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Autoverkauf Händler Rücktritt

 Von 
AWD
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Autoverkauf Händler Rücktritt

Guten Tag,
Ich habe gestern an einen Händler meinen Gebrauchtwagen verkauft. Während der zähen Verhandlung hat er nebenbei telefoniert und mich relativ am Anfang auch gefragt, ob ich Sommerreifen für das Auto hätte. Ich habe daraufhin gesagt, dass ich Sommerreifen hätte. Später wurde nicht mehr darüber gesprochen. Ich habe den Wagen dann ohne Probefahrt etc. für 12.400€ verkauft und den Kaufvertrag mit einem seiner Mitarbeiter schriftlich geschlossen. In diesem steht ausdrücklich "Vetrag über ein gebrauchtes KFZ ohne jegliche mündliche Zusagen, von denen Kenntnis genommen wurde." und "Fahrzeug wie gesehen".
Eben rief mich der Händler an und sagte, dass ich die Sommerreifen vorbei bringen solle. Dies wäre schließlich so besprochen. Das stimmt nicht. Ich bin einfach davon ausgegangen, dass der Händler die Reifen doch nicht haben will. Andernfalls wäre es noch einmal zur Sprache gekommen und es wäre schriftlich festgehalten worden (gerade so ein Zubehör ist doch normalerweise immer gesondert hervorzuheben?).
Ich habe viel verhandelt und hätte den Wagen nicht für den Preis mit 8fach Bereifung verkauft. Die Sommerreifen mit Felgen sind zusätzlich 500€ wert.

Jetzt fordert er entweder die Reifen oder er will vom Vertrag zurücktreten. Ich habe versucht, es ihm zu erklären. Er meinte, dann habe man sich missverstanden. Ich habe das Auto schon abgemeldet, habe mein Geld aber noch nicht bekommen. Meiner Meinung nach kann er nicht einfach zurücktreten, da kein Mangel vorliegt und von mir auch nichts arglistig verschwiegen wurde. Hat er einfach Pech gehabt, weil er nicht auf den Vertrag geachtet hat? Kann ich mein Geld ohne Schwierigkeiten zur Not einklagen?

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Auto Vertrag Händler verkauft


4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
-Laie-
Status:
Gelehrter
(10925 Beiträge, 4812x hilfreich)

Der Vertrag ist durchaus zu deinen Gunsten. Die Frage nach den Sommerreifen kann man aber durchaus auch als Zusage werten, dass diese im Kauf enthalten sein werden. Was steht in der Annonce?
Deine Begründung warum diese nicht im Kaufpreis enthalten sein sollen ist für mich fragwürdig, denn warum soll man noch einmal darauf zu sprechen kommen, wenn das schon geklärt ist?
Ich würde aktuell die Chancen vor Gericht so einschätzen: 60% für dich, 40% für den Käufer.

Signatur: Folgende Nutzer werden von mir blockiert und ich kann deren Beiträge nicht lesen: Xipolis; Jule28
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#2
 Von 
Sir Berry
Status:
Senior-Partner
(6675 Beiträge, 2433x hilfreich)

Zitat (von AWD):
Meiner Meinung nach kann er nicht einfach zurücktreten, da kein Mangel vorliegt und von mir auch nichts arglistig verschwiegen wurde.

Mit Rücktritt wirst Du wohl recht haben.

Aber er hat dich nach Sommerreifen gefragt, die hast Du bestätigt. Er ist davon ausgegangen, dass die dabei sind. Er hat sich demnach geirrt und kann den Vertrag anfechten.
Man könnte sogar soweit gehen, dass es gar keinen wirksamen Vertrag gibt, da eure Willenserklärungen nicht übereinstimmen.

Zitat (von AWD):
Kann ich mein Geld ohne Schwierigkeiten zur Not einklagen?
Ohne Schwierigkeiten sicher nicht, denn bei diesem Sachverhalt ist der Irrtum ganz offensichtlich, eine Irrtumsanfechtung wird also kaum zurückzuweisen sein.

Das Beste wird sein, ihr einigt euch oder als Alternative dazu, Du verkaufst den Wagen (aber erst nachdem der Vertrag auch schriftlich aufgelöst ist) anderweitig.

Berry

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#3
 Von 
AWD
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von -Laie-):
Der Vertrag ist durchaus zu deinen Gunsten. Die Frage nach den Sommerreifen kann man aber durchaus auch als Zusage werten, dass diese im Kauf enthalten sein werden. Was steht in der Annonce?
Deine Begründung warum diese nicht im Kaufpreis enthalten sein sollen ist für mich fragwürdig, denn warum soll man noch einmal darauf zu sprechen kommen, wenn das schon geklärt ist?
Ich würde aktuell die Chancen vor Gericht so einschätzen: 60% für dich, 40% für den Käufer.

Es gab keine Announce. Ich habe mein Auto dem Verkäufer erst online angeboten (keine Rede von irgendwelchen Reifen) und bin dann hingefahren. Erst dort hat er mir ein Angebot gemacht.

Ich kann verstehen, dass er die Reifen gerne hätte. Aber ich finde, es sollte schriftlich festgehalten werden, was dabei ist. Er meinte, man müsste davon ausgehen, dass es dabei ist, weil es zum Auto gehört. Wenn man irgendwo beim Händler ein Auto kauft, sind auch nicht automatisch acht Reifen dabei.

Geklärt ist das nicht, nur weil er mich fragt, ob es welche gäbe. Gäbe bedeutet für mich, dass die Option besteht, dass er die auch kaufen könnte. Das muss man aber dazu sagen. Ich kann beim Autokauf ja auch nicht fragen, ob der Händler grundsätzlich passende Reifen hätte und dann am Ende sagen, dass die dann auf jeden Fall dabei sind. Man muss doch explizit sagen, was man alles kaufen möchte.

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#4
 Von 
guest-12303.07.2019 16:29:14
Status:
Lehrling
(1403 Beiträge, 400x hilfreich)

Zitat (von AWD):
Geklärt ist das nicht, nur weil er mich fragt, ob es welche gäbe. Gäbe bedeutet für mich, dass die Option besteht, dass er die auch kaufen könnte. Das muss man aber dazu sagen. Ich kann beim Autokauf ja auch nicht fragen, ob der Händler grundsätzlich passende Reifen hätte und dann am Ende sagen, dass die dann auf jeden Fall dabei sind. Man muss doch explizit sagen, was man alles kaufen möchte.

Das stimmt schon so, wobei allein die Frage "Gibt es Sommerreifen(...)" eben durchaus Spielraum enthält. Da kommt es dann mehr auf exakte Formulierung und den Kontext an. Der Händler wird das sicher nicht gefragt haben, weil er privat abgefahrene Sommerreifen sammelt. Aus Sicht des Kunden fehlte möglicherweise die explizite Aussage, dass der Händler eben nicht gesagt hat "ok, dann will ich die auch gerne haben"
Genau aus diesem Grund sind die Chancen ja gar nicht so schlecht. Zumindest sehe ich das Risiko, dass man die Reifen jetzt nachliefern müsste eher als gering an.
Man kann aber halt auch im Gegenzug nicht auf die Erfüllung des KV pochen. Bzw. kann der Händler (oder auch der Käufer) halt aufgrund eines Irrtums anfechten. Sein Auto verkauft hat man dann jedoch noch nicht. Im Falle des Anfechten durch den Händler stünde aber ggf. ein Schadenersatz im Raum. Schließlich verkauft sich ein abgemeldetes Auto eher schlechter. Da dies aber ebenfalls kein Selbstläufer wird, wäre vielleicht ein Kompromiss hier die bessere Lösung.

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