Verbesserung Arbeitszeugnis - Gegenseite ist sehr emotional

12. August 2023 Thema abonnieren
 Von 
lu94
Status:
Frischling
(36 Beiträge, 0x hilfreich)
Verbesserung Arbeitszeugnis - Gegenseite ist sehr emotional

Hallo liebes Forum,

ich habe seit einiger Zeit eine Zeugnisberichtigungsklage am laufen.
Der erste Gütetermin ist vorbei und das Gericht hat einen Vergleich angeboten. Die Gegenseite (Arbeitgeber) will nicht darauf eingehen. Die Situation ist von Seiten des Arbeitgebers extrem verhärtet. Mittlerweile bietet die Gegenseite an, die Ausfallzeiten (war wegen der hohen Arbeitsbelastung einige Zeit krank) und der Wunsch "vor allem Gesundheit" aus dem Zeugnisschlusssatz herauszunehmen. Man möchte aber den typischen und (wichtigen) Schlusssatz mit "Bedauern und weiterhin alles Gute" etc. nicht aufnehmen. "Das würde keine der dortigen Führungskräfte so unterschreiben", sagte deren Vertretung (ein Syndikusanwalt).

Mein Anwalt sagt, dass das Zeugnis so keine gute Bewertung erhält und sowieso ein "Geschmäckle" hat. Zudem hat er gesagt, dass die Gegenseite das Angebot jederzeit zurückziehen kann oder auch das Gericht die Gesamtklage abschmettern kann und ich dann das alte Zeugnis habe.

Ich bin ehrlich gesagt verzweifelt. Was soll ich tun?

Freue mich über jede Meinung! Vielen Dank!

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38221 Beiträge, 13956x hilfreich)

Zunächst einmal die Bedeutung eines Zeugnisses nicht überbewerten. Seit Zeugnisse quasi zu Bastelarbeiten mit festen Puzzlesteinen geworden sind, haben sie doch ohnehin an Bedeutung ganz gewaltig verloren. Hinzu kommt noch, das ein Zeugnis zwar wohlwollend formuliert sein soll, aber auch der Wahrheit entsprechen. Ein Beispiel für eine zutreffende Formulierung: "das Glas ist halb voll," nicht "das Glas ist halb leer," aber niemals "das Glas ist voll." Bitte berücksichtige das bei der Bewertung des Angebots des ehemaligen Arbeitgebers.

Gesundheitliche Probleme haben im Zeugnis nichts zu suchen, die sollten incl. Fehlzeiten auf jeden Fall raus aus dem Entwurf. Der Rest, da wird es problematisch, das kann ich hier aus der Entfernung nicht einschätzen. Denn offensichtlich ist ja einiges nicht so furchtbar optimal gelaufen in diesem Arbeitsverhältnis. Ich würde da auf den Rat des Anwalts hören. Der kennt den Fall, sollte auch wissen, wie das Arbeitsgericht so tickt. Und bitte nicht vergessen, auch ein Arbeitsgerichtsverfahren dauert mitunter ewig. Will man sich die Zeit ganz ohne Zeugnis bewerben, oder wie will man überbrücken? Wenn die sonstigen Bewerbungsunterlagen stimmen, dann wird zumindest ein erfahrener Personalmensch aus dem Zeugnis lesen, dass es halt nicht gepasst hat und im Vorstellungsgespräch nachhaken. Also alles kein Grund zur Verzweiflung.

wirdwerden

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#2
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38221 Beiträge, 13956x hilfreich)

Hab mir gerade nochmals die alten Anfragen von Dir angeschaut. Mensch Du warst doch nur ein paar Monate dort. Da ist einmal ein Lückenzeugnis normal, und da sind Superzeugnisse doch eh äußerst lebensfremd und verdächtig. Und die haben doch eh kaum einen Stellenwert, außer man hält sich nirgendwo länger als ein paar Monate. Hier wird wohl Prinzipienreiterei auf beiden Seiten betrieben.

wirdwerden

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17286 Beiträge, 6449x hilfreich)

Zitat (von lu94):
Man möchte aber den typischen und (wichtigen) Schlusssatz mit "Bedauern und weiterhin alles Gute" etc. nicht aufnehmen.

... zu allem, was @wirdwerden schon ausgeführt hat: Nach aktuellem Stand hat AN auf so einen Schlusssatz eh' keinen Anspruch

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#4
 Von 
hiphappy
Status:
Junior-Partner
(5525 Beiträge, 2495x hilfreich)

Die Gegenseite ist hier übrigens kein Stück emotional, das bist einzig und allein du.

Auch dieses Verrennen in ein gutes Arbeitszeugnis für ein wenige Monate dauerndes Arbeitsverhältnis.

Am Ende schreibt der AG seine Telefonnummer drauf und es ist nichts mehr wert.

-- Editiert von User am 12. August 2023 10:19

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#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118836 Beiträge, 39640x hilfreich)

Zitat (von lu94):
Man möchte aber den typischen und (wichtigen) Schlusssatz mit "Bedauern und weiterhin alles Gute" etc. nicht aufnehmen

Zum einen gibt es darauf keinen Rechtsanspruch, zum anderen darf der Ex-AG keine wahrheitswidrigen Inhalte in das Zeugnis aufnehmen.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#6
 Von 
lu94
Status:
Frischling
(36 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich bin mir insgesamt einfach ziemlich unsicher, wie ich hier verbleiben soll. Wie hier auch schon gesagt wurde, habe ich auf den Schlusssatz ja sowieso keinen Rechtsanspruch.

