Qualifikation des Gutachters

3. September 2023 Thema abonnieren
 Von 
guest-12322.12.2023 22:48:26
Status:
Schüler
(496 Beiträge, 106x hilfreich)
Qualifikation des Gutachters

Moin werte 123recht-Gemeinde,
wieder in der eigenen Sache.

Hintergrund-Infos: Klage in der I. Instanz vorm Sozialgericht, auf Erhöhung des GdB gegen Versorgungsamt. Das Gericht bestellt einen Gutachter. Qualifikation des Gutachters ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Bei mir liegt allerdings grundsätzlich keine psychische Erkrankung und keine psychosomatische Problematik vor, die Diagnose nach ICD10 lautet „Asperger-Syndrom" (ICD11 "Autismus Spektrum Störung").

Frage: Habe ich einen Anspruch, von einem Arzt „vom Fach", also einem Psychiater oder Neurologen begutachtet zu werden?

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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118401 Beiträge, 39569x hilfreich)

Zitat (von alya_spock):
Das Gericht bestellt einen Gutachter

Das würde mich dann doch sehr wundern. Üblicherweise werden von Gericht "gerichtlich bestellte und vereidigte Sachverständige" beauftragt und keine Gutachter.



Was ist denn der konkrete Auftrag des Gerichtes an den Beauftragten?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#2
 Von 
guest-12322.12.2023 22:48:26
Status:
Schüler
(496 Beiträge, 106x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Was ist denn der konkrete Auftrag des Gerichtes an den Beauftragten?


Moin Harry van Sell!

Wortlaut des Gerichtsschreibens:

Zitat:
xxxx

Rechtsstreit xxx ./. Behörde für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration
Beweisanordnung vom xxxx

Es soll über folgende Fragen Beweis erhoben werden durch Einholung eines Gutachtens nach
ambulanter Untersuchung:

1. Welche Funktionsbeeinträchtigungen liegen vor, die d. KI in allen Lebensbereichen nicht
nur vorübergehend (mehr als sechs Monate) behindern und die von dem für das Le-
bensalter typischen Zustand abweichen (vgl. Teil A Nr. 2 der Anlage zu § 2 der Versor-
gungsmedizin-Verordnung)?

2. Unter welche Behinderungsbezeichnungen (bitte auch Nummern- und Seitenangabe)
der Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung - Teil B - sind die einzelnen
Funktionsbeeinträchtigungen einzuordnen?

3. Wie hoch ist der Grad der Behinderung - GdB - unter Berücksichtigung der Anlage zu §
2 der Versorgungsmedizin-Verordnung nach Zehnergraden abgestuft ab xxx
einzuschätzen

a) einzeln für die nach Ziffer 1 festgestellten Funktionsbeeinträchtigungen (vgl. Teil A
Nr. 2 der Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung), insgesamt unter Berücksichtigung der wechselseitigen Beziehungen zueinander (vgl. Teil A Nr. 3 der Anlage zu § 2 der Versorgungsmedizin-Verordnung)? Stellen Sie bitte konkret dar, inwieweit die Auswirkungen der einzelnen Behinderungen ineinander aufgehen, sich überschneiden, sich verstärken oder ohne Beziehung zueinanderstehen.

Zum medizinischen Sachverständigen wird bestellt:

Frau XXX
Fachgebiet: Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

gez. XXX


Ich hoffe, dass das Schreiben Ihre Frage beantwortet. Anderenfalls bitte ich Sie, die Frage umzuformulieren.


-- Editiert von User am 3. September 2023 21:59

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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118401 Beiträge, 39569x hilfreich)

Aktuell sehe ich da keine wirklichen Angriffspunkte gegen die Bestellung.

Von daher würde ich Begutachtung und Ergebnis abwarten, ob sich da was bietet.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#4
 Von 
Loni12
Status:
Bachelor
(3436 Beiträge, 543x hilfreich)

Zitat (von alya_spock):
Frage: Habe ich einen Anspruch, von einem Arzt „vom Fach", also einem Psychiater oder Neurologen begutachtet zu werden?

