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Fairr: Riester so schnell wie möglich kündigen

11. April 2020 Thema abonnieren
 Von 
Zitronenelch
Status:
Beginner
(69 Beiträge, 13x hilfreich)
Fairr: Riester so schnell wie möglich kündigen

Hallo,

ich habe ein Problem mit meinem Riester-Anbieter Fairr. Ich hatte mich für Fairriester entschieden, weil dort meine Einzahlungen sowie die staatlichen Zulagen langfristig in Aktien und ETF angelegt werden und kein Market-Timing stattfindet, sondern nach einem starren Buy and Hold-Prinzip investiert wird.

Am 12. März wurden jedoch alle Aktienfonds und Aktien-ETFs von sämtlichen Anlegern verkauft. Das Geld der Kunden ist seitdem auf einem Verrechnungskonto geparkt. Erst am 20. März hat Fairr seine Anleger per Mail über diesen Schritt informiert.

Fairr, bzw. die dahinterstehende Sutor Bank, hat also das Gegenteil von dem getan, was das Produkt ursprünglich versprochen hatte. Buy and Hold bedeutet, eine Krise (wie durch Corona) stoisch auszusitzen. Mit den monatlichen Einzahlungen kauft man bei fallenden Kursen mehr Anteile und bei steigenden Kursen weniger. Auf gar keinen Fall verkauft man bei fallenden Kursen und setzt dann bei gestiegenen Kursen wieder ein! Und genau dieses Grundprinzip wurde nun über den Haufen geworfen. Obwohl ich noch 23 Jahre bis zur Rente habe, parkt jetzt ein fünfstelliger Betrag für unbestimmte Zeit auf einem unverzinsten Cash-Konto. Dieser Betrag ist niedriger als meine bisherigen Einzahlungen (ohne staatliche Zulagen) und da aktuell nicht auf dem Aktienmarkt investiert wird, kann ich einen Börsenaufschwung nicht mitnehmen.

Bisher hatte Finanztip Fairriester empfohlen und Fairr hatte mit dieser Empfehlung geworben. Jetzt schreibt Finanztip: „Im Zuge der Corona-Krise und den damit einhergehenden Verwerfungen an den Kapitalmärkten hat die Sutor Bank am 12. März 2020 jedoch entschieden, alle Aktienanlagen zu verkaufen. … Mit der Umschichtung hat Fairriester sich nach unserer Einschätzung von einem bisher transparenten Anlagemodell mit festen Aktienquoten verabschiedet. Da dieses Modell ein wichtiges Kriterium in unserer Analyse war und das jetzige Anlagemodell nicht klar kommuniziert und nachvollziehbar ist, setzen wir die Empfehlung Fairriester für Neukunden vorläufig aus."

Fairr hat Anfang April eine neue Produktbroschüre herausgegeben. In dieser steht nun, dass eine Portfoliosteuerung stattfinden kann, und der Punkt, in dem das Ablaufmanagement beschrieben wird (ein starrer Ablauf nach Jahren: Je näher die Rente kommt, desto weniger wird in Aktien und desto mehr in Anleihen umgeschichtet), wurde komplett gestrichen.

Aufgrund dieser Veränderungen habe ich den Vertrag im März beitragsfrei gestellt und möchte ihn gerne so schnell wie möglich kündigen und mein Geld (abzüglich Zulagen und Steuervorteile, die ich natürlich zurückzahlen muss) selbst in ETF anlegen.

Nun endlich meine Frage (sorry für so viel Text): Laut AGB habe ich eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Quartalsende. Ich möchte aber nicht bis 30. September warten und dann erst mein Geld investieren. Kann ich aufgrund der Änderungen und des Verhaltens seitens Fairr bzw. Sutor den Vertrag widerrufen oder von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen? Wie formuliere ich das Kündigungsschreiben entsprechend?


-- Editiert von Zitronenelch am 11.04.2020 11:09

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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Sir Berry
Status:
Unparteiischer
(9330 Beiträge, 2980x hilfreich)

Um Deine Frage nach einem außerordentlichen Kündigungsrecht beantworten zu können, müsste man die AGB des Anbieters kennen. Der erste zu prüfende Punkt wäre vermutlich ob die Sutor Bank die Anteile überhaupt verkaufen durfte - oder sogar musste um erkennbaren Schaden von den Anlegern abzuwenden.

Aber warum versuchts Du es nicht einfach. Möglicherweise ist die Bank sogar dankbar wenn sie Geld auszahlen kann.

Berry

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Zitronenelch
Status:
Beginner
(69 Beiträge, 13x hilfreich)

Zitat (von Sir Berry):
Um Deine Frage nach einem außerordentlichen Kündigungsrecht beantworten zu können, müsste man die AGB des Anbieters kennen. Der erste zu prüfende Punkt wäre vermutlich ob die Sutor Bank die Anteile überhaupt verkaufen durfte - oder sogar musste um erkennbaren Schaden von den Anlegern abzuwenden.

