Anwaltspflicht über Testament

3. Juli 2024 Thema abonnieren
 Von 
KarlFranz
Status:
Schüler
(230 Beiträge, 16x hilfreich)
Anwaltspflicht über Testament

Hallo zusammen,

jetzt muss ich meinen Fall noch einmal aufrollen da eine gütliche Einigung mit dem Erben derzeit nicht möglich ist.

Folgender Fall:

Unser Vater ist vor 20 Jahren nach Mallorca ausgewandert und wir Kinder haben dies erst über das deutsche Nachlassgericht Mitte 2022 erfahren das er dort verstorben ist.

Es gibt einen deutschen Erbvertrag der uns Kinder, als auch die Schwester der vorverstorbenen zweiten Ehefrau als Erben eingesetzt hat. Aufgrund der spanischen Gesetzgebung werden dort keine Erben gesucht sondern man muss sich dort selber als Erbe ausweisen und das deutsche Nachlassgericht hat aufgrund der Nichtzuständigkeit (Tod in Spanien) nicht unterstützt. Mittlerweile wurde nach fast 2 Jahren Suche die Schwester gefunden so dass der deutsche Erbvertrag umgesetzt werden konnte.

Um jedoch Hinweise bzw. Unterstützung gegenüber den spanischen Behörden zu bekommen wurden Anfang 2023 mehrere Anwaltskanzleien auf Mallorca angeschrieben, von denen nur einer seine Unterstützung zugesagt hat. Daher sind wir im März 2023 nach Mallorca geflogen um diverse Angelegenheiten zu regeln und auch seinen Nachbarn besucht.
Allerdings haben wir Kinder auch die Information herausgefunden das er kurz vor seinem Tod noch ein zweites Testament erstellt hat bei der wir Kinder enterbt sind und seinen Nachbarn als Alleinerben eingesetzt hat, allerdings bleibt hiervon der deutsche Erbvertrag gültig und das spanische Testament nur das Nachlassvermögen in Spanien betrifft (allerdings unter Anwendung des deutschen Erbschaftrechts). Da unser Vater allerdings kaum Spanischkenntnisse hatte wurde dieses Testament beim einem Notar mit einem dort ansässigen Rechtsanwalt aufgesetzt. Komischerweise wurde diese Anwaltskanzlei ebenfalls von mir angeschrieben und seine Rückantwort war das er diesen Fall nicht übernehmen kann.

Daher jetzt meine Fragen(n):

Wäre er als Anwalt nicht verpflichtet gewesen uns über das neue Testament zu informieren?
- Auf seiner Homepage schreibt er noch großschnäuzig das die Unterschlagung eines Testaments eine strafbare Handlung ist

Sein Nachbar als Alleinerbe hat wenige Wochen vor dem Tod unseres Vaters einen Pflegevertrag mit Ihm über € 30.000 geschlossen, damit der uns Kindern zustehende Pflichtteil reduziert wird?
- Kann dies irgendwie angefochten werden?
- Oder hört beim Geld wirklich die Freundschaft auf?

Wir Kinder und die Schwester der vorverstorbenen zweiten Ehefrau haben ein Feld geerbt und dies soll in die Erbmasse eingerechnet werden. Damit haben wir ja kein Problem, allerdings ist dessen Anwalt in Mallorca mit Google Earth über das gesagte Feld geflogen und behauptet dies sei Ackerland. Dieses Feld ist verpachtet und der Pächter nutzt dieses seit ewiger Zeit als Dauergrünwald. Dementsprechen gehen die Wertvorstellungen sehr weit auseinander damit verhindert wird das wir Kinder etwas aus der Erbmasse aus Spanien bekommen.

Für hilfreiche Aussagen wäre ich dankbar.

VG,
KarlFranz



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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(122671 Beiträge, 40166x hilfreich)

Zitat (von KarlFranz):
Komischerweise wurde diese Anwaltskanzlei ebenfalls von mir angeschrieben und seine Rückantwort war das er diesen Fall nicht übernehmen kann.
Das dürfte
Nun, vermutlich wird es aufgrund der Konflikte auch in Spanien nicht erlaubt sein, dass man auch die Gegenseite vertritt.



Zitat (von KarlFranz):
Wäre er als Anwalt nicht verpflichtet gewesen uns über das neue Testament zu informieren?

Zitat (von KarlFranz):
- Kann dies irgendwie angefochten werden?

Das dürfte davon abhängig sein, was konkret die spanische Gesetzgebung und die spanische Rechtsprechung dazu besagen.

Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass der Anwalt bei einem neuen Testament eine Informationspflicht an sämtliche Betroffenen hätte - dazu fehlt es schlicht an den notwendigen hellsehereichen Fähigkeiten.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#2
 Von 
KarlFranz
Status:
Schüler
(230 Beiträge, 16x hilfreich)

Das denke ich auch genauso mit dem Interessenkonflikt da er ja dabei war als unser Vater ein neues Testament erstellt hat. Aber ich denke er hätte auch antworten können das er den Fall nicht übernehmen kann und "ja, Ihr Vater hat ein neues Testament in Spanien erstellt".