So ganz weit weg liegt der vom Gericht Beauftragter doch nicht?
Nachdem sie vor dem Sozialgericht klagen, dürfen sie doch idR ein eigenes Gutachten einholen.
Dann können sie doch die von ihnen favorisierte Fachrichtung einschalten.
Dieses Gutachten sollte allerdings erst erstellt werden, wenn das andere da ist. Dann sollte der eigene Gutachter die Aussagen des Beauftragten widerlegen, wenn die Angaben ihrer Meinung nach nicht stimmen.
Häufiges Problem, die Gutachter kennen sich und da will natürlich keiner dem anderen Unkenntnis vorwerfen.
Deshalb sind eigene Gutachter von außerhalb oft sinnvoller.
Sie haben doch einen Sozialrechtsschutz, dann wird ihr Gutachten davon übernommen.
Kann jetzt einige Zeit dauern, bis es eine Verhandlung gibt.

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#5
 Von 
guest-12322.12.2023 22:48:26
Status:
Schüler
(496 Beiträge, 106x hilfreich)

Zitat (von Loni12):
So ganz weit weg liegt der vom Gericht Beauftragter doch nicht?


Moin Loni12!

Bei mir liegt eine neurologische Entwicklungsstörung vor.

Ernst gemeinte Verständnisfrage:

Inwiefern ist ein Bereich, zu deren klinischen Anwendungsbereichen folgende Bereiche (laut Wikipedia) gehören

- körperliche Erkrankungen mit ihren biopsychosozialen Aspekten (z. B. Krebskrankheiten und ihre Bewältigung; siehe auch Psychoonkologie)
- physiologisch-funktionelle Störungen (als Begleiterscheinungen von Emotionen und Konflikten sowie als direkte oder indirekte Reaktion auf psychische oder physische Traumata; siehe auch Posttraumatische Belastungsstörung und Anpassungsstörungen).
- dissoziative Störungen (Konversionsstörungen): körperliche Symptome, die auf unbewusste Konflikte zurückgehen
- Hypochondrie: die Überzeugung, an einer Krankheit zu leiden, und krankhaftes Interesse an Gesundheit und Beschwerden
- seelische Störungen, die mit körperlichen Missempfindungen einhergehen: Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen.
- seelische Erkrankungen, die körperliche Auswirkungen haben: Essstörungen.
- Folgen verantwortungslosen Umgangs mit der eigenen Gesundheit (z. B. Konsum gesundheitsschädlicher, suchterzeugender Genussmittel und Drogen)


im Falle einer tiefgreifenden neurologischen Entwicklungsstörung "nicht ganz weit weg"?

Mit der Diagnose "Autismus" ohne komorbid vorliegenden psychischen Erkrankungen wie Depression oder (k)PTBS bezahlen die Krankenkassen nicht mal eine Psychotherapie, weil das Problem weder therapierter noch psychischer Natur ist. Autisten können beim Amt für Teilhabe eine Autismus-Therapie beantragen, ja, aber keine Psychotherapie bei der Krankenkasse.

Zitat (von Harry van Sell):
Von daher würde ich Begutachtung und Ergebnis abwarten, ob sich da was bietet.


Auch hier ernst gemeinte Frage:

Ist "im Nachhinein anfechten" einfacher, als "im Voraus auf den Gutachter aus dem Fachgebiet" zu bestehen?

-- Editiert von User am 4. September 2023 10:24

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#6
 Von 
Loni12
Status:
Bachelor
(3436 Beiträge, 543x hilfreich)

Zitat (von alya_spock):
Ist "im Nachhinein anfechten" einfacher, als "im Voraus auf den Gutachter aus dem Fachgebiet" zu bestehen?