Aber warum versuchts Du es nicht einfach. Möglicherweise ist die Bank sogar dankbar wenn sie Geld auszahlen kann.

Berry


Okay, vielen Dank schon mal. Dann schreibe ich einfach, dass ich aufgrund der E-Mail vom 20. März von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch mache und um sofortige Auszahlung bitte - und sehe dann, wie die Sutor Bank reagiert.

Wie ist das denn gemeint, dass die Bank vielleicht sogar dankbar ist, wenn sie das Geld auszahlen kann? Wegen Negativzinsen?

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#3
 Von 
Sir Berry
Status:
Unparteiischer
(9330 Beiträge, 2980x hilfreich)

Zitat (von Zitronenelch):
Wegen Negativzinsen?


Ja, wenn die Bank diese zahlen muss.

Berry

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(17781 Beiträge, 8013x hilfreich)

Fallende Aktien zu verkaufen ist so mit das Dümmste, was man tun kann und ist üblicherweise einer der Hauptfehler von Kleinaktionären. Dass eine Bank so einen Blödsinn macht, hätte ich nicht gedacht. Sehr viele Aktien sind inzwischen wieder im Plus, wie üblich.
Ich finde den Ansatz mit der Aufforderung gut. Parallel könnte man schonmal seine Vertragsunterlagen durchsehen, ob die Buy and hold-Strategie dort vielleicht verschriftlicht ist.

Signatur:

Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln.

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Zitronenelch
Status:
Beginner
(69 Beiträge, 13x hilfreich)

Zitat (von altona01):
Parallel könnte man schonmal seine Vertragsunterlagen durchsehen, ob die Buy and hold-Strategie dort vielleicht verschriftlicht ist.


Hallo altona01,
in der 38-seitigen Produktbroschüre von 2018 stand: "Kapitalmarktrenditen werden nur erzielt, wenn Du als Anleger langfristig vollständig investiert bist. „Buy and hold" lautet die Strategie beim fairriester: Über viele Jahre in breit diversifizierte Fonds investieren und später von den Erträgen profitieren." Dieser Absatz fehlt in der neuen Broschüre von April 2020.

Außerdem gab es vor Corona einen Ablaufplan. Da war genau angegeben, wieviel Prozent des Vermögens in welchem Alter (bzw. in Jahren bis zur Rentenzahlung) in ETF und Fonds investiert werden und wie viele in Anleihen (Zu Beginn 100 Prozent Aktien, Anteil an Anleihen zur Rente hin immer mehr). Diesen Ablaufplan gibt es nun ebenfalls nicht mehr.

Im Produktionformationsblatt als Anhang zum Antragsformular steht: "Ansparphase: Ihre Beiträge werden im Rahmen einer Vermögensverwaltung durch die Max Heinr. Sutor oHG in börsengehandelte Index- bzw. Anlageklassenfonds angelegt. Ein auf dem Lebenszyklus basierendes Ablaufmanagement sichert eine laufzeitgerechte Anlage."

Und im Kleingedruckten steht: "Beitragsverwendung: Während der Ansparphase legt die Bank die Altersvorsorgebeiträge des Kunden (einschließlich Zulagen und Fondszahlungen) gemäß Ziffer 5 der Vertragsbedingungen für Altersvorsorgeverträge entsprechend der zum Zeitpunkt der jeweiligen Einzahlung verbleibenden Restlaufzeit der Ansparphase in ausgewählte Investmentvermögen („Fonds") an. Entsprechend der Restlaufzeit werden die Beiträge in Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds investiert. Mit geringer werdender Restlaufzeit finden regelmäßig kostenfreie Umschichtungen der Depots nach Vorgabe der Bank statt. Hierbei wird die Aktienquote bis zum Ende der Ansparphase systematisch verringert und die Renten- und Geldmarktquote erhöht."

Dem widerspricht meiner Auffassung nach der Verkauf sämtlicher Wertpapiere und ein komplett leeres Depot.


-- Editiert von Zitronenelch am 15.04.2020 11:25

2x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Zitronenelch
Status:
Beginner
(69 Beiträge, 13x hilfreich)

Kurzes Update: Ich hatte eine außerordentliche Kündigung wegen 
Abkehr von der Buy-and-Hold-Strategie und vom Anlagemodell mit festen Aktienanteilen gesendet. Als Frist für die Auszahlung hatte ich vier Wochen gegegeben.

Mir wurde nun geantwortet, dass die Auszahlung erst erfolgen kann, wenn die Rückmeldung gegeüber der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen abgeschlossen sei. Die Auszahlung erfolgt daher zwischen dem 10. und 15. Juli 2020.

Naja, besser als erst zum 30. September.

1x Hilfreiche Antwort

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