dinge bis auf die letzte Faser zerlegen willst - ich Rede von der Kunst, auch 'Mal fünf gerade sein zu lassen'. Kleine Anregung: du könntest dich mit dem Pareto-Prinzip befassen, d.i. die Beobachtung eines 80:20 Aufwandes, die auch beschreibt, in welchem Ausmaß der Aufwand steigt, wenn man es zur Perfektion treiben will.

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