Wann ist es eine verpflichtende Fortbildung bzgl Arbeitszeit?

9. Oktober 2023 Thema abonnieren
 Von 
Josefine34
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Wann ist es eine verpflichtende Fortbildung bzgl Arbeitszeit?

Hallo,

ich bin auf der Suche nach einer Antwort zu der Frage, wann Teilzeitkräfte die tatsächlichen Stunden einer Fortbildung gut geschrieben bekommen - auch wenn dies Überstunden bedeuten würde.

Ich habe vielfach gelesen, dass dies bei Fortbildungen, zu denen der Arbeitgeber verpflichtet, klar geregelt ist = reele Zeit also auch Überstunden.

Wir haben ein internes Fortbildungsprotal mit Angeboten am Hauptstandort oder anderswo - also mit Fahrtzeit. Der Arbeitgeber ermuntert uns, hier auch Fortbildungen zu Gesundheitsthemen wie Rückschule, Resilienz usw. wahrzunehmen. Die Kosten werden vom Arbeitgeber übernommen, ebenso wie Fahrtkosten. Nun wurde den Teilzeitkräften mitgeteilt, dass sie nur ihre Regelarbeitszeit gut geschrieben bekämen. Das ist nachvollziehbar, wenn auch mit Zähneknirschen.
Frage: Ist hier die Fahrtzeit zu addieren?

Nun wurde für eine Inhousefortbildung, die nur an unserem Standort stattfinden sollte, durch den Arbeitgeber Werbung gemacht. Es wurde mitgeteilt, dass man das Thema für wichtig für die tägliche Arbeit halte. Es sollte sogar ein weiterer Termin stattfinden, damit wirklich alle teilnehmen können.
Jedoch soll auch hier den Teilzeitkräften nur ihre regelmässige tägliche Arbeitszeit gut geschrieben werden. Ich sehe das als Grauzone. Wenn der Arbeitgeber die Wichtigkeit betont, sollte es ähnlich wie eine verpflichtende Fortbildung behandelt werden, oder nicht?

Unsere Arbeitsrechtsordnung regelt dies nicht. Genausowenig Dienstvereinbarungen oder mein Arbeitsvertrag.

Gruß

Josi

-- Editiert von User am 9. Oktober 2023 13:41

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9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17255 Beiträge, 6433x hilfreich)

Zitat (von Josefine34):
Wenn der Arbeitgeber die Wichtigkeit betont, sollte es ähnlich wie eine verpflichtende Fortbildung behandelt werden, oder nicht?

Sollte, könnte - muss aber nicht. Anscheinend wirbt der AG für die Teilnahme, will sie aber gleichwohl eben nicht zur Pflicht machen.

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#2
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1510 Beiträge, 667x hilfreich)

Zitat (von Josefine34):
den Teilzeitkräften mitgeteilt, dass sie nur ihre Regelarbeitszeit gut geschrieben bekämen


Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, den Beginn und das Ende weisungsgebundener Arbeit zu erfassen. Außerhalb der Arbeitszeit, d.h. in der Freizeit, hat der Arbeitgeber kein Weisungsrecht. Also: der Arbeitgeber sieht offenkundig die Teilnahme an der Fortbildung als die Befolgung seiner Anweisung an, was er nur während der Arbeitszeit einfordern kann. Somit ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Beginn und das Ende der Fortbildungs-"Arbeitsleistung" korrekt zu erfassen ( und entsprechend als Arbeitszeit zu dokumentieren. ) Eine willkürlich unrichtige Erfassung, Dokumentation ( und entsprechend unrichtige Führung eines Arbeitszeitkontos ) wäre unzulässig.

"Gutschriften" an Arbeitszeit wären dann auf einem Arbeitszeitkonto ( sofern vereinbart ) vorzunehmen. Abhängig davon, was (tarif-)vertraglich als "Überstunde" angesehen werden darf, und zu vergüten wäre, kämen durch die Fortbildungszeit Überstunden-Zeitzuschläge und Überstunden-Vergütungen in Frage.

Der Betriebsrat sollte die korrekte Erfassung und Dokumentation von Beginn und Ende der "Fortbildungs-"Arbeits"-Zeit" kontrollieren. ( Werden die Teilzeit-Arbeitskräfte entsprechend ihrer Teilzeitquote schon nach 50%, 75% oder 80% der Fortbildungs-Veranstaltungs-Dauer entlassen??? )

RK

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17255 Beiträge, 6433x hilfreich)

Zitat (von RrKOrtmann):
... der Arbeitgeber sieht offenkundig die Teilnahme an der Fortbildung als die Befolgung seiner Anweisung an, was er nur während der Arbeitszeit einfordern kann.

