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Gebracuhtwagenkauf Händler an privat. 6 Mo. später umfangreiche Reparaturen notwendig

 Von 
Fischer
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Gebracuhtwagenkauf Händler an privat. 6 Mo. später umfangreiche Reparaturen notwendig

Ich kaufte letztes Jahr im November 2001 einen Gebrauchtwagen von einem Händler (Baujahr 1995, 70.000 km). Der Händler hat den Wagen von einem Kunden in Zahlung genommen, der bei ihm ein Neufahrzeug kaufte. Kaufvertrag mit Hinweis "unter Ausschluß jeglicher Gewährleistung". Händler macht TÜV/ASU neu, ein vorhandener Mangel an der Spurstange wird laut TÜV-Bericht "sofort beseitigt".

Im Mai 2002 Fahrzeug wegen Benzinverlust in eine Vertragswerkstatt gebracht. Dort wird eine durchgerostete Benzinleitung attestiert sowie ein ungewöhnlich stark angerosteter Unterboden festgestellt. Im Verlauf der Benzinleitungsreparatur muß die Hinterachse ausgebaut werden. Diese kann wegen Korrosionsschäden (u.a. Gewinde für die Bremssättel völlig weggerostet) nicht wieder eingebaut werden, Neuteile sind fällig. Vertragswerkstatt vermutet, der Wagen "hat mal längere Zeit im Wasser gestanden".

Die Reparatur wird vorerst gestoppt und ein Sachverständiger eingeschaltet. Der diagnostiziert ungewöhnliche starke Verrostungen, die dem Gebrauchtwagenhändler auch aufgefallen sein MÜSSEN. Reparatur wird weiter ausgeführt, Kosten 3.800,- Euro.

Kann dem Gebrauchtwagenhändler arglistige Täuschung vorgeworfen werden, da er beim Kauf auf einen stark verrosteten Unterboden nicht hingewiesen hat?

6 Monate seit Fahrzeugübernahme sind noch nicht vergangen, aber ein Gewährleistungsmangel dürfte nicht vorliegen, zudem diese ja ausgeschlossen wurde.

Weitere Details zu dem Fall:

Kaufpreis des Kfz 18.000,- DM (ca. 9.000,- Euro). Der Händler hat das Auto selbst nur wenige Tage bei sich auf dem Hof gehabt. Beide (private) Vorbesitzer behaupten "kein Wasserschaden, nichts außergewöhnliches mit dem Auto passiert". Händler meint "alle Autos rosten unten" und "die Reparatur hätte er zu 10% des Preises der Vertragswerkstatt erledigen können" und lehnt eine Kostenübernahme bzw. -beteiligung ab.

Ein Beweissicherungsverfahren wegen arglistiger Täuschung kostet vorab ca. 2.500,- Euro (Anwalt, Gericht, Sachverständiger), und dazu kämen anschließend noch die Prozeßkosten. Sehr hoch im Vergleich zum Gesamtschaden.

Wie stehen die Chancen, dem Händler arglistige Täuschung nachzuweisen?

Vielen Dank für die Hilfe.

MfG Fischer

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Auto Euro Gebrauchtwagenhändler


6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Scharnhorst
Status:
Praktikant
(827 Beiträge, 103x hilfreich)

Sehr geehrter Herr Fischer,

Ihre Anfrage ist allein ein Problem der Beweislast.

Wenn ich Sie richtig verstehe leugnen die Vorbesitzer einen entsprechenden Wasserschaden. Auf diesem Wege kann der Händler also nicht von den Mängeln erfahren haben.

Bleibt nur die eigene Kenntnis. Zu berücksichtigen ist, das der Händler das Fz. nur wenige Tage in Gewahrsam hatte. Vorsichtig wäre ich von daher mit der Mutmaßung,, daß der Händler die Korrosion hätte bemerken müssen. Merkwürdig ist in diesem Zusammenhang, das der TÜV-Prüfer von den kapitalen Rostschäden insbesondere an der Bremsanlage nichts bemerkt hat, obwohl er zumindest die Spurstange entdeckte.

Wenn nicht neue Beweismomente auftauchen, sieht es leider nicht so vorteilhaft aus.

Mit freundlichen Grüßen

Scharnhorst
Rechtsanwalt

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#2
 Von 
Fischer
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Guten Tag Herr Scharnhorst,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich kann noch nicht einmal konkret beweisen, daß das Auto z.B. bis zu den Rädern im Wasser stand.

Meine Argumentation fußt auf der Tatsache, daß der Händler eine besondere Sorgfaltspflicht hat, die deutlich weiter als die eines privaten Verkäufers geht. Und wenn sowohl die Vertragswerkstatt als auch mein Gutachter sagen, "das ist nicht normal" bzw. "das habe ich so noch nicht gesehen", dann sollte dies auch der vom Gericht bestellte unabhängige Gutachter im Zuge des Beweissicherungsverfahrens sagen. Und das hätte mir der Händler sagen müssen (Stichwort arglistige Täuschung).

