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Baugenehmigung (Grenzbebauung) für ein ca 1898 erbautes Haus gegen den Willen des Nachbarn (Baulast

 Von 
Gabi5554
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Baugenehmigung (Grenzbebauung) für ein ca 1898 erbautes Haus gegen den Willen des Nachbarn (Baulast

Habe vor ca. 30 Jahren ein altes Jugendstilhaus(Grundstück 16000qm/Wohnfläche 1600qm) gekauft.Nachdem ich das Haus verkaufen möchte habe ich festgestellt,das es für das ca 1898 erbaute Haus keine Baugenehmigung gibt.
Wollte also sofort eine Baugenehmigung beantragen,allerdings verweigerte mir ein Nachbar die Zustimmung, da das Haus zu nahe an der Grenze errichtet wurde.

Muss ich jetzt das 1898 erbaute Haus abreissen,wenn der Nachbar nicht einlenkt?

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Baugenehmigung Nachbar Haus Grenze


8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
spatenklopper
Status:
Junior-Partner
(5543 Beiträge, 2945x hilfreich)

Zitat (von Gabi5554):
Nachdem ich das Haus verkaufen möchte habe ich festgestellt,das es für das ca 1898 erbaute Haus keine Baugenehmigung gibt.

Sicher, oder ist einfach nur keine auffindbar?

Je nach Region ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Baugenehmigung einem der Weltkriege zum Opfer gefallen ist, ansonsten bleibt nur die Suche im Archiv.

Zitat (von Gabi5554):
Muss ich jetzt das 1898 erbaute Haus abreissen,wenn der Nachbar nicht einlenkt?

Möglich wäre das.


P.s.
Wäre das Gebäude nichts für den Denkmalschutz?..... ;)

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#2
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(32545 Beiträge, 11545x hilfreich)

Zitat:
Je nach Region ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Baugenehmigung einem der Weltkriege zum Opfer gefallen ist, ansonsten bleibt nur die Suche im Archiv.

Eine weitere Variante ist, dass im Jahre 1898 noch gar keine Baugenehmigung erforderlich war. Zu damaliger Zeit gab es noch kein einheitliches Städtebaurecht, das auch nur ansatzweise mit dem heutigen BauGB vergleichbar war.

Zitat:
Muss ich jetzt das 1898 erbaute Haus abreissen, wenn der Nachbar nicht einlenkt?

Wenn das im Jahre 1898 geltende Recht eingehalten wurde, dann gilt für das Haus Bestandsschutz.

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#3
 Von 
hausfrau66
Status:
Praktikant
(782 Beiträge, 586x hilfreich)

Zitat:
Habe vor ca. 30 Jahren ein altes Jugendstilhaus(Grundstück 16000qm/Wohnfläche 1600qm) gekauft.Nachdem ich das Haus verkaufen möchte habe ich festgestellt,das es für das ca 1898 erbaute Haus keine Baugenehmigung gibt.

Wer verlangt die Baugenehmigung ?

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#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(62883 Beiträge, 30732x hilfreich)

Zitat (von hausfrau66):
Wer verlangt die Baugenehmigung ?

Umsichtige Verkäufer? Die werden immer erstmal die Frage nach der Baugenehmigung - oder was gleichwertigem - stellen.



Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#5
 Von 
Baufreak
Status:
Frischling
(15 Beiträge, 9x hilfreich)

Zitat (von hh):
Zitat:
Je nach Region ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Baugenehmigung einem der Weltkriege zum Opfer gefallen ist, ansonsten bleibt nur die Suche im Archiv.

Eine weitere Variante ist, dass im Jahre 1898 noch gar keine Baugenehmigung erforderlich war. Zu damaliger Zeit gab es noch kein einheitliches Städtebaurecht, das auch nur ansatzweise mit dem heutigen BauGB vergleichbar war.

Das ist eher unwahrscheinlich. Auch im 19. Jahrhundert gab es schon baurechtliche Vorschriften, den den heutigen gar nicht so unähnlich sind. Zwar kein "einheitliches" Städtebaurecht wie das BauGB sondern in den einzelnen Ländern, aber die Genehmigungspflicht ist ja auch heute noch in den Bauordnungen der Bundesländer geregelt. Vielleicht lohnt ja der Blick in damals geltende Bauordnung, wobei ein Wohnhaus mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 1898 genehmigungspflichtig gewesen sein dürfte.

Gibt es für das Gebäude gar keine Bauakte? Nicht bei der Bauaufsicht, nicht bei der Gemeinde und nicht beim Archiv? Oder gibt es eine Akte, aber die enthält keine Baugenehmigung?

Wichtig ist zu klären, ob das Gebäude mit seinem zu geringen Abstand irgendwann mal genehmigungsfähig gewesen wäre. Also ob zum Zeitpunkt des Baus oder später ein Baurecht galt, nachdem das Gebäude so zulässig war. Dann kann man versuchen, auch ohne Baugenehmigung, auf Bestandsschutz zu plädieren, so dass es einer Zustimmung des Nachbarn nicht bedarf.