Wenigstens war er (oder unser Vater) so schlau das der Passus enthalten ist das nach deutschen Erbrecht alles abgewickelt werden soll. Nach spanischem Erbrecht würde nämlich eine Informationspflicht bestehen wenn er Kenntnis eines neuen Testamentes hatte. Ansonsten kann dort sein Nachbar als Alleinerbe enterbt werden. Ausserdem können in Spanien Kinder nicht enterbt werden und der Pflichtteil liegt auch höher als in Deutschland.

Trotzdem vielen Dank für die Auskunft,
Karl Franz

PS. Vielleicht noch zum Verständnis:
Unser Vater ist vor 20 Jahren ausgewandert und hat nur einen Brief hinterlassen das er mit seinen Kindern nichts mehr zu tun haben möchte. Und das obwohl wir denke ich ein gutes Verhältnis bis dahin hatten.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39029 Beiträge, 14092x hilfreich)

Ich denke, es gab einen Erbvertrag? Was war eigentlich der Inhalt? Und wie wurde der geschlossen?

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
cruncc1
Status:
Richter
(8155 Beiträge, 4539x hilfreich)

Die entscheidende Frage ist, welches Erbrecht zum Tragen kommt.

Nach deutschem Recht kann i.d.R. kein anderweitiges Testament erstellt werden, wenn es einen notariellen Erbvertrag gibt.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
ratatata
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 2x hilfreich)

Zitat (von KarlFranz):
Wäre er als Anwalt nicht verpflichtet gewesen uns über das neue Testament zu informieren?
- Auf seiner Homepage schreibt er noch großschnäuzig das die Unterschlagung eines Testaments eine strafbare Handlung ist


Ich gehe mal davon aus, dass damit die Nichtabgabe beim Nachlassgericht gemeint ist. Zumindest in Deutschland hätte er keinerlei Verpflichtungen euch gegenüber.

-- Editiert von User am 4. Juli 2024 21:45

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
KarlFranz
Status:
Schüler
(230 Beiträge, 16x hilfreich)

Der deutche Erbvertrag war ein Berliner Testament allerdings steht dort auch das der Überlebende Partner dieses Testament danach einseitig verändern kann. In diesem Erbvertrag steht das je zu 1/3 die beiden Kinder (sprich meine Schwester und ich) sowie eine uns bis dahin unbekannte Schwester von unserer Stiefmutter erbt. In diesem Erbvertrag war kein Name angegeben und wir wussten nur das diese Schwester in Polen geboren ist. Nach fast 2 Jahren Suche haben wir dann die Schwester gefunden.

Das spanische Testament bezieht sich nur auf das Nachlassvermögen in Spanien aber der deutsche Erbvertrag bleibt gültig. Dies bezieht sich auf eine Erbengemeinschaft unserer Oma, die ein Feld an 6 Erben vererbt hatte. Der Anteil des Vaters wurde letzte Woche jetzt auf die neuen 3 Erben überschrieben so dass es nur noch um das Nachlassvermögen in Spanien geht.

Leider verweigert der in Spanien ansässige Notar die unterschriebene Herausgabe des spanischen Testaments. Der Notar hat mir dies zwar geschickt aber eben nicht die letzte Seite mit der Unterschrift. Das volle Testament kann zwar über ein Zentralregister in Madrid angefordert werden aber dazu fehlen die Spanischkenntnisse dies anzufordern. Und wenn dies rechtskräftig ist muss dies an dieses Zentralregister gemeldet werden, andernfalls ist es nicht rechtsgültig.

Wir haben bei unserem Besuch auf Mallorca im März 2023 diesen Nachbarn besucht der uns nur mündlich bestätigt hatte das er unseren Vater kurz vor seinem Tod zu einem Notar gefahren hat aber die Auskunft verweigert welcher Notar. Erst durch Nachforschungen kam jetzt heraus das er sich bereits im August 2022 mit diesem Testament das Nachlassvermögen gesichert hat. Angeblich hat er dafür auch Erbschaftssteuer von ca.
€ 9.000 bezahlt. Umso unverständlicher da wie oben erwähnt Kinder in Spanien nicht enterbt werden können. Und in Spanien ist er auch so das erst ein Nachweis über die Bezahlung der Erbschaftssteuer vorliegen muss um einen Zugriff auf das Bankonto zu haben.

VG,
KarlFranz

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39029 Beiträge, 14092x hilfreich)

Also kein Erbvertrag, sondern ein Berliner Testament. Okay, dieses kann dann noch verändert werden vom Überlebenden. Und da sind wir dann nach meiner vorsichtigen Einschätzung in Deutschland am Ende der Fahnenstange angekommen. Ich bin deshalb so vorsichtig, einfach wenn man nicht mal einfachste Begriffe falsch einsetzt, wird es schwierig ohne Kenntnis der Unterlangen.

Abgesehen davon gilt für Immobilieneigentum in der Regel Landesrecht, kann in Spanien also anders sein als in Deutschland. Und, der Verstorbene hatte das Recht, das Testament abzuändern. Wie jetzt das spanische Testament abzuwickeln ist, dass muss dort entschieden werden.

wirdwerden

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