Was für eine skurrile Verdrehung: 'Teilnahme als Befolgung seiner Anweisung' - Werbung für ein Schulungsangebot, Ermunterung zur Teilnahme, Empfehlung ... deutlich keine Anweisung; selbst dann nicht, wenn er die Kosten übernimmt und sogar Arbeitsbefreiung gewährt.
Man darf sogar festhalten, dass dem AG an den Schulungen gelegen ist. Dass AN einen gewissen Eigenanteil beisteuern durch Einsatz von Freizeit, ist nicht wirklich ein Gegenargument.

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Holperik
Status:
Schüler
(474 Beiträge, 154x hilfreich)

Zitat (von Josefine34):
Es wurde mitgeteilt, dass man das Thema für wichtig für die tägliche Arbeit halte


Der Arbeitgeber betont die Wichtigkeit. Kann er machen. Er kann auch Werbung machen und z.B. den Mitarbeitern Fortbildungsthemen im Gesundheitsbereich nahelegen. Ist übrigens relativ nett von dem Arbeitgeber, sich so zu kümmern. Vorallem das man dafür die Arbeitzeit gutgeschrieben bekommt und auch noch die Kosten übernommen werden sollen-das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Eine Anweisung kann ich hier nicht erkennen. Eine Pflicht, diese Veranstaltungen zu besuchen, ergibt sich daraus dann noch nicht.
Und noch eine Anmerkung: wenn Sie sich bei dem Angebot des AG ungerecht behandelt fühlen und ernsthaft die Erwartung haben, dass Sie bei einer Fortbildung in Gesundheitsfragen, die in erster Linie wohl vorallem Ihnen selbst zu gute kommen dürfte, auch die Anfahrtszeit bezahlt bekommen, nachdem der AG schon alles andere bezahlt, sollten Sie vielleicht mal Ihre Erwartungen prüfen oder doch einfach wegbleiben. Dann gehen Sie ganz normal arbeiten (wo sie die Fahrzeit ja auch nicht bezahlt bekommen) und gut is.

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#5
 Von 
Josefine34
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

@Holperik: Man mag es mal aus der Sicht einer Teilzeitkraft betrachten anstatt diesen Undankbarkiet vorzuwerfen. Kollegen die Vollzeit arbeiten bekommen problemlos die Arbeitzeit gut geschrieben. Teilzeitkräfte sollen hierzu ihre Freizeit "opfern".

Vielen Dank für die Antworten.

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#6
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17255 Beiträge, 6433x hilfreich)

Tja, die alte Frage: ist das Glas halb leer oder halb voll? Einstellungssache.

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#7
 Von 
Holperik
Status:
Schüler
(474 Beiträge, 154x hilfreich)

„Kollegen die Vollzeit arbeiten bekommen problemlos die Arbeitzeit gut geschrieben. Teilzeitkräfte sollen hierzu ihre Freizeit "opfern"." Tja, die Vollzeitkräfte arbeiten ja auch mehr, könnte man sagen. Aber sie möchten nicht nur die Fahrzeit bezahlt haben, sondern am Besten die „Überstunden" auch bezahlt haben oder abfeiern. Also während ihr Vollzeitkollege wieder am Schreibtisch ist und die liegen gebliebene Arbeit nachholt, machen sie als „Ausgleich" für eine freiwillige, kostenlose, Fortbildung, die vor allem ihnen selbst nutzt, einfach dann frei… finde ich eine schwierige Sichtweise.

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#8
 Von 
Holperik
Status:
Schüler
(474 Beiträge, 154x hilfreich)

„Kollegen die Vollzeit arbeiten bekommen problemlos die Arbeitzeit gut geschrieben. Teilzeitkräfte sollen hierzu ihre Freizeit "opfern"." Tja, die Vollzeitkräfte arbeiten ja auch mehr, könnte man sagen. Aber sie möchten nicht nur die Fahrzeit bezahlt haben, sondern am Besten die „Überstunden" auch bezahlt haben oder abfeiern. Also während ihr Vollzeitkollege wieder am Schreibtisch ist und die liegen gebliebene Arbeit nachholt, machen sie als „Ausgleich" für eine freiwillige, kostenlose, Fortbildung, die vor allem ihnen selbst nutzt, einfach dann frei… finde ich eine schwierige Sichtweise.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17255 Beiträge, 6433x hilfreich)

Zitat (von Josefine34):
Teilzeitkräfte sollen hierzu ihre Freizeit "opfern".

So am Rande: du hältst es für richtig, auch noch Plusstunden aufbauen wollen durch Teilnahme an solchen Schulungen. Nun ja - auch eine Haltung.

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