Mir geht es jetzt darum, daß Risiko herauszufinden, ob ein Beweissicherungsverfahren bzw. eine Klage Erfolg haben werden. Da das Beweissicherungsverfahren nochmals mit erheblichen Kosten (geschätzt 2.500,- Euro) verbunden ist, will ich mir meiner Sache natürlich sehr sicher sein.

Der TÜV prüft übrigens nur die Verkehrssicherheit. Auch ein FAhrzeug mit deutlichen Korrosionsspuren kann verkehrssicher sein, sogar Durchrostungen an nicht tragenden Teilen sind erlaubt (die mein Fzg. NICHT hat, sondern nur deutliche Anrostungen am gesamten Unterboden). Zumal der Prüfer auch einen Ermessensspielraum hat, und beim Händler 2x die Woche sämtliche Überprüfungen durchführt. Warum sollte er seinen Ermessensspielraum nicht ausnutzen im Sinne desjenigen, von dem er lebt...

Vielen Dank nochmals für Ihre Hilfe

MfG

Fischer

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#3
 Von 
Scharnhorst
Status:
Praktikant
(827 Beiträge, 103x hilfreich)

Sehr geehrter Herr Fischer,

bedauerlicherweise würden die Feststellungen eines gerichtlichen
Gutachters, "das ist nicht normal" bzw. "das habe ich so noch nicht gesehen", nicht ausreichen, um dem Händler Arglist nachzuweisen. Unter arglistigem Verschweigen versteht die Rechtssprechung, die Unterdrückung der "Kenntnis" eines Fehlers oder zumindest das Rechnen mit dem Vorhandensein des Fehlers trotz bestehender Aufklärungspflicht.

Ohne den Nachweis einer solchen Kenntnis ist eine gerichtliche Durchsetzung Ihrer Ansprüche wenig erfolgsversprechend. Zumal im allgemeinen die Gerichte keine generelle Untersuchungspflicht bei gebrauchten Fz. annehmen.
Ohnehin hätten Sie nach Feststellung des Mangels dem Händler zumindest die Gelegenheit einräumen müssen, hierzu Stellung zu nehmen bzw. diesen zu beseitigen. Erst nachdem mehrere Nachbesserungsversuche fehlgeschlagen sind oder der Händler die Mangelbeseitigung ablehnt, sind Sie berechtigt eine Ersatzvornahme durch Dritte zu veranlassen.

Ermessensspielraum hin oder her, jedenfalls finde ich es schon bemerkenswert, daß sämtliche von Ihnen eingeschaltete Sachkundige die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, der TÜV-Prüfer weder die bevorstehende Druchrostung der Benzinleitung ! noch den angegriffenen Zustand der Bremsanlage im Fehlerprotokoll erwähnt.

Mit freundlichen Grüßen

Scharnhorst
Rechtsanwalt

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#4
 Von 
Fischer
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank Herr Scharnhorst für die erneute Antwort. Ich habe bezüglich des Erfolgs eines Beweissicherungsverfahrens und einer Klage auch Bedenken. Deshalb habe ich noch nichts unternommen (obwohl dieser Tage die 6 Monatsfrist seit Fahrzeugübernahme ausläuft - aber der generelle Gewährleistungsausschluß im vorgefertigten Kaufvertragsformular scheint wohl nicht antastbar, so daß wenn überhaupt nur die arglistige Täuschung greift).

Der Händler, mit dem ich natürlich auch gesprochen habe, reagiert ähnlich wie Sie beschrieben haben, indem er sagt "ich hätte die Reparatur (durchgerostete Benzinleitung) für 10% der Kosten der Vertragswerkstatt durchführen können. Hätten Sie mich angerufen, hätte ich den Schaden repariert". Eine Kostenbeteiligung lehnt er ab (nachdem er Rücksprache mit seinem Anwalt und dem TÜV-Prüfer gehalten hat).

Noch dazu habe ich von einem Kfz-Meister der Vertragswerkstatt "unter der Hand" erfahren, daß mein Fahrzeugtyp öfters Korrosion an der Bremsanlage aufweist, und Kantenrost bereits an den Modelljahren 1997 auftritt (meiner ist noch 2 Jahre älter). Das alles stimmt mich nicht gerade positiv.

Vielen Dank nochmals für Ihre Hilfe.

MfG

Fischer



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#5
 Von 
tibor
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

und ewig singen die wälder

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#6
 Von 
tibor
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

dann müßen sie ihren händler mal zum essen einladen.

nach dem essen sollte dann ein ausführlicher spaziergang, natürlich nur zur verdauung in eine ruhigere gegend statt finden.

danach wäre eine nochmalige aussprache sinnvoll.

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