Mir persönlich sind Zeugnisse sehr wichtig, vor allem werden mir von der Gegenseite einige Sachen vorgeworfen, die nicht korrekt sind. Einen neuen Job habe ich schon längst, hätte also im Zweifel sehr lange Zeit um einfach abzuwarten. Die Krankheitssachen müssten bei einem Urteil ja sowieso rausgenommen werden oder?

Emotional bin ich schon lange nicht mehr, mein Anwalt hatte mir nur zugerufen, dass die Gegenseite äußerst emotional sei. Ich persönlich kann das nicht beurteilen, weil ich dabei nicht involviert war.

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#7
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38221 Beiträge, 13956x hilfreich)

Na ja, vor einem Tag warst Du noch verzweifelt und jetzt so plötzlich ganz abgeklärt? Angesichts der Kürze der Beschäftigung ist wirklich offen, wie im Streitfall das Gericht entscheiden wird. Es interessiert niemanden, was Dir wichtig ist. Es geht einzig darum, dass Du einen Anspruch auf ein (Lücken)Zeugnis hast, aus dem hervor geht, was Du dort geleistet hast. Kann naturgemäß wegen der kurzen Dauer nicht sehr präzise die Tätigkeiten von Dir erfassen.

Einschätzen kann das ganze Dein Anwalt genauer, wir hier nicht.

wirdwerden

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#8
 Von 
lu94
Status:
Frischling
(36 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielleicht interessiert es den ein oder anderen hier im Forum.

Es fanden zum o.g. Fall zwei Gerichtstermine statt. Insgesamt war das Gericht der Meinung, dass ich jeweils im Recht bin und hat den Arbeitgeber sehr deutlich unter Druck gesetzt. Letzten Endes habe ich recht bekommen und das Arbeitszeugnis war am Ende noch besser als es eingeklagt worden war.

Im Zweifel (und auch nicht Zweifel) einfach klagen, das ist mein Tipp an jeden! Raubt zwar einige Nerven, lohnt sich aber.

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#9
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31693 Beiträge, 5593x hilfreich)

Zitat (von lu94):
und das Arbeitszeugnis war am Ende noch besser als es eingeklagt worden war.
Das Interessante wäre eher, WAS steht nun im Zeugnis ? Ist es dir wohlwollend genug?


Wieso 2 Gerichtstermine?
Ist der AG nach dem *unannehmbaren* gerichtlichen Vergleichsvorschlag in Berufung gegangen??

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#10
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38221 Beiträge, 13956x hilfreich)

Ich kann vor der Umsetzung des Ratschlages von @lu nur warnen. Denn wenn nach so kurzer Betriebszugehörigkeit ein super tolles Zeugnis ausgestellt wird, dann wird der erfahrene Personaler im neuen Betrieb beim alten Arbeitgeber anrufen. Das sind so die gängigen Spielregeln, die leider immer wieder verdrängt werden.

wirdwerden

1x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
lu94
Status:
Frischling
(36 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Ist es dir wohlwollend genug?

Wieso 2 Gerichtstermine?
Ist der AG nach dem *unannehmbaren* gerichtlichen Vergleichsvorschlag in Berufung gegangen??


Ja, es ist so ausgefallen, wie es mir auch intern ausgestellt wurde. Keine Berufung von Seiten des Arbeitgebers. Es wurde allen klar, dass das nicht zugunsten des AG ausgehen würde. Der AG war auch schon mehrfach negativ vor Gericht aufgefallen, in anderen Fällen, als AN geklagt hatten.

Zitat (von wirdwerden):
Denn wenn nach so kurzer Betriebszugehörigkeit ein super tolles Zeugnis ausgestellt wird, dann wird der erfahrene Personaler im neuen Betrieb beim alten Arbeitgeber anrufen. Das sind so die gängigen Spielregeln, die leider immer wieder verdrängt werden.


Aber warum? Ich hatte intern immer ganz gute Bewertungen erhalten. Keine super Bewertungen, allerdings gute. Das wurde am Ende auch so verglichen, inklusive der Herausnahme von Fehltagen, die sowieso unrechtsmäßig im Arbeitszeugnis enthalten waren. Dass der AG zusätzlich entgegengekommen ist, kann ich nicht beeinflussen. Nichts desto trotz ist auch dieser Teil nicht falsch und hat seine Berechtigung im Arbeitszeugnis.

Ich habe nur sehr selten gehört, dass Personaler bei alten AG-Personalern anrufen. Kommt schon vor, aber echt wenig. Und mein Zeugnis ist weit nicht so positiv, dass es zu Rückfragen kommen sollte. Und falls doch: Ganz ehrlich, da bin ich doch Gott froh darüber. Weil dort würde ich niemals arbeiten wollen, da nehme ich eine Absage dankend und wirklich einverstanden entgegen!!!!

-- Editiert von User am 9. Dezember 2023 12:54

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38221 Beiträge, 13956x hilfreich)

Seit Arbeitszeugnisse Bastelarbeiten aus Textbausteinen aus dem Internet sind, ist der Anruf beim letzten, oft auch vorletztem Arbeitgeber absoluter Standard.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118836 Beiträge, 39640x hilfreich)

Zitat (von lu94):
Vielleicht interessiert es den ein oder anderen hier im Forum.

Ja, danke für das Update.



Zitat (von wirdwerden):
Denn wenn nach so kurzer Betriebszugehörigkeit ein super tolles Zeugnis ausgestellt wird, dann wird der erfahrene Personaler im neuen Betrieb beim alten Arbeitgeber anrufen.

Mitunter spart man sich dann auch einfach den Anruf und widmet sich dem nächsten Bewerber.



Zitat (von lu94):
Und mein Zeugnis ist weit nicht so positiv, dass es zu Rückfragen kommen sollte.

Dann ist doch alles gut.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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