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Datenweitergabe / Sammlung ohne Einverständnis

11.11.2019 Thema abonnieren
 Von 
abi2015
Status:
Beginner
(58 Beiträge, 4x hilfreich)
Datenweitergabe / Sammlung ohne Einverständnis

Hallo, ich hatte gestern einen Anruf einer mir unbekannten Firma.
Die Dame am Telefon informierte mich, dass sie meinen Namen und Telefonnummer von Frau X, eine entfernte Bekannte von mir, erhalten habe, bei der sie eine Vermögensberatung durch führt und die sie gefragt habe, für wen ihrer Freunden dieser Service noch interessant sein könnte.

Ich habe natürlich abgelehnt und diese Bekannte angerufen und nachgefragt.
Es scheint die Masche zu sein, die auch bei einigen Staubsaugerverkäufern bekannt ist:
Gib mir die Daten von 5 Freunden, denen ich ein Angebot machen kann und du bekommst 20% Rabatt.

Ich gehe davon aus, dass die Datenweitergabe ohne mein Einverständnis eine Datenschutzverletzung ist und dass diese in meinem Fall von Frau X begangen wurde.

Begeht aber nicht auch die Firma durch die Speicherung dieser Daten eine Datenschutzverletzung?
Die Firma weiß ja, dass Frau X nicht erst 5 Freunde angerufen hat um zu erfragen, ob sie die Daten weiter geben darf.

Und wie sieht es in diesem Fall bezüglich Werbung ohne Zustimmung aus?

Danke und schönen Abend
LG Abi2015

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4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
kalledelhaie
Status:
Beginner
(128 Beiträge, 25x hilfreich)

Moin,

kurz: Datenschutz heißt nicht, dass jetzt jeder zum Wächter von Geheimnissen wird.
Das Fehlverhalten ist ausschließlich auf seiten der Firma zu suchen.
Das Datenschutzgesetz oder auch die DSGVO verfolgen - vereinfacht - das Ziel, dass jeder der automatisiert oder mit einem System personenbezogene Daten verarbeitet nur Daten verarbeitet bei denen die Verarbeitung erlaubt ist.

Hier ist der erste Ansatz / das Fehlverhalten:
Die Daten bei Dritten (der Frau) abzufragen und Firmenintern zu Kontaktzwecken zu verarbeiten. Das ist - vereinfacht - nur dann erlaubt (die drei Hauptfälle), wenn dies:
Auf Basis einer Einwilligung erfolgt (nicht geschehen).
Zur Vertragsdurchführung notwendig ist (hier nicht vorliegend, auch nicht vorvertraglich, da du selbst ja nicht an die Firma herangetreten bist)
Aufgrund einer Interessensabwägung, weil der Zweck der Verarbeitung deinem Interesse an "Schutz" überwiegt. (Hier anhand deiner Informationen kaum haltbar zu argumentieren.)

Das Du daraufhin angerufen wurdest (Cold Call) kann zudem - neben den datenschutzrechtlichen Bedenken der Verarbeitung deiner Daten (Abfrage bei der Frau, Speicherung, etc.) gegen das UWG als unzulässige wettbewerbliche Praxis zu werten sein.

Was kannst Du tun?

Wenn dich das richtig annervt und du den Firmennamen hast, bietet sich eine Missbrauchsanzeige bei der zuständigen Aufsichtsbehörde an (je Bundesland), die längst nicht mehr so "zahnlos" und "machtlos" sind, wie sie es vor einigen Jahren noch waren. (Datenschutzproblem)
Darüber hinaus kann man, bei der BNetzA den unerwünschten Anruf melden, die diese Sammeln und ab einer gewissen schwelle auch hier tätig werden. (Cold Call).

Für beides findest du mit kurzem googlen Online-Formulare.

grüße

Signatur:Bei den von mir vertretenen Meinungen handelt sich um rein private Einschätzungen, die eine professi
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#2
 Von 
drkabo
Status:
Gelehrter
(10663 Beiträge, 7536x hilfreich)

Zitat:
Ich gehe davon aus, dass die Datenweitergabe ohne mein Einverständnis eine Datenschutzverletzung ist und dass diese in meinem Fall von Frau X begangen wurde.

Nein, da Frau X weder Daten verarbeitet, geschäftsmäßig speichert noch sonstwie eine Datenverarbeitungsanlage betreibt.

Zitat:
Die Firma weiß ja, dass Frau X nicht erst 5 Freunde angerufen hat um zu erfragen, ob sie die Daten weiter geben darf.

Ja, aber die Firma wird behaupten, dass Frau X versichert habe, dass die Freunde mit der Datenweitergabe einverstanden sind und man sich auf Frau X verlassen habe.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#3
 Von 
kalledelhaie
Status:
Beginner
(128 Beiträge, 25x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Ja, aber die Firma wird behaupten, dass Frau X versichert habe, dass die Freunde mit der Datenweitergabe einverstanden sind und man sich auf Frau X verlassen habe.

Behaupten können die viel.

Im Datenschutzrecht gilt jedoch eine Beweislastumkehr, bei der die verantwortliche Stelle die Zulässigkeit der Verarbeitung nachweisen muss. Eine wie auch immer geartete Berufung auf ein (vermeintlich tatsächliches) Interesse, wenn der Standardprozess: Adresse gegen Geld (oder Rabatt) lautet, wird m.E. einer datenschutzrechtlichen wie auch wettbewerbsrechtlichen Prüfung nicht standhalten.

Grüße

Signatur:Bei den von mir vertretenen Meinungen handelt sich um rein private Einschätzungen, die eine professi
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#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(73426 Beiträge, 32751x hilfreich)

Zitat (von kalledelhaie):
Die Daten bei Dritten (der Frau) abzufragen und Firmenintern zu Kontaktzwecken zu verarbeiten.

Das ist die Frage, fand überhaupt eine Verarbeitung der Daten gemäß DSGVO statt.

Wenn die Dame am Telefon sich die Daten nur gemerkt hat, dann kann man das ganze DSGVO-Arsenal eh vergessen.



Zitat (von kalledelhaie):
Das Du daraufhin angerufen wurdest (Cold Call) kann zudem - ...gegen das UWG als unzulässige wettbewerbliche Praxis zu werten sein.

Darüber hinaus kann der Verbraucher auch hier einen Unterlassungsanspruch geltend machen.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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