Urlaub durch Arbeitgeber vorgegeben

27. April 2015 Thema abonnieren
 Von 
Flurry2009
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)
Urlaub durch Arbeitgeber vorgegeben

Hallo ich habe eine Frage zu der ich zuerst etwas ausholen muss.
Ich arbeite im Backoffice eines Kundencenters. Dort ist es so, dass wir jedes Jahr damit zu kämpfen haben, dass nicht alle Arbeitnehmer in den Sommermonaten komplett ausgelastet werden können. Durch unsere Arbeitszeitkonten ist es aber möglich, Überstunden abzubauen.
Unsere Urlaubsplanung muss jedes Jahr bis 31.01. stehen und min. 80% müssen verplant werden. Es gibt keine Betriebsferien oder ähnliches. Ich habe von 28 Tagen nun 26 verplant und habe mir 2 Tage aufgehoben, um mal spontan etwas zu unternehmen.
Nun haben wir die Anweisung bekommen, dass aufgrund der zu erwartenden wenigen Arbeit zwischen Mai und September, alle Urlaubstage in diesem Zeitraum genommen werden müssen.
Kann mein AG mir das vorschreiben? Gibt es dafür eine gesetzliche Grundlage, dass er das fordern kann? Ich habe nämlich nicht vor, meine Urlaubstage "zu verplempern". Kann mir jemand dazu Auskunft geben?
Schon mal danke im Voraus.

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4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17757 Beiträge, 6585x hilfreich)

Na, dann lies das BUrlG; diese Anweisung darf getrost als 'dringender Wunsch' des AG eingestuft werden, ist also nicht sonderlich verbindlich. Das Problem ist eher eines des Personalmanagements und der -führung als dringender betrieblicher Belang.

Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer (Bundesurlaubsgesetz)
§ 7 Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs

(1) Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, daß ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen. Der Urlaub ist zu gewähren, wenn der Arbeitnehmer dies im Anschluß an eine Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation verlangt.
(2) Der Urlaub ist zusammenhängend zu gewähren, es sei denn, daß dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe eine Teilung des Urlaubs erforderlich machen. Kann der Urlaub aus diesen Gründen nicht zusammenhängend gewährt werden, und hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Urlaub von mehr als zwölf Werktagen, so muß einer der Urlaubsteile mindestens zwölf aufeinanderfolgende Werktage umfassen.
(3) Der Urlaub muß im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden. Eine Übertragung des Urlaubs auf das nächste Kalenderjahr ist nur statthaft, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen. Im Fall der Übertragung muß der Urlaub in den ersten drei Monaten des folgenden Kalenderjahrs gewährt und genommen werden. Auf Verlangen des Arbeitnehmers ist ein nach § 5 Abs. 1 Buchstabe a entstehender Teilurlaub jedoch auf das nächste Kalenderjahr zu übertragen.
(4) Kann der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder teilweise nicht mehr gewährt werden, so ist er abzugelten.

2x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17802 Beiträge, 8075x hilfreich)

Sie haben die 26 Tage, wie betriebsüblich, bis zum 31.01. mitgeteilt und es gab keinen Widerspruch? Wenn das üblich ist und Sie nicht jeden Urlaub neu beantragen müssen, dann ist der Urlaub ja bewilligt, oder wie ist das in dem Unternehmen?

Zitat:
Nun haben wir die Anweisung bekommen, dass aufgrund der zu erwartenden wenigen Arbeit zwischen Mai und September, alle Urlaubstage in diesem Zeitraum genommen werden müssen.

Fragen Sie einfach Ihren Arbeitgeber nach der Rechtsgrundlage für diese Forderung.
Es gibt keine und das darf nicht gefordert werden.

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Flurry2009
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)

Zitat:
Sie haben die 26 Tage, wie betriebsüblich, bis zum 31.01. mitgeteilt und es gab keinen Widerspruch? Wenn das üblich ist und Sie nicht jeden Urlaub neu beantragen müssen, dann ist der Urlaub ja bewilligt, oder wie ist das in dem Unternehmen?

Korrekt. Bis zu diesem Datum müssen 80% verplant sein und bis zum 10.03. muss der Widerspruch durch den AG, bzw. die Genehmigung (wie in meinem Fall) vorliegen.

Nicht verplanter Urlaub kann dann im laufenden Jahr spontan genommen werden. So war es jedenfalls in den letzten Jahren, bis nun diese neue Anweisung durch die Geschäftsführung kam.

Bzgl. einer Rechtsgrundlage werde ich meinen AG fragen und meine beiden Urlaubstage, bis ich eine Antwort habe, nicht verplanen.

-- Editiert von Flurry2009 am 28.04.2015 21:22

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17802 Beiträge, 8075x hilfreich)

Ihnen liegt sogar eine schriftliche Bestätigung vor?
Dann gilt:
http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Urlaub.html#tocitem12:

Zitat:
Kann der Ar­beit­ge­ber be­reits gewähr­ten Ur­laub wi­der­ru­fen?

Nein. Der Ar­beit­ge­ber darf ei­nen ein­mal gewähr­ten Ur­laub im all­ge­mei­nen nicht wi­der­ru­fen. Ein sol­cher Wi­der­ruf ist nur in ganz ex­tre­men Aus­nah­mefällen möglich. Sol­che Aus­nah­mefälle sind aber rein theo­re­tisch, d.h. es gibt sie in der Pra­xis kaum.


Es gibt kaum Auisnahmen, weil dafür quasi eine Notlage vorliegen müßte, mangelnde Aufträge ist keine Notlage.

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