Angenommen der Gutachter schreibt ganz anders, als ihr beauftragter, dann dürfte es für das Gericht schwierig werden. Welches wird mehr gewichtet? Deshalb erst das eine abwarten und dann reagieren, so kenne ich es.
In der Regel sagt man, das Gegengutachten sollte von anderer Fachrichtung sein, weil sich Gutachter der gleichen Fachrichtung nicht gerne gegenseitig belasten.
Bei mir war es so, dass Gericht schickte mich zu einem Orthopäden, eigentlich meine Fachrichtung. Mein Rentenberater, dieser vertrat mich beim GdB auch vor Gericht, wählte eine ganz andere Fachrichtung.
Natürlich kennen Rentenberater/Anwälte usw genügend Gutachter, bedeutet aber nicht, dass die immer zugunsten der Klienten schreiben.
Jedenfalls, mein Gutachter verfasste auch Gerichtsgutachten und war dem Gericht als sehr seriös bekannt.
Von den ca. 35 Seiten des Gutachten, waren nur wenige Sätze für das Gericht relevant.
Das Gutachten des Orthopäden griff er nicht generell an, sondern legte einfach einiges anders aus, somit war mein eigenes ausschlaggebend für den GdB von 50, mittlerweile ist er erhöht ohne jegliche Hilfe, da genügten meine Aussage, sowie die Befundberichte der Ärzte.

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#7
 Von 
guest-12322.12.2023 22:48:26
Status:
Schüler
(496 Beiträge, 106x hilfreich)

Moin Loni12!

Danke, ich glaube, jetzt Sie besser zu verstehen.

Ich wollte meinerseits allerdings keinen "zusätzlichen" Gutachter im "Alleingang" beauftragen.

Die Frage war, ob auch (zugespitzt) auch Proktologe oder Zahnarzt einen Autisten begutachten dürfe oder ob der Gutachter aus der gleichen "Fachrichtung" kommen soll(te), wie die "Diagnose", die zu den Einschränkungen führe. Also Orthopäde bei (z.B.) Artrose-bedingten Einschränkungen.... oder Augenarzt bei dem Grünen Star...

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#8
 Von 
Loni12
Status:
Bachelor
(3436 Beiträge, 543x hilfreich)

Zitat (von alya_spock):
Gutachter aus der gleichen "Fachrichtung" kommen soll(te), wie die "Diagnose", die zu den Einschränkungen führe.

Zumindest mit dem Krankheitsbild muss er vertraut sein. Und das werden die Ärzte sein, wie der vom Gericht und von ihnen genannt wurde.
Natürlich kann man auch mal zu einem Arzt geschickt werden, welcher nicht unbedingt die richtige Wahl ist.
Ist mir bei der EMR 2 x passiert, bei den Begutachtungen machte ich drauf aufmerksam und der 2. Arzt hat das auch erkannt und der DRV sofort mitgeteilt welche Fachrichtung notwendig wäre.

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#9
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31478 Beiträge, 5569x hilfreich)

Zitat (von alya_spock):
Frage: Habe ich einen Anspruch,
Ich meine: Ein solcher Anspruch besteht nicht.

Du kannst dem Gericht gegenüber diese gerichtlich bestellte SV ablehnen, deine Ablehnung begründen und darauf hoffen, dass das SG einen passenden Sachverständigen für deine spezielle Erkrankung aus der Schublade zieht und dann diesen bestellt.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#10
 Von 
Loni12
Status:
Bachelor
(3436 Beiträge, 543x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Du kannst dem Gericht gegenüber diese gerichtlich bestellte SV ablehnen,

Ablehnen kann man eigentlich nur, wenn man bei diesem Gutachter mal Patient war oder bereits negativ begutachtet wurde.

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31478 Beiträge, 5569x hilfreich)

Zitat (von Loni12):
Ablehnen kann man eigentlich nur
Eigentlich kann man das auch so...
Zitat (von Anami):
deine Ablehnung begründen und darauf hoffen,


Das Gericht muss/wird ja dem Wunsch nicht einfach so entsprechen.

Signatur:

Ich schreibe hier nur meine Meinung.

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#12
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118401 Beiträge, 39569x hilfreich)

Zitat (von alya_spock):
Die Frage war, ob auch (zugespitzt) auch Proktologe oder Zahnarzt einen Autisten begutachten dürfe

Ja, darf er.



Zitat (von alya_spock):
Ist "im Nachhinein anfechten" einfacher, als "im Voraus auf den Gutachter aus dem Fachgebiet" zu bestehen?

Würde ich meinen, denn man sollte sich doch immer nach den Erfolgsaussichten richten.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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