Als letztes wäre noch die Frage zu stellen, ob es in Abhängigkeit vom Grenzabstand Brandschutzanforderungen zu stelle gäbe. Hier kann es sein, dass im Fall von vorhandenen Fensteröffnungen diese damals nach der Genehmigung bzw. der nach Bauordnung direkt geltenden Rechtslage nicht dauerhaft zugelassen wurden.

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#6
 Von 
Baufreak
Status:
Frischling
(15 Beiträge, 9x hilfreich)

Zitat (von hh):
Zitat:
Je nach Region ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Baugenehmigung einem der Weltkriege zum Opfer gefallen ist, ansonsten bleibt nur die Suche im Archiv.

Eine weitere Variante ist, dass im Jahre 1898 noch gar keine Baugenehmigung erforderlich war. Zu damaliger Zeit gab es noch kein einheitliches Städtebaurecht, das auch nur ansatzweise mit dem heutigen BauGB vergleichbar war.

Das ist eher unwahrscheinlich. Auch im 19. Jahrhundert gab es schon baurechtliche Vorschriften, den den heutigen gar nicht so unähnlich sind. Zwar kein "einheitliches" Städtebaurecht wie das BauGB sondern in den einzelnen Ländern, aber die Genehmigungspflicht ist ja auch heute noch in den Bauordnungen der Bundesländer geregelt. Vielleicht lohnt ja der Blick in damals geltende Bauordnung, wobei ein Wohnhaus mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 1898 genehmigungspflichtig gewesen sein dürfte.

Gibt es für das Gebäude gar keine Bauakte? Nicht bei der Bauaufsicht, nicht bei der Gemeinde und nicht beim Archiv? Oder gibt es eine Akte, aber die enthält keine Baugenehmigung?

Wichtig ist zu klären, ob das Gebäude mit seinem zu geringen Abstand irgendwann mal genehmigungsfähig gewesen wäre. Also ob zum Zeitpunkt des Baus oder später ein Baurecht galt, nachdem das Gebäude so zulässig war. Dann kann man versuchen, auch ohne Baugenehmigung, auf Bestandsschutz zu plädieren, so dass es einer Zustimmung des Nachbarn nicht bedarf.

Als letztes wäre noch die Frage zu stellen, ob es in Abhängigkeit vom Grenzabstand Brandschutzanforderungen zu stelle gäbe. Hier kann es sein, dass im Fall von vorhandenen Fensteröffnungen diese damals nach der Genehmigung bzw. der nach Bauordnung direkt geltenden Rechtslage nicht dauerhaft zugelassen wurden.

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#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(32545 Beiträge, 11545x hilfreich)

Zitat:
Auch im 19. Jahrhundert gab es schon baurechtliche Vorschriften, den den heutigen gar nicht so unähnlich sind.

Irgendwie meinte ich im Hinterkopf zu haben, dass das erst in den 1930er Jahren eingeführt wurde. Da habe ich mich aber wohl geirrt.

Nun habe ich aber die Bayerische Bauordnung von 1890 gefunden, die in § 6 bereits eine baupolizeiliche Genehmigung fordert. Allerdings findet man in dieser Bauordnung nichts zur Einhaltung von Grenzabständen.

Und dann ein Zitat aus einem Buch über das preußische Baupolizeirecht von 1926:
Innerhalb der Grenzen seines Eigentums kann der Eigentümer nach den aus dem Eigentum an Grund und Boden fließenden Befugnissen so nahe an die Grenze und so hoch bauen als er es für gut findet (§ 141 ALR I 8) und soweit er nicht in seiner Baubefugnis rechtlich beschränkt ist.

ALR = Allgemeines Landrecht für die Preußischen Staaten

Das Zitat gilt nicht wirklich so unbeschränkt, wie es den Anschein macht. Jedoch deutet es darauf hin, dass es auch in Preußen im Jahre 1898 noch keine Vorschriften zu Grenzabständen gab. Da es damals auch noch regionale Vorschriften gab, ist das damalige Baurecht durchaus unübersichtlich gewesen.

Letztlich wird man wohl einen Experten im Bauaufsichtsamt befragen müssen, welche Bauvorschriften im Jahre 1898 galten.

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#8
 Von 
guest-12311.06.2018 09:37:31
Status:
Bachelor
(3694 Beiträge, 1355x hilfreich)

Ich würde das Haus einfach verkaufen. Eine Baugenehmigung vorzulegen nach 120 Jahren ist nicht nötig. Die dürfte für sehr viele alte Gebäude nicht (mehr) existieren.

Vor ein paar Jahren war ich in den Verkauf eines Hauses aus den 1920ern involviert. Keiner der über 40 Interessenten ist auf die Idee gekommen, nach einer Baugenehmigung zu fragen. Die Behörden kommen auch nicht auf so eine Idee.

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