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Langsam ratlos

4.5.2021 Thema abonnieren
 Von 
Thermis
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Langsam ratlos

Hallo zusammen,

und zwar bin ich langsam mit meinem Latein am Ende. Aber ich fasse mal grob zusammen was ich seit knapp einem Jahr erlebt habe.

Ich habe Anfang 2020 mein privates KFZ zum Verkauf bei eBay reingestellt mit einem Mindestpreis auf Gebote (heißt, die Auktion ist erst gültig wenn der Mindestpreis welchen ich festgelegt habe startet und somit auch ein Kaufvertrag entsteht).

Ein paar Tage nach Start der Auktion bot jemand über den Mindestpreis und war somit Höchstbietender und ist somit auch einen rechtsverbindlichen Kaufvertrag eingegangen.

Zwei Tage danach, zog der Bieter sein Gebot zurück mit der Begründung, dass sich die Artikelbeschreibung erheblich geändert hätte (ist eine Option bei Ebay). Jedoch hatte ich die Artikelbeschreibung keinesfalls geändert, sondern vermutete dass es sich hierbei um einen Spaßbieter etc. handelt und habe diesen dann auch direkt angeschrieben, dass er vom Kaufvertrag (also sein Höchstgebot - Auktion lief ja noch) nicht zurücktreten kann.

Einen Tag später bot der selbe Bieter erneut jedoch weit unter dem Mindestpreis. Im Anschluss darauf, schrieb ich den Bieter erneut an, wobei hier keine Rekation von diesem kam.

Habe dann eBay kontaktiert, da ich rechtliche Schritte einleiten wollte und bekam dann auch im Tausch die Kontaktdaten des Bieters. Weiterhin wurde ich von eBay darauf hingewiesen, die Auktion abzubrechen, da der Bieter ja der Höchstbietende war vor Rückzug seines Gebots. Dies habe ich dann auch gemacht.

Ich habe dann zuerst per Einschreiben dem Bieter eine Frist von 14 Tagen gesetzt, dass dieser mit Abgabe seines Gebots einen rechtsverbindlichen Kaufvertrag eingegangen ist und das Fahrzeug bezahlen soll und jederzeit abholen kann. Der Rückschein des Einschreibens wurde von jemand anderem unterschrieben, was laut Anwalt jedoch kein Problem sein sollte, da dies als Zustellnachweis gilt.

Habe dann den Bieter erneut per Anschreiben benachrichtigt, erneut mit einer Frist von 14 Tagen, dass er das Fahrzeug bezahlen und abholen soll, ansonsten werde ich rechtliche Schritte einleiten. Daraufhin kam wieder keine Reaktion.

Es wurde somit alles an eine Anwaltskanzlei übergeben und heute bekam ich einen Anruf von meiner Anwaltskanzlei.


Hier kurz der Verlauf des letzten Jahres was über die Kanzlei und dem Bieter ablief:

- Es wurde Klage erhoben über den Zahlungsanspruch inkl. eines Vergleichsvorschlags
- Es wurde eine Verfügung des Gerichts ausgestellt mit einer Frist von zwei Wochen
- Knapp drei Wochen später kam ein Versäumnisurteil vom Gericht, dass der Beklagte (Bieter) nicht gemeldet hat und erneut zwei Wochen Zeit bekommt um sich beim Gericht zu melden
- Auch nach diesen zwei Wochen hat sich der Beklagte nicht gemeldet und somit erging ein Versäumnisurteil vom Gericht, sowie der Antrag auf eine Zwangsvollstreckung.
- Dann war der zuständige Gerichtsvollzieher für die Zwangsvollstreckung leider knapp 3 Monate im Krankenstand
- Kurz darauf kam vom Obergerichtsvollzieher ein Termin zur Abgabe der Vermögensauskunft des Beklagten um festzulegen wie die Erfolgsaussichten einer Zwangsvollstreckung sind. Zu diesem Termin hätte der Beklagte persönlich erscheinen sollen, ansonsten würde Haftbefehl erlassen werden.
- Dann passierte wieder einige Wochen gar nichts und dann kam wieder ein Schreiben von meiner Kanzlei, dass nochmal beim zuständigen Gerichtsvollzieher nachgefragt werde, wie der aktuelle Stand ist


Das war nun mal der gesamte Verlauf.


Heute rief mich mein Anwalt an um mir mitzuteilen, dass der Beklagte erst 13 Jahre alt ist und somit strafunmündig ist und wir hier fast keine Chancen mehr haben etwas zu machen.

Meine Frage hier ist nun, ist hier wirklich alles bereits ausgeschöpft? Ich fühle mich aktuell wirklich "verarscht" von unserem Rechtssystem. Es kann doch nicht sein, dass angeblich ein Minderjähriger einen Account bei eBay anlegt und auf Fahrzeuge für mehrere tausend Euro bietet um dann das o.g. in Anlauf zu bringen und dann auch noch ungestraft davon zu kommen.

Desweiteren wurde mir vom Anwalt mitgeteilt, dass der Vater anscheinend einen Gebrauchtwagenhandel hat. Ich will hier jetzt keine Behauptungen aufstellen, sondern lediglich mit meinem reinen menschlichen Verstand argumentieren. Aber ich glaube, dass der Vater, welcher den Gebrauchtwagenhandel hat Accounts im Namen seiner Kinder (sind anscheinend mehrere was meine Nachforschungen ergeben haben) erstellt um auf eBay oder sonstigen Plattformen die Verkäufer auszutricksen bzw. zu ärgern und in meinen Augen einen Kostenaufwand entstehen lässt welcher dann nicht mal von demjenigen eingefordert werden kann, da dieser ja angeblich strafunmündig ist.

Durch diesen Fall hatte ich aktuell auch folgende Kosten bzw. Verluste:

- Selbstbeteilung bei meiner Rechtsschutzversicherung
- Wertverlust des KFZ, da es nun fast 1 Jahr nur da stand (TÜV wurde vor Verkauf letzen Jahres komplett neu gemacht)
- eBay Gebühren für das Einstellen der Auktion usw.


Was mir ein Bekannter noch ans Herz gelegt hat, wobei ich hier nicht recht weiß ob das sinnvoll ist. Ich solle doch Anzeige gegen den Vater stellen, wegen Verletzung der Aufsichtspflicht usw.

Jedoch wollte mir die Kanzlei in der ich den Fall abgegeben haben hierzu nichts weiter sagen. Wäre dies sinnvoll um wenigstens einen kleinen Schritt zu machen um sowas zukünftig zu verhindern dass diese Familie bzw. "Organisation" so etwas nicht wieder machen kann?



Ich bedanke mich bereits im Voraus für jegliche Hilfe.

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(29319 Beiträge, 15947x hilfreich)

Ich solle doch Anzeige gegen den Vater stellen, wegen Verletzung der Aufsichtspflicht Ein solcher Straftatbestand existiert überhaupt nicht, weswegen man da auch nichts anzeigen kann.

Signatur:Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).
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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(87956 Beiträge, 35109x hilfreich)

Zitat (von Thermis):
ch fühle mich aktuell wirklich "verarscht" von unserem Rechtssystem.

Wieso vom Rechtssystem und nicht von dem der es tatsächlich macht?



Zitat (von Thermis):
Heute rief mich mein Anwalt an um mir mitzuteilen, dass der Beklagte erst 13 Jahre alt ist und somit strafunmündig ist

Da die Tatsache ob er strafmündig ist oder nicht, damit gar nichts zu tun hat, ob man diese Forderung durchsetzen kann, frage ich mich was der Anwalt eigentlich beruflich macht?



Zitat (von Thermis):
Aber ich glaube, dass der Vater, welcher den Gebrauchtwagenhandel hat Accounts im Namen seiner Kinder (sind anscheinend mehrere was meine Nachforschungen ergeben haben) erstellt

Was nicht unbedingt verboten ist...

Was illegal wäre, wenn er seine Kinder vorschieben würde.
Die volle Beweislast dafür würde man als Kläger selber tragen.


Aber eventuell teilt man eBay ja mal das Ergebnis unter Vorlage der Beweise mit? Die haben nämlich mitunter überhaupt kein Interesse an solcher "Kundschaft" ...


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#3
 Von 
lesen-denken-handeln
Status:
Schlichter
(7938 Beiträge, 3910x hilfreich)

Hallo

Zitat:
Da die Tatsache ob er strafmündig ist oder nicht, damit gar nichts zu tun hat, ob man diese Forderung durchsetzen kann, frage ich mich was der Anwalt eigentlich beruflich macht?
Evtl hat der TE das auc h ein wenig falsch verstanden? Mit der Strafmündigkeit hat das nichts zu tun, aber die Forderungen durchsetzen kann man trotzdem nicht, da hier kein rechtsgültiger KV vorliegt.

Der 13 Jährige konnte hier keinen rechtsgültigen KV abschliessen, nicht in diesem Preissegement!

Zitat:
Durch diesen Fall hatte ich aktuell auch folgende Kosten bzw. Verluste:
Das nennt sich einfach Kostenrisiko! Wenn man wie du rechtlich vorgeht, muss man auch mit dem Risiko rechnen, dass alles schief geht. So hier in deinem Fall geschehen. Diese Kosten wirst du alleine tragen.

Ansonsten, wende duich mal an EBAY und verlange von denen, dass diese Ihr System besser hinzubekommen haben, denn diese sind massgeblich schuld daran, da sie ihre "Kunden" nicht überprüfen...

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#4
 Von 
Kalanndok
Status:
Praktikant
(583 Beiträge, 111x hilfreich)

Dass kein Vertrag zustandegekommen ist, dürfte klar sein.

Den Schaden (Selbstbeteiligung und E-Bay-Gebühren) durch den Versuch den Vertrag nachzuweisen, könnte aber durchaus einklagbar sein. Der Wertverlust des Autos wohl nicht.
Der Junior könnte nämlich durchaus deliktsfähig sein (§ 828 BGB).
Aber selbst falls er nach diesem Paragraphen nicht deliktsfähig wäre, könnte immer noch § 829 BGB greifen, vor allem wenn Junior so ein Sparbuch hat auf dass seine Eltern regelmäßig was eingezahlt haben.

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#5
 Von 
essey
Status:
Schüler
(246 Beiträge, 62x hilfreich)

Haben sie schon einmal den Bieteraccount geprüft, ob es Bewertungen gibt, die er abgegeben oder bekommen hat.?
Wenn dort abgegebene oder erhaltene Bewertungen sind, die auf den Kauf / Verkauf eines Erwachsenen schließen lässt ( Autos, Motorräder usw. ) dann könnte man evtl. einen Anfangsverdacht haben, das der Vater Accounts im Namen der u-14 Kind/er erstellt.

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#6
 Von 
cirius32832
Status:
Bachelor
(3285 Beiträge, 928x hilfreich)

Zitat (von essey):
Wenn dort abgegebene oder erhaltene Bewertungen sind, die auf den Kauf / Verkauf eines Erwachsenen schließen lässt ( Autos, Motorräder usw. ) dann könnte man evtl. einen Anfangsverdacht haben, das der Vater Accounts im Namen der u-14 Kind/er erstellt.

Das ist meiner Ansicht nach ein guter Vorschlag. Sollte der Account darauf hindeuten dass ein Erwachsener dahintersteckt sollte man überlegen, dass ein sogenannter "Eingehungsbetrug" vorliegt. Das ist ein Antragsdelikt

Signatur:https://www.antispam-ev.de
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#7
 Von 
Sunrabbit
Status:
Schüler
(453 Beiträge, 75x hilfreich)

Meine persöhnliche Meinung: Ich kann nicht verstehen warum man sich sowas antut.

Es gab ein Gebot, welches zurückgezogen wurde. Na und? Das ist kein Beinbruch, das erzeugt keine Kosten. Nicht schön, aber ertragbar.

Daraus lässt man einen Rechtsstreit entstehen der viel Geld und Nerven kostet... und wo eigentlich von vorne herein klar war, das es ein hohes Risiko gibt auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Im Zweifel, wenn der MIndestpreis in der alten Auktion nicht erreicht worden wäre, hätte man einfach eine neue gestartet und gewartet bis man einen fairen Preis erhält. Das wäre einfach gewesen und unterm Strich sicher günstiger.

Ja sie sind vielleicht im Recht. Vielleicht auch nicht. Aber lohnt sich das ganze?

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