Zeiterfassung fehlerhaft

27. September 2021 Thema abonnieren
 Von 
Sarracenia
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Zeiterfassung fehlerhaft

Schönen guten Abend,

ich habe eine Frage bezüglich der Zeiterfassung. Unser Personalbeauftragter gibt in das System unsere Wochenstunden geteilt durch die Arbeitstage ins System ein. In meinem Fall 28 Stunden, geteilt durch 4 Arbeitstage, somit sind in System täglich 7 Stunden als Sollstunden angezeigt. Nun habe ich aber laut Dienstplan Montags 9 Stunden, Dienstags 8, Mittwochs 6 und Donnerstags 5 zu arbeiten, sprich wenn ich an einem Montag krank bin, schreibt mir das System 2 Minusstunden die ich dann nacharbeiten müsste. Beim Personalbeauftragten nachgefragt ob er nicht die Regelsollarbeitszeit ins System eintragen kann, meinte er das sei zu aufwendig. Es würde sich schon ausgleichen, man ist ja immer Mal an anderen Tagen krank oder im Urlaub.
Ist das rechtens? Habe ich nicht Anspruch auf eine faire Arbeitszeiterfassung?
Und wenn ja, auf was kann ich mich berufen?

Vielen Danke schonmal für Rückmeldungen.

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Weiser
(17211 Beiträge, 6426x hilfreich)

Du liegst schon richtig mit deiner Einschätzung.
lies https://www.timetrackapp.com/blog/arbeitszeit-richtig-berechnen/; dort gleich anfangs:

Zitat:
Das EuGH-Urteil vom 14. Mai 2019 verpflichtet Arbeitgeber innerhalb der EU, ein einfaches und verlässliches System einzurichten, das die lückenlose Dokumentation der Arbeitszeiten aller Arbeitnehmer garantiert. Wir haben die wichtigsten Infos für Sie zusammenfasst:

In Deutschland sollen Arbeitgeber künftig den kompletten Arbeitstag ihrer Arbeitnehmer dokumentieren, Arbeitsbeginn- und Arbeitsende sowie Pausen inkludiert.

Schon daraus ergibt sich, dass dein AG der Anforderung des EuGH sicher nicht entspricht: Mit Durschnittswerten zu arbeiten und das mit dem Aufwand 'zu begründen', ist von vorgestern. Moderne Zeiterfassungen schaffen die Zeiterfassung unter Berücksichtigung der individuellen Zeitvorgaben.

-- Editiert von blaubär+ am 27.09.2021 20:02

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118494 Beiträge, 39579x hilfreich)

Zitat (von blaubär+):
Schon daraus ergibt sich, dass dein AG der Anforderung des EuGH sicher nicht entspricht

Was ziemlich egal ist, da das Urteil hier nicht relevant ist.



Zitat (von Sarracenia):
Beim Personalbeauftragten nachgefragt ob er nicht die Regelsollarbeitszeit ins System eintragen kann, meinte er das sei zu aufwendig. Es würde sich schon ausgleichen, man ist ja immer Mal an anderen Tagen krank oder im Urlaub.
Ist das rechtens?

Nein.



Zitat (von Sarracenia):
Habe ich nicht Anspruch auf eine faire Arbeitszeiterfassung?

Nein.
Man hat - wenn überhaupt - nur Anspruch auf eine korrekte Arbeitszeiterfassung



Zitat (von Sarracenia):
Und wenn ja, auf was kann ich mich berufen?

Die gesetzliche Pflicht zur Zeiterfassung besteht bereits, ergibt sich aus diversen Gesetzen.

Helfen kann aber ein Urteil des Arbeitsgericht Emden (Az. 2 Ca 94/19) die sich des Problem angenommen haben.



Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#3
 Von 
car4000
Status:
Schüler
(398 Beiträge, 60x hilfreich)

Unbedingt den (wöchtentlichen?) Dienstplan sichern, also Foto oder Kopie. Dazu die tatsächlichen gearbeiteten Stunden notieren.

Vielleicht kann man sich das sogar gegen Unterschrift beim Vorgesetzten/Personalbüro bestätigen lassen.

Auf jeden Fall hat man dann einen Nachweis über die geleistete Arbeitszeit.

Signatur:

- car4000 -

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Sarracenia
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank für eure Antworten. Ich werde mich da nochmal genauer reinlesen.

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#5
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1504 Beiträge, 667x hilfreich)

Zitat (von Sarracenia):
laut Dienstplan Montags 9 Stunden ... wenn ich an einem Montag krank bin, schreibt mir das System 7 Stunden
.

Das ist kein Problem der Arbeitszeiterfassung.

Ein "System" darf nach Lust und Laune beliebige "Eintragungen" machen. Auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall hat es keine Auswirkungen, wie viele Stunden an einem Tag dienstplanmäßig zu arbeiten gewesen wären, an dem der Arbeitnehmer arbeitsunfähig war. Und eine Verpflichtung zur "Nachholung" durch Krankheit "verpasster" Stunden wird durch durch ein einseitig vom Arbeitgeber betriebenes "Stunden-Eintragungssystem" ebenfalls nicht begründet.

Vermutlich wird hier ein Arbeitszeitkonto geführt, dem nicht nur Zeitguthaben gutgeschrieben, sondern auch Minusstunde belastet werden können sollen. Das ist aber nur möglich/zulässig auf der Grundlage einer arbeits- oder tarifvertraglichen Vereinbarung. Diese Vereinbarung müßte eine Regelung enthalten, wieviele Stunden dem Arbeitszeitkonto an Krankheits-Tagen gutgeschrieben werden müssen Zulässig wäre nur, wenn die geplante Zeit im Krankheitsfall gutgeschrieben würde ( hier: 9 Stunden ).

"Im Krankheitsfall 2 Stunden nacharbeiten"

Jede Regelung, durch die ein Arbeitnehmer verpflichtet wäre, im Krankheitsfall "verpasste" Zeit nachzuholen, dürfte unwirksam sein.

Zitat (von Sarracenia):
Habe ich nicht Anspruch auf eine faire Arbeitszeiterfassung?


Eine "unfaire" Arbeitszeitkontenregelung dürfte unwirksam sein.

Also:
1) Gibt es überhaupt eine Arbeitszeitkonten-Vereinbarung?
2) Enthält diese Regelungen, wieviele Stunden dem Arbeitszeitkonto bei Arbeitsunfähigkeit an Tagen mit dienstplanmäßiger Stundenzahl x gutzuschreiben sein sollen?